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Mit Bio über die Alpen

In zehn Tagen 818 Kilometer durch die Alpen – zu Fuß und mit Gleitschirm. Damit er das schneller schafft als seine Konkurrenten, setzt Extremsportler Michael Gebert auf mentale Stärke und Bio-Essen.

Michael Gebert

Wie sehen die Regeln bei diesem X-Alps-Rennen genau aus?

Eigentlich ist das ganz einfach: Es geht in Salzburg los, und wer als Erster in Monaco ist, hat gewonnen. Dabei darf man nur seinen Gleitschirm benutzen und seine Füße, also keinerlei andere Hilfsmittel. Die Gleitschirmausrüstung muss man immer dabei haben, das ist Pflicht. Und das GPS-Gerät, das die Route aufzeichnet. So wird kontrolliert, dass man – wie vorgeschrieben – auch durch bestimmte Regionen wie Watzmann, Matterhorn und Mont Blanc gekommen ist. Wie man die Route dazwischen wählt, ist völlig frei, und welche Pausen man macht, ist auch jedem selbst überlassen.

Das heißt, auch beim Schlafen läuft die Zeit weiter?

Genau.

Ist das nicht gefährlich, wenn sich da einer überschätzt, zu wenig schläft?

Ja klar. Normalerweise schläft man nie länger als drei, vier Stunden. Da braucht es dann eine große mentale Stärke, trotz Müdigkeit weiter zu machen. Ich kann mich ganz gut pushen. Und ich habe einen tollen Supporter: Florian Schellheimer kenne ich seit der Schulzeit.

Der Supporter, der Begleiter, den jeder Athlet hat, sorgt auch für saubere Kleidung und die Verpflegung. Wie sieht die Ernährung bei solchen Extremleistungen aus?

Grundsätzlich muss man sich bei solchen Anstrengungen mit genügend Kohlenhydraten versorgen. Auch Eiweiß ist wichtig, das kann ich aber komplett vegetarisch abdecken. Mir ist wichtig, wo mein Essen herkommt. Ich ernähre mich schon lange bevorzugt von Bio-Lebensmitteln. Gerne würde ich auch noch mehr im eigenen Garten anbauen. Es hat sich einfach super ergeben, dass ich mit Rapunzel einen Sponsor gefunden habe, der mich unterstützt. Das ist eine gute Kombination.

Geht der Supporter regelmäßig einkaufen oder hat er das Auto voll Lebensmittel?

Er hat das Auto voll Essen. Vor dem Start werden wir gut versorgt, so dass der Supporter unterwegs nur mal ein paar frische Sachen kaufen muss. Anspruchsvoll ist die Küche während des Rennens nicht: Wir essen viel Nudeln, Reis; halt Sachen, die schnell gehen, die einfach sind, damit man schnell weiterkommt.

Michael Gebert Im Reisefieber
Michael Gebert reist gerne durch die Welt. Dabei unterscheidet er zwischen Urlaub und Reisen. Beim Reisen, sagt Gebert, lerne man wirklich die Menschen, die Natur, die Atmosphäre fremder Länder kennen. Deshalb ist er in fremden Ländern meist zu Fuß unterwegs oder mit Bussen. Michael Gebert ist gerade 30 Jahre alt geworden. Er war schon in Äthiopien, Süd- und Mittelamerika. Nach einiger Zeit kommt aber immer Heimweh auf. „Meine Allgäuer Heimat ist einfach einzigartig“, sagt er (www.high-experience.de).

Wie passen Bio und Extremsport zusammen?

In meinen Augen sehr gut. Ich verlange von meinem Körper Höchstleistung, dadurch ist es für mich eine logische Konsequenz, dass ich ihm die besten und hochwertigsten Lebensmittel gebe. Das erreiche ich durch Lebensmittel, die einfach in der Erde wachsen dürfen und keine künstlichen Dünger und Spritzmittel sehen. Ich brauche auch keine Nahrungsergänzungen und Pülverchen. Darüber habe ich schon oft mit Sportärzten diskutiert, die meinten, der Körper könne so einen Wettkampf ohne Nahrungsergänzungsmittel gar nicht aushalten. Ich merke aber, dass ich ohne definitiv keinen Nachteil habe.

