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Zu Besuch im „Saftladen“

Fünf Schrot&Korn-Leser auf der Suche nach Antworten: Wer sind Rothild und Rodelika? Warum ist da kein leckerer Geruch beim Abfüllen von Saft? Warum wird nach der Ernte von Gemüse ein Metalldetektor eingesetzt? Sechs Stunden bei Voelkel; und alle sind schlauer. // Manfred Loosen

Leserreportage Voelkl - Karte Unscheinbar steht es da, das Häuschen, in dem vor 75 Jahren alles begann. Heute dient das kleine Gebäude mit den gemauerten grünen Wänden und den kleinen Fenstern nur noch als Abstellraum. Damals, als im Jahre 1936 der erste Saft in Pevestorf im niedersächsischen Wendland gekeltert wurde, reichten die 50 Quadrat-meter aus. Seitdem ist der Betrieb des Fruchtsaft-Herstellers Voelkel immer größer geworden. Heute beträgt die Dachfläche 11 000 Quadratmeter, entspricht also der Größe von zwei Fußballfeldern. Die neuen Firmengebäude, ebenfalls alle in frischem Grün gestrichen, sind nicht zu übersehen.

Leserreportage Voelkl
Insider und Gäste: Geschäftsführer Frank Stieldorf, Eleonore Lemke, Pressesprecherin Julia Granobs, Annemone Schon, Schrot&Korn-Redakteur Manfred Loosen, Gerda Heidkamp, Chef Stefan Voelkel (v.l.n.r.), davor: Andreas und Karola Marquardt

Die Saft-Detektive

Es war also ganz einfach für die Schrot&Korn-Leser, den Firmensitz von Voelkel zu finden, um einen Tag lang die Geheimnisse der Saft-Herstellung zu erkunden: Eleonore Lemke aus Hechthausen arbeitet für das Land Niedersachsen als Lebensmitteltechnologin. Sie ist 62 Jahre alt und bezeichnet sich als „alte Öko-Tante”, die „Dank Voelkel-Rote-Bete-Saft noch richtig fit“ ist. Sie wohnt 18 Kilometer vom AKW Brunsbüttel entfernt und ist mit dem BUND in der Anti-AKW-Bewegung aktiv. Karola Marquardt aus Schnackenburg ist seit zwölf Jahren Bio-Öl-Müllerin. Sie hat ihren Mann Andreas mitgebracht, der Gemälde restauriert. Annemone Schon kommt aus der Nähe von Buchholz. Die 32-jährige Damenschneiderin arbeitet am Theater in Lüneburg. Gerda Heidkamp hatte die weiteste Anreise: Sie wohnt in Köln. Aufgewachsen ist sie in Holstein auf Gut Trenthorst. Ihr Vater war Verwalter des Gutes, in dem Jahrzehnte lang landwirtschaftliche Versuche im Auftrag der Bundesrepublik Deutschland gemacht wurden. Heute ist das Institut für Ökologischen Landbau dort beheimatet.

Gut verkleidet in die Halle

Chef Stefan Voelkel und Julia Granobs aus der Marketing-Abteilung stellen uns zunächst in einem kurzen Vortrag ihren „Saftladen“, wie sie ihre Firma liebevoll nennen, vor. Das Unternehmen stellt 150 verschiedene Produkte her; und zwar ausschließlich Direktsäfte. Säfte aus Konzentrat bietet Voelkel nicht an. Farbstabilisatoren, also Stoffe, die helfen, dass roter Saft lange rot bleibt, werden nicht eingesetzt. Auch Ascorbinsäure, die laut Bio-Verordnung erlaubt wäre, lehnt Voelkel ab.

Wie Säfte genau gemacht werden, sollen wir von Patrick Dießel erfahren. Er ist Werksleiter und macht seiner Berufsbezeichnung alle Ehre: Er leitet uns durchs Werk. Zunächst aber führt er uns in die Hygienebestimmungen ein, die hier gelten: Kaugummis und Schmuck sind verboten, feste Schuhe Pflicht. Er verteilt weiße Kittel und Kopfbedeckungen, die wir in den Hallen tragen müssen. Wir kommen uns vor wie an Karneval. Wer will, kann sich bereitliegende Plastikpfropfen in die Ohren stecken. Denn in den Hallen kann es bis zu 80 Dezibel laut werden. Und es wird laut: die Abfüllmaschinen arbeiten unaufhörlich, Pumpen laufen, Flaschen stoßen aneinander, Etikettier-Maschinen rattern. Kilometer lang ziehen sich Edelstahlrohre die Decke entlang, verzweigen sich immer wieder. Viele Absperrventile machen es möglich, den Saft in jeden Winkel des Werks zu leiten.

