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Inez Bjørg David: „Ich bin davon überzeugt“

Schauspielerin Inez Bjørg David
Was ihr in Deutschland fehle? „Wenn man in Kopenhagen groß wird, ist das Erste, was einem woanders auffällt, dass es nirgendwo richtige Fahrradwege gibt“, bedauert die Wahl-Berlinerin Inez Bjørg David.

Die Schauspielerin Inez Bjørg David will eine komplett nachhaltige Modekollektion schaffen, einen eigenen Shop mit Öko-Mode hat sie schon. Wo das alles hinführen soll? In eine neue Welt natürlich! // Uta Gensichen, Fotos: Miriam Knickriem

Dein Blog „nye verden“ heißt übersetzt „Neue Welt“. Wie sähe für dich eine neue Welt aus?

Wir sind ja schon in der neuen Welt. Ich hoffe, dass es weitergeht mit der Öko-Bewegung. Neue Welt meint für mich auch eine bestimmte Art, mit Menschen umzugehen. Wir sollten dezentralisierte Gesellschaften schaffen, wo Menschen echte Verbindungen zueinander eingehen können und nicht überfordert sind von zu viel Informationen – und man nicht einmal weiß, mit wem man in einem Haus wohnt.

Kennst du alle deine Nachbarn in Berlin?

Das Haus, in dem ich wohne, ist riesig und ich kenne dort einige, aber längst nicht alle. Das kann man ja auch gar nicht, so wie die Gesellschaft momentan strukturiert ist. Man hat ja seine Familie, und man sucht sich seine Community, in der man sich wohlfühlt. Da ich Yoga mache, habe ich natürlich ganz viele Freunde und Bekannte, die ebenfalls Yoga machen. Irgendwo ist ja auch eine Grenze. Man kann sich nicht von morgens bis abends mit Menschen oder Entscheidungen beschäftigen. Und deshalb finde ich es auch so wichtig, dass man so etwas hat wie seinen Bio-Laden um die Ecke, wo man sich viele Entscheidungen einsparen kann.

Wie bringst du zeitlich alles unter einen Hut – deinen OnlineShop, den Laden, die Schauspielerei, die Kinder und das Haus auf dem Lande?

Ich hätte auch gerne, dass mein Tag ein paar Stunden mehr hat. Aber man muss auch sagen, dass ich ja nicht alleine bin. Mein Mann Mirko macht viel und wir teilen uns die Verantwortung, was die Kinder angeht. Ich glaube, es macht viel aus, ob ich das als Frau alleine mache, oder ob es einen Mann gibt, der mitzieht. Und außerdem mache ich nicht gerne nichts.

Wie passt das mit Yoga und Meditieren zusammen, dass du nicht so gerne „nichts“ machst?

Aber du machst ganz viel bei der Meditation. Du sitzt ja nicht auf dem Sofa und guckst einen Tatort nach dem anderen. Bei dem Kundalini-Yoga, das ich mache, dreht sich alles um die Meditation. Und wenn ich mir die Zeit dafür nehme, dann bekommt mein Tag tatsächlich mehr Stunden, weil ich Energie habe und abends um zehn immer noch fit bin.

Yoga baut auf Achtsamkeit auf. Inwiefern achtest du bei deinem Online-Shop auf die Achtsamkeit mit der Natur, also auf nachhaltige Kleidung?

Alle Produkte meines Shops sind nachhaltig. Es ist aber etwas kompliziert. Anfangs dachte ich, dass ich bei der Auswahl einfach nach den Zertifikaten gucken kann, doch so einfach ist es nicht. Denn viele Labels haben gar keine Zertifikate. Zum einen, weil sie es sich nicht leisten können und weil manchmal die Meinung vorherrscht, dass man kein Zertifikat braucht. Und dann muss man eben etwas mehr recherchieren, aber das ist ja genau die Idee: Dass wir die Kleidung einkaufen und der Kunde eben nicht mehr nachprüfen muss, sondern einfach shoppen kann.

Das hört sich nach sehr viel Zeit an, die du da investierst.

Und es ist mehr Zeit und schwieriger, als ich zu Beginn dachte. Es gibt zum Beispiel nachhaltige Labels, wo die Mode dann doch nicht mit Bio-Baumwolle gemacht ist, wo man erst einmal nach den Gründen fragen muss. Wieder andere Labels entscheiden sich bei einem Kleidungsstück für einen Stoff, der sich zwar gut trägt, der aber nicht bio ist. Die Labels achten natürlich auf Aussehen und Tragekomfort, was gut ist. Denn auch das ist Nachhaltigkeit, wenn der Kunde ein Stück gerne trägt und es nicht ausleiert oder so. Das Ganze ist also sehr differenziert.

