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Einstiege in die Bio-Branche

Bio boomt. Rund 180 000 Arbeitsplätze gibt es derzeit laut Bioland. Aber wie einsteigen? Eine Praktikantin, Trainees und Absolventen eines Freiwilligen ökologischen Jahres berichten von ihren Erfahrungen. // Ralf Bürglin

Bio-Trainees Die Bio-Branche in Deutschland gehört zu den wenigen Branchen, von der positive Impulse für den Arbeitsmarkt ausgehen, sind Bioland und das PresseForum BioBranche überzeugt. Dabei hat sich die Branche auch in Krisenzeiten als stabiler Sektor bewährt. Trotz Wirtschaftskrise stieg die Zahl der Beschäftigten zwischen 31.12.2007 und 31.12.2009 um 5,7 Prozent. Und der Trend hält an.

„Bio-Lebensmittel zu erzeugen und herzustellen, schafft weitere Arbeitsplätze. Regionale Wirtschaftskreisläufe werden gestärkt. Auch unter Beschäftigungsaspekten ist es deshalb geboten, dass Bundesregierung und Bundesländer sich verstärkt für den ökologischen Landbau engagieren“, kommentiert Dr. Felix Prinz zu Löwenstein, Vorstandsvorsitzender des Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), die Zahlen.

Wer in die Bio-Branche einsteigen will, hat etliche Möglichkeiten, etwa durch ein Praktikum bei einem Naturkosthersteller. Wer Interesse hat, kann einfach bei der Firma der Wahl nachfragen. Dabei ist es sicher hilfreich, sich zu überlegen, warum man gerade bei der Firma X arbeiten möchte.

Auch ein Freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ) bietet Möglichkeiten, die Bio-Branche zu erkunden. Der Bundesarbeitskreis, die Vertretung der FÖJ-Träger, richtet sich an junge Menschen zwischen 16 und 27 Jahren. Das FÖJ gibt die Chance, eigene Fähigkeiten in einem neuen Umfeld kennenzulernen. Es ist als „Entfaltungsjahr zwischen Schule und Beruf“ gedacht. Natürlich wird auch gearbeitet. Außer der Erfahrung gibt’s dafür ein Bett, Essen und ein Taschengeld von 100 Euro. Während des FÖJ werden zusammen mit den anderen Teilnehmern eines Jahres Seminare veranstaltet. Dabei lernt man etwas über die Branche; die Region, in der man eingesetzt ist; erhält eine Berufsberatung; und man wird angeregt zu reflektieren, welche Kompetenzen man während des FÖJ erworben hat. Auslandseinsätze gibt es auch.
www.föj.de

Der Zivildienst ist abgeschafft. Seit Juli 2011 gibt es den Bundesfreiwilligendienst (BFD). Auch dieser vermittelt Stellen im Öko-Bereich, die in einem Beruf münden können. Leute über 28 sind ebenfalls angesprochen.

Wer bereits ein Studium absolviert hat, beispielsweise als Ernährungswissenschaftler, für den sind einjährige Trainee-Stellen, die die Stiftung Ökologie&Landbau (SÖL) im Auftrag des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz auslobt, interessant. Die Teilnehmer erhalten bereits einen Lohn; in den Betrieben bekommen sie Gelegenheit, die verschiedenen Abteilungen kennenzulernen, bevor sie sich dann in einen Fachbereich vertiefen, der sie auf ihre Aufgabe als zukünftige Fach- und Führungskraft vorbereitet. Nach Angaben der SÖL bleiben 98 Prozent der SÖL-Absolventen in der Bio-Branche.

Im folgenden stellen wir zwei Absolventen eines FÖJ, zwei Trainees und eine Praktikantin vor.

Zusatzqualifikation

Ab Herbst 2012 gibt es für Auszubildende, Einzelhandelskaufleute und Quereinsteiger in der Bio-Branche modular aufgebaute Bildungsangebote, die die Industrie- und Handelskammer (IHK) mit einer Prüfung anerkennt. schrotundkorn.de/quali

FÖJ auf der Insel

Kerstin Lopau hat auf einer Atlantikinsel ein Freiwilliges ökologisches Jahr (FÖJ) absolviert – und dabei Elementares über den Bio-Landbau und sich selbst gelernt.

FÖJ in Frankreich
In der Fremde: Die Erde spüren. Sich selbst finden.