Wir machen einen kurzen Stopp in der Produktentwicklung. Hier stehen zig Fläschchen mit verschiedenen Säften auf dem Tisch. Deren Inhalte werden immer wieder neu gemischt. So entstehen neue Geschmacksrichtungen und Produkte.

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Links:In rasender Geschwindigkeit werden bei Voelkel Flaschen gespült, abgefüllt, etikettiert und verpackt.

Mitte: Viele verschiedene Getränke sollten die Gäste bei Voelkel nach Aussehen, Geruch und Geschmack benoten.

Rechts: Nach der Betriebsbesichtigung verteilt Sandra Flechsig (rechts) die ersten Gläschen für die Saftprobe.

Geruch? Fehlanzeige

„Wer entscheidet denn letztlich, welches Produkt neu auf den Markt gebracht wird?“, will Leser Andreas Marquardt wissen. Das werde in einem eher kleinen Kreis entschieden, erklärt Werksleiter Patrick Dießel. Meist seien die Marketingleitung und Chef Stefan Voelkel dabei. Dießel führt uns wieder in den Produktionsbereich und damit zurück in den Lärm. Die bis zur Decke ragenden Tanks fassen bis zu 40 000 Liter und sind voll Saft. Gerda Heidkamp wundert sich, dass es hier kaum nach Früchten oder Gemüse riecht. Viele von uns hatten erwartet, dass wir schon von den leckeren Gerüchen high werden: Erdbeer, Maracuja, Ananas… Doch wir riechen fast nichts. Patrick Dießel findet das gut, denn: „Alles, was man riecht, ist in der Luft. Wir wollen den Geschmack aber in die Flasche füllen!” Das leuchtet uns ein.

Aber Voelkel will nicht nur Geschmack erhalten, sondern auch Gerechtigkeit. Der soziale Aspekt ist den Verantwortlichen bei Voelkel sehr wichtig. Sie legen Wert auf eine gerechte Bezahlung ihrer 150 Mitarbeiter und fordern auch von den Lieferanten in Afrika, Asien und Lateinamerika, dass die Produkte auf faire Weise produziert werden.

Mit der Region ist die Firma Voelkel eng verbunden. Das liegt nicht nur daran, dass die Firma seit ihrer Gründung hier zu Hause ist, sondern auch an einem gemeinsamen politischen Ziel: Im nahen Gorleben soll ein Endlager für atomaren Müll entstehen. Die Einwohner des Wendlands protestieren seit Jahrzehnten dagegen. Und Voelkel ist auf ihrer Seite: Wenn in Gorleben Demostrationen stattfinden, verpflegt die Firma die Aktivisten mit Säften. Als in diesem Jahr Voelkels 75-Jahr-Feier anstand, wurde das Fest ganz unkonventionell geplant. Am ersten Juli-Wochenende gab es freitags einen Marsch nach Gorleben, um gegen die Endlager-Pläne zu demonstrieren, und samstags wurde beim großen Jubiläumsfest auf dem Betriebsgelände Essen und Trinken gegen Spende abgegeben. So kamen mehr als 9 000 Euro zusammen, die man über das Kinderhilfswerk Plan International nach Japan gespendet hat, um Opfern der Natur- und Atomkatastrophe zu helfen. Der Widerstand gegen die Atomkraft hat bei Voelkel Tradition: „Wir leben hier im Wendland in unmittelbarer Nähe zu Gorleben und können nicht verstehen, dass ausgerechnet dieser poröse Salzstock, unter dem auch noch Gas ist, für ein Endlager in Betracht gezogen wird“, schüttelt Stefan Voelkel den Kopf.

Auch sonst tut der Betrieb einiges für das ökologische Bewusstsein seiner Mitarbeiter: Regelmäßig werden Fortbildungen angeboten, in denen es zum Beispiel um Nachhaltigkeit im Alltag, die vernünftige Nutzung von Strom und Wasser geht oder es werden Informationen zur Bildung von Fahrgemeinschaften oder zum Wechsel zu Öko-Strom-Anbietern gegeben.

Atomkraft? Nein danke!

Natürlich ist der Betrieb seinen Mitarbeitern ein Vorbild: Schon wegen des Kampfes gegen die Atomkraft kommt im Werk nur Öko-Strom aus der Steckdose. Und das, obwohl hier besonders viel Energie gebraucht wird: Für die Reinigung der Behälter und Rohre ist viel heißes Wasser nötig, die Früchte und das Gemüse müssen aus hygienischen Gründen kurz erhitzt werden, das fertige Produkt auch, damit es sich in den Flaschen länger hält. Selbst die Papier-Etiketten für die Flaschen werden in einer bestimmten Temperatur und Luftfeuchtigkeit gelagert, damit sie gut verarbeitet werden können.

