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Jungbrunnen gewünscht?

Was können wir tun gegen Fältchen und graue Haare? Ganz klar: Zunächst mal mit einem Augenzwinkern in den Spiegel schauen. Und mit viel Humor und kleinen Hilfsmittelchen dem Alter ein Schnippchen schlagen. // Sabine Kumm

Wohlfühlen - Anti-Aging Was ich mir zum Geburtstag wünsche? Ich dachte da so an einen von diesen Jungbrunnen: angenehme Wassertemperatur, stufenlos regulierbar und eine Wirkgarantie von – sagen wir mal – 25 Jahren. Natürlich als Turboversion – schließlich drängt die Zeit …

Die Mädels lachen und wir schenken uns noch einmal Prosecco nach. „Jungbrunnen sind leider bis auf Weiteres bei ‚Amazon Universe‘ vergriffen“, sagt Margit, ohne eine Miene zu verziehen. „Übergroße Nachfrage und so.“ „Aber in China arbeiten sie schon fieberhaft an einem Nachbau“, frotzelt Anni. „Kann allerdings sein, du steigst als Herbstzeitlose rein und kommst als Frühlingsrolle wieder raus …“ Alle prusten, wie damals in der Schule, als wir die Lehrer mit unserer Albernheit zum Wahnsinn getrieben haben.

Tja, so viel zum Thema „Wunsch ans Universum“. „Zwei Versuche hast du noch“, bieten die anderen großzügig an. Wie im Märchen. Was soll ich sagen?

Tauscht meinen Badezimmerspiegel gegen ein Weichzeichner-Modell aus, weil „Morgengrauen“ in letzter Zeit eine ganz neue Bedeutung für mich hat? Entfernt alle LED-Lampen, damit mich mein Gesicht nicht mehr an den Grand Canyon erinnert, sondern an eine sanfte Hügellandschaft in gnädiger Dämmerung? Macht mir warm ums Herz, damit der Schnee am Haaransatz schmilzt?

„Alte Drama Queen! Mit guter Creme, Farbe und Kerzenlicht können wir dich ganz passabel wieder herrichten!“ Die Mädels grinsen wie eine Truppe Kobolde. Mir geht plötzlich auf, dass hier mindestens 150 Jahre konzentrierte Lachfältchen versammelt sind. Höchste Zeit, mir meine Endzeitgedanken abzuschminken und der nackten Wahrheit ins Gesicht zu sehen. Denn wer im Dämmerlicht ein verschwommenes Spiegelbild betrachtet, der wird nie den Durchblick kriegen.

Anti-Aging, aber bitte mit Spaß!

„Ich weiß, was ich mir wünsche“, sage ich. „Keinen Zauberbrunnen, keine Wundercreme, keine PR-Fantasien, sondern ein echtes, ehrliches Anti-Aging-Rezept! Aber bitte mit Spaß!“ „Fast gar kein Problem“, meint Tina. „Dann köpfen wir noch ein Fläschchen und sortieren schon mal die Zutaten!“ Sie klappt ihren Laptop auf.

„Jugend ist nicht ein Lebensabschnitt – Jugend ist ein Geisteszustand Sie ist Schwung des Willens, Regsamkeit der Phantasie, Stärke der Gefühle, Sieg des Mutes über Feigheit, Triumph der Abenteuerlust über die Trägheit.“
Albert Schweitzer

Die Haut interessiert uns natürlich am meisten. Kollagen ist hier das Stichwort, ein Eiweißstoff, der zusammen mit dem Baustoff Elastin für Elastizität und Festigkeit sorgt. Wir lesen, dass sich Freie Radikale wie marodierende Banden in unserem Körper herumtreiben und nicht nur Zellen und Erbgut zerstören, sondern auch die Kollagenfasern. Je weniger davon, desto mehr Falten. Also müssen wir dem wertvollen Stoff möglichst viele Verbündete an die Seite stellen. Da gibt es einmal die sogenannten Zellregulatoren. Sie regen die Neubildung der Fasern an. Darüber hinaus können wir mit Antioxidantien wie bestimmten Vitaminen, Coenzymen und speziellen Pflanzeninhaltsstoffen aus der Naturkosmetik den weiteren Kollagen-Abbau verhindern. Und für mehr Feuchtigkeit in der Haut sorgt unter anderem Hyaluronsäure. Fazit: Regelmäßiges Cremen ist durchaus sinnvoll. Aber mit Schmieren alleine ist es nicht getan: Eine ausgewogene, fettarme Ernährung mit viel Obst und Gemüse und reichlich Wassertrinken liefert eine gesunde Basis für die Haut. Die bittere Pille: Fast noch wichtiger als das, was wir tun können, ist das, was wir nicht tun sollten: Freie Radikale bilden sich nämlich hauptsächlich durch Sonnenlicht, zu viel Alkohol, Rauchen, Schlafmangel und Stress. Hier ist Weglassen gefragt. Und zwar je früher, desto besser.