Gibt es bestimmte Marken, die du immer wieder anbietest und wo du schon gar nicht mehr recherchieren musst?

Nein, ich recherchiere immer nach. Ich lehne mich immer so ein bisschen daran an, wer auf dem Ethical Fashion Show Floor ausstellt, weil es dort bereits überprüft wird. Bei der Show müssen etwa 70 Prozent der kompletten Produktion nachhaltig sein. Das heißt, wenn die da ausgestellt haben, dann sind die schon mal nicht ganz schlecht. Trotzdem muss ich natürlich immer wieder gucken und auch auf die einzelnen Kleidungsstücke schauen.

Stehst du eigentlich selbst noch in deinem Laden in Berlin?

Wenn ich da bin, dann schon. Aber in der Regel eher nicht, weil ich dafür viel zu viel unterwegs bin. Ich mache derzeit beispielsweise auch noch eine eigene Kollektion – und das fordert sehr viel Zeit und sehr viel Energie. Diese Kollektion hat das Ziel, 100 Prozent nachhaltig zu sein. Ich bin sehr davon überzeugt, dass wir das schaffen.

Wie macht man denn eine eigene Kollektion? Das hört sich so einfach an, wenn du das sagst ...

Das schwierige daran ist tatsächlich die technische Umsetzung. Wir schauen ja auch, dass es wirklich „cradle to cradle“ wird. Es ist eben nicht so, dass man ein bisschen Bio-Stoff hier und da einsetzt. Ich gucke jetzt erst mal, wie weit wir kommen.

Wenn du die Chance hättest, von jetzt auf gleich diese Welt etwas zu ändern – was würdest du tun?

Ich würde natürlich Weltfrieden schaffen, weil alles, was wir hier machen, nur davon abhängt, dass der Mensch
glücklich ist. Ein glücklicher Mensch würde die Welt nicht kaputt machen.

Aber mit Weltfrieden ist es leider gerade etwas schwierig. Wie geht es dir, wenn du dir die politische Gesamtlage anguckst?

Wieso sollte es auch Frieden geben, wenn viele Menschen auf dieser Welt keinen Respekt erfahren und sich nicht menschlich behandelt fühlen. Wie sollten sie da friedlich sein? Es hängt aber nicht nur an der Armut, denn auch arme Menschen können friedvoll sein, wenn sie Liebe und Respekt erfahren haben.

Wie bringst du den respektvollen Umgang mit Menschen deinen Kindern bei?

Ich glaube, dass ich ihnen sehr viel durch mein eigenes Leben mitgebe. Also, dass sie sehen, wie ich mit Menschen umgehe und auf andere reagiere. Man darf das nicht unterschätzen, wie sensibel Kinder sind. Da muss man bestimmte Sachen eigentlich gar nicht ansprechen, weil sie die schon längst verstanden haben. Und eigentlich ist das Wertschätzen der Menschen für mich kein Thema, weil es doch ganz klar ist, dass jeder Mensch seinen eigenen Wert hat.

Inez Bjørg David (Foto: Miriam Knickriem)Inez Bjørg David ...
... kennen viele Fernsehzuschauer vor allem aus der Serie „Verbotene Liebe“. Dort spielte sie die Intrigenspinnerin Vanessa von Bayenbach. Doch ist die gebürtige Dänin alles andere als ober­flächlich: Als Botschafterin der gemeinnützigen Stiftung „World Future Council“ setzt sich die 32-Jährige für Gewaltfreiheit, Nachhaltigkeit, Respekt und Gerechtigkeit ein.

Und beim Verein „cradle to cradle“ macht sie sich dafür stark, dass Abfälle und Energieverschwendung bei der Herstellung von Produkten vermieden werden.

Kein Wunder also, dass David selbst in die Ökomode-Branche eingestiegen ist und in ihrem Laden und Online-Shop, www.miwai.de, ausschließlich nachhaltige Kleidung verkauft. Demnächst will sie sogar ihre eigene – ebenfalls komplett ökologische – Kollektion herausbringen.

 

 

Uta Gensichen (Foto: Miriam Knickriem)Weil sie ebenfalls an der Ostsee groß geworden ist, freute sich Schrot&Korn-Redakteurin Uta Gensichen ganz besonders, die Dänin Inez Bjørg David zu interviewen.

Erschienen in Ausgabe 01/2015
Rubrik: Leben&Umwelt

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