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Lavendel-Anbau: Ein Traum wird wahr

Pioniere: Taoasis- Chef Axel Meyer (l.) und Bio-Bauer Martin Meiwes bauen in Nordrhein-Westfalen Bio-Lavendel an. (© Thomas Langreder/bio verlag)
(© Thomas Langreder/bio verlag)
Die Schwestern Lidia und Milica Butucel  (v.l.n.r.) ernten den Lavendel per Hand. (© Thomas Langreder/bio verlag)
(© Thomas Langreder/bio verlag)
Auf dem Hof von Taoasis wird die Ernte abgeladen ... (© Thomas Langreder/bio verlag)
.... und schließlich in die neue Edelstahl-Destille gefüllt. (© Thomas Langreder/bio verlag)
Unsere Autorin Astrid Wahrenberg war bei der Lavendelernte dabei ... (© Thomas Langreder/bio verlag)
... und schnupperte das frisch aus der Destille tropfende Lavendelöl. (© Thomas Langreder/bio verlag)
(© Thomas Langreder/bio verlag)
(© Thomas Langreder/bio verlag)

LAVENDEL Bio-Bauer Martin Meiwes baut für Taoasis Lavendel an – nicht am Mittelmeer, sondern bei Detmold. Das Experiment läuft erfolgreich. Unsere Autorin Astrid Wahrenberg war bei der Ernte dabei.

Wanderer machen eine Rast und stehen staunend am Weg, ein Fotograf stellt gerade sein Stativ auf. Die lilablaublühenden Lavendelfelder in der Nähe von Detmold sind eine kleine Sensation. Morgen rückt ein Fernsehteam an, um einen Film über die Duftpflanzen zu drehen und seit kurzem gibt es eine Parkanweisung, damit die vielen Besucher der Lavendelfelder mit ihren Autos nicht durch Feld und Flur fahren. Bei Bioland-Bauer Martin Meiwes steht wegen all dem seit Wochen das Telefon nicht still. Meiwes, der eigentlich vom Gemüseanbau lebt, hat 2014 im Auftrag der Duftmanufaktur Tao­asis zwei Hektar Land in geschützter Südwestlage mit rund 50000 Lavendelpflänzchen bepflanzt.

Ein betörender Duft liegt in der Luft

Seither gedeihen die Pflanzen prächtig, so prächtig, dass sie jetzt in größerem Stil geerntet werden können. Die Sonne strahlt an diesem Juli-Tag herunter auf die meterlangen Reihen lilafarbener Lavendelblüten. Zwei Erntehelferinnen schnallen sich zwei Korbtragen auf den Rücken und beginnen mit ihrer Arbeit im Feld. Ein betörender Duft liegt in der Luft. Hummeln, Bienen und Schmetterlinge umschwirren die Pflanzen und tanken Nektar. Ein bisschen fühlt es sich so an wie im Süden. „Lippische Toskana“ nennt Taoasis-Chef Axel Meyer diese Gegend gerne wegen der hügeligen Landschaft. Der Kreis Lippe liegt allerdings nicht in Italien, sondern in Nordrhein-Westfalen.

Das Unternehmen, dessen Firmensitz circa acht Kilometer entfernt in Detmold liegt, verkauft naturreine ätherische Bio-Öle, Raumdüfte, Naturkosmetik, Bio-Parfüms und einige medizinische Produkte für die Aromatherapie. Die Firma verwendet für die Produktion fast ausschließlich bio-zertifizierte Rohstoffe. „Wir sind besonders stolz darauf, dass die Lavendelfelder und das -öl im nächsten Jahr Demeter-zertifiziert sind“, sagt Axel Meyer.

Für den Taoasis-Chef ist der Lavendel­anbau im heimischen Detmold ein wahr gewordener Traum. „Ich habe dieses Bild schon lange im Kopf“, erzählt er, während er durch das Lavendelfeld spaziert. Auf dem Weg zur Arbeit fuhr er mit dem Rad regelmäßig an dieser Stelle vorbei und hat sich ausgemalt, wie es aussehen könnte. Viele Male war er in den Anbaugebieten in Frankreich und Italien, von wo das Unternehmen sein Lavendelöl seit Jahrzehnten bezieht. „Unsere Sommer werden immer heißer, der Duftpflanzenanbau könnte langfristig was für Deutschland sein“, hat er sich irgendwann gedacht und recherchiert. Und siehe da, „im Mittelalter haben Bauern auf der Schwäbischen Alb Lavendel kultiviert“.

In Bioland-Bauer Martin Meiwes fand Meyer einen Verbündeten. Die Lavendelfelder in Detmold-Fromhausen liegen nur wenige Minuten von seinem Hof entfernt. Meiwes bewirtschaftet rund 40 Hektar Land, 20 Hektar davon rund ums Jahr mit mehr als 60 Gemüsesorten. Zudem hat er sich auf Kräuter spezialisiert.

Grosser Bedarf

Der deutsche Lavendel deckt nur einen geringen Teil des Bedarfs von Taoasis. Den Großteil des Öls bezieht das Unternehmen nach wie vor aus Frankreich und Bulgarien.