Wir verlassen kurz den Lärm der Produktionshalle und sammeln uns hinter der dicken Glastür des Labors. „Qualitätssicherung” – kurz „QS“ – ist hier das Zauberwort. Jeder Saft wird vor dem Abfüllen auf ph-Wert, Säure- und Zuckergehalt untersucht. Drei Mitarbeiter müssen jeden Tank unabhängig von einander freigeben, bevor sein Inhalt abgefüllt werden darf. Stichprobenweise wird auch nach Pestiziden gesucht. Immerhin werden hier Bio-Säfte hergestellt, da haben Pestizide weder in der Rohware noch im Endprodukt etwas zu suchen.

Raus aus dem Labor, durch die laute Produktionshalle, rein ins Tanklager. Hier stehen die größten Gefäße des Betriebs: Bis zu 50 000 Liter Saft fassen die doppelwandigen Edelstahlbehälter. Eleonore Lemke fragt, warum denn aus dem einen an mehreren Stellen Dampf strömt. Patrick Dießel erklärt, dass dieser Tank gerade gespült wird. Nach der Vorreinigung mit Wasser wird kochendheißer Wasserdampf in den Behälter geleitet, um ihn steril zu bekommen.

An jedem der insgesamt 150 Tanks in diesem Lager hängt ein Zettel, der über den Inhalt aufklärt: „Apfel”, „Möhre”, „Rote Bete”… Nach der Erntezeit sind alle Tanks randvoll. Dann lagern hier unvorstellbare sechs Millionen Liter Saft. Im Lauf des Jahres werden die meisten Tanks im Durchschnitt vier Mal gefüllt und ihr Inhalt verarbeitet: Im vergangenen Jahr hat Voelkel 25 Millionen Liter Saft abgefüllt. Dafür waren 12 500 Tonnen Obst und Gemüse nötig.

Rosenblüten aus Polen

Schrot&Korn-Leserin Annemone Schon will wissen, wie viel Zeit vergeht von der Anlieferung der Rohware bis zum fertigen Saft. „Bis zu 30 Tonnen Rohmaterial können innerhalb von acht Stunden zu Saft verarbeitet werden“, antwortet Patrick Dießel.

Andreas Marquardt entdeckt an einem Tank einen Zettel mit der Aufschrift „Rosenblüten“. Stefan Voelkel erzählt, dass dieses Aroma in einigen Säften verwendet wird. Die Rosen werden auf einem Demeter-Hof in Polen angebaut. Hier wird integrativ gearbeitet; es gibt dort also auch Arbeitsplätze für Behinderte. Die Rosenblüten werden in einem Traubenextrakt eingelegt, wodurch ihr Aroma besonders stark zur Geltung kommt.

Am Beispiel von zwei Produkten beschreibt uns Werksleiter Patrick Dießel die Arbeit bei Voelkel: Die Äpfel werden nach der Anlieferung gewaschen. Saisonkräfte sortieren dann angefaulte Früchte aus. Die guten Äpfel werden gepresst, der trübe Saft zur Desinfektion kurz erhitzt und dann eingelagert. Es kann bis zu einem Jahr dauern, bis der Saft abgefüllt wird. Ein Qualitätsverlust ist dabei laut Dießel nicht zu beklagen.

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Firmen-Chef Stefan Voelkel feierte mit Geschäftspartnern, Kunden und Mitarbeitern im Juli das 75-jährige Bestehen der Firma.

Die 50 000 Liter fassende Tanks beeindruckten die Schrot&Korn-Leser sehr.

Das Rote-Bete-Karussell

Noch intensiver ist der Waschvorgang bei Rote Bete. Denn die wächst nunmal unter der Erde. Bei der Kontrolle kommen sogar Metalldetektoren zum Einsatz, weil es immer mal sein kann, dass die Erntemaschine weg geworfene Dosen „miterntet“ oder eine Schraube in eine Frucht eingewachsen ist. Die sauberen Rote Bete werden blanchiert und zermust. Die entstehende Masse wird auf 60 Grad erhitzt und dann in einer Zentrifuge entsaftet.

Zum Abschluss unseres Besuchs dürfen wir unsere Geschmacksnerven testen: Sandra Flechsig, eine geprüfte Sensorikerin aus der Produktentwicklung, ist mit vielen Gläschen zu uns gekommen. Die bunte Säfte lassen unsere Vorfreude steigen. Doch zuerst dürfen wir nur gucken und das Aussehen des Produkts benoten. Dann wird am Gläschen geschnuppert. Auch der Geruch wird benotet. Endlich (!) dürfen wir probieren. Dabei ist es wichtig, den Saft im ganzen Mund zu verteilen. Denn Geschmacksnerven befinden sich nicht nur auf der Zunge, sondern im gesamten Mundraum, erklärt Sandra Flechsig. Der Geschmack wird ebenfalls bewertet. Schließlich sollen wir noch eine Note für den Gesamteindruck vergeben.

