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Statt Land City

Lust auf einen Tapetenwechsel? Sehnsucht nach einem Großstadtabenteuer? Dafür muss keiner über den großen Teich jetten. In deutschen Städten gibt es Spannendes zu entdecken – und ganz neue Perspektiven. // Astrid Wahrenberg

Städtereisen F rüher zog es zur Urlaubszeit viele Städter raus aufs Land. Heute ist es eher umgekehrt. Städtereisen boomen. Ziele sind dabei längst nicht mehr New York, Paris, London oder Madrid. Auch in deutschen Großstädten lockt das Abenteuer. Denn wo viele Menschen verschiedener Nationalitäten zusammenleben, ist immer was los: in Kneipen und Cafés, auf Festivals und Stadtteilfesten, auf Floh- und Jahrmärkten. Wer will, kann die Nacht zum Tag machen, andere beobachten entspannt das Treiben von Cafés aus, Kulturbegeisterte nehmen sich Museen, Ausstellungen, Kirchen und andere Bauwerke vor.

Die übliche Art, eine fremde Stadt zu erkunden, geht dabei immer noch so: den Stadtplan in der Hand, den Reiseführer griffbereit, eine angepriesene Attraktion nach der nächsten abklappern. Spaziergangsforscher Bertram Weisshaar findet aber zu recht unbekanntere Gegenden spannend, die nicht in jeder Städtetour verzeichnet sind. So spaziert er wegen der guten Aussicht und ungewohnten Perspektive beispielsweise gerne auf Parkhäusern herum. In Berlin besucht er auch schon mal Plätze ganz in der Nähe der Autobahn.

Normalerweise rauscht man dort in Sekundenbruchteilen vorbei und bemerkt gar nicht, was es alles zu sehen gibt. Zum Beispiel ein FKK-Badegelände. In Leipzig streift Weisshaar mit Besuchergruppen durch ein frisch erschlossenes Baugebiet und erklärt den Gästen die Besonderheit dieses Viertels. Merk- und Denkwürdig nennt er solche Orte. Hier machen Touristen Erfahrungen abseits der üblichen Touristenpfade. Die Spaziergangswissenschaft oder Promenadologie wird übrigens an Universitäten in den Fachbereichen Architektur, Stadt- und Landschaftsplanung unterrichtet. Ungewöhnliche Touren gibt es mittlerweile viele in deutschen Großstädten. Sie sind sogar für Leute interessant, die schon lange dort leben, denn oftmals bieten sie einen ganz neuen Blickwinkel auf ihre Stadt. Einige solcher Ideen stellen wir für sechs Städte vor, stellvertretend aus ganz Deutschland ausgewählt. Passende Link-Tipps gibt’s auf Seite 42.

Wer bei seinen Stadterkundungen viel sehen und erleben will, geht nach wie vor am besten zu Fuß. Motto: Wer geht, der sieht. Ein Touris-tenticket für die öffentlichen Verkehrsmittel ermöglicht jederzeit den Umstieg auf S- und U-Bahnen oder Stadtbusse. Ideal für Touren in der Stadt sind außerdem Leihfahrräder, denn in den meisten Großstädten gibt es gut ausgebaute Fahrradwege. Die Bahn und inzwischen immer mehr private Anbieter stellen solche Räder zur Verfügung. Mit der Bahn lässt es sich außerdem umweltfreundlich anreisen.

Bei der bundesweiten Suche nach Leihfahrrädern und anderen nachhaltigen Adressen, etwa Bio-Läden, -Bäckern oder -Metzgern sowie Restaurants mit Bio-Essen, helfen www.adressen.naturkost.de und das grüne Branchenbuch www.city.utopia.de.

Die neue Stadtlust

Städtereisen werden laut einer aktuellen forsa-Umfrage im Auftrag des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) immer beliebter. Die Hälfte der Deutschen besucht danach mehrmals im Jahr eine deutsche Stadt.

Berlin

In der Bundeshauptstadt ist das Angebot so groß, dass man schnell den Überblick verliert. Orientierung bietet „Berlin goes Green“ vom Netzwerk Ökologischer Bewegungen.

