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Wenn der Bauch rebelliert

Brechreiz, Bauchweh, Blähungen: Vier von zehn Menschen vertragen bestimmte Lebensmittel nicht. Schrot&Korn zeigt Ihnen, welche das sein können. // Leo Frühschütz

Lebensmittelunverträglichkeit

Am Anfang ist es nur eine Ahnung: Irgendetwas stimmt nicht. Immer wieder diese Übelkeit, dieses Grummeln im Bauch nach dem Essen. Langsam wird es schlimmer statt besser. Dann die bohrende Frage: Ist es etwas Ernstes? Spätestens jetzt wird es Zeit, zum Arzt zu gehen. Er muss als erstes sicher ausschließen, dass die Bauchbeschwerden von ernsten Erkrankungen wie Morbus Crohn, Magengeschwüren oder Darmkrebs herrühren.

Auch Stress kann auf den Magen schlagen und die Verdauung durcheinanderbringen. Solche psychosomatischen Erkrankungen haben ähnliche Symptome wie Lebensmittel-Unverträglichkeiten. Für den Arzt ist es daher nicht einfach, die Ursachen herauszufinden. Es hilft, wenn man aufschreibt, wann die Symptome auftreten und was man davor getan oder gegessen hat. Zusammen mit bestimmten Tests lässt sich dann meist doch eine Diagnose stellen.

Zöliakie

Der Darm reagiert empfindlich auf das Klebereiweiß Gluten in Getreide. Es kommt zu Blähungen, Durchfall, Erbrechen. Bei manchen Menschen zeigen sich aber auch ganz andere Symptome wie Müdigkeit, Blutarmut, Kopfschmerzen oder Depressionen. Weil die Symptome so unterschiedlich sind, dauert es durchschnittlich zehn Jahre, bis bei einem Erwachsenen die richtige Diagnose steht! Zumindest kann eine Zöliakie über Antikörper im Blut und Gewebeentnahme aus dem Dünndarm sicher nachgewiesen werden. Als einzige Therapie hilft ein völliger Verzicht auf Lebensmittel, die Weizen, Emmer, Kamut, Dinkel, Grünkern, Roggen und Gerste enthalten. Bio-Läden bieten ein breites Sortiment glutenfreier Lebensmittel.

Laktoseintoleranz

Etwa jeder sechste Mensch in Deutschland kann Milchzucker nicht oder nur eingeschränkt verdauen, weil sein Körper das Enzym Laktase nicht mehr bzw. nicht ausreichend produziert. Der Milchzucker wandert in den Dickdarm und wird dort von Bakterien zu Gasen und kurzen Fettsäuren abgebaut.

Deshalb zeigt der Verzehr von Milch und Milchprodukten nach wenigen Stunden unangenehme Folgen: Blähungen und wässrige Durchfälle, meist verbunden mit Übelkeit und Bauchschmerzen. Zur Abklärung dieser Störung kann der Arzt den sogenannten H2-Atemtest durchführen: Er verabreicht dazu bestimmte Nahrungsbestandteile (in diesem Fall Milchzucker) und prüft dann den Wasserstoffgehalt in der Atemluft. Steigt der an, deutet das auf eine Unverträglichkeit hin. Betroffene können das Enzym Laktase in Tablettenform kurz vor oder zu Beginn einer laktosehaltigen Mahlzeit einnehmen. Ansonsten bleibt nur der Verzicht auf einschlägige Lebensmittel oder der Griff zu speziellen laktosefreien Milchprodukten. Solche gibt es auch im Bio-Laden.

Fruktoseunverträglichkeit

Immer mehr Menschen können Fruchtzucker nicht richtig verwerten. Von einem Drittel der Bevölkerung ist inzwischen die Rede. Bei den meisten arbeitet ein Transportprotein nicht richtig, das den Fruchtzucker durch die Dünndarmwand ins Blut schleust. Er bleibt also im Darm und wird im Dickdarm von Bakterien zerlegt. Die Symptome ähneln denen der Laktoseintoleranz.

Auch die Fruchtzuckerunverträglichkeit lässt sich mit Hilfe des H2-Atemtests feststellen. Meist vertragen die Betroffenen eine kleine Menge Fruchtzucker, die jeder individuell austesten muss. Problematisch sind häufig Äpfel, Birnen, Mango, Pflaumen und Wassermelonen. Es gibt auch eine seltene angeborene Form, die Hereditäre Fruktoseintoleranz (HFI), bei der den Betroffenen ein Enzym zum Umbau von Fruktose in der Leber fehlt. Sie dürfen auf keinen Fall den H2-Atemtest durchführen.

