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Ein altes Heilmittel: Molke

Die alten Griechen und Römer schätzten Molke als Schönheits- und Heilmittel. In unserem Jahrhundert gerieten die Wirkungen des bei der Käseherstellung anfallenden Nebenproduktes jedoch in Vergessenheit. So landet auch heute noch ein Großteil der Molke als Viehfutter in den Trögen von Nutztieren. Im Zuge der Wiederentdeckung altbewährter Heil- und gesunder Nahrungsmittel erlebt Molke jedoch eine Renaissance.

Auch im Naturkostladen findet man verschiedene Produkte auf Molkebasis wie Nahrungsergänzungen, Fastendrinks, sowie Mittel zur Hautpflege und Darmsanierung.er im 18. und 19. Jahrhundert etwas auf sich hielt und es sich leisten konnte, besuchte einen der zahlreichen Molke-Kurorte. In der Schweiz, in Bayern, im Salzkammergut oder im Harz kredenzte man Damen und Herren aus erlauchten Kreisen, die aus nahegelegenen Sennereien herangekarrte Frischmolke. Als Kur wurde sie bei Verstopfung, Gallenbeschwerden, Magen-Darm-, Leber- und Nierenerkrankungen sowie bei Übergewicht und Hautleiden verordnet. Wie Molketherapien damals eingestuft wurden, lassen die Worte des Arztes und Naturforschers Tissot im Jahre 1779 erahnen: "Ich behaupte, daß Molke eines der größten Heilmittel ist." Damals kannten die Ärzte weder die Nährstoffzusammensetzung, noch konnten sie die durch Molke ausgelösten Vorgänge im Organismus wissenschaftlich belegen.
Historischen Quellen zufolge waren Molke-Kuren bereits im Altertum bekannt. In einer Schrift aus dem 12. Jahrhundert steht:

"Molken wischt ab, dringet ein
Wo Verstopfung, Galle seyn."

Überliefert wurden auch alte Rezepte für die Kur selbst, zum Beispiel aus dem Jahre 1822 von dem königlich-bayerischen Badearzt Rosenmerkel:

"Als Kur wird die Molke am besten nüchtern getrunken. Man macht mit einem oder zwei Schoppen (circa ein viertel Liter) den Anfang und steigert täglich, je nachdem wie es die Krankheit fordert, die Portionen. Die Dauer der Kur sollte 20 bis 24 Tage betragen."

Mit der Entwicklung der modernen Medizin geriet Molke wie viele alte Heilmittel in Vergessenheit. Hinzu kommt erschwerend, daß frische Molke nicht lange haltbar ist. Etwa zwei Stunden nach ihrer Gewinnung beginnt sie zu verderben. Das enthaltene Eiweiß schmeckt dann unangenehm käsig. So wandelte sich das einstige Heilmittel im Laufe der Zeit zum "Abfallprodukt".

Die Entwicklung von Verfahren zur Haltbarmachung wie Pasteurisieren und Trocknungsverfahren, ihre Wiederentdeckung durch die Naturheilmedizin sowie wissenschaftliche Untersuchungen über ihre Zusammensetzung und Wirkungen im Organismus lassen Molke nun wieder in einem anderen Licht erscheinen. So wird zwar auch heute noch ein großer Teil an Rinder und Schweine verfüttert, doch bieten einige Hersteller im Naturkostbereich Molkeprodukte zur Nahrungsergänzung, als nährstoffreiche Fastendrinks sowie als Mittel zur Hautpflege und Darmsanierung an. Wer heute eine Molkekur machen möchte, braucht dazu keinen Kurort mehr aufzusuchen.

Ob Süß- oder Sauermolke entscheidet der Herstellungsprozeß


Molke entsteht bei der Käseherstellung. Je nach Verfahren wird in Süß- oder Sauermolke unterschieden. Bei der Herstellung von Hartkäse entsteht Süßmolke, bei der Gewinnung von Weichkäse Sauermolke.

