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Christbaum ohne Gift

Christbaum ohne Gift (© photocase/Marcus Thomas)
(© photocase/Marcus Thomas)

UMWELT Weihnachtsbäume wachsen unter massivem Einsatz von Dünger und Pestiziden. Doch es gibt ökologische Alternativen. // Hartmut Netz

Weihnachten ohne Tannenbaum? Das ist für viele kaum vorstellbar. Drei von vier Haushalten stellen an Heiligabend einen Weihnachtsbaum auf – als „Symbol familiärer Geborgenheit und heiler Welt“, wie es auf der Homepage des Bundesverbandes der Weihnachtsbaumerzeuger heißt. Und sie folgen damit einer über 400 Jahre alten Tradition.

Leider geht die Tradition mittlerweile stark zu Lasten der Umwelt. Denn 80 Prozent der jährlich verkauften rund 28 Millionen Weihnachtsbäume sind Nordmanntannen, eine Baumart aus dem Kaukasus, die bei uns unter umweltschädlichen Bedingungen kultiviert wird. Andere Baumarten spielen an Weihnachten praktisch keine Rolle – selbst die Fichte nicht, die noch bis Ende der 50er-Jahre der Weihnachtsbaum schlechthin war.

Den Siegeszug der Nordmanntanne erklärt Sönke Hofmann, Geschäftsführer des Umweltverbandes Nabu in Bremen, so: „Der Weihnachtsbaum ist ein Lifestyle-Objekt, das ruhig etwas kosten darf, dann aber auch perfekt aussehen muss.“ So wie die Nordmanntanne: gerader, pyramidenförmiger Wuchs; fast waagerecht stehende Äste; dichtes, sattgrünes Nadelkleid. Zudem nadele sie nicht, sagt der gelernte Förster: „Selbst wenn der Baum bereits vertrocknet ist, behält er seine Nadeln.“

Perfektion durch Pestizide

Das ist Perfektion in Reinkultur. Doch die künftigen Weihnachtsbäume wachsen in eigens dafür angelegten Plantagen heran, in denen meist kräftig gespritzt und gedüngt wird: Insektizide gegen Läuse, Herbizide gegen Bewuchs zwischen den Baumreihen und Kunstdünger für perfekt blaugrüne Nadeln seien eher die Regel als die Ausnahme, berichtet Hofmann: „Das sind hochgradig künstliche Kulturen.“ Mit Folgen für den Verbraucher: In einem stichprobenartigen Markt-Check des Umweltverbandes BUND vor drei Jahren waren acht von fünfzehn Weihnachtsbäumen mit Herbiziden belastet.

Alternativ bietet der Markt Bäume aus Bio-Anbau. „Öko-Plantagen verzichten auf Pestizide“, versichert Hofmann. Der Bewuchs zwischen den Baumreihen werde mechanisch kurz gehalten oder von Schafen abgeweidet. Ökologisch kultivierte Bäume sind von den Anbauverbänden Biokreis, Bioland, Naturland und Demeter zertifiziert oder tragen das EU-Bio-Siegel. Außerdem gibt es noch FSC-zertifizierte Bäume aus nachhaltiger Forstwirtschaft.

Man kann aber auch im örtlichen Forstamt nach einem Baum fragen, der im Zuge der Waldpflege sowieso gefällt werden muss. Das ist dann vermutlich eine Fichte, vielleicht krumm gewachsen und mit Sicherheit nadelnd – aber mit viel Liebe geschmückt, verkörpert sie in jedem Falle weihnachtliche Urwüchsigkeit.

Hier gibt's Öko-Weihnachtsbäume:

www.bioland.de
www.robinwood.de/Weihnachtsbaeume
www.bio-weihnachtsbaum-versand.de
www.bioweihnachtsbaum.info

Erschienen in Ausgabe 11/2017
Rubrik: Leben&Umwelt

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Mitch

Der frischeste und in den meisten Fälle ökologischste Baum ist der direkt vom Stamm gesägte. Recherchieren Sie, wer vor Ihrer Haustür Weihnachtsbäume anbaut. Je weiter die Plantage vom Haus des Bewirtschafters entfernt liegt, desto höher das Risiko, das zur chemischen Keule gegriffen wird. Dort, wo die Bäume als Parkanlage dienen, erfüllen sie nicht nur eine ökologische Funktion, sondern auch einen ästhetischen Auftrag: Uns die Natur zu Weihnachten unmittelbar näher zu bringen.