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Klopfen gegen Lampenfieber

Klopftherapie (© dpa/Friso Gentsch)
Weltklasseschwimmerin Britta Steffen beruhigt Nervosität vor Wettkämpfen mit Klopfakupressur (© dpa/Friso Gentsch)

PSYCHOLOGIE Es klingt seltsam: Sanftes Klopfen bestimmter Punkte an Gesicht und Körper soll Angst vertreiben. Doch es scheint zu wirken. // Sabine Lotz

Es klingt ein bisschen nach Zauberei. Aber es wirkt. Bevor die Weltklasse-Schwimmerin Britta Steffen ins Wasser springt, klopft sie sich gerne dreimal ab und spricht dabei ihren persönlichen Satz, der ihr Kraft und Sicherheit gibt. Nur wenige Minuten Klopfen mit Methode und Britta Steffen fühlt sich wohl in ihrer Haut und kann ungehindert zeigen kann, was sie kann.

Zum Beispiel an jenem Wettkampftag, als die Schwimmerin kurz vor dem Startschuss entdeckt, dass sich die Naht an ihrem Badeanzug aufzulösen droht. Sofort klopft sie ihre Handballen gegeneinander und sagt: „Ich liebe und akzeptiere mich, auch wenn ich nackig auf dem Startblock stünde.“ Und dann? „Dann war alle Nervosität weg. Krass, wie effektiv diese einfache Übung ist!“

Die „einfache Übung“, die die Weltklasse-Schwimmerin beschreibt, ist eine relativ leicht erlernbare, emotionale Selbsthilfetechnik, die unter der Bezeichnung Klopfakupressur zunehmend Verbreitung findet. Immer mehr Psychotherapeuten erwärmen sich dafür und setzen sie als Zusatzmethode ein. Zu verdanken ist diese Erfolgsgeschichte vor allem dem Psychiater und Auftrittscoach Dr. Michael Bohne. Er holte die Klopfakupressur aus der Esoterikecke, befreite sie von Ballast und kleidete sie in ein neues Gewand mit Namen PEP, Prozess- und Embodimentfokussierte Psychologie. Auf gut Deutsch heißt das so viel wie Klopftechnik, die an der akuten Situation ansetzt (= Prozess) und den Körper miteinbezieht (= Embodiment).

Das Gefühlshirn klopfend entrümpeln

Michael Bohne erklärt ihre Wirkung mit neurophysiologischen Vorgängen im Gehirn: „Durch das gleichzeitige Konzentrieren auf das Problem, das Klopfen sowie das Aussprechen eines selbstwertstärkenden Satzes kommen in unserem Gefühlshirn, dem limbischen System, neuronale Veränderungen in Gang. Belastende Denk-, Fühl- und Verhaltensmuster lösen sich auf, Stress und Ängste nehmen ab, man kann wieder klarer denken.“

Ihre Wurzeln hat die Klopfakupressur in der Traditionellen Chinesischen Medizin. Die alten Chinesen glaubten, dass unsere Lebensenergie in bestimmten Bahnen, den Meridianen, verläuft. Dass körperliche und seelische Probleme durch Störungen im Energiefluss entstehen. Und dass es hilft, dort wo die Meridiane nah an die Körperoberfläche kommen, zu reiben, zu drücken oder klopfen (= Akupressur).

Dass Michael Bohne für das Klopfen die Akupunkturpunkte aus der Traditionellen Chinesischen Medizin beibehalten hat und nicht irgendwelche Körperstellen zum Klopfen empfiehlt, erklärt der Arzt, der auch als Auftrittscoach arbeitet, mit Rücksicht auf unsere traditionelle Scheu vor Selbstberührung: „Sich selbst anzufassen ist in unserem Kulturkreis immer noch ein Tabu. Erst recht in der Öffentlichkeit. Für die Berührung von Akupunkturpunkten dagegen haben die meisten Menschen Verständnis, denn die Akupunktur genießt mittlerweile einen guten Ruf.“ Neben der Selbsthilfe in akuten, emotionalen Stresssituationen hat PEP zusätzlich einen nachhaltigen Effekt. Denn das wiederholte Entkräften negativer Muster und die gleichzeitig selbstwertstärkenden Sätze (siehe Kasten nächste Seite) verankern im Gefühlshirn eine immer positivere Haltung. Die Selbstbeziehung verbessert sich. Das heißt, die Zuneigung zu sich selbst wächst.

