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Der Herbst und seine Beeren

Im Herbst leuchten viele Beeren orange, rot oder violett, randvoll mit wertvollen Inhaltsstoffen, die nicht nur gesund machen, sondern auch die Haut gut durch den Winter bringen. // Sylvia Meise

Herbstbeeren Es sind die Farben der puren Lebenslust, in denen die Beeren des Herbstes in Eimer und Körbe kullern, randvoll mit geballter Sommerkraft. Hagebutte, Sanddorn und Traube sind die vertrautesten, aber auch Goji oder Aronia werden zunehmend in unseren Breiten geerntet. Aus ihnen lassen sich nicht nur herrliche Säfte, Liköre, Marmeladen und Heiltees zubereiten – auch in der Kosmetik werden sie mehr und mehr eingesetzt. Dabei sind vor allem die hervorragenden Eigenschaften der Kerne entscheidend. Beerensamenöle verfügen reichlich über Antioxidantien, die die Abwehrkraft der Haut stärken, die Regeneration von Zellen fördern und gegen freie Radikale wirken. Dazu zählen die Vitamine A, C, E und sekundäre Pflanzenstoffe wie die orangenen Carotinoide und die Anthocyane.

Sanddorn

Sanddorn (Foto: Fotolia.com)

Sanddorn – sein Name ist Programm. Denn der Strauch, der auch auf Dünen gedeiht, schützt seine Beeren mit langen Dornen.

Der Ölweidenstrauch oder „Hippophae rhamnoides“ stammt aus Zentralasien und breitete sich nach der Eiszeit bis nach Europa aus. Ein Überlebenskünstler in jeder Hinsicht. Selber Ernten heißt meist auch selber bluten, denn er hat lange scharfe Dornen. Er ist anspruchslos, trotzt Wind und Wetter auch im Sand, an Böschungen oder im Gebirge, denn ein weit verzweigtes Wurzelwerk sorgt für Standfestigkeit. Zunächst galt er als giftig, doch bald wurden seine heilenden Kräfte erkannt und gegen Fieber, Skorbut, Gicht und Rheuma sowie Magenbeschwerden und Erkältungen genutzt. Das Holz diente zum Braun-, die Blätter zum Schwarz- und die Früchte zum Gelbfärben.

Die Ernte ist aufwendig, denn die Früchte sollen beim Ernten möglichst nicht platzen. Auf Plantagen werden Äste daher meist abgeschnitten und schockgefrostet. Das ist für Sammler tabu, denn die Wildpflanze steht unter Naturschutz. Neben Saft und Mark, die viel Vitamin C enthalten, werden aus den Früchten sowie ihren Kernen wertvolle, duftende Öle gepresst. Vitamin A, E, K und viel Carotin lassen sie zellregenerierend, entzündungshemmend und antioxidativ wirken. Sanddorn verfügt über ein besonderes Fettsäurengemisch, das der Hautstruktur sehr nahe ist. Die sonst seltenen Palmitolein- und Palmitinsäuren bewirken, dass das Öl gut in die Haut einziehen kann. Das Fruchtfleischöl eignet sich für die reife, das Kernöl seiner wundverschließenden und heilenden Wirkung wegen besonders für unreine Haut. Kosmetik mit Sanddornöl ist meist an seiner orangen Verpackung zu erkennen.

Goji-Beere

Goji-Beere (Foto: Fotolia.com)

Anpassungsfähig: Goji-Beere
Die Goji-Beere, bei uns Bocksdorn oder Teufelszwirn genannt, ist auch in unseren Breiten leicht zu kultivieren. Der Busch ist winterhart und trockenheits- und hitzeresistent. Er wird 2–4 Meter hoch.

In vielem ähnelt die Goji- der Sanddornbeere. Auch sie beinhaltet einen Energiecocktail aus Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen. Und der Goji-Strauch ist ebenfalls ein dorniger und anspruchsloser Überlebenskünstler aus Asien. Die Farbe seiner leuchtenden Beeren lässt sich durchaus mit der der Sanddornbeeren verwechseln – zumindest von Weitem … Verwandt sind sie jedoch in keiner Weise, der Goji-Strauch nämlich ist ein Nachtschattengewächs. In China ist die Beere „Lycium barbarum“ Teil der traditionellen Medizin. Gojis dienen dort zu Stärkung von Leber, Nieren und Immunsystem, Behandlung von Bluthochdruck und von Augenkrankheiten.

Plantagen gibt es in Europa erst seit 2007 – zunächst in der Schweiz, dann in Spanien und dann auch an der deutschen Ostseeküste. Da das Kernöl ähnlich wie Sanddorn Carotinoide und Palmitoleinsäure enthält, haben nun auch die Kosmetikhersteller die Beere auf der Zutatenliste. Wegen seiner antioxidativen und enzymstimulierenden Wirkung werden die Wirkstoffe bei Anti-Aging-Produkten oder als zellregenerierende Zutat in Cremes, Lotionen, Lippenpflegestiften und für die Haarpflege verwendet.