Histaminunverträglichkeit

Wer nach dem Genuss von Penne al Tonno mit reichlich Parmesan Kopfweh, Herzrasen oder einen roten Kopf bekommt, verträgt womöglich kein Histamin. In vielen Lebensmitteln bilden Bakterien oder Hefen diese Substanz aus der Aminosäure Histidin.

Im Dünndarm und im Blut baut das Enzym DAO (Diaminooxidase) das Histamin wieder ab. Bei etwa fünf Prozent der Menschen funktioniert dieser Abbau nicht richtig und es kommt zu einem Histaminschub mit allergieähnlichen Anzeichen. Die Symptome sind allerdings sehr unterschiedlich und auch der Histamingehalt einschlägiger Lebensmittel schwankt je nach Reifegrad und Lagerung stark. Deshalb ist eine Histaminunverträglichkeit schwierig festzustellen. Bislang gibt es keine Tests, die eine Histaminintoleranz eindeutig nachweisen. Starke Reaktionen bei einem Hauttest (Prick-Test) können ein Indiz sein, am wichtigsten ist aber nach wie vor ein Ernährungs- und Symptomtagebuch.

Die Behandlung zielt darauf ab, Histaminzufuhr und -abbau wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Ärzte raten unter anderem zu möglichst frisch zubereiteter Nahrung, einem Verzicht auf gereifte Lebensmittel und Alkohol. Auch kann die Histamin-Freisetzung mit Medikamenten gehemmt werden.

Nahrungsmittelallergie

Bei einer Allergie handelt es sich nicht um eine Stoffwechselstörung, sondern um eine überschießende Reaktion des Immunsystems. Unter echten Nahrungsmittelallergien leiden zwei bis vier Prozent der Menschen. Kleinkinder reagieren häufiger auf Milch, Eier und Weizen allergisch. Doch oft verschwindet die Allergie mit dem Älterwerden. Auf manche Lebensmittel, etwa Erdnüsse, reagieren Allergiker extrem heftig. Es kann zu einem lebensgefährlichen Schock kommen. Wer an Heuschnupfen leidet, kann mit der Zeit auch gegen bestimmte Nahrungsmittel allergisch werden.

Einer Nahrungsmittelallergie lässt sich durch Allergen-Tests auf der Haut (Prick-Test) und spezifische IgE-Antikörper im Blut (Rast-Test) auf die Spur kommen. Die Ergebnisse bestätigt man dann mit kontrollierten Diäten und gezielten Testmahlzeiten. Anders als bei Heuschnupfen gibt es bei Lebensmittelallergien keine Spritzen oder Tabletten zur Desensibilisierung. Hier hilft nur, die betroffenen Lebensmittel wegzulassen.

Außerdem wissenswert

Gummiebärchen; Foto: Fotolia.com

Ungesunde Zusätze

Manche Menschen reagieren auf Farb- und Konservierungsstoffe oder Sulfit mit Ausschlägen und Schwellungen. Bio-Lebensmittel enthalten nur wenige Zusatzstoffe. Sulfit kommt auch im Bio-Wein vor.

(Foto: Fotolia.com)

Beeren; Foto: Fotolia.com

Aspirin im Essen

Auch Salicylate können auf den Magen schlagen. Nicht nur als Wirkstoff in Medikamenten wie Aspirin sondern auch im Essen. Vor allem Obst (Beeren) und Gemüse enthalten diesen Pflanzenstoff.

(Foto: Fotolia.com)

Bluttests; Foto: Fotolia.com

Fragwürdige Tests

Allergologenverbände raten von sogenannten IgG-Tests zur Diagnose von Nahrungsmittelallergien ab. IgG-Antikörper finden sich auch bei völlig gesunden Personen und weisen nur auf eine intakte Immunantwort hin. Gut geeignet zur Eingrenzung möglicher Allergene sind dagegen IgE-Tests.

(Foto: Fotolia.com)

Zum Weiterlesen

UGB-ForumUGB-Forum spezial:
Unverträglichkeiten und Allergien meistern.

UGB-Verlag, 2012, 52 Seiten, 8,90 Euro
Im Internet haben wir außerdem eine Liste mit Büchern und Links zusammengestellt: schrotundkorn.de/unvertraeglich

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incl. 'http://'
Karin
Die Aussage dass es bei Glutenunverträglichkeit keine andere Therapie gibt als bestimmte Nahrungