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Kuck mal, wer da strampelt!

Zu viel oder zu wenig? Junge Eltern wollen bei der Babypflege nichts falsch machen. Was würden die Kleinen wohl selbst sagen, wenn sie ein Wörtchen mitzureden hätten? Wir haben unsere Fantasie spielen lassen … // Sabine Kumm

Babypflege Hallo, ich bin Paul und neu hier in der Außenwelt! Wie es mir gefällt? Stellt euch vor, ihr treibt neun Monate lang entspannt in Mamas „Floating Tank“, rundum nichts als süßes Wasser, Wärme und Dämmerung. Und dann landet ihr ohne Umwege in einem hellblauen Strampelanzug, mit einem Ding um die Hüften, das sich anfühlt, als hätte euch jemand ein wasserdichtes Kopfkissen umgeschnallt. Irgendwo klimpert es „Guten Abend, gut Nacht“. Und dabei soll man schlafen können! Von wegen „Morgen früh, wenn Gott will, wirst du wieder geweckt“! Ich weiß schon jetzt, wer hier wen weckt – denn ab sofort gebe ich den Ton an!

Olympia und frische Windeln

Wie jetzt, zum Beispiel: Kaum fange ich an zu schreien, steht auch schon jemand an meinem Bett. Diesmal ist es Nakumpel, von Mama-Schätzchen auch liebevoll „Papa“ genannt. „Na, Kumpel …“, sagt er und hält mir seinen dicken Zeigefinger hin, damit ich ihn umklammern kann, „… bei so viel Kraft wirst Du garantiert eines Tages Olympiasieger an den Ringen!“

Alles klar – fürs Erste lasse ich mal meine Bauchmuskeln spielen und drücke olympisches Gold in die Windel. Und auf einmal ist SIE da, Frühstück, Mittagessen und großes Galadiner in einer Person: Mama-Schätzchen! „Komm zu Mama, Schätzchen!“, sagt sie, „… da ist doch bestimmt wieder eine frische Windel fällig!“

„Ja, ja, ja!“, denke ich und strample wie verrückt, „Nichts wie raus aus dem feuchtwarmen Ding mit dem Klettverschluss! Wasch mich mit lauwarmem Wasser und tupfe mich gründlich trocken! Dann noch eine Runde Küssen, Kitzeln und Knuddeln, mehr brauche ich nicht!

Creme? Lass stecken! Meine Haut ist super, sie braucht nur etwas Zeit, um die Trennung von Dir zu verkraften!“

Leider taucht heute auch Dutzi Dutzi beim Wickeln auf. Ich habe ein bisschen Angst vor ihr. „Dutzi Dutzi, Du bist zum Fressen süß!“, sagt sie jedes Mal zu mir, wenn sie zu Besuch da ist. Sie hat schon einige Zutaten auf dem Brett über dem Wickeltisch aufgereiht: Babybad, Babylotion, Babyöl, Pflegecreme, Puder – damit könnte sie mich im Nu verkleben, panieren und braten … Zum Glück hat sie meis-tens den sanften Jawo Isserdenn im Schlepptau. „Ja, wo isser denn?“ fragt er. „He, hier isser doch!“, schreie ich, „Bitte pass auf, dass Dutzi-Dutzi mich nicht frisst!“

Weniger ist mehr, auch in der Wanne

Papa rettet mich. Er hebt mich hoch, und kaum berühren meine Füße die Wickelunterlage, marschiere ich los.

„Das ist der Schreitreflex – siehst Du diese Beinchen, Opa?“, sagt er zu Jawo Isserdenn. „Der wird mal Fußballer!“

„Von wegen Schreitreflex, das ist ein lupenreiner Fluchtreflex“, denke ich. Irgendetwas haben sie heute mit mir vor.

