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Nano auf dem Teller?

In Umfragen stehen die Deutschen der Nanotechnologie mehrheitlich positiv gegenüber. Nur im Essen wollen sie die Winzteilchen nicht. Zu Recht, wie Fachleute bestätigen. // Leo Frühschütz

Nano auf dem Teller

Auf der Verpackung steht „Trennmittel: Siliciumdi-oxid“. Das klingt harmlos. Denn Siliciumdioxid, chemisch abgekürzt SiO2, ist nichts anderes als Quarz, das häufigste Mineral der Erdrinde. Hauptbestandteil unserer Sandspielkästen und Urlaubsstrände.

Doch das Trennmittel Siliciumdioxid, kurz: E551, in Salz, Instant-Kaffee oder Vitamintabletten ist kein natürlicher Quarzsand, sondern ein synthetisch hergestelltes Pulver, dessen Körnchen beim gängigen Herstellungsverfahren nur einige Millionstel Millimeter groß sind – Nanoteilchen eben. Nanokleine Teilchen können sich in ihren chemischen Eigenschaften von größeren Teilchen der gleichen Substanz unterscheiden. E551-Teilchen zum Beispiel haben eine im Vergleich zur Größe riesige Oberfläche.

Dies verleiht dem Siliciumdioxid die nötigen Eigenschaften, damit es als Rieselhilfe und Trennmittel taugt. E551 ist als Zusatzstoff seit über 40 Jahren zugelassen und galt als ungefährlich. Erst in den letzten Jahren geriet es wegen der Teilchengröße in die Diskussion. Nano-Hersteller und Anwender verwiesen darauf, dass die Winzteilchen sich zu größeren Einheiten zusammenballen würden. Niederländische Wissenschaftler jedoch konnten zeigen, dass sich E551 im Darm wieder in seine Nanobestandteile aufspaltet. Nun ist die Frage, ob diese einfach ausgeschieden werden, oder ob sie sich in die Darmwand bohren und dort Unheil anrichten. Weil das bisher ungeklärt ist, empfiehlt Sarah Häuser, Chemie-Expertin der Umweltorganisation BUND, vorsorglich Produkte mit E551 zu meiden.

Sonst nur in Nahrungsergänzung

Abgesehen von E551 sind synthetisch erzeugte Nanopartikel im Essen kein Thema. Zwar besitzt der Süßwarenhersteller Mars seit bald 20 Jahren ein Patent, mit dessen Hilfe sich Schokolade mit einer hauchdünnen Schicht aus Titandioxid überziehen und damit vor UV-Strahlung schützen lässt. Doch in die Praxis wurde das anscheinend ebenso wenig umgesetzt wie andere Forschungsergebnisse.

Nano im Salz (Foto: Fotolia.com)Nanoteilchen wie Siliciumdioxid verhelfen Salz zum Rieseln und dichten Flaschen gegen Sauerstoff ab (unten) (Fotos: Fotolia.com)

Einige Nahrungsergänzungsmittel werben dagegen mit Siliciumdioxid, kolloidalem Silber, Calcium und Magnesium in Nanopartikel-Form. Sie versprechen, dass die winzigen Teilchen im Körper besser wirken. Das Bundesins-titut für Risikobewertung jedoch warnt: „Insbesondere freie Nanopartikel, Nanoröhrchen oder Nanofasern könnten durch ihre geringe Größe, ihre Form, ihre hohe Mobilität oder höhere Reaktivität gesundheitliche Risiken hervorrufen.“ Das größte Risiko sei vermutlich mit dem Einatmen kleinster Teilchen verbunden. „Ob es Risiken durch die Aufnahme von Nanopartikeln über den Magen-Darm-Trakt gibt, ist bislang nicht geklärt.“Nano in der Plastikflasche (Foto: Fotolia.com)

Bio kommt ohne aus

Von den unlöslichen Nanopartikeln unterscheiden muss man lösliche Nanotransporter. Das sind kleine Kügelchen (Micellen) aus Emulgatoren wie Lecithin. In ihrem Inneren können sie Vitamine und andere Wirkstoffe transportieren. Im Körper lösen sich die Micellen auf und setzen den Wirkstoff frei. Welche Hersteller derart verpackte Zusätze einsetzen, ist unbekannt. Erst ab Ende 2014 müssen in der EU Nanoteilchen als Zutat deklariert werden.