Nacheinander verkosten wir Eistee, Fruchtsaft und einen Cocktail. Wir merken sehr schnell, dass es gar nicht so einfach ist, Fruchtsorten zu erkennen. Beim Cocktail bin ich mir sicher, dass Grapefruit-Saft drin ist und verspreche, dass ich durch die nahegelegene Elbe schwimmen werde, wenn‘s nicht so ist. – Gut, dass die Schrot&Korn-Leser nicht auf die Einlösung der Wette bestanden haben! Es war kein Grapefruit-Saft drin. Es war der Cocktail „Sex on the Beach“ (aber ohne Alkohol). Und der beinhaltet Orangensaft, Cranberry, Pfirsichmark, Traubensüße und Zitronensaft.

Letzter Teil der Verkostung: Möhrensaft. Dabei lernen wir, dass Rothild und Rodelika alte Möhrensorten sind, die besonders gute Qualität liefern. Nun stehen zwei Gläschen Saft vor uns. Der Inhalt des einen – er wurde mit einem normalen Entsafter hergestellt – ist braun und schmeckt ein bisschen bitter. Das andere Glas enthält Möhrensaft aus der Flasche. Der schmeckt eher süßlich und hat eine frische Möhrenfarbe. Das liegt daran, dass dem Voelkel-Möhrensaft noch ein bisschen Zitronensaft zugesetzt wird.

Während des Tages bei Voelkel haben wir Gäste viel gelernt. Mit Sicherheit werden wir Obst- und Gemüsesäfte künftig nicht mehr gedankenlos trinken. Doch klar ist, das Degustieren möchten wir perfektionieren. Und da kommen uns die Saftproben, die wir zum Abschied geschenkt bekommen, gerade recht.

Leserreportage Byodo

Wer kommt mit?

Manfred LoosenAm 17. November 2011 sind wir beim Bio-Schokoladen-Hersteller Vivani eingeladen.

Wer Redakteur Manfred Loosen begleiten will, schreibt bis zum 15.10.2011 eine E-Mail an unterwegs@bioverlag.de oder eine Postkarte an Schrot&Korn, „Unterwegs“, Postfach 10 06 50, 63704 Aschaffenburg.

Wie Qualität gesichert und haltbar gemacht wird. Drei Fragen an Voelkel

Wie werden die Früchte und Gemüsesorten behandelt, wenn die Rohware bei Voelkel ankommt?

Zunächst nehmen wir repräsentative Rohwareneingangsproben, bei denen anschließend die Schmutzprozente und der Brix- (also Fruchtsüße-) sowie der Säuregehalt analysiert werden. Nach Freigabe der Rohware werden die Früchte und Gemüsesorten sorgfältig gewaschen und manuell verlesen, bevor diese zerkleinert und schonend gepresst werden. Der Presssaft wird hinsichtlich verschiedener Parameter wie zum Beispiel PH-Wert, Vitamin C- oder Provitamin A-Gehalt untersucht. Alle notwendigen chemisch-physikalischen Analysen führt unser hausinternes Produktionslabor durch.

Wie gewährleisten Sie die Haltbarkeit der Säfte?

Wir setzen auf ein integriertes System von Lebensmittelsicherheit und Qualitätsmanagement und sind nach internationalen Standards zertifiziert. Regelmäßige Kontrollen durch unabhängige Prüfstellen und die lückenlose Überwachung der Saftherstellung in unseren firmeneigenen Laboren garantieren die gleichbleibend hohe Qualität unserer Säfte. Um die Produktsicherheit und das Mindesthaltbarkeitsdatum gewährleisten zu können, werden die Säfte pasteurisiert, das heißt: Je nach Sorte erhitzen wir die Frucht- und Gemüsesäfte für cirka 20 Sekunden auf 75°C bis 95°C – einige wenige wegen des PH-Werts auf über 95°C – und kühlen sie anschließend sofort zurück.

Werden dabei Vitamine und Mineralstoffe zerstört?

Da wir die Frucht- und Gemüsesorten so schonend und werterhaltend wie möglich pressen und den Direktsaft durch ein spezielles Kurzzeiterhitzungsverfahren mit sofortiger Rückkühlung pasteurisieren, bleiben der ursprüngliche, fruchttypische Geschmack und auch die natürlichen Pflanzeninhaltsstoffe, wie Vitamine und Mineralstoffe, weitestgehend erhalten.

Die Fragen beantwortete die Pressesprecherin der Firma Voelkel Julia Granobs.

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