Emotional souverän in stressigen Situationen

Anwälte vor dem Plädoyer, Fahrschüler vor der Prüfung, Kranke vor einer entscheidenden Untersuchung, Verliebte vor dem ersten Date – Menschen vor den unterschiedlichsten Herausforderungen wenden sich hilfesuchend an Michael Bohne. Am häufigsten arbeitet der Arzt und Auftrittscoach jedoch mit klassischen Musikern und Opernsängern. Nicht, weil diese ganz besonders unter Aufregung und Lampenfieber leiden, sondern weil ihm Musik und Gesang so sehr am Herzen liegen. Dass ein Musiker oder Sänger wegen seiner Auftrittsangst unter seinen Möglichkeiten bleibt, ist für Dr. Bohne eine schreckliche Vorstellung.

Auch Thomas Pachwald (Name von der Redaktion geändert) wendet die Klopftechnik an, bevor er den Chor, den er seit Kurzem leitet, dirigiert. Als der 23-jährige Musikstudent vor einem Vierteljahr erfuhr, dass er seinen erkrankten Lehrer und Mentor als Chorleiter vertreten sollte, brach ihm der Angstschweiß aus. Er einen 50-köpfigen Chor leiten? Erst in den Proben, später im Konzert? Unmöglich! Zum Glück ahnte sein Vorgänger, weshalb Thomas so zögerte, und empfahl ihm einen Psychotherapeuten, der sich mit Prozess- und Embodimentfokussierter Psychologie auskennt. Dieser brachte ihm die Technik des Klopfens bei und erarbeitete mit ihm verschiedene, auf die Arbeit mit dem Chor bezogene positive, selbstannehmende Sätze. Zum Beispiel: „Auch wenn ich mich damit unter Druck setze, dass mich andere für einen super Chorleiter halten, liebe und akzeptiere ich mich, so wie ich bin.“ Oder: „Auch wenn ich ab und zu einen falschen Einsatz gebe, achte und schätze ich mich, so wie ich bin.“

Seit Thomas Pachwald vor jeder Chorprobe – und ab und zu auch im Alltag – die Klopftechnik anwendet und seine Affirmationen spricht, macht ihm die Arbeit als Chorleiter zunehmend Spaß. Und dem abschließenden Konzert sieht er mit Zuversicht entgegen.

Die PEP-Methode lernen

Die Methode macht Schule. Längst wenden mehr und mehr Ärzte, Psychologen, Coaches und Heilpraktiker PEP an. Denn von unangenehmen Gefühlen geplagte Menschen finden im Klopfen eine wertvolle Hilfe. Am besten, man lässt sich die Klopfakupressur von einem Experten zeigen. Namen und Adressen gibt es nach Postleitzahlen sortiert auf der Homepage www.dr-michael-bohne.de. Wenn man mal verstanden hat, wie die Methode funktioniert, ist PEP eine simple Selbsthilfetechnik, von der nicht bloß Musiker oder Weltklasseschwimmerinnen profitieren. Auch ganz normale Leute haben Lampenfieber – und wollen trotzdem zeigen, was sie können.

Kurzanleitung

Klopfen mit PEP – so geht es!

1. Sich auf das zu verändernde Gefühl konzentrieren:
Welches unangenehme Gefühl möchten Sie verändern? Formulieren Sie einen Satz der Selbstakzeptanz, der zum Gefühl und der Situation passt, nach folgendem Muster:
„Auch wenn …

... ich mir Vorwürfe mache, weil meine Mutter im Pflegeheim ist ...
... ich bei Konferenzen nicht den Mund aufmache ...
... mein Freund mich wegen meiner Figur unter Druck setzt ...
... liebe und akzeptiere ich mich, so wie ich bin.“ Sprechen Sie den Satz zweimal aus.

2. Gefühlsstärke auf einer Skala von 0 bis 10 einschätzen:
Wie unangenehm fühlt es sich auf einer Skala von 0 bis 10 jetzt an? 

3. Die Überkreuzübung
Sie fördert die Zusammenarbeit der Hirnhälften. Anleitung hierfür auf Seite 23 der Leseprobe der Buches „Bitte klopfen“ auf www.carl-auer.de. In der Position drei tiefe Atemzüge.

4. Finger berühren:
Fingerspitzen beider Hände aneinander legen. Drei tiefe Atemzüge.

5. Selbstakzeptanz üben:
Sprechen Sie zweimal Ihren Selbstakzeptanz-Satz. Reiben Sie dabei den Selbstakzeptanz-Punkt (siehe Abbildung).