„Hallo Paul“, sagt eine Stimme. Die Frau, zu der sie gehört, kenn ich doch – es waren ihre Hände, die mich sanft, aber bestimmt auf die ungedämpfte Seite des Lebens befördert haben. Sie spricht leise mit Mama und sortiert gleich mal zwei Drittel des Pflegesortiments aus. „Weniger ist mehr“, erklärt sie und hält mich mit geübtem Griff fest, während ich in das klare Wasser einer Babybadewanne gleite – ohne Schaumbad, versteht sich. Dann übernimmt Mama das Festhalten. Wie schön! Es ist warm, das Wasser gluckert leise, ich fühle mich frei und geborgen.

Und es wird noch besser! Nach dem Bad beginnt Mama, mich mit etwas warmem Öl ganz sanft zu massieren. Sie streicht über meine Brust, die Arme und Beine, lässt ihre Daumen auf meinen Fußsohlen kreisen. Ich weiß gar nicht, wohin vor lauter Entzücken, ziehe spontan die Mundwinkel nach oben – und auf einmal steppt der Teddybär!

„Er hat mich angelächelt!“, schreit Dutzi Dutzi aufgeregt und schiebt sich in die erste Zuschauerreihe – gerade, als ich beschlossen habe, mein neues Wohlgefühl mit dem spektakulärsten Kunststück zu krönen, das ich bisher gelernt habe: der Fontäne! Oh, oh …

Was soll ich sagen? Nun ist endlich Ruhe eingekehrt. Ich genieße milchsüße Doppeldröhnung spezial, spüre, wie Mama immer noch vor Lachen leise vibriert – und kurz bevor ich beginne, von tanzenden Teddybären und tropfnassen Omas auf der Flucht zu träumen, denke ich: So schlecht ist es auch wieder nicht in der Außenwelt – kann ja nicht schaden, wenn ich noch ein bisschen bleibe …

Wenn schon, dann Naturkosmetik

Baden
Babys brauchen weder duftendes Schaumbad noch Seife – oft reicht ein wenig Milch, Öl oder naturkosmetisches Babybad im Badewasser. Das reinigt in der Regel tensidfrei und rückfettend.

Wickeln
Wenn lauwarmes Wasser nicht ausreicht, kann der Windelpopo zusätzlich mit einem hochwertigen Pflanzenöl gereinigt werden. Naturkosmetik-Öle enthalten keine künstlichen Farb-, Duft- und Konservierungsstoffe.

Eincremen
Erst einmal abwägen, ob überhaupt Bedarf besteht – wenn ja, Lotion oder Pflegecreme nur sparsam einsetzen. Hautveränderungen nach der Geburt bessern sich oft von allein.

Rötungen
Manchmal reicht es schon, den Babypo zu „lüften“. Außerdem wichtig: häufig wickeln, Waschlappen wechseln, sorgfältig abtrocknen. Zum Schutz kann eine kleine Menge Pflegecreme mit Zinkoxid oder heilenden Pflanzenextrakten helfen.

Sabine Kumm

Babys können gar nicht sprechen? Autorin Sabine Kumm ist da anderer Meinung: Wer Babys verstehen will, muss nur gut genug hinhören.

Interview

„Ein- bis zweimal Baden in der Woche reicht vollkommen aus.“

Rike Herkel ist beratende Hebamme in der Geschäftsstelle des Deutschen Hebammenverbandes e.V.

Hebammen helfen nicht nur bei der Geburt, sie beraten auch beim Stillen, Rückbildung und Babypflege. Warum ist das heute besonders wichtig?

Die Frauen kommen heute früher aus der Klinik nach Hause und sind dort oft auf sich allein gestellt. Außerdem wird erfreulicherweise wieder mehr gestillt – da ist es gut, wenn man eine zuverlässige Ansprechpartnerin hat.

Welchen Pflegeproblemen begegnen Sie häufig?

Zum Beispiel dem Thema Hautveränderungen. Da gibt es die sogenannte Neugeborenenakne, die mit der hormonellen Umstellung nach der Geburt zusammenhängt und sich von alleine legt. Oft ist es auch so, dass sich die Haut der Neugeborenen schuppt und trocken wirkt – dann helfen ein paar Tropfen hochwertiges Öl. Manchmal hilft es, einfach abzuwarten …

Und der wunde Wickelpo?

