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Problemfrucht Avocado

Avocado (© complize/photocase)

UMWELT Sie sind beliebt wie nie. Doch sie haben eine schlechte Öko-Bilanz. Schneiden Avocados aus biologischem Anbau besser ab ? // Leo Frühschütz

Schön ist sie ja nicht gerade, mit ihrer grün-lila Knubbelschale. Aber der Inhalt überzeugt: buttrig-weich, leicht nussig im Geschmack, vielfältig in der Küche einsetzbar und so gesund. Avocados enthalten reichlich ungesättigte Fettsäuren, Folsäure, Niacin, Vitamin E, Kalium und wertvolle Aminosäuren. Kein Wunder also, dass sich der Avocado-Verbrauch in der EU in den letzten fünf Jahren verdoppelt hat.

Doch die steigende Nachfrage hat auch Folgen, vor allem für die Umwelt. Avocados brauchen viel Wasser und sie reisen weit, bis sie bei uns sind. Das schadet dem Klima und kratzt am Image der Früchte. Die Frage, die sich viele Bio-Kunden stellen: Sieht die ökologische und soziale Bilanz bei Bio-Avocados besser aus als bei den konventionellen Früchten?

Anbaugebiet entscheidet über Öko-Bilanz

Egal ob konventionell oder bio: Avocados brauchen viel Sonne, aber auch viel Wasser. Das macht den Anbau in trockenen Ländern sehr bewässerungsintensiv. Da können für ein Kilogramm Avocados schon mal 1000 Liter Wasser notwendig sein. Das entspricht sieben vollen Badewannen. Wasser, das in trockenen Gegenden aus Flüssen abgeleitet oder aus dem Grundwasser hochgepumpt werden muss – und dann womöglich anderswo fehlt. Wichtig für die Öko-Bilanz einer Avocado ist deshalb das Klima vor Ort. An sehr trockenen Standorten wie in Südafrika oder Israel ist der Bedarf an Bewässerung weitaus höher als in Gebieten mit mehr Niederschlag.

Avocados im Bio-Laden kommen vor allem aus Spanien, Peru und Kenia, kleinere Mengen auch aus Chile, Argentinien und Mexiko. Kaum eine Rolle im Bio-Laden spielen Südafrika und Israel als Herkunftsländer. „Unsere Erzeuger in Peru sind kleine Bauern, die durchschnittlich zwei Hektar Fläche bewirtschaften“, sagt Udo Buerk, der beim Importeur Biotropic die Qualitätssicherung und das Projektmanagement leitet. Die Bauern dort müssen die Bäume zwar bewässern, das Wasser dafür komme von den Bergen und sei nicht knapp. „Zumeist setzen die Bauern Tröpfchenbewässerung ein, sie wollen und müssen ja auch sparen“, erklärt Buerk. Der Fokus der Agraringenieure von Biotropic liege zwar traditionell auf der Bio-Anbauberatung und -kontrolle, seit einigen Jahren achten sie jedoch verstärkt auch auf Wasserverbrauch und Sozialstandards.

In Spanien ist der Wasserverbrauch für Bio-Produkte schon länger ein Thema, weil Umweltorganisationen wie der WWF seit Jahren die sinkenden Grundwasserspiegel in den großen und trockenen Gemüseanbaugebieten thematisieren. Frank Rieflin, Vertriebsleiter beim Bio-Importeur Naturkost Schramm, hatte deshalb schnell eine Stellungnahme seines größten Avocado-Lieferanten zur Hand. Enrique Morales, der Betreiber der Finca Jalhuca, hat für zwei Standorte in Andalusien und im regenreicheren Cadiz den Bewässerungsbedarf errechnet und kommt auf 585 und 154 Liter je Kilogramm Avocado. „Alle diese Zahlen sind natürlich grob gerechnet. Jede Finca ist eine eigene kleine Welt“, fügte er seiner Stellungnahme hinzu.

