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Grünanlagen fürs Alter

Altersvorsorge (© Foto: plainpicture/Elektrons 08)
Im Alter genug im Geldbeutel – geht das auch ökologisch- sozial korrekt? (© Foto: plainpicture/Elektrons 08)

RENTE Private Altersvorsorge ist wichtig. Doch bei vielen Anlageformen bleiben Ökologie und Ethik auf der Strecke. // Jochen Bettzieche

Im Einkaufskorb liegen Obst und Gemüse aus ökologischem Anbau, daneben die fair gehandelte Schokolade. Im Urlaub geht᾽s an die Ostsee, die Wohnung wird mit schadstofffreier Farbe gestrichen. Und wie steht es mit der Altersvorsorge? Auch hier kann man ökologische, ethische und soziale Kriterien beachten.

Fragt man Finanzexperten nach ihrer derzeit bevorzugten Anlageform, sind es vor allem Fondssparpläne. Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg: „Von kapitalgebundenen Lebens- und Rentenversicherungen raten wir grundsätzlich ab.“ Zu teuer und zu unflexibel seien diese Produkte. Bausparverträge könnten sinnvoll sein, erfüllten aber in der Regel keine Nachhaltigkeitskriterien.

Auch die staatlich geförderte Riester-Rente steht als Altersvorsorge in der Kritik. Nauhauser warnt: „Viele Produkte taugen nichts, verkauft wird, was Provision bringt.“ Zudem spielen ethische und ökologische Kriterien bei den meisten Riester-Produkten überhaupt keine Rolle, wie jüngst ein TV-Bericht des Magazins Kontraste klarstellte.

Lohnender Aufwand

Bleiben die Fondssparpläne. Dabei zahlt der Anleger eine monatliche Rate in einen Aktienfonds und investiert damit gleichzeitig in mehrere Unternehmen.

Nachteil dieser Strategie ist, dass sich der Sparer mit den Finanzprodukten und ihrer Funktionsweise beschäftigen muss. Klingt aufwendig,  ist aber gar nicht so schwierig. Und lohnt sich. Schließlich handelt es sich bei der Altersvorsorge um eine Investition im fünf- bis sechsstelligen Bereich. Mal ehrlich: Wie viel Aufwand haben Sie in den Kauf einer neuen Waschmaschine gesteckt? Oder in die Recherche nach verträglichen Kosmetikprodukten? Da ist die Zeit in die Suche nach passenden Anlageprodukten gut investiert.

Mittlerweile sind zahlreiche Fonds auf dem Markt, die versprechen, ökologische, soziale und ethische Kriterien zu beachten. Betitelt werden sie als Nachhaltigkeitsfonds. Doch der Begriff Nachhaltigkeit ist nicht definiert. „Wenn man genauer hinguckt, sind diese Fonds oft mehr Schein als Sein“, sagt Barbara Happe von der bankenkritischen Organisation Urgewald.

Worauf Sie achten sollten

Tatsächlich finden Anleger immer wieder Aktien in den Anlageuniversen der Nachhaltigkeitsfonds, die Fragen aufwerfen. Diese sogenannten Universen geben den Fondsmanagern vor, in welche Unternehmen sie investieren dürfen. Bayer ist so ein Beispiel. Obwohl der Konzern die wegen Gentechnik und unethischem Geschäftsverhalten kritisierte Monsanto übernehmen will, findet er sich im Portfolio von Nachhaltigkeitsfonds. Oder Schneider Electric: Die Firma produziert Steuersysteme für Raketen, die von U-Booten abgefeuert werden. Stört nicht jeden. Und Volkswagen betrügt bei den Abgaswerten? Ist trotzdem investierbar.

Das liegt unter anderem am sogenannten Best-in-Class-Ansatz. Dabei werden alle Unternehmen einer Branche bewertet und die jeweils ethisch-ökologisch Besten zur Investition freigegeben. Das Problem: Auch wenn eine Branche beispielsweise die Umwelt verschmutzt, kommt der „Klassenbeste“ zum Zug. Oft sind sich die Bewerter dabei nicht einig, welches Unternehmen einer Branche das nachhaltigste ist. So liegt bei der Automobilbranche beim einen BMW vor, beim nächsten Renault und beim dritten Toyota.

