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Öko-Sünden in der Tube?

Woran liegt es, dass in Naturkosmetik nicht selten konventionelles Palm- oder Palmkernöl steckt?

Konventionelles aus der Tube. Foto: Fotolia.comWer zertifizierte Bio-Kosmetik benutzt, setzt auf natürliche Inhaltsstoffe. Nicht allen Herstellern gelingt es, konventionelle Zutaten ganz zu vermeiden.

Palmöl und das aus den Fruchtkernen gewonnene Palmkernöl liefern Glycerin und Fettsäuren, die sich zu vielen Kosmetikzutaten wie Tensiden und Emulgatoren weiter verarbeiten lassen. Auch die Naturkosmetik nutzt diese Zutaten, in denen konventionelles Palm- oder Palmkernöl steckt.

Bio-Hersteller wissen das. Doch Alternativen zu finden ist schwer. Tenside und Emulgatoren werden meist von spezialisierten Firmen in großen Mengen hergestellt. Bio-Öl eigens zu verarbeiten ist aufwendig und teuer. Einen ersten Anbieter von Glycerin und Fettsäuren aus Bio-Kokosöl gibt es. Ein anderes Unternehmen hat einen Emulgator aus Bio-Palmöl auf den Markt gebracht. „Ausbaufähig“ nennen beide die Nachfrage durch die Naturkosmetikhersteller. Einer der Pioniere ist Dr. Hauschka. Das Unternehmen ist komplett auf Bio-Glycerin sowie palmölfreie Tenside umgestiegen.

Für die Zurückhaltung anderer Hersteller gibt es – neben dem hohen Preis der Bio-Zutaten – einen Grund: Die Standards für Naturkosmetik schreiben diese Zutaten nicht in Bio-Qualität vor. Erst ab 2015 müssen bei Bio-Kosmetik zumindest 30 Prozent der chemisch verarbeiteten pflanzlichen Rohstoffe aus Öko-Anbau stammen. Das sieht allerdings nur der COSMOS-Standard vor, zu dem Ecocert und das deutsche BDIH-Logo für kontrollierte Naturkosmetik zählen, nicht aber der zweite europaweiten Standard Natrue.

Viele Naturkosmetikhersteller werden die teuren Bio-Tenside und Bio-Emulgatoren erst einsetzen, wenn dies verbindlich für alle vorgeschrieben ist, weil sie ansonsten um ihre Marktchancen fürchten. Umgekehrt bleiben die Bio-Zutaten teuer, solange nur wenige Pioniere sie einsetzen und der Großteil der Branche sich mit Tensiden begnügt, die aus RSPO-Öl hergestellt wurden.

Kommentare

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U. Binias
Toller Bericht, um einmal darüber nachzudenken, ob wirklich immer alles, was uns versucht wird zu verkaufen, auch wirklich ökologisch und nachhaltig ist.

Interessant finde ich den Blick über den Tellerrand, bzw. welche Alternativen sich zu Palmöl bieten. Dabei habe ich allerdings das Thema "Stearinkerzen" vermisst. Diese, aus Palmöl bestehenden Kerzen, werden allzu gern als "Alternative" zu Paraffinkerzen gehandelt - gerade jetzt, wo die Abende wieder länger werden - sind aber nicht unbedingt die bessere Wahl. Die Alternative hier wären m.E. Kerzen aus Biomasse, hergestellt in Deutschland.