Ohne Bewässerung kommen Kleinbauern in Ostafrika aus, denn dort regnet es genug. Von Ostafrika bezieht der Biofair-Händler Kipepeo seine Avocados. Der niederländische Importeur Eosta arbeitet unter anderem mit drei kenianischen Firmen zusammen, die die Bio-Erzeugnisse von Kleinbauern für den europäischen Markt bündeln.

Kleinbauer oder Plantage?

Die Beispiele zeigen, dass die für Bio-Läden relevanten Avocado-Importeure mit bäuerlichen Erzeugern und oft auch mit Kleinbauern zusammenarbeiten. Diese verdienen dadurch zusätzliches Geld, das sie investieren können, etwa in die Ausbildung ihrer Kinder. Ihre Avocado-Bäume wachsen in Mischkultur mit anderen Früchten oder in kleinen Parzellen. Allerdings werden nicht alle Bio-Avocados in solchen Strukturen erzeugt. Große Produzenten in Südafrika oder Südamerika bauen nicht nur konventionelle Avocados in riesigen Monokulturen an, sondern auch Bio-Früchte – meist zu günstigeren Preisen, als es ein Kleinbauer kann.

Ein anderes Problem, das der Avocadoboom mit sich bringt, wird in Mexiko deutlich. Das Land ist mengenmäßig das wichtigste Anbauland. Um die steigende Nachfrage vor allem aus Nordamerika zu decken, holzen Bauern dort illegal Wälder ab, um neue Anbauflächen zu gewinnen. Der Einsatz von Pestiziden hingegen ist im konventionellen Anbau nicht das größte Problem. Durch die dicke, ledrige Schale sind die Früchte von Natur aus gut vor Insekten geschützt.

Auch Bio-Avocados reisen weit

Bio-Avocados haben dieselben langen Wege wie konventionelle. Avocados aus Übersee kommen per Schiff, die spanischen per Lkw. Hochgerechnet auf die einzelne Frucht ist der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid nicht so hoch. Dennoch gilt für Avocados dasselbe wie für Ananas, Bananen und andere Früchte aus Übersee: Sie sollten ein Genuss- und kein Grundnahrungsmittel sein. Am besten für die Umwelt und die Menschen vor Ort ist, wenn die Früchte aus saisonalem Bio-Anbau stammen.

Avocado, aufgeschnitten (© plainpicture/Sandra Roesch)
(© plainpicture/Sandra Roesch)

Avocado: Außen ledrig, innen butterweich

  • Der Name Avocado geht auf das aztekische Wort „Ahuacatl“ für Hoden zurück. Avocados werden auch als Alligatorbirne oder Butterfrucht bezeichnet. Bei den Früchten handelt es
    sich um Beeren.
  • Der ursprünglich aus Mexiko stammende Baum wächst heute in vielen subtropischen Ländern. Früchte trägt er nach vier Jahren. Sie werden unreif geerntet, verschifft und reifen zuhause in der Obstschüssel nach.
  • Für konventionelle Avocados gibt es eigene Reifereien, aus denen die Früchte verzehrbereit in die Supermarktregale geliefert werden.
  • Von den 400 verschiedenen Sorten werden vor allem zwei für den Export angebaut: Fuerte-Avocado haben eine gleichbleibend grüne, fast glatte Schale. Hass-Avocados hingegen zeichnen sich durch eine knubbelige Schale aus, die mit zunehmender Reife dunkler wird.
Erschienen in Ausgabe 03/2017
Rubrik: Ernährung

Kommentare

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Felix Kowoll

Problemfrucht Avocado!
ihr Bericht in der letzen "Schrot+Korn" läßt mich an der Seriösität der Zeitschrift zweifeln.
Einerseits werden die Probleme beim Anbau und Transport benannt,
andererseits gibt es seitenweise Avocadorezepte.
Übrigens "verbraucht" 1 Kg Röstkaffee 21000 l Wasser (140 l/Tasse)
Tee hingegen nur 30 l/Tasse.
Mein aktueller Lieblingsaufdruck für's nächste T-Shirt (natürlich Biobaumwolle fairgehandelt, Wasserverbrauch unbekannt!):
I can go without a "Coffe to go"
Fazit: Mensch sollte sich von (Bio)Trends fern halten -das hilft wirklich.