Kerstin Lopau
hat auf der Île de Bréhat in Frankreich erfahren, „wie gut es tut, mit der Erde zu arbeiten.“

Es war gleich in der ersten Woche. Da erlebte Kerstin Lopau ihr prägendstes Ereignis. Sie pflanzte kleine Salate und ist dabei barfuß durch die Reihen gestapft. Ihre Füße drückten sich sanft in die Erde. „So eine Freude!“, erinnert sie sich. Und so geht es in einem fort, wenn sie über ihre Zeit auf einem Gemüsehof auf der Île de Bréhat, einer autofreien bretonischen Insel, schwärmt: „sehr erfüllend“ und „sehr, sehr zufriedenstellend“. Sie meint die schonende Arbeitsweise im Bio-Landbau, den sorgsamen Umgang mit den Tieren und sie meint die Arbeit an sich selbst.

Die 20-jährige Pinnebergerin, die mittlerweile Umwelt-Ingenieurwesen studiert, sieht ihr Freiwilliges ökologisches Jahr vor allem auch als „charakterliche Vorbereitung“. Sie sei während der Zeit auf der Insel selbstständiger geworden.

Einen typischen Tag beschreibt sie so: Es geht ruhig los. Es gibt viel Zeit für ein ausgedehntes Frühstück mit den anderen Helfern am großen Tisch. Dann wird zunächst der „Petit Marché“ bestückt. Das sind Selbstbedienungskisten, aus denen sich die Tagesbesucher der Insel bedienen. Dann geht’s in die Gewächshäuser zu den Tomaten, Zucchini, Gurken und Bohnen. Unkraut wird gejätet, bei den Tomaten müssen Triebe abgeknipst werden. Es sind immer zwei, drei Leute zusammen an einem Einsatzort. Da kann man sich auch mal unterhalten. Mit den anderen, den Engländern, Australiern und Japanern – und auch dabei fürs Leben lernen.

FÖJ mit Bio-Kids

Soll ich „was Ökologisches“ machen oder „was Soziales“? Elisabeth Meyer zu Wendischhoff fand für ihr FÖJ die ideale Kombination im Bauernhofkindergarten Wilkenshoff.

FÖJ im Bauernhofkindergarten
Als sinnvoll erfahren: Öko in möglichst alle Lebensbereiche ausweiten

Elisabeth Meyer zu Wendischhoff war fasziniert vom Ansatz, dass Kinder Bio-Bauern helfen, Nahrungsmittel zu produzieren.

Nach dem Abi wollte sie einfach was anderes tun. Die Schwes-ter hatte schon ein Freiwilliges ökologisches Jahr gemacht, dann bekam Elisabeth Meyer zu Wendischhoff einen Flyer in die Hand. Da war klar, dass sie beim Bauernhofkindergarten anheuern möchte. Das klappte dann auch. Und so kam sie dazu, sich auf dem Bio-Hof Wilkenshoff, 30 Kilometer südwestlich von Hamburg, zusammen mit den Betreuerinnen und den Kindern zu engagieren.

Und was bitteschön ist eigentlich ein „Bauernhofkindergarten“? Da machen die Bauern ihre Landwirtschaft und bieten ein sinnvolles Umfeld, in dem die Kinder betreut werden. Die Erzieherinnen, die FÖJlerin und vor allem auch die Kinder helfen auf dem Hof. „Beim Kühefüttern, bei der Kartoffel-ernte und beim Kartoffelkäfersammeln können sich die Kids schon tüchtig einbringen“, hat FÖJlerin Elisabeth erfahren. Sie hatte ihre größte Freude bei der Weihnachtsfeier im Stall, wo echte Kühe die Kulisse bildeten. Und da kam dann auch ein bisschen Stolz auf, weil sie die Feier mitorganisiert hatte.

Das FÖJ empfiehlt sie auf alle Fälle weiter, weil sie in der Praxis erfahren hat, wie sinnvoll es ist, möglichst alle Lebensbereiche ökologisch auszurichten. Toll am FÖJ fand sie auch die obligatorischen Seminare, die sie in Sachen Ökologie und Bio tüchtig vorangebracht haben. Da ging es etwa um die Energiewende, die Welternährung oder das Arbeiten auf einem Biolandhof.

