Anzeige

Anzeige

Kolumne: Neueste Nachrichten aus der Achselhöhle

Fred Grimm (Foto: Rebecca Hoppe)
Fred Grimm Autor von „Shopping hilft die Welt verbessern“, schreibt hier über gute grüne Vorsätze – und das, was dazwischenkommt. (Foto: Rebecca Hoppe)

Neulich las ich in dem wunderbaren Magazin „Fantastic Man“ ein Interview mit einem belgischen Mikrobiologen, der sich einem eher ungewöhnlichen Forschungsgegenstand verschrieben hat: Dr. Chris Callewaerth studiert Achselhöhlenschweiß. Ihn beschäftigt die Frage, warum diese Ausdünstungen von Mensch zu Mensch so unterschiedlich wahrgenommen werden. Während wir uns glücklich in die Arme jener Menschen kuscheln, die wir, im Wortsinne, gut riechen können, erfüllt uns der Geruch manch anderer mit Unbehagen. Selbst an eisigen Wintertagen reißen wir die Fenster auf und beneiden jene, die sich gerade einen Schnupfen gefangen haben. Unser Gesicht sieht dabei in etwa so aus wie das von Kanzlerin Merkel, wenn sie mit Horst Seehofer telefoniert.

Dr. Callewaerth, der Forscher, rekrutierte für seine Studien schnupfenfreie Studierende, die verschiedene Achselhöhlenschweißgeruchsproben auf einer Skala von plus 8 („Sehr angenehm!“) bis minus 8 bewerteten. Mit erstaunlichem Resultat. Denn anders als vermutet, schnitten nicht etwa die Proben jener Menschen besonders gut ab, die mindestens einmal am Tag unter der Dusche stehen. Tatsächlich schnupperten die Studierenden auch sehr gern an Proben von Menschen, deren letzte Ganzkörperreinigung bereits ein paar Tage zurücklag. Bei weitergehenden Untersuchungen machte Dr. Callewaerth schließlich die erstaunliche Beobachtung, dass der Körpergeruch besonders übel beurteilter Probanden nach ein paar Tagen ohne Waschen besser bewertet wurde als vorher. Unsere Körper reinigen sich also, nach einiger Zeit, sozusagen von selbst.

Natürlich sollten Sie diese Kolumne besser nicht den Waschphobikern in Ihrem Umfeld zeigen – wie dem duschfaulen Teenagersohn, dessen Jungmännerschweiß penetrant in der Luft steht wie die Parfümwolken auf der Hamburger Reeperbahn. Oder dem Kollegen, dem morgens immer die Zeit zum Duschen fehlt, der aber jede Zimmerlüftung als Anschlag auf seine Gesundheit ablehnt. Doch von solchen Ausnahmen abgesehen, stützen die Studien von Dr. Callewaerth einen zutiefst humanen und, nebenbei, auch ökologischen Gedanken: Wir sollten uns nicht von der Angst, wir könnten stinken, täglich unter die Dusche treiben lassen und so unsere persönliche Öko-Bilanz ruinieren. Jeder ehrliche Hautarzt wird bestätigen, dass zwei Duschen pro Woche bei regelmäßigem Einsatz eines Waschlappens das Beste sind, was Sie für Ihre Haut tun können. Reißt man trotzdem das Fenster auf, sobald Sie den Raum betreten, hilft Ihnen vielleicht die neueste Versuchsreihe von Dr. Callewaerth. Je länger man ein Baumwoll-Shirt trägt, ohne es zu waschen, umso stärker wird unter den Achseln die körpereigene Produktion wohl riechender Mikrobakterien angeregt, lautet seine Hypothese. Ich muss gestehen, da warte ich mal die Forschungsergebnisse ab.

Erschienen in Ausgabe 02/2016
Rubrik: Leben&Umwelt

Add a comment

Kommentar­bild via Gravatar

incl. 'http://'
wally

Der Körpergeruch entscheidet über den passenden Sexualpartner und gibt Aufschluss über unseren Gesundheitszustand. Er kann durch Medikamente verändert werden.

Waltraud Henzler

Guten Tag, Herr Grimm,
dass man nicht jeden Tag duschen soll, sagte mir schon vor vielen Jahren meine Ärztin, da ich eine sehr empfindliche und leicht juckenede Haut habe. Setze, wie Sie schreiben, den Waschlappen ein.
Ein Problem ergibt sich nur immer im Urlaub: in fast keiner Unterkunft sind Waschlappen vorgesehen! Wohin damit? Selbst Haken mitbringen, das Waschbecken drapieren, über die Duschstange hängen - sieht zwar nicht schön aus, sonst bleibt aber
keine Lösung.
Freundliche Grüße