Das ist ein weiteres Problem, zu dem wir Hebammen oft befragt werden. Doch es gibt da keine pauschalen Ratschläge – man muss ganz genau hinsehen, um die Ursache herauszufinden. Ist der Po zu feucht geworden? Dann helfen vielleicht ein paar Stunden „windelfrei“. Vielleicht steckt eine Pilzinfektion dahinter. Oder die Haut ist so angegriffen, dass sie mit einer geringen Menge Pflegecreme geschützt werden muss. Meist gilt: Man braucht nur warmes Wasser, vielleicht etwas Öl, und ein weiches Tuch, um einen Säugling sauber zu halten.

Also kein tägliches Schaumbad?

Ein- bis zweimal Baden in der Woche reicht vollkommen aus. Der natürliche Schutzfilm sollte nicht durch zu häufiges Waschen überstrapaziert werden. Außerdem ist Babypflege mehr als die Wahl der richtigen Pflegeprodukte. Wie hält man ein Kind? Wie nimmt man es hoch? Welche Atmosphäre herrscht am Wickeltisch oder beim Stillen? Das sind Fragen, die mindestens ebenso wichtig sind, und bei denen die betreuende Hebamme hilfreich sein kann.

Die Arbeitsbedingungen der Hebammen sind in den letzten Jahren immer schlechter geworden …

Geringe Bezahlung, Rationalisierungen und Arbeitsverdichtung – ich erhalte leider öfter einen Anruf von einer Kollegin, die sagt: „Es lohnt sich nicht mehr, ich muss aufgeben.“ Außerdem werden kleine geburtshilfliche Abteilungen geschlossen. Das führt dazu, dass die Hebammenhilfe vor Ort nicht mehr überall gewährleistet ist. Es kann aber nicht sein, dass Gebärende über 50 Kilometer zur Geburt – oder Hebammen die gleiche Strecke zur Betreuung – fahren müssen. Wir hoffen auf tragfähige Lösungen zusammen mit der Politik..

Bücher und Links

Laue, Birgit

Laue, Birgit:
Babypflege Schritt für Schritt.
Gräfe & Unzer, 2012, 80 Seiten, inkl. DVD, 19,99 Euro

Drössel, Antje

Drössel, Antje:
Das Schmuse-Wickel-Buch.
Kösel-Verlag, 2011, 144 Seiten, 17,99 Euro

www.hebammenverband.de
Webseite des Deutschen Hebammenverbandes e.V. Interessant für Eltern: eine bundesweite Übersicht über Hebammen-Kreißsäle und Geburtshäuser.

www.babyclub.de
Webseite mit Informationen zu Hebammen, Schwangerschaft, Geburt, Baby und vielem mehr. Mit Hebammensuchmaschine.

www.afs-stillen.de
Webseite der Arbeitsgemeinschaft Freier Stillgruppen (AFS) mit einem Verzeichnis von Stillgruppen und Stillberaterinnen und einer Stillhotline.

www.babyfreundlich.org
Viele Infos rund ums Stillen sowie eine Liste der von der WHO/UNICEF-Initiative Babyfreundliches Krankenhaus zertifizierten Krankenhäuser.

www.hebammensuche.de
Bundesweites Verzeichnis von Geburtshäusern und Hebammen aus dem gesamten Bundesgebiet, nach Postleitzahlen oder speziellen Tätigkeiten geordnet.

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Anna-Idun-Epona
super, süßer Artikel!! und total informativ!! mein kleiner (1 Jahr und 8 Monate alt) fand das Baby so interessant, dass er sich meine "schrot und korn" geschnappt und das babyfoto abgeknutscht hat... =)
Silke S.
Einen wunderbaren Artikel hat Frau Kumm da aus Babysicht geschrieben. Als Mutter zweier Kinder habe ich mich köstlich amüsiert. Am besten gefallen hat mir aber, dass die Nachsorgehebamme offensichtlich bei der Geburt dabei war und somit wahrscheinlich eine Hausgeburt stattgefunden hat. Hausgeburten sind für gesunde Frauen eine wunderbare Alternative zur Klinik! Infos z.B. hier: www.rabeneltern.org.