Trainee bei Lebensbaum

Henning Osmers ist seit Jahren Bio-Fan, er hat BWL studiert und ist Mitautor eines Sachbuchs. Eine Traineestelle hat ihm den Einstieg in die Bio-Berufswelt eröffnet.

Trainee Lebemnsbaum
Am PC: auch das ein Arbeitsplatz in der Bio-Branche

Der Betriebswirtschaftler hat seine Trainee-Stelle nicht „klassisch“ über die SÖL bekommen, sondern per Initiativbewerbung.

Bei der Firma Lebensbaum – Ulrich Walter GmbH in Diepholz bringt Osmers sein Wissen zum einen im Bereich Nachhaltigkeit ein. Er sagt: „Sich darauf auszuruhen, Bio-Pionier zu sein, reicht nicht. Wir wollen Nachhaltigkeit auch nachweisen können.“ Also trägt Osmers Zahlen zusammen, etwa zur Energie, die im Unternehmen eingesetzt wird, und zu CO2-Emissionen, die bei der Produktion entstehen. Bei rund 500 von Lebensbaum eingesetzten Rohstoffen ist das keine Aufgabe, die man mal so nebenher macht.

Osmers’ zweiter Arbeitsbereich ist das Personalwesen. Beispielsweise ist er an der Ausbildungsplanung beteiligt. Gleich zu Anfang des Gesprächs stellt er heraus, dass die Firma Lebensbaum eine sehr hohe Ausbildungsquote von 13 Prozent erreicht, mit Umschülern, Dualen Studenten und Praktikanten sogar über 17 Prozent. Für Osmers ist das ein Qualitätszeichen, wenn sich bei einer Firma mit insgesamt 120 Mitarbeitern rund jeder Siebte in Ausbildung befindet.

Er kümmert sich an der Seite der Personalreferentin darum, dass alles in geregelten Bahnen verläuft. Die Auszubildenden sollen möglichst alle 16 Abteilungen durchlaufen können. Osmers nimmt Wünsche entgegen, teilt ein, wann wer wo sein soll. Dafür hat er ein „Planungs-Tool“ auf der Basis des Programms Excel erstellt – sprich: es geht um komplexe Tabellen mit automatisierten Formeln.

Osmers’ Stelle ist auf zwei Jahre angesetzt. Er ist optimistisch, dass es danach für ihn bei Lebensbaum weitergeht.

Trainee bei ÖMA

Bei Stefanie Kretschmar dreht sich während ihres Trainee-Programms alles rund um Käse und Milchprodukte. Sie erklärt, wie sie dazu kam und warum sie dabei bleiben will.

Trainee ÖMA
Vielfältige Arbeit: hier beim Käse; auch im Labor

Die Ernährungswissenschaftlerin sieht ihre Traineestelle als „zusätzliche Ausbildung und Berufseinstieg zugleich“.

Eine Freundin – wie so oft im Leben – gab den Tipp. Sie veranlasste die 26-jährige, „frisch fertig studierte“ Ernährungswissenschaftlerin Stefanie Kretschmar mal auf www.soel.de zu schauen, die Seiten der Stiftung Ökologie&Landbau, die ein Trainee-Programm koordiniert. Sie bewarb sich und bekam die Stelle bei den Ökologischen Molkereien Allgäu (ÖMA).

Stefanie Kretschmar, die sagt, ihre Mutter habe sie zu Bio gebracht, taucht bei ÖMA jeden Tag in eine Welt von Milchprodukten ein. 900 Produkte umfasst das ÖMA-Sortiment insgesamt. Zuständig für Qualitätssicherung und -management, arbeitet die junge Frau aus Querfurt mit allen Sinnen: Sie verkostet, riecht und tastet, schaut nach Rissen in der Käserinde oder identifiziert Fremdschimmel. Regelmäßig nimmt sie Proben für eine Analyse. Teils wertet sie die Proben selbst aus oder sie beauftragt ein externes Labor.

Aber Stefanie Kretschmar arbeitet auch – und das „sehr gerne“ – mit Menschen zusammen. Sie führt Mitarbeiterschulungen durch; sie bearbeitet am Telefon und per Mail Anfragen von Kunden. Insgesamt freut sie sich über die große Abwechslung: „Alles ändert sich laufend, die Produkte, die Verpackungen, das Lebensmittelrecht – alles.“ Die sehr selbstbewusste und engagierte junge Frau lächelt für einen Moment verlegen, weil sie einen vermeintlich abgedroschenen Spruch bemüht: „Es ist wirklich so: Man lernt hier nie aus.“ Auch deshalb möchte sie gerne bei Bio bleiben.