Was ist mit isotonischen Getränken?

Mineralische Getränke nutze ich schon. Da kriegt man halt mehr Nährstoffe als durch Wasser oder Apfelschorle.

Wie halten Sie es mit Fleisch?

Während des Wettbewerbs esse ich gar keins. Da essen wir viel Soja, das kann man gut in die Tomatensuppe tun. Ich esse ganz wenig Fleisch. Ich bin kein militanter Vegetarier, aber hier daheim koche ich so was nie.

Warum nicht?

Ich glaube, dass der Fleischkonsum der Menschheit viel zu krass ist, zu brutal. Es gibt Studien, dass auf der Erde alle Menschen satt würden, wenn kein Mensch mehr Fleisch essen würde. Ich war in Südamerika. Es ist doch unglaublich, dass da auf einem Viertel der Fläche im Prinzip nur Soja für die Fleischproduktion in Europa oder Amerika angebaut und dadurch alles zerstört wird. Und gleichzeitig hungern viele Menschen dort. Dass man dann hier ein Hähnchen für 1,99 Euro kaufen kann, finden viele toll. Ich nicht!

Deshalb ist Ihnen auch fairer Handel wichtig?

Ja. Ich finde es wichtig, dass die Menschen in Entwicklungsländern zunächst das anbauen, was sie selbst essen können. Außerdem sollen sie ihre alten Traditionen fortsetzen können und nicht Saat aus Europa aufgedrängt bekommen, weil es vielleicht dreimal so groß ist, aber fünfmal mehr Wasser braucht.

Das hört sich alles sehr überlegt an; Sie machen sich viele Gedanken über sich und die Welt. Wie kommt es da, dass Sie solche „verrückte“ Sachen machen wie diese X-Alps, bei denen Sie wie weit fliegen und wie weit laufen?

Ich glaube, ein bisschen verrückt ist jeder. Im vergangenen Jahr bin ich bei den X-Alps 600 Kilometer zu Fuß gelaufen und etwa 550 Kilometer mit dem Schirm geflogen.

Und das alles in knapp zwei Wochen!

Ja, die weiteste Strecke zu Fuß waren, glaube ich, 81 Kilometer an einem Tag. Und das mit dem Rucksack auf dem Rücken.

Aber Sie gehen, Sie laufen nicht?

Das ist so eine Mischung, Je nachdem, wie fit man ist und wo man gerade unterwegs ist, da legt man manchmal auch ein bisschen Laufstrecke ein.

Wann ist das X-Alps-Rennen zu Ende?

Wenn der Erste in Monaco angekommen ist, läuft das Rennen noch 48 Stunden. Beim letzten X-Alps war ich am Ende 150 Kilometer vor Monaco. Ich war also relativ knapp davor. Irgendwann will ich Monaco auch mal erreichen! Dabei wäre es mir egal, ob ich auf dem fünften oder dem zweiten Platz liege. Ich will einfach mal in Monaco ankommen.

Was macht man in den ersten zwei Tagen nach dem Ende des Rennens? Nur Duschen, nur Schlafen?

Beim letzten Mal bin ich innerhalb von 30 Sekunden im Straßengraben eingeschlafen. Da ist es einem dann wirklich völlig egal, wo man ist. Da kann man überall schlafen.

Aber trotzdem wollen Sie wieder mitmachen 2011?

Ja! Kurz nach dem Rennen denkt man sich: „Nie wieder, definitiv nie wieder.“ Aber so nach und nach fängt es wieder an.

Wie war die Siegerehrung in Monaco?

Die fällt immer eher flach aus. Die Athleten sind einfach zu müde: Der eine schläft an der Bar ein, der andere auf dem Sofa oder auf dem Sessel. Da geht dann gar nichts mehr.

Manfred Loosen und Michael Gebert (re.)

Schrot&Korn-Redakteur Manfred Loosen besuchte Michael Gebert (rechts) in seinem Haus in Langenwang im Allgäu.

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