Lange überzeugen musste Axel Meyer Martin Meiwes nicht von seiner Idee. „Ich hatte zufällig zwei Felder in geschützter Lage, die noch nicht verplant waren und fand das gleich spannend“, sagt Meiwes. Die Pflänzchen waren schnell gekauft, Meiwes pflanzte sie in Reihe als Dammkultur aus, also nicht flach in die Erde, sondern etwas erhöht auf einen Erdwall. „So kann das Wasser besser abfließen, die Pflanzen stehen nicht zu nass und bekommen mehr Sonne ab.“ Zum Glück ist Lavendel wie viele Kräuter genügsam und weil er stickstoffhaltige Dünger nicht mag, ist er sozusagen perfekt für den Bio-Anbau geeignet. Da Bio-Bauer Meiwes auf chemisch-synthetische Pestizide verzichtet, bedeutet das aber auch viel Handarbeit: Seine Mitarbeiter mussten unerwünschte Beikräuter entfernen, die das Feld sonst überwuchert hätten. Ansonsten hieß es abwarten und hoffen: Dass die Pflanzen gut durch den Winter kommen, der Sommer nicht zu nass wird und die Temperaturen hoch genug werden, sodass sich reichlich ätherische Öle in der Pflanze bilden. „Wir können auf keine Erfahrungswerte zurückgreifen, das ist ein absolutes Pionierprojekt“, sagt Meiwes, der dieses Jahr außerdem ein Versuchsfeld mit Zitronenmelisse für Taoasis angelegt hat.

Lavendelsterben in Südfrankreich

Für Axel Meyer könnte sich das Wagnis lohnen. Denn in Frankreich kämpfen Lavendelbauern mit einer Zikadenart, die Bakterien auf die Pflanze überträgt. „Diese Bakterien blockieren die Nährstoffzufuhr in der Pflanze. In Kombination mit immer weniger Niederschlägen vertrocknen jedes Jahr mehrere Hektar Lavendel in Frankreich“, sagt Meyer. Obwohl Experten mit Hochdruck daran forschen, haben sie bislang noch kein Mittel gegen das Lavendelsterben gefunden. Meyer glaubt, dass auch die Böden eine große Rolle spielen. „In Frankreich sind die Böden durch den jahrzehntelangen Lavendelanbau ausgelaugt.“ Diese Gefahr besteht hier nicht: Meiwes bestellt seine Felder, wie es der Bio-Anbau vorschreibt, mit einer vielfältigen Fruchtfolge. Gründüngung und Kompostgaben halten die Böden vital und gesund.

Wegen des Lavendelsterbens in Frankreich lassen Naturkosmetikfirmen mittlerweile in Moldawien oder wie Taoasis in Bulgarien anbauen. Denn ob für Raumdüfte, Naturkosmetik, Aromatherapie oder die Aromaküche – naturreines Lavendel­öl ist durch seine gute Verträglichkeit und vielfältigen Einsatzmöglichkeiten in jedem Duft-Sortiment unverzichtbar. „Lavendel ist das Herzstück unserer Firma und gleichzeitig das beliebteste Produkt“, sagt Meyer.

Mit dem Lavendelanbau in Detmold holt sich Taoasis nun nicht nur den Duft vor die Haustüre, sondern auch die Vorteile des regionalen Anbaus: Der unmittelbare Kontakt zum Erzeuger und kurze Wege vom Feld bis zur Produk­tion. So kann Axel Meyer auch heute live bei der Ernte dabei sein. Die Mitarbeiterinnen von Bauer Meiwes, Lidia und Milica Butucel, arbeiten sich Meter für Meter durch die Reihen. Mit einer Sichel schneiden sie die Halme und verstauen ihre Ernte in der Korbtrage. Geerntet wird per Hand, da Erntemaschinen zu teuer für das Pilotprojekt wären.

Jede Charge Öl wird im Labor untersucht

Nach einigen Stunden haben die  Erntehelferinnen ihre Arbeit für heute geschafft. Bauer Meiwes lädt die Tagesernte in seinen Anhänger und fährt sie zu Taoasis ins Detmolder Gewerbegebiet. Im Hof türmen sich die Pflanzen zu kleinen Bergen und warten darauf, weiter verarbeitet zu werden. Zwei Mitarbeiter von Taoasis füllen die Ernte dann in die eigens angeschaffte Edelstahl-Destille. Auf Knopfdruck kommt diese auf Touren. Bei der Wasserdampf-Destillation durchströmt heißer Wasserdampf die Pflanzen und löst die winzigen Mengen ätherischer Öle aus den Zellen. Diese leicht flüchtigen, öligen Substanzen kondensieren, das heißt, sie kühlen ab und setzen sich auf der Wasseroberfläche ab.