Zur Hartkäsegewinnung setzt man der Milch Lab, ein Enzym aus dem Kälbermagen, zu und leitet damit einen Gerinnungsprozeß ein. Dabei wird die Milch in zwei Fraktionen getrennt: die Käsemasse und die leicht grünliche Flüssigkeit, die Süßmolke. Bei der Weichkäseerzeugung erfolgt die Gerinnung mit Hilfe von Bakterienkulturen. Dabei entstehen Dickmilch beziehungsweise Quark sowie als Nebenprodukt Sauermolke. Sauermolke erhält man auch, wenn frische Rohmilch einige Tage bei Raumtemperatur stehen bleibt. Die von Natur aus in der Milch vorhandenen Bakterien sorgen dafür, daß die Milch dick wird und die Molke sich absetzt.

In puncto Nährstoffgehalt sind Süß- und Sauermolke gleichwertig. Aufgrund ihrer kurzen Haltbarkeit findet man allerdings keine frische Molke sondern nur Trockenzubereitungen und Konzentrate im Lebensmittelhandel. Diese sind längere Zeit haltbar und immer griffbereit.

Nach Bedarf kann das Molkegetränk aus Pulver und Wasser angerührt oder aus Konzentraten vermischt mit Obstsäften oder Wasser hergestellt werden. Als Trinkkuren gibt's Molke pur - und für die, die es lieber mögen - mit Erdbeer-, Schoko- und Vanillegeschmack.

Bio-Molke: ein Problem der Logistik


Leider ist es auch im Naturkosthandel nicht immer selbstverständlich, daß die Molkeprodukte auf Bio-Milch basieren. Biokosma hat zwar mittlerweile eine Bio-Molke-Trinkkur im Angebot, daneben aber auch eine aus konventioneller Milch. "Das ist ein Makel, wir wissen das - es paßt nicht zu unserer Philosophie", gesteht Leo Krähenmann, Geschäftsführer von Biokosma. Das Problem liegt in der Logistik für die Frischmolkenbeschaffung. Da Biokosma seine Molkeprodukte in viele Länder vertreibt, benötigt die Firma große Mengen. Um den gesamten Bedarf an Bio-Frischmolke abzudecken, müßten nach Auskunft Krähenmanns täglich mehrere ökologisch wirtschaftende Kleinkäsereien von überall her liefern. Das wird jedoch durch die kurze Haltbarkeit der Molke erschwert. "Im Grunde", resümiert Krähenmann, "bräuchten wir eine Großmolkerei, die mit Bio-Milch wirtschaftet in der Nähe." Das würde wiederum dem Naturkostgedanken widersprechen, der von einer dezentralisierten Verarbeitung landwirtschaftlicher Produkte ausgeht. "Wir suchen nach Lösungsmöglichkeiten", so Krähenmann. Auch bei der Firma Bioforce, die eng mit Biokosma zusammenarbeitet, ist der Bio-Molkennachschub ein Problem, da von dem Molkenkonzentrat weltweit jährlich mehrere tausend Tonnen vertrieben werden. Bislang wird dafür nur konventionelle Milch verarbeitet.

Pionier auf dem Gebiet der Bio-Molkenprodukte ist die Firma Ökomagnet mit ihrer Marke Raab Süßmolke. "Wir verarbeiten schon seit 10 Jahren ausschließlich Bio-Molke", berichtet Firmeninhaber Michael Raab. Auch die mit Vanille aromatisierte Trinkmolke besteht zu 100 Prozent aus Biozutaten und ist vom Anbauverband Naturland zertifiziert.

Erst kürzlich auf Bio-Molke umgestellt wurde die Rezeptur der Kometikprodukte VEL.VET von Für meine Kinder. Hierfür gaben vor allem wiederholte Käufernachfragen den Ausschlag.

Haltbarmachung durch Sprühtrocknung


Die Molke-Hersteller im Naturkostbereich setzen zur Haltbarmachung Verfahren wie die Sprühtrocknung ein. Bei Biokosma wird die Frischmolke unter Vakuum bei etwa 85 Grad getrocknet. "Die meisten Vitamine, Mineralstoffe und das Eiweiß überstehen dieses Verfahren", berichtet Leo Krähenmann. Um die Milchsäureverluste auszugleichen, werden anschließend gefriergetrocknete rechtsdrehende Bakterienkulturen zugesetzt. Am natürlichen Vorbild orientiert sich Michael Raab: "In Süßmolke aus kontrolliert-biologischer Tier- haltung sind rechtsdrehende Milchsäurebildner in einer Potenz von 106 zu finden und genau diese Menge setzen wir auch wieder zu."