Weitere Bewertungsansätze sind Negativ- und Ausschlusskriterien. Gerade Letztere sorgen immer wieder für Überraschungen. Denn sie sind meistens mit einer Umsatzschwelle ausgestattet, in der Regel fünf Prozent, manchmal auch mehr. Das bedeutet: Erwirtschaftet ein Unternehmen in einem kritischen Geschäftsfeld nur bis zu fünf Prozent seines Umsatzes, darf der Fondsmanager die Aktie kaufen. Das können dann Rüstung sein oder fossile Energien. Wollen Anleger in weniger kritische Unternehmen investieren, hilft eine Kombination aus harten Ausschluss- und Positivkriterien (mehr dazu im Internet, siehe Link-Tipp).

Helfen Siegel?

In den vergangenen Jahren sind einige Siegel auf den Markt gekommen, die Anlegern bei der Wahl helfen sollen. Erst 2015 hat der Branchenverband Forum Nachhaltige Geldanlagen (FNG) erstmals ein eigenes Siegel vergeben, das nach eigenen Angaben besonders nachhaltige Produkte mit einem bis drei Sternen auszeichnet.

Damit mehr als ein Fonds drei Sterne erhielt, mussten allerdings die Mindestanforderungen nach unten korrigiert werden. Und bei den Spitzenreiter-Fonds finden sich bei NGOs umstrittene Firmen in den Portfolios. 2016 hatten sich zudem nur 38 Fonds um das Siegel beworben – von 410 Nachhaltigkeitsfonds, die das Branchenportal nachhaltiges-investment.org aufführt. Nicht nur die mit weichen Kriterien bewerben sich nicht, weil sie das Siegel nicht erhalten können, sondern auch die mit hohen Anforderungen. Der GLS-Bank ist das Umfeld nicht dunkelgrün genug. Ähnlich sieht es Alfred Platow, Vorstandsvorsitzender bei Ökoworld: „Es besteht für unsere Produkte keine Notwendigkeit für das Siegel.“

Verbraucherschützer stehen einem Siegel, das ein Industrieverband an die eigenen Mitglieder vergibt, ohnehin skeptisch gegenüber. „Wir fordern gesetzliche Mindeststandards“, sagt Monika Pietsch-Hadré vom Projekt „Gut fürs Geld, gut fürs Klima“ der Verbraucherzentrale Bremen. Bis es so weit ist, bleibt Anlegern nur, selbst auf Basis der Halbjahres- und Jahresberichte die einzelnen Positionen anschauen und entscheiden, ob die Anlage ihren Ansprüchen genügt.

Wer ökologisch und nachhaltig handeln will, sollte nicht vor dem Thema Geldanlage kapitulieren und anderen das Feld überlassen. Das ist auch deshalb wichtig, weil jeder eigene Ansichten hat. Für den einen liefern Brennstoffzellen saubere Energie, für den anderen sind sie ein Rüstungsgut, da sie häufig im militärischen Bereich eingesetzt werden. Wer die Auswahl systematisch angeht (siehe Kasten), kann viele Fonds zügig ausschließen und schneller zum individuell passenden Produkt finden.

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Sechs Schritte zur Fondsauswahl

Festlegen, welche Aspekte einem wichtig sind und in welche Geschäftsfelder man nicht investieren will.

Definition dieser Geschäftsfelder. Beispiel Ausschluss fossiler Energien: Sind damit nur die Erdöl-, Gas- und Kohleförderer gemeint? Oder auch die Betreiber von Kohle-, Öl- und Gaskraftwerken? Oder die Automobilhersteller?

Herausfinden, wer die großen Akteure in diesen Geschäftsfeldern sind.

Vorauswahl der Fonds auf Basis ihrer Geschäftsberichte.

Detailprüfung der übrig gebliebenen Fonds-Portfolien. Oft helfen schon die Internetseiten der Unternehmen. Zusatzinformationen liefern NGOs.

Gleichgesinnte suchen und Wissen austauschen.

 

www.schrotundkorn.de/gruene-rente Hier finden Sie Kriterien verschiedener Nachhaltigkeitsratings sowie Siegel und wer dahintersteht.

Erschienen in Ausgabe 03/2017
Rubrik: Leben&Umwelt

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