Aronia

Aronia (Foto: Fotolia.com)

Fitmacher: Aronia
Die Aronia ist nicht nur gesund für Menschen – US-Forscher haben herausgefunden, dass sich auch Zugvögel vor ihrer anstrengenden Reise in den Süden vorzugsweise von den Apfelbeeren ernähren.

Der gesund-herbe Aroniasaft ist mittlerweile bekannt, doch die Verwendung in der Kosmetik ist noch recht neu. Die dunkelfrüchtige Unterart der Eberesche ist in Nordamerika beheimatet und wanderte über Russland nach Europa ein. Die Indianer schätzten die Beeren wohl schon lange als Heil- und Nahrungsmittel.

Denn sie sind Bestandteil des legendären getrockneten Winterproviants Pemmikan. Erste Plantagen gab es in den 60er-Jahren in der DDR – heute finden sich große Anbaugebiete an der Ostsee und in Sachsen. Geerntet wird im August und September. Nach dem Keltern des Saftes wird aus den verbliebenen Schalen und Kernen ein Tresteröl gewonnen. Der Extrakt ist neben dem Vitamin E und Beta-Carotin vor allem reich an Anthocyanen. Aronia-Kosmetikprodukte kombinieren das Tresteröl mit Jojoba oder Olivenöl und eignen sich für alle Hauttypen.

Hagebutten

Hagebutten (Foto: Fotolia.com)

Vielseitig: Hagebutten
Aus den Kernen bestimmter Sorten wird das Rosa-Mosqueta-Öl gewonnen – Hagebuttenschalen lassen sich zu Tee oder Hagebuttenmus verarbeiten, die klassische Füllung für Faschingskrapfen.

Auch wenn wir sie hier als Allerweltshecke kennen, die herrlich duftende Wildrose ist eigentlich im mittleren und südwestlichen Asien zuhause. Das Wildrosenöl „Rosa Mosqueta“ aus den Kernen der Hagebutten stammt heute jedoch meist aus Chile.

Eine erstaunliche Weltwanderung: Araber, Türken und Kreuzfahrer brachten das Rosengewächs nach Europa. Rund 5000 Jahre alte Funde in Schweizer Pfahlbauten belegen, dass die Hagebutte damals schon Verwendung fand. Die Ärzte des Altertums nutzten sie als Mittel gegen Erbrechen, Nierensteine und Zahnfleischentzündungen. Spanische Eroberer brachten die Wildrose schließlich nach Chile und pflanzten sie dort als Begrenzung der besetzten Gebiete an. Chile gilt als bedeutendster Hersteller des Wildrosenöls Rosa Mosqueta. Gesammelt werden die Hagebutten bei uns im September und Oktober, in Chile im Februar und März. Zunächst trocknet man die Früchte, entfernt dann die roten Schalen und verarbeitet die winzigen Kerne. Hagebuttenkernöl wirkt heilend bei Narben und entzündeter Haut, regt die Zellerneuerung an und erhält die Fähigkeit der Haut, Feuchtigkeit zu binden. Es ist wegen seines hohen Gehalts an Alpha-Linolensäure besonders gut verträglich und daher auch für trockene und gereizte Haut geeignet.

Weintrauben

Weintrauben (Foto: Fotolia.com)

Kostbar: Weintrauben
Sie gehören zu den ältesten Kulturpflanzen der Menschheit, schmecken als frische Trauben, Wein oder Rosinen und liefern das wertvolle Traubenkernöl. Das weltgrößte Trauben-Anbauland ist Italien.

Wenn im Oktober der Wein gelesen und gepresst ist, bleibt der sogenannte Trester zurück – Schalen, Stielreste und Kerne. Nach dem Keltern werden die Kerne ausgesiebt, getrocknet und fürs Auspressen vorbereitet. Sie sind ziemlich hart und enthalten nur 10–14 Prozent Öl. Aber nicht nur deswegen ist Traubenkernöl eine echte Kostbarkeit für Leib und Magen. Wegen seines hohen Gehalts an sekundären Pflanzenstoffen wie Pflanzenfarbstoffen und Vitamin E hat es außergewöhnliche „antioxidative und zellmembranschützende Eigenschaften“, schreibt Heike Käser in ihrem Buch „Naturkosmetische Rohstoffe“. Es vermag fettlösliche Wirkstoffe tief in die Haut einzuschleusen und wirkt sowohl feuchtigkeitsbindend für die alternde Haut als auch reinigend und klärend für junge, unreine Haut. Deshalb kann sie in der Kosmetik für beide Hauttypen genutzt werden. Auch eine Maske aus frischen Trauben ist eine Wohltat für die Haut.

Wer sich nicht gesund ernährt, dem nützt natürlich auch die bes-te Creme nichts, doch die geballte Naturpower der Herbstbeeren vermag ja beides – gesund von innen wirken und von außen direkt und schnell die Haut da unterstützen, wo sie es gerade braucht.

Kernöle zum Nachlesen

Käser, Heike:
Naturkosmetische Rohstoffe. Wirkung, Verarbeitung, kosmetischer Einsatz.
Freya Verlag, 2011, 407 Seiten, 34,90 Euro

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