Für das Molkenkonzentrat von Bioforce wird die naturbelassene, unerhitzte Frischmolke mit Bakterienkulturen milchsauer vergoren und zusätzlich mit rechtsdrehender Milchsäure angereichert. Dabei wird ein Teil des enthaltenen Milchzuckers in Milchsäure umgebaut. Anschließend wird aus der vergorenen Molke das Eiweiß herausgefiltert und die klare Flüssigkeit unter Vakuum konzentriert. Im Gegensatz zu Molkenpulver enthält das Konzentrat kein Eiweiß mehr und wird deshalb auch von Kuhmilchallergikern vertragen. Haltbare Molke-Getränke wie sie im konventionellen Handel zu finden sind, durchlaufen einen stärkeren Verarbeitungsprozeß. Die Molke wird gefiltert, um sie von den Rückständen des Käsestaubs zu befreien. Das klare Milchserum wird anschließend kurz auf 75 bis 85 Grad erhitzt und nach der Abkühlung mit Bakterienkulturen beimpft. Bei einem ph-Wert von 4,7 wird der Säuerungsprozeß durch Abkühlung gestoppt. Um das Produkt haltbar zu machen, wird die Molke nochmals auf 95 Grad erhitzt, homogenisiert und wieder abgekühlt.

Eine andere Konservierungsmöglichkeit ist das Uperisationsverfahren. Dabei wird heißer Wasserdampf für zwei bis drei Sekunden in die frische Molke geleitet. Die anschließende Schockkühlung soll die Molke vor gravierenden Nährstoffverlusten bewahren.

Geeignet für die Fastenkur


Aus den verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten geht bereits hervor, daß Molke als vielseitiges Universalmittel für die Gesundheit gehandelt wird. Ein Wundermittel ist sie laut einer Infobroschüre von Bioforce jedoch nicht, sondern eher ein "sehr ursprüngliches und natürliches Lebensmittel."

Den Nährstoffen in Molke ist eine wissenschaftliche Untersuchung der Universität Gießen auf den Grund gegangen. Sie bescheinigt dem Milchprodukt einen hohen Gehalt an Vitaminen, Mineralstoffen, Spurenelementen, Molkeneiweiß, Milchzucker und Milchsäure. Fett und weitere Kohlenhydrate sind dagegen fast nicht enthalten. Die Nährstoffe sind in der wässrigen Molke gelöst und können so schnell vom Organismus verwertet werden.

Molke gilt als ideales Getränk während einer Fastenkur oder Reduktionsdiät, da sie den Organismus trotz Nahrungsverzicht mit Nährstoffen versorgt. Ein weiterer Vorteil: Das in geringen Mengen enthaltene, aber hochwertige Eiweiß sorgt dafür, daß bei einer Diät nicht körpereigenes Eiweiß - zum Beispiel aus dem Muskelgewebe - abgebaut wird. "Außerdem fördert die kaliumreiche Molke die Nierenfunktion und Flüssigkeitsausscheidung. Eingelagertes Gewebewasser wird dadurch schonend ausgeschwemmt", berichtet Krähenmann von Biokosma.

Gesunder Darm durch Milchsäure


Die in Molke enthaltene Milchsäure sorgt für eine gesunde Bakterienbesiedlung im Darm und bringt die Verdauung auf Trab. Der Organismus wird auf natürliche Weise entschlackt. Ein gesunder Darm ist die Voraussetzung für ein stabiles Immunsystem: Ist die Darmflora intakt, werden Nährstoffe aufgenommen und verwertet, können krankmachende Keime bekämpft und gesundheitsschädliche Gär- und Fäulnisprozeße blockiert werden. Molke soll auch einen eventuellen Säureüberschuß im Darm regulieren.

Bei ernährungsbedingten Stoffwechselstörungen wie Gicht, Magen-Darm-Erkrankungen, Verstopfung, Gallen- und Nierenleiden sowie Herz-Kreislaufkrankheiten soll Molke bei der Ernährungsumstellung helfen. Die Liste der empfohlenen Anwendungsgebiete läßt sich mühelos verlängern. So soll Molke unter anderem bei hohem Blutdruck und erhöhten Cholesterinwerten helfen, Halsentzündungen lindern und Blähungen beseitigen.

