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Kleine Entdecker

Keine Kompromisse – Bianca Maiberger konnte keine Kinderkrippe mit Essen aus biologischem Anbau finden und gründete deshalb die erste Öko-Krabbelstube vor Ort. // Sylvia Meise

Mein Bio - Kinderkrippe Sie haben doch Bio-Essen – oder?“, mit dieser Grundfrage erkundigte sich Bianca Maiberger wegen ihrer anderthalbjährigen Alanna bei allen Darmstädter Kinderkrippen mit Öko-Mittagstisch im Konzept.

Ach wissen Sie, lautete immer die Antwort, das steht bloß im Internet noch so, das machen wir nicht mehr. Den Eltern unserer Kinder ist das zu viel. Zu viel? „Zu viel Aufwand“, die Mutter von zwei Töchtern kennt das Argument noch aus der Zeit, als ihre Ältere, die heute viereinhalbjährige Kayleigh, in der Krippe der Technischen Universität untergebracht war.

Eltern, die dort abwechselnd Kochdienst hatten, mochten nicht mehrere Stellen anfahren, um biologische Zutaten zu besorgen. Heute dagegen sei mit „zu viel“ immer öfter auch der Preis gemeint. Bianca Maiberger plädiert dagegen mit weicher Stimme für bewussteren Konsum: „Das ist eine Frage des Kaufverhaltens. Dass Bio ein teureres Leben ist, ist ein Vorurteil, das sich wacker hält.“ Irgendwann, als die Kinder im Bett waren, elektrisierte sie plötzlich der Gründungsblitz – „Wir machen einfach selber eine Bio-Krippe“, beschied sie ihrem Ehemann Holger im Februar 2007. Ein Dreivierteljahr später war die Idee Wirklichkeit geworden.

Kaum Zettel gepinnt, schon klingelt's

Inhaltlich arbeiten die Erzieherinnen seit dem Startschuss im November 2007 nach der freiheitlich orientierten Emmi-Pikler-Methode. Interessierte Familien für die zehn Plätze der künftigen Bio-Krippe zu finden, war kein Problem. Bianca Maiberger hatte kaum Info-Zettel aufgehängt, da klingelte schon das Telefon. Bevor allerdings das erste Kind über die Schwelle treten konnte, gab es etliche Hürden zu meistern.

„Da lagen schon einige Steine im Weg“, erzählt die unerschrockene Gründerin. Das erste Gespräch auf dem Darmstädter Familienamt schien gut zu verlaufen, dennoch verabschiedete man sie eher kühl. Heute weiß sie, warum: „Die Idee, wir gründen jetzt eine Krabbelgruppe, kommt ganz vielen, aber die wenigsten tun es dann auch.“ Mit der Hartnäckigkeit und Power dieser Frau hat der Mann vom Amt sicher nicht gerechnet.

Eine megakurze Frist

Stichtag für derartige Anträge ist der 1. März. Es blieb eine Woche Zeit – eine megakurze Frist. Ein Verein musste gegründet, ein Finanzierungs- und Umbauplan abgeliefert und vor allem eine Antragserlaubnis eingeholt werden. Mit Klein-Alanna im Tragetuch telefonierte die Mutter, konzipierte und lief sich die Hacken ab. Papa kaufte ein, beobachtete das Wachsen der Wäscheberge, zog ins Zimmer seiner älteren Tochter – und behielt die Nerven.

Zum Thema Finanzierung beschied das Land: Krippenplätze? Gerne! Die Hälfte der Kosten übernehmen wir. Haken: höchstens 50 000 Euro Baukosten und die Restfinanzierung in trockenen Tüchern. Das bedeutete, 25 000 müssten die Eltern der Krippenkinder aufbringen. Doch die Mitglieder des damals noch frischen Elternvereins „Kleine Entdecker“ sind allesamt keine Rothschilds, ihnen grauste.

Bratwürste Na warte! Bianca Maiberger hatte wieder eine Idee und stand erneut beim Familienamt auf der Matte. Sie verließ das Haus mit der Zusicherung, man werde ein Viertel der geplanten Kosten übernehmen, den Rest müsse der Verein aufbringen und ein Baukostenplan sollte her. Von ihr? Einer Mama? Würde nie durchgehen, überlegte sie und holte sich Rat bei einem Architekten.

Ob man ihr vielleicht helfen könne? Klar. Sofort. Kein Thema. Er fertigte Bauzeichnung und Kostenschätzung und haute seinen Stempel drauf. Das noch fehlende Geld wurde über Sach- und Geldspenden sowie eigene Arbeit erwirtschaftet, erzählt Maiberger. Eigene Arbeit – wie? „Unsere Eltern packten an, wo sie konnten. Die sind zum Schreiner gefahren, haben geschliffen, geölt und gewachst … beim Umbau geholfen und, und, und.“ Die Krippengründerin ist noch immer kaputt von der aufreibenden Geschichte, aber glücklich zum Platzen. „Das war eine tolle Zeit. Uns kam so viel Positives entgegen!“ Wie sie das alles gemanagt hat? Sie rollt die Augen, „Wir haben Hunderte von Briefen geschrieben“, und manchmal habe sie durch ihre Töchter auch verrückte Ideen bekommen: „Als unsere Kleine zehn Monate war, hing sie oft mit beiden Händen am Wasserhahn, Mund auf und den Hebel hochgedrückt. So hat sie getrunken“, lacht sie. Der Hersteller, dem sie das Foto mit ihrer Geschichte schickte, fand’s auch gut und revanchierte sich mit einer Armatur für die Krippe.

„Ich helfe euch“

Auch anderen Unterstützern imponierte die Bio-Krippen-idee, etwa dem Sanitärexperten aus Messel, der per E-Post versprach: Ich finde klasse, was ihr macht, ich helfe euch. Sprachs, kam und baute die komplette Sanitärinstallation ein. Kostenlos. Zwar fehlen noch Dreiräder und ein Kredit muss abgetragen werden, doch für die Knirpse ist gesorgt: Alannas Alltag kann kommen.

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Kommentare

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incl. 'http://'
Unrecht
Ich finde es ganz toll,

daß es Menschen gibt, die sich nicht so schnell beirren lassen!

Ich verwende selbst viele Bioprodukte und arbeite im eigenen Garten ohne Chemie!