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Sojadrink: Ohne muh und mäh

Warenkunde Sojamilch (© Tabea Mathern/bio verlag)
(© Tabea Mathern/bio verlag)

bio-wissen Wem der Verzicht auf Milch schwerfällt, findet in Sojadrink eine gute Alternative. Kritisch galt bisher die Herkunft der Bohnen aus Übersee. Jetzt punkten Bio-Hersteller mit Soja aus Europa. Doch das ist noch nicht alles. // Brigitte Sager-Krauss

-> Sojadrinks im Bio-Laden

Viele schwören auf Sojadrink: Veganer, die sich rein pflanzlich ernähren sowieso, aber auch Leute, die allergisch auf Milcheiweiß reagieren oder Milchzucker nicht vertragen, kommen mit Sojadrink gut zurecht. In der Küche macht der laktosefreie, pflanzliche Milchersatz fast alles mit, was Kuhmilch kann – ob kalt oder warm. Und der Geschmack von Sojadrink ist so mild, dass er sich in alle Richtungen gut kombinieren lässt. Der Pflanzendrink lässt sich gut als Vorrat über Monate lagern und die Nährwerte mit viel Eiweiß und mäßig Fett sind gut.

Ganz einfach hat es Sojadrink trotzdem nicht. Kritiker werten ihn als Industrieprodukt ab. Und in der Tat, mit idyllischen Bildern von Handpresse und Holzfass hat der weiße Pflanzendrink wenig zu tun. Doch passt diese Kritik mittlerweile auf fast alle unsere Lebensmittel. Sojadrink wird in großtechnischen, molkereiähnlichen Anlagen hergestellt. Denn Hygiene, Qualität und Preis sollen stimmen.

Bio-Hersteller wählen sehr sorgfältig ihre Rohstoffe. Sie verwenden ausschließlich Sojabohnen aus kontrolliert ökologischem Anbau. Das heißt, Pestizide und künstliche Düngemittel sind tabu. Vor der Verarbeitung müssen die Bohnen Qualitätskontrollen bestehen und durchlaufen mehrere Reinigungsschritte. Sojadrink ist nicht gleich Sojadrink. Nach welcher Rezeptur die Hersteller genau arbeiten, das halten sie meist geheim. Übliche Produktionsschritte sind Bohnen in Wasser einweichen, quellen, keimen, pürieren, erhitzen, dekantieren, zentrifugieren oder filtrieren – bis der milchige Auszug entstanden ist. Dieser wird mit Wasser verdünnt, teils homogenisiert, dann erhitzt und verkaufsfertig abgefüllt. Bio-Sojadrinks enthalten sechs bis zehn Prozent Soja. Das ist mehr als in den meisten konventionellen Drinks.

Zusätze wie Zucker

Es gibt Unterschiede in Farbe, Geschmack und Konsistenz. Da Kuhmilch mehr Zucker enthält als Sojadrink pur, setzen Hersteller manchmal Süßungsmittel hinzu, beispielsweise Rohrzucker, Apfelsaftkonzentrat, Maissirup oder Tapiokasirup. Wie viel Zucker im Drink steckt, verrät ein Blick auf die Nährwertdeklaration.

Kuhmilch ist eine natürliche Quelle für Kalzium. Die Milchalternative Sojadrink in purer Variante enthält weniger davon – außer Kalzium wird extra zugesetzt. Bio-Hersteller bieten kalziumhaltige Sojadrinks an, die mit der Meeresalge Lithothamnium calcareum angereichert wurden.

Manche Firmen verfeinern Sojadrink mit Vanilleextrakt und einer Prise Meersalz. Und es gibt Varianten mit Schokolade, Erdbeer- oder Bananengeschmack. Zusatzstoffe wie Kaliumphosphat, Calciumcarbonat, Aromen oder zugesetzte Vitamine, etwa D2, B2 und B12, sind in Bio-Sojadrink nicht drin.

Warenkunde Sojamilch (© Tabea Mathern/bio verlag)
(© Tabea Mathern/bio verlag)

Isoflavone

Sojaprodukte stecken voller Isoflavone. Diese haben unter anderem hormonähnliche Wirkung. Ihr gesundheitlicher Wert wird kontrovers diskutiert. Wie Studien zeigen, überwiegen jedoch die positiven Wirkungen etwa auf Wechseljahresbeschwerden, Herz-Kreislauf- und Krebserkrankungen. Ein bis zwei Portionen Sojaprodukte täglich gelten als empfehlenswert. Mit einer Einschränkung: Säuglinge und Kleinkinder sollten nur auf ärztlichen Rat regelmäßig Soja trinken und essen.

Definition Drink

Milch darf hierzulande per Definition nur genannt werden, was aus einem Euter kommt. Korrekt heißt der Milchersatz bei uns deshalb Drink. Anders in den USA, dort wird von Soymilk gesprochen.

Ohne Gentechnik

Bio-Lebensmittel werden ohne Gentechnik hergestellt. Hin und wieder wurden in den vergangenen Jahren dennoch Spuren von gentechnisch verändertem Soja gefunden. Schuld daran sind Verunreinigungen durch Gen-Soja-Felder in der Nähe oder Ungenauigkeiten beim Transport. Bis zu einem Grenzwert von maximal 0,1 Prozent ist solch eine Abdrift noch zulässig. Mit regionalem Bio-Soja-Anbau lassen sich gentechnische Verunreinigungen weitaus besser vermeiden.

Soja aus Europa

Bislang galt der Import von Soja aus den Hauptanbauländern Brasilien, USA, Kanada und China als ein Hauptmakel von Sojadrink. Bio-Hersteller haben das geändert: Inzwischen kommt bis auf wenige Ausnahmen nur noch Soja aus direkter europäischer Nachbarschaft, etwa Österreich, Italien, Frankreich, oder von Feldern aus regionalem Anbau im Südwesten Deutschlands in den Drink.

Zucker und Kalzium

Milch und Sojadrink sind nicht gleich, aber was ihre Fett- und Eiweißgehalte angeht ähnlich. Beim Zucker ist der größte Unterschied: Milch enthält viel Milchzucker (4,8 %), ungesüßter Sojadrink nur 0,1 % Saccharose, gesüßter Sojadrink jedoch bis zu 3 % Zucker. In Puncto Kalzium zieht allein angereicherter Sojadrink mit Milch gleichauf (120 mg/100 ml).

 

Im Kaffee

Gibt man kalten Sojadrink in heißen Kaffee, kann er ausflocken. Das lässt sich vermeiden, indem man den Drink leicht erwärmt oder aufschäumt. Oder dem Kaffee etwas Natron beigibt.

Erschienen in Ausgabe 01/2017
Rubrik: Ernährung

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