Das Geheimnis der Kurerfolge mit Molke wird in einer Entlastung des Organismus von der Stoffwechselarbeit, der Erhöhung seiner Ausscheidungen und der Möglichkeit, bei minimaler, aber ausreichender Eiweißzufuhr überflüssiges Fett abzubauen, gesehen.

Äußerlich angewandt: ein Hautpflegemittel


Molke kann auch äußerlich angewendet werden. Milchsäure spielt im menschlichen Organismus eine große Rolle und wird von ihm auch selbst gebildet. Sie kommt in Organen, Sekreten, im Magensaft, Schweiß und Urin vor. Für eine gesunde Haut gilt sie als unerläßlich, da sie ein Bestandteil des Säureschutzmantels ist. Die in Molke vorkommende Milchsäure entspricht in ihrer chemischen Struktur der vom menschlichen Körper gebildeten. Deshalb soll Molke der Haut bei der Selbstheilung helfen und auch von empfindlicher, zu Allergien neigender Haut, vertragen werden.

Das Molkenkonzentrat von Bioforce wirkt, so der Hersteller, bei kleinen Wunden, Abschürfungen, Verbrennungen und Insektenstichen desinfizierend. Bei Hautunreinheiten, Ekzemen, Flechten oder Hämorrhoiden, Fuß- und Nagelpilz sowie Pilzinfektionen des Genitalbereichs werden Spülungen und Bäder mit dem verdünnten Konzentrat empfohlen.

Hautpflegemittel auf Molkebasis sollen durch die enthaltene Milchsäure für eine gesunde Haut sorgen. Die Übereinstimmung der in Molke enthaltenen Milchsäure mit der vom Organismus produzierten, nutzt die Firma Für meine Kinder für die VEL.VET-Kosmetiklinie. Fast alle Cremes, Shampoos und Körperpflegeprodukte basieren durch ein patentiertes Herstellungsverfahren auf Molke. Sie sollen das Milieu der Haut schützen und erhalten, den ph-Wert regulieren und das Feuchtigkeitsvermögen positiv beeinflussen.

Auch Biokosma hat Pflegeprodukte auf Molkebasis im Programm, zum Beispiel Kurbäder. Laut Hersteller helfen sie bei gestreßter, trockener und schlaffer Haut. Molkekurbäder werden auch als Intensivkur für die Gesichtshaut empfohlen.

Astrid Wahrenberg


Molkekur zum Ausprobieren
Empfohlen werden ein bis zwei Molketage im Halbjahr, an denen man sich außerdem richtig ausspannen sollte. Am besten eignet sich ein Wochenende. Der Darm sollte dabei mit leichter Kost entlastet werden.

Molkekur: Täglich einen Liter Molke trinken und viel Obst und Gemüse essen. Außerdem jeden Tag mindestens zwei bis drei Liter Flüssigkeit zuführen (die Molke eingerechnet).
Wer den Molkegeschmack nicht mag, kann zum Beispiel auf Produkte mit Erdbeer-, Vanille- oder Schokoaroma zurückgreifen.


Buch zum Thema
Im Eigenverlag erschienen ist das Buch von Maren Lünn Molke - Entschlacken, Kuren, Kosmetik von innen. Die Autorin beschreibt das Produkt und seine vielfältigen Einsatzmöglichkeiten (Stoffwechselstörungen, Hautpflege). Dabei wird Molke von ihrer besten Seite gezeigt. Das Buch kann direkt bestellt (Auf der Heide 3, 64673 Zwingenberg, Tel.:06251/787410) oder im Buchhandel (ISBN 3-9806026-0-5) erworben werden. Es kostet DM 24,80.

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Toller und zeitloser Artikel! Wir beschäftigen uns schon länger mit Molke und schwören darauf!

Grüße
Carina

Jakob Johannes

Molke nicht haltbar? Lachhaft. Von einer Hofkäserei erhalte ich tagfrische, past. Molke, die ich zwei Wochen im KS ~ 6° bis zum Schluß verwahren und trinken kann. Schmeckt immer wunderbar.
Sollte ich den Rest vergessen, kommt er in mein Fußbad.
Auch wir beginnen mit dem Tag unserer Geburt zu sterben...
Also bitte differenzierter berichten!