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Wachen und schlafen ohne Elektrosmog

Wie Hochspannungsleitungen und Funkwellen Menschen krank machen, wurde in unserer letzten Ausgabe (Schrot&Korn 2/98) ausführlich beschrieben. Doch nicht nur im Freien, auch innerhalb der eigenen vier Wände sind wir häufig Elektrosmog ausgesetzt. Hier aber lassen sich viele Risiken vermeiden - vorausgesetzt, man kennt die möglichen Gefahren und schafft rechtzeitig Abhilfe.


Ohne Elektrizität will heutezutage niemand mehr leben. Auch Wolfgang Maes nicht, in Deutschland einer der bekanntesten Sachverständigen für Umweltanalytik und Baubiologie. Er forscht nach Strahlen, Gasen und Giften, nach Asbest, Schimmelpilzen und anderen Innenraumrisiken. Sein Wahlspruch: "Ich mache kranke Häuser gesund". Daß dies bitter nötig ist, läßt sich kaum noch übersehen. Elektrosmog ist für Maes nur eine von vielen möglichen Gesundheitsbelastungen, aber eine der am meisten unterschätzten. Dabei wäre es nach Maes' Aussage "ein Leichtes, 80 Prozent des hausbackenen Elektrosmogs ohne großen Arbeits- und Kostenaufwand zu beseitigen". Auf den geliebten Komfort müßten wir dabei nicht einmal verzichten. "Es gilt zu erkennen, daß man mit Strom feldfrei leben kann."

In Schrot&Korn 2/98 haben wir es schon erläutert: Überall, wo Strom fließt, entstehen elektrische, dort, wo Geräte betrieben werden, außerdem elektromagnetische Felder, die - obwohl unsichtbar - in biologischen Systemen Streßreaktionen hervorrufen können. Unter welchen konkreten Bedingungen der menschliche Körper mit Krankheit reagiert, läßt sich nicht vorhersagen. Neben der individuellen Disposition spielen Feldstärke, Frequenz, Einwirkungsdauer und zahlreiche andere Umweltfaktoren eine Rolle. Für unabhängige Wissenschaftler steht jedoch fest, daß Elektrosmog langfristig das Immunsystem schädigt und den Boden bereitet für verschiedene akute und chronische Leiden.

Die wichtigste Voraussetzung: ein smogfreier Schlafplatz
Dies gilt besonders für die Phase, in der wir die Erholung vom Alltagsstreß am nötigsten haben, den Schlaf. Fast ein Drittel unserer Lebenszeit verbringen wir im Bett, nirgendwo sonst sind wir störenden Einflüssen schutzloser ausgesetzt. Während des Nachtschlafes rechnet der Körper nicht mit Angriffen von außen, die Leistungen des Immunsystems, viele vegetative Prozesse und vor allem die körpereigene Fähigkeit zur Gegenregulation sind auf ein Minimum reduziert. Bereits vor 400 Jahren hatte Paracelsus daher gewarnt: "Ein krankes Bett ist ein sicheres Mittel, die Gesundheit zu ruinieren." Wolfgang Maes hat die traurige Erkenntnis optimistisch gewendet: "Wenn es mir gelingt, wenigstens diese zwei Quadratmeter meines Lebens in Ordnung zu bringen, ist schon viel erreicht."

Als erstes sollten alle potentiellen Elektrosmog-Verursacher aus dem Schlafzimmer verschwinden, zum Beispiel Fernseher, CD-Player, Computer, Speicheröfen, Netzteile, Leuchtstoffröhren, Heizdecken, Weckradios und andere Geräte. Daß elektrisch beheizte Wasserbetten tabu sind, versteht sich von selbst. Aber auch Federkernmatratzen scheiden aus, da jede Art von Metall zu unnötigen Aufladungen führt und der Körper wegen des fehlenden Bodenkontaktes nicht in der Lage ist, so wie im Wachzustand zu entladen. Am besten ist zweifellos ein metallfreies Bett. Wer nachts nicht zur Ruhe kommt, viel schwitzt und morgens wie gerädert aufwacht, sollte über eine Sanierung des Schlafplatzes nachdenken. Nicht immer wird die Gesamtsituation mit der Entfernung aller überflüssigen Geräte spürbar entschärft.
Vielerorts sind die Leitungen in der Wand schlecht abgeschirmt und bauen starke elektrische Felder auf, deren Messung schwierig ist und durch einen Fachmann erfolgen sollte. Sogenannte Netzfreischalter (Feldschaltautomaten), die mit der Sicherung einzelner Stromkreisläufe gekoppelt werden und die Zufuhr immer dann unterbrechen, wenn kein Strom mehr verbraucht wird, können das Problem lösen. Sie kosten rund 200 Mark und sind leicht zu installieren. Von ihrem prophylaktischen Einbau durch Laien rät Wolfgang Maes allerdings ab. Falls die tatsächliche Elektrosmogbelastung gering sei, könne man sich das Geld sparen. "Nur gezielt eingebaut von sachverständigen Händen nach meßtechnischer Prüfung" sind die kleinen Helfer laut Maes eine sinnvolle Investition.