Sprungbrett Praktikum

Die Studienordnung schrieb es ihr vor: ein halbes Jahr Praktikum. So kam Sandra Schniederkötter zu Byodo. Und aus der Vorschrift wurde ein Sprungbrett in die Branche.

Praktikum Byodo
Ansässig in Mühldorf am Inn: die Firma Byodo

Sandra Schniederkötter studierte Ökotrophologie, jobbte währenddessen in einem Bio-Laden und arbeitete als Praktikantin bei Byodo.

Ihr Berufsweg verlief zunächst in eine andere Richtung. Sandra Schniederkötter hatte sich für ein Lehramtsstudium entschieden. An der Uni reizte es sie, sich in der Hochschulpolitik zu engagieren. Zum Geldverdienen jobbte sie in einem Bio-Laden. Es war der Job, dessen Inhalte sie überzeugten und der sie letztlich dazu inspirierte, die Branche zu wechseln. So kam sie auf Ernährungswissenschaften. Die Studienordnung sah ein Praktikum vor. Weil sie in den Süden wollte und sie die Produkte von Byodo sympathisch fand, entschied sie sich für Mühldorf am Inn.

Der richtige Entscheid: Die Münsterländerin („Mein Herz schlägt norddeutsch!“) fand die Bayern „ganz nett“, vor allem aber das halbe Jahr im Ganzen betrachtet „total schön“. Die erste Zeit verbrachte sie in der Qualitätssicherung, und die verantwortliche Person packte sie gleich unterm Arm. So guckte, roch und schmeckte sie bei der Wareneingangskontrolle mit, gab ihr Urteil ab und konnte mit der Einschätzung ihrer Praktikumsbetreuerin vergleichen. So lernt man die Praxis!

Davon profitierte Schniederkötter während des zweiten Teils ihres Praktikums, im Marketing. Da sie die Produkte gut kennengelernt hatte, konnte sie nun gleich sehr eigenständig die Anfragen von Ladenbesitzern und Endverbrauchern beantworten. Während einer Messe hatte sie dann ihr Schlüsselerlebnis. Im lebendigen Gewusel mit Menschen aus der Bio-Branche wurde ihr schlagartig klar: „Da gehöre ich hin.“

Traineeplatz für wen?

Die Stiftung Ökologie&Landbau vermittelt Stellen an Hochschulabsolventen: Agrarwissenschaften, Gartenbau, Ernährungswissenschaften, Lebensmitteltechnologie, Betriebswirtschaft oder Marketing.
www.soel.de

Buch und Film

Stiftung Ökologie& LandbauStiftung Ökologie& Landbau (Hrsg.):
Zeitschrift Ökologie und Landbau – Schwerpunkt:
Arbeiten in der Bio-Branche
,
2011, 66 Seiten, bestellen unter: www.soel.de

Forum Berufsbildung MünchenIhr Einstieg in die Bio-Branche: Video auf You Tube
; Stichwort: Forum Berufsbildung München,
2010, 4:37 Minuten

www.cimdata.de
Weiterbildung zur Fachkraft im Naturkosteinzelhandel; Tel. 0 30-32 79 91 31

www.demeter.de
Praktikums-, Ausbildungs-, Weiterbildungsmöglichkeiten

www.forum-berufsbildung.de
Fortbildung zur Naturkostfachkraft + Kräuterschein in Berlin; Tel. 0 30-25 90 08-0

www.forum-naturkost.de
Fortbildung zur Naturkost-Fachkraft in München; Tel. 0 89-14 01 08 27

www.naturkost-akademie.de
Umschulungen, Fortbildungen, Ausbildungen, Fernlehrgänge, Seminare, Inhouse-Schulungen

www.soel.de/projekte/trainees.html
Informationen zu den Traineestellen der Stiftung Ökologie & Landbau

Schrot und Korn/Grüne Seiten
jeden Monat Hinweise zu Seminaren, Ausbildungsgängen, Stellenanzeigen

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Joern Hartje
Tipps und Stellen gibts auch auf www.oekojobs.de