6. Akupunkturpunkte klopfen:
Denken Sie an die unangenehmen Dinge und klopfen Sie die 16 Punkte (siehe Kasten).

7. Erneutes Einschätzen:
Wiederholen Sie die Punkte 1 bis 6, bis der Stress auf der Skala noch höchstens bei 3 liegt. Dann schließen und öffnen Sie abwechselnd die Augen und beklopfen dabei den Integrationspunkt an der Hand.

Mehr zum Thema

Bohne, Michael: Bitte klopfen!Bohne, Michael: Bitte klopfen! Anleitung zur emotionalen Selbsthilfe.
Carl-Auer Verlag, 2011, 64 Seiten, 7 Euro

Erschienen in Ausgabe 10/2016

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Nachdem nun ein paar Wochen nach meinem ersten Kommentar und dem Erscheinen des Artikels in der Schrot&Korn vergangen sind, ist es mir ein Bedürfnis, noch etwas hinzuzufügen, selbst wenn meine Zeilen vielleicht nur von wenigen Menschen gelesen werden. Zwischenzeitlich habe ich mir einige Vorträge von Dr. Bohne angesehen und mir Vorträge angesehen. Ich finde ihn RICHTIG gut.
Ich sage immer noch, dass die Informationen an sich nicht neu sind, aaaaber die Form wie Dr. Bohne sie präsentiert, die Worte, die er benutzt und die Struktur die er seiner Arbeit verleiht.....toll.
Und was ich allgemein sehr zu schätzen weiß: seinen Humor, seine Wertschätzung, seine Leichtigkeit.... Durch den S&K-Artikel war bei mir leider ein völlig anderer Eindruck entstanden. Sorry, dass ich so schnell zur "Feder" gegriffen habe....Herzliche Grüße, Sonja Sannert

Antonia Pfeiffer

Dr. Bohnes Technik PEP unterscheidet sich für mich in drei entscheidenden Punkten von EFT nach Daniel Craig, dessen Vorgänger Roger Callahan und Joseph Goodheart im Übrigen zuerst das „Klopfen“ anwandten.
1. PEP grenzt sich offen gegen die Herleitung der psychologischen Wirkung über das Auflösen von körperlichen Meridian/Energieblockaden sowie von dem in EFT praktizierte Muskeltest ab. Die Neurowissenschaft und Psychophysiologie hat in den letzten 20 Jahren viele Antworten auf die Frage gefunden, warum es sehr sinnvoll ist den Körper mit in die psychotherapeutische Arbeit mit ein zu beziehen. Durch Integration von diesem Wissen und der und die Durchführung eigener Forschung an der medizinischen Hochschule Hannover bemüht sich Dr. Bohne die Wirkweise immer tiefer zu verstehen und sie für Klienten und Therapeuten verständlich zu machen.
2.Dr. Michael Bohne integriert Wissen aus Hypnotherapie, systemischer Therapie, tiefenpsychologischer Arbeit etc. in PEP. Einerseits profitiert die Technik dadurch ungemein von dem Wissen dieser therapeutischen Traditionen, andererseits wird sie so leichter in die Arbeit von erfahrenen Psychotherapeuten integrierbar.
3.Dr. Bohne kreierte verschiedene Tools, die angewandt werden, wenn die emotionale Reaktion durch das Klopfen nicht abnimmt. Durch diese Tools wird das Arbeiten viel leichter, macht Spaß auf beiden Seiten und führt zu einer Entspannung der Therapiesitzung: der Therapeut hat Lösungen und logische Erklärungen, wenn durch das „Klopfen“ allein keine Reduktion der Beschwerden passiert. Eine einheitliche Ausbildungsstruktur garantiert zudem, dass alle PEP-Anwender diese Tools vermittelt bekommen.
Ich kann mich meinen Vorschreibern nur anschließen: ausprobieren lohnt sich!