Im Gegensatz zu den gut erforschten Magnetfeldern hat man die gesundheitlichen Auswirkungen elektrischer Felder bisher ignoriert oder maßlos unterschätzt. Ein möglicherweise tragischer Irrtum, zumal die Abschirmung meist ein Kinderspiel wäre. Vor allem bei Neu- und Umbauten könnten die Eigentümer durch Verwendung von sogenannten Bioinstallationskabeln ein angenehmeres Wohnklima schaffen. Auch leitfähige Anstriche, Fenstergläser, Kleber, Bodenbeläge und Fliesen sind mittlerweile auf dem Markt. Geräte und Leitungen sollten grundsätzlich geerdet sein, für Maes ein zentraler Aspekt. So verringerte allein die nachträgliche Erdung einer Nachttischlampe bei einem seiner Klienten die meßbare Körperspannung von 2100 auf 160 Millivolt. Elektrobiologisch ungünstig sind auch ungeerdete Aluminiumfolien im Dachstuhl und zuviel Restfeuchte in der Wand.

"Warum werden an deutschen Steckdosen Phase und Nulleiter nicht kenntlich gemacht?", fragt Maes und nimmt ein weiteres Ärgernis ins Visier. Bei "falscher" Steckerposition stehen Leitungen und Geräte dauernd unter Spannung. In diesem Falle leuchtet der Prüfschraubenzieher in der Lampenfassung auch dann, wenn der Schalter auf "Aus" steht. Auch an der Steckdosenleiste kann man diesen simplen Test selbst durchführen. Laut einer Meldung der Computerzeitschrift "Chip" sinkt die Monitorstrahlung bei richtiger Steckerposition um bis zu 90 Prozent. Der Rat des Fachmanns: Stecker entweder umdrehen oder ganz ziehen und schaltbare Steckdosenleisten verwenden. Flache Eurostecker möglichst meiden und dreiadrige geerdete Zuleitungen mit Schukosteckern vorziehen.

Viele Menschen ahnen nicht einmal, welchen unnötigen Belastungen sie sich aussetzen. Zum Beispiel daß Leuchtstoffröhren und Halogenlampen ungewöhnlich intensive Felder aufbauen und Heizkissen oder Solarien in punkto Feldstärke mitunter Hochspannungsleitungen Konkurrenz machen? Oder daß Effektleuchten aus dem Kaufhaus derart extreme elektrische Wechselfelder bescheren, daß sogar teure Meßgeräte "ausflippen"? "Um die Computerarbeitsplatznormen zu erfüllen", so Maes, "müßte man über 10 Meter Abstand halten." Ein harmloseres Beispiel: Quarzuhren senden dank der eingebauten Spulen mit jedem "Ticken" einen harten magnetischen Impuls aus. Die Feldstärke schwankt nach Maes' Messungen zwischen 5.000 und 20.000 Nanotesla (nT). "Jede Sekunde 20.000 nT, tagein, tagaus! Muß das sein?"

Manche Feldverursacher wie Rasierapparat oder Fön sind nur kurzzeitig in Betrieb, zum Glück. Andere liefern still und leise "Elektrosmog nonstop" (Maes), wie das digitale schnurlose Telefon. Hinter massiven Wänden konnte Maes mit seinem Spektrumanalyser bei einem ruhenden Schnurlosen noch Signale von 1,9 Gigahertz messen. Sein Fazit: Für Haupt- anschlüsse ungeeignet. Die Mobilfunkkarten sind aber noch nicht ausgereizt. Eine Flut von neuen Satelliten und Raum-Stationen läßt (Alp-)Träume wahr werden: Jeder soll im Jahre 2001 mit jedem schnurlos telefonieren können, von jedem beliebigen Ort der Welt aus. Für die Branchen-Führer verspricht das "Superphon" ein Jahrtausendgeschäft. Das Wort Elektrosmog dürfte im Vokabular der Manager kaum vorkommen. Techniker und Marktstrategen geben ein atemberaubendes Tempo vor, die Risikoforscher hecheln verzweifelt hinterher.