Wir betrachten nachdenklich die geleerten Prosecco-Flaschen auf dem Tisch. „Zu viel ist was anderes …“, entscheiden wir dann. Schließlich sind wir nicht so alt geworden, um uns nun zu gestressten Sklaven des Jugendwahns zu machen. Aber ein Gläschen Rotwein hat mehr Antioxidantien und schmeckt mindestens genauso gut – und das könnte man durchaus mal ausprobieren. Außerdem können wir uns statt bei Kaffee und Kuchen ruhig auch mal zum üppigem Obstteller und Spazierengehen treffen. Oder gleich im Kosmetikstudio, mit reichlich Pflege und anschließendem Styling. Da lernen wir dann statt Weglassen das raffinierte Hinzufügen und die „kreative Optimierung“. Strahlende Blicke, glänzende Haare und tolles Lächeln, mal eben wirkungsvoll hingemalt, gefärbt oder getuscht – klingt so prickelnd nach Abenteuer wie unser erster heimlicher Disco-Besuch …

Schon mal von „Dinner Cancelling“ gehört? Die Anti-Aging-Maßnahme bedeutet, manchmal ein Abendessen auszulassen, um immer etwas unterhalb der Sattheitsgrenze zu bleiben.

Unser Anti-Aging-Rezept wächst sich langsam zu einem Buffet aus. Bei manchen Häppchen halten wir uns ein bisschen zurück, bei anderen können wir uns so richtig „austoben“. „Schau mal hier“, sagt Tina: „Ein echter Jungbrunnen ist Bewegung. Wenn wir rechtzeitig Ausdauer und Kraft trainieren, kommen wir irgendwann auch gut über die magische Sechziger-Grenze. Der Blutdruck sinkt, der Kreislauf jubelt, die Haut ist gut durchblutet – wir werden schön und nehmen auch noch ab!“ „Der wichtigste Sport ist aber das Mundwinkeltraining!“, meint Margit, „die sollten immer nach oben zeigen, egal, wie gnadenlos die Schwerkraft zuschlägt!“. Stimmt – Fitness ist wichtig, aber es gibt noch mehr: Beziehungen. Humor. Und Liebe.

„Schau mal hier!“, Anni tippt auf ein Foto von Sophia Loren. Irgendwann einmal hat die legendäre Filmdiva „pas-ta e amore“ als ihr persönliches Happy-Aging-Rezept genannt. Noch in hohem Alter ist sie sexy mit rot gefärbter Mähne in einem Kalender zu sehen. „Die Loren, wird die nicht achtzig?“ Eben. Bestimmt hat sie auch Freundinnen, die ihr den Rücken stärken und mit ihr albern sind!

Rotwein, Nudeln, Liebe, Lockersein – ich glaube, dieses Jahr tausche ich den Jungbrunnen gegen das „La Fontana“ – und lade die Mädels einfach zum Italiener ein …

Happy Aging mit Durchblick

Gar nicht „radikal“
Antioxidantien, beispielsweise Vitamin C und E, helfen die Hautstruktur zu schützen. Das heißt fürs Essen: möglichst viel Frisches, z.B. Obst, Gemüse und Nüsse. Viel Nachschub an Radikalenfängern liefern unter anderem rote Trauben, Sanddorn, Aronia, Goji-Beeren und grüner Tee.

In Bewegung bleiben
Schaukelstuhl war gestern, heute ist regelmäßige Bewegung angesagt. 2 000-3 000 Kilokalorien sollte man pro Woche verbrauchen – mit Tanzen, Krafttraining, Tai Chi, Spaziergängen – jede Aktion zählt.

Cremen für den Teint
So oft wie möglich raus an die frische Luft – dabei jedoch an den Schutz gegen UV-Strahlen denken! Optimal kombiniert sind Pflege und Lichtschutz in sogenannten Beauty-Balm-Cremes.

Trinken hilft
Sowohl die Haut als auch die geistige Fitness profitieren von ausreichend Flüssigkeit. Je nach Witterung und körperlicher Aktivität können täglich bis zu zwei Liter sinnvoll sein.

Netzwerke pflegen
Spieleabende, Walking-Treffen, im Chor singen, Ausflüge, Wellness-Termine oder Kultur – es gibt viele Möglichkeiten, gemeinsam etwas zu unternehmen. Wer Kontakte hat, bleibt gut gelaunt und fit.

Gut aussehen mit Stil
Auch Best-Agerinnen können strahlen: mit einem pflegenden, naturkosmetischen Make-up, Lidschatten, Wimperntusche und Lippenstift. Einfach ausprobieren und mal vom Profi stylen lassen!

Sabine Kumm

Autorin Sabine Kumm hätte gerne einen Jungbrunnen als Geburtstagsgeschenk – entscheidet sich dann jedoch für die Pizzeria als Anti-Aging-Maßnahme.

Kommentare

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Lysistrata
Oh Gott, ist das bieder!