Constanze von Essen

Leider ist die Annahme von Frau Sannert, dass MET, PEP und EFT im Grunde genommen das Gleiche seien, nicht ganz richtig:
Dr. Bohne, der – neben seiner umfangreichen wissenschaftlich-psychotherapeutischen Ausbildung - ursprünglich mit einer der Klopftechniken (EDxTM) arbeitete, veränderte bzw. erweiterte diese Technik um eine ganze Reihe von Aspekten. Diese Erweiterungen entstammen verhaltenstherapeutischen, hypnotherapeutischen, systemischen, psychodynamischen, Egostate-orientierten Ansätzen und spiegeln auch Stephen Porges‘ Polyvagal-Theorie wider:
- Abkehr von den energetischen Wirkvorstellungen: Dr. Bohne versucht wie kein anderer, wissenschaftliche (psychotherapeutische und neurobiologische) Wirkhypothesen heranzuziehen,
- Die bifokale Brille, welche das Problem von zwei Seiten betrachtet: Der Seite des limbischen Systems (verantwortlich u.a. für parafunktionale Emotionen) und der Seite der Großhirnrinde (verantwortlich u.a. für parafunktionale Glaubenssätze und die Big-Five-Lösungsblockaden),
- Die Big-Five-Lösungsblockaden, welche erklären, warum Klopfen alleine mitunter nicht hilft: In einer dieser Lösungsblockaden ist man z.B. gefangen, wenn man über sich selber genervt ist, weil man einen altbekannten Fehler erneut wiederholt hat,
- Den Kognitiven Kongruenztest: Mit diesem Tool lassen sich Blockaden, die am Erreichen des erwünschten emotional-kognitiven Zustands hindern, bis ins kleinste Detail aufspüren und sofort bearbeiten,
- Das Selbstwerttraining, welches innerhalb kürzester Zeit die größten Selbstwerträuber in Selbstwertspender umwandelt,
- Humor und Leichtigkeit, die insbesondere für das Bearbeiten schwieriger und unangenehmer Themen wichtig sind.

Jedem, der sich PEP schwer vorstellen kann und daher denkt, es handle sich wieder nur um einen neuen Namen für eine altbekannte Technik und jedem, der bereits einmal die Erfahrung gemacht hat, dass Klopfen alleine nicht half, kann ich deshalb nur empfehlen, zu einem bei Dr. M. Bohne ausgebildeten Coach, Heilpraktiker oder Therapeuten zu gehen, um PEP auszuprobieren. Es lohnt sich!

Günter Hoffmann

Natürlich hat „Klopfen“ seine Wurzeln, und auch M. Bohne hat nicht behauptet, es sei ihm einfach zugeflogen. Er hat es allerdings sehr effektiv ergänzt und kombiniert mit Interventionen aus verschiedenen Therapieformen, wobei ich Quellen aus der kognitiven VT, der Hypnotherapie, der Psychoanalyse und der systemischen Therapie erkenne. Auch diese Quellen werden natürlich genannt und gewürdigt.
Allerdings ist es heute nicht nur „immer das gleiche“, sondern in dieser Verdichtung und Zusammenführung eine echte Weiterentwicklung, dieses „Kind“ ist also schon groß geworden. Bohne bezeichnet sein so geschnürtes Gesamtpaket als P.E.P. Ich finde es faszinierend, wie man mit dem Klopfen auf der einen Seite zur Regulation der Emotionen und mit den Big Five Lösungsblockaden auf der anderen Seite, gerade wenn das Klopfen nicht direkt wirkt, therapeutisch rasch und effektiv weiterkommt.
Auch die theoretische Fundierung geht eher weg von der Meridian-Hypothese und hin zu neurophysiologischen Wirkhypothesen (Polyvagal-Theorie von Stephen W. Porges).
Ich hoffe ebenso, dass sich niemand abschrecken lässt, mit dieser Form von „embodiment“ auch an schweren Problemen rasch und erfolgreich zu arbeiten und grüße herzlich
Günter Hoffmann

Klopfakupressur gibt es mindestens seit Anfang der 90er Jahre. Gary Craig hat damals begonnen, sie unter dem Namen EFT (Emotional Freedom Techniques) bekannt zu machen und interessanterweise hat er IMMER erwähnt, dass ihm dieses Wissen nicht zugeflogen ist, sondern dass sein Wissen auf den Erkenntnissen vieler Menschen vor ihm beruht und er diesen Menschen dankbar ist. Seine Motivation war es, eine Methode in die Welt zu bringen, die einfach, effektiv und von medizinischen Laien wie auch Profis anwendbar ist.
Dieses "Kind Klopfakupressur" ist über die Zeit immer wieder unter neuen Bezeichnungen aufgetaucht. Auch MET und jetzt PEP sind im Grunde das Gleiche - auch wenn die Erfinder, aus welchen Gründen auch immer, etwas anderes behaupten.
Für Laien finde ich das alles eher verwirrend und für die Methode an sich eher ungünstig.
Dennoch - auch wenn sich die Welt nicht einigen wird, wie "das Kind" nun heißt - hoffe ich, dass sich niemand davon abschrecken lässt, die Klopfakupressur (auch bei schwerwiegenden Problemen) auszuprobieren. Herzliche Grüße, Sonja Sannert