Die Pflanzen verströmen jetzt einen intensiven Duft, der den ganzen Hof von Taoasis erfüllt. Es riecht nach frischem Kräuterheu und Blumen – das ist ganz typisch für frischen Lavendel. Fast eineinhalb Stunden schwitzen rund 120 Kilo Pflanzenmaterial in dem Wasserdampf. Das Ergebnis ist ein knapper Liter ätherisches Lavendelöl, das Meyer in ein Glasgefäß abschöpft und sofort ins Firmenlabor nebenan bringt. „Wir untersuchen täglich die genaue Zusammensetzung jeder Charge“, sagt er. Werte zu Wetter, Zeitpunkt der Ernte und Dauer des Destillierprozesses vervollständigen die Aufzeichnungen, die später helfen, die Produktion so zu optimieren, dass ein möglichst wirkstoffreiches Öl entsteht.

Entscheidend für hochwertiges Lavendelöl sind die darin enthaltenen Mengen der Hauptwirkstoffe Linalool und Linalylacetat. Beide wirken beruhigend. Inhaltsstoffanalysen gehören für Taoasis zum täglichen Geschäft, denn im eigenen Labor werden grundsätzlich alle Rohstoffe nach der Lieferung kontrolliert. Vor allem, ob sie Rückstände von Schadstoffen oder synthetische Inhaltsstoffe enthalten. Auch die genaue Zusammensetzung der Wirkstoffe in den Ölen ist wichtig, denn sie ist entscheidend für die Qualität. Die Proben des heute destillierten Öls erfüllen die Qualitätsansprüche.

Normalerweise stellt Taoasis die Duftessenzen nicht selbst her, sondern bezieht sie von Lieferanten oder aus eigenen Anbauprojekten in der ganzen Welt. Der Fair-for-Life-Standard, nach dem sich Taoasis seit 2016 prüfen lässt, stellt sicher, dass in den Ursprungsländern nicht nur nach biologischen Kriterien angebaut wird, sondern überprüft auch die gesamte Wertschöpfungskette eines Rohstoffs. Unter anderem gehören soziale Aspekte wie eine faire Bezahlung, das Verbot von Kinderarbeit und langfristige Handelspartnerschaften dazu. Vergeben wird das Siegel von der unabhängigen Bio-Stiftung mit Sitz in der Schweiz. 

Aromatherapie im Klassenzimmer

Taoasis engagiert sich nicht nur im Bereich des Rohstoffbezugs. In der afrikanischen Stadt Dindou in Togo hat die Firma das Charity-Projekt Amali unterstützt. Amali bedeutet übersetzt Hoffnung. Mit der finanziellen Hilfe von Taoasis wurde eine neue Grundschule gebaut, in der 250 Schüler unterrichtet werden. Apropos Schule: Auch in Deutschland ist Taoasis aktiv. Hinter dem Projekt „Dufte Schule“ verbirgt sich eine wissenschaftlich begleitete Aromatherapie-Studie, die vor ein paar Jahren der Frage nachging, ob ätherische Öle die Stimmung im Klassenzimmer verändern können. Die Erkenntnisse flossen in den Dufte-Schule-Duft, der konzentrationsfördernd und motivierend wirken soll. Eine der wichtigsten Komponenten ist Lavendel, der nun – zumindest teilweise – erstmals aus Bio-Anbau in Deutschland stammt.

-> www.taoasis.com

Taoasis

Axel Meyer (© Thomas Langreder/bio verlag)
Axel Meyer - Der Gründer von Taoasis
ist Fachmann für duftende Essenzen.
(© Thomas Langreder/bio verlag)

„Ein Leben im Einklang mit der Natur“

Axel Meyer gründete Taoasis 1981 ursprünglich als Verlag für Gesundheitsliteratur und vegetarische Ernährung. Den Namen Taoasis hat er aus dem chinesischen Tao und dem arabischen Wort Oasis zusammengesetzt. „Es bedeutet frei übersetzt ,Ein Leben im Einklang mit der Natur.‘“ Mit dem Erfolg seines 1991 aufgelegten Buches „Das kleine Lexikon der Düfte“ wurden Duftpflanzen zum Schwerpunkt. Bald darauf nahm Meyer die ersten naturreinen Düfte ins Programm. Heute ist die Taoasis Natur Duft Manufaktur ein erfolgreiches Familienunternehmen, das sich als Hersteller von Duftstoffen für die Aromatherapie in Deutschland, Österreich und der Schweiz einen Namen gemacht hat. Mit Govinda Meyer arbeitet mittlerweile die zweite Generation im Unternehmen. Der Juniorchef kümmert sich vor allem um das Marketing. Taoasis engagiert sich für nachhaltiges Wirtschaften. Ein grüner Stromlieferant versorgt die Firma mit Energie, der Chef fährt ein Elektroauto. Um die Aromatherapie bekannter zu machen, haben Axel Meyer und der Arzt Dr. Peter Wolf die Akademie der Düfte gegründet. Sie betreibt Öffentlichkeitsarbeit, organisiert Fachkongresse, Duftreisen und Seminare. Im firmeneigenen Duft- und Heilkräutergarten werden zudem Führungen angeboten.

Erschienen in Ausgabe 10/2017

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