Soforthilfe-Tips: Abschirmen, Abschalten und Abstand halten
Angesichts dieser Entwicklung wird die eigene Wohnung für Otto Normalverbraucher zum letzten Refugium im Kampf um ein streßärmeres Leben. Die Frage "Was tun gegen Elektrosmog?" läßt sich im Grunde ganz einfach beantworten: Abschirmen, Abschalten (sooft es geht) und - vor allen Dingen - Abstand halten. Wer dies beherzigt, hat sein persönliches Risiko schon deutlich reduziert. Jeder kann einmal, wenn er Beschwerden hat, versuchsweise für acht Tage nachts die Schlafzimmersicherung herausdrehen. Wer damit nicht zufrieden ist und Details klären will, ist auf kompetente Hilfe angewiesen. Baubiologen haben in der Regel eine solide Ausbildung, doch sind ihre Dienste nicht ganz billig. Maes beziffert die Kosten je nach Umfang der Messungen auf 700 bis 2000 Mark.

Heinz Steinig von der Arbeitsgemeinschaft Leiden unter Spannung berät seit Jahren Ratsuchende und versorgt sie mit geeigneten Adressen. Nicht selten bekommt er Meßprotokolle auf den Tisch, die ihn genauso wie die Betroffenen ins Grübeln bringen. "Manche lassen ihre Kunden mit ein paar Zahlen im Regen stehen." Für Steinig ist es gar nicht verkehrt, wenn Laien zu Anfang mit einem verhältnismäßig preiswerten Meßgerät (ab circa 500 Mark) eigenhändig auf Spurensuche gehen.

Ob es ratsam ist, einen Rutengänger hinzuzuziehen, ist schwer zu sagen. Maes ist skeptisch, denn die Ergebnisse verschiedener Tester stimmten selten überein. Es seien zahlreiche Geschäftemacher am Werk, die die Not der Menschen ausnutzten. Andererseits gebe es "hin und wieder Personen, die auf sensitiver Ebene Gefahrenpotentiale aufspüren, für die ich Meßgeräte brauche." Bei einigen für teures Geld angebotenen Hilfsmitteln wie Spezialbettüchern oder Strahlenschutzsteckern und -anhängern hegt der Baubiologie Zweifel an der Seriosität der Anbieter. Viele Menschen fielen auf leere Versprechungen herein. "Das Schlimmste daran ist: Der Wunderglaube verhindert, daß man wirkliche Verbesserungen vornimmt."
Hans Krautstein

Nervenzellen reagieren auf minimale Reize
Ohne mikroelektrische Impulse funktioniert im menschlichen Körper buchstäblich nichts. Von solchen winzigkleinen Ladungen und Entladungen hängen neben dem Stoffaustausch unzählige andere Lebensprozesse ab. Eine Nervenzelle, so konstatieren selbst die Stromerzeuger, nimmt elektrische Reizungen schon ab einer Spannung von 15 bis 20 Millivolt wahr. Bereits hier kommt es an den Zellmembranen zur kurzfristigen Ladungsumkehr, die Entstehung von Wirbelströmen stellt ein weiteres Gesundheitsrisiko dar. Die wirklichen Elektrosmogbelastungen in unserer Alltagswelt sind indes um ein Vielfaches höher.

Amtliche Grenzwerte, so scheint es, nehmen bisher auf die Erfahrungen von Baubiologen und die Ergebnisse neuester medizinischer Forschungen wenig Rücksicht. Während unabhängige Wissenschaftler etwa im Niederfrequenzbereich (50 Hertz) eine elektrische Feldstärke von maximal 10 Volt pro Meter (V/m) und eine magnetische Flußdichte von 200 Nanotesla (nT) für vertretbar halten, lassen die deutschen Bestimmungen das Fünfhundertfache zu (5000 V/m und 200.000 nT). Besser sieht es aus bei Computer-Bildschirmen, wo sich zunehmend die strenge Schwedennorm (TCO) durchsetzt. Allerdings sind die übrigen Haushalts- und Bürogeräte von solch verbraucherfreundlichen Werten oft meilenweit entfernt.


Adressen
Arbeitsgemeinschaft Leiden unter Spannung, Heinz Steinig,
Badener Straße 23,
65824 Schwalbach/Taunus,
Telefon 06196-83956.
Katalyse Umweltinstitut,
Mauritiuswall 24-26, 50676 Köln,
Telefon 0221-235963.
Wolfgang Maes, Baubiologie und Umweltanalytik, Schorlemerstr. 87, 41464 Neuss, Telefon 02131-43741, Fax 44127.
Merkel Meßtechnik, Fürstensteinweg 10, 83471 Berchtesgaden,
Telefon 08652-949906, Fax 949907.


Literatur
Wolfgang Maes: Streß durch Strom
und Strahlung, Institut für Baubiologie
und Ökologie, Neubeuern 1998,
500 Seiten, DM 42,-.
Heinz Steinig: Elektrosmog -
der unsichtbare Krankmacher,
Herder Verlag, Freiburg 1994, 141 Seiten, DM 14,80.
Katalyse e.V. (Hrsg.): Elektrosmog,
C.F. Müller Verlag, Heidelberg 1997,
242 Seiten, DM 44,-.

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