Der virtuelle Reiseführer nennt beispielsweise Bio-Restaurants, führt zu Öko-Laubensiedlungen, nachhaltigen Gebäuden und Charakter-Bäumen der Stadt. Unter dem Stichwort interkulturelle Gärten gelangt man auf die Adressen und Seiten von Gemeinschaftsgartenprojekten in Berliner Parks und Aktivisten, die Brachflächen begrünen. Nützlich sind die Infos zum Nahverkehr, etwa Touristentickets, Fahrradverleih und Erdgastaxis.

Wer nach außergewöhnlichen Stadtführungen sucht, kann sich an den Verein Berliner Unterwelten wenden. Die Touren führen unter anderem in lange in Vergessenheit geratene Bunker- und Verkehrsanlagen im Berliner Untergrund. Wegen der schwierigen Thematik richten sich die Führungen an Erwachsene, für Jugendliche frühestens ab der 8. Klasse. Skurril sind die Stadtführungen der Eventagentur timebandits. Berlin privat heißt ein Programm, bei dem alteingesessene Berliner Originale Besuchern ungewöhnliche Orte zeigen. Sie empfangen die Gäste etwa in einer Kreuzberger Wohnung oder einer Neuköllner Moschee und erzählen ihnen spannende Geschichten. Wohin es geht, wird vorher nicht verraten.

Tipp: Mittagsstopp im mitArt-Restaurant im Herzen von Berlin einlegen und sich mit feiner Küche aus 100 Prozent Bio-Zutaten verwöhnen lassen. Das Haus ist außerdem ein zertifiziertes Bio-Hotel mit 45 Zimmern. Neu eröffnet hat das Bio-Hotel Almodovar im Berliner Szenebezirk Friedrichshain.

Berlin ist auch die Hauptstadt der interkulturellen Gärten: Menschen unterschiedlichster Kulturen bewirtschaften inzwischen mehr als 20 Projekte.

Essen

Kumpel, Schwerindustrie und graue Städte – das war einmal der Ruhrpott. Die Freiräume in der einstigen Kohle- und Stahlregion besetzen heute Kunst- und Kulturprojekte.

Vor zwei Jahren hat der Europäische Rat die Stadt Essen stellvertretend für die Metropole Ruhr zur „Kulturhauptstadt Europas“ ernannt. Unbedingt ansehen: Das UNESCO-Weltkulturerbe Zeche Zollverein. Das ehemals größte Steinkohlebergwerk der Welt ist ein Industriedenkmal, das Konzerte, Führungen und Ausstellungen anbietet. Ein Leckerbissen für Kunstkenner ist das Folkwang-Museum mit seiner Sammlung moderner Gemälde.

Ausflugstipp: Mit der Kulturlinie 107 fahren. An dieser Straßenbahnlinie liegen 60 kulturelle Sehenswürdigkeiten. Das Ruhrgebiet lässt sich außerdem prima mit dem Fahrrad erkunden: Der Ruhrtal-Radweg führt auf 230 Kilometern Länge durch die grüne Lunge des Ruhrgebiets von Stadt zu Stadt. Dafür braucht niemand sein eigenes Rad mitbringen. Das vom Bundesverkehrsministerium geförderte Verleihsystem Metropolradruhr hält in Essen und zehn weiteren Ruhrgebietsstädten rund 3 000 Mieträder bereit. Das Besondere: Die Mieträder können städteübergreifend genutzt werden, sie müssen nicht zur Verleihstation zurück.

Bio-Essen in Essen: Im Delicious und Zodiac wird vegetarisch und vegan gekocht, das Bistro Seitenblick ist für seinen Flammkuchen stadtbekannt. Übernachtung: familienfreundlich in der Kultur-Jugendherberge Essen, oberhalb des Naherholungsgebietes Baldeneysee. Auf Wunsch gibt’s vegetarische Mahlzeiten.

Vielseitig und bunt. Essen zählt mit 53 Städten und Gemeinden zum größten Ballungsraum Deutschlands: Rund 5,3 Millionen Menschen leben hier.

Kommentare

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incl. 'http://'
Thorsten
Ich finde unter Berlin könntet ihr noch http://www.guiders.de/berlin aufnehmen? Wir bieten dort abwechslungsreiche geführte Touren an. Würde mich freuen hier bei diesem interessanten und gut recherchierten Bericht dabei zu sein. VG Thorsten