Auch wenn bei Micellen das Risiko wegen der Löslichkeit geringer erscheint, rät BUND-Expertin Sarah Häuser zur Vorsicht. „Solange sie nicht getestet und als sicher befunden wurden, gehören solche Zusätze nicht in Lebensmittel.“ Auch der Bund ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW) als Dachverband der Bio-Branche plädiert dafür, „den direkten gezielten Einsatz von anthropogenen Nanostrukturen in Lebensmitteln“ zu verbieten. Für Bio-Lebensmittel sind Farbstoffe, Konservierungsmittel und andere Zusätze verboten. Deshalb sind Nanotransporter für die Branche – und ihre Kunden – kein Thema. Das gilt auch für nanoskaliges Siliciumdioxid. Es ist zwar als Rieselhilfe im Bio-Bereich zugelassen, doch dort sind diese Zusätze verpönt und die Salze und Gewürze im Bio-Laden enthalten keine Rieselhilfen. Die Anbauverbände Naturland, Bioland und Demeter empfehlen ihren Verarbeitern, Salz und Gewürze ohne Rieselhilfen zu kaufen und lassen, falls doch, nur Calciumcarbonat (E 170) zu. Naturland hat in seinen Richtlinien übrigens Nanomaterialien explizit ausgeschlossen – auch für Verpackungen.

Denn auch dort werden Nanopartikel eingesetzt. Hauchdünne Schichten aus Aluminium oder Aluminiumoxid schützen in einer Verbundfolie Chips und Schokoriegel vor Sauerstoff, Wasserdampf oder Gerüchen. Nanopartikel aus Kohlenstoff oder Siliciumdioxid dichten PET-Flaschen gegen Sauerstoff ab. Es gibt aber kaum Daten darüber, ob Nanoteilchen aus den Verpackungsmaterialien in die Lebensmittel wandern und wie bedenklich dies ist. Die Anwender argumentieren, das Risiko sei äußerst gering, da die Schicht mit den Nanoteilchen zwischen zwei Kunststofffolien eingebunden sei und keinen direkten Kontakt mit dem Lebensmittel habe. Der BÖLW sieht zwar mögliche positive Eigenschaften solcher Verpackungen, stellt aber die Sicherheit voran: Erst das Risiko erforschen, dann anwenden – und nicht umgekehrt.

Wo steckt Nano drin?

Alltagsprodukte wie Kleidung, Kosmetika, Sportartikel oder Haushaltsgeräte enthalten Nanomaterialien. Wer sich einen aktuellen Überblick verschaffen möchte, bekommt ihn in der Datenbank des BUND: www.nanowatch.de

Kommentare

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incl. 'http://'

Hallo! Der obige Bericht ist sehr interessant. Ich danke recht herzlich für die Informationen. Da auch in Nahrungsergänzungsmitteln E 551 enthalten ist, beschäftige ich mich aktuell mit diesem Thema. Ich kann mich dem Fazit des Berichtes anschließen! Erst das Risiko erforschen, dann das Produkt anwenden! Genau so soll es sein!

Liebe Grüße

Nils

Hans Ustinov

Wir werden von der Industrie vergiftet. Von der Politik gedeckt um der Wirtschaft nicht zu schaden. Doch wem sollte die Wirtschaft eigentlich dienen wenn nicht dem Menschen!

zombeck

Vielen dank für den Artikel.
Leider stosse ich immer wieder auf ein anderes Problem.
Diese nanopartikel befinden sich in fast allen verordneten Medikamenten.
Dagegen kann ich mich nicht schützen und es wird totgeschwiegen und verharmlost.
Da müsste unbedingt was geschehen.

Westerhoff
Gut recherchiert, guter Tip, der BUND hat zur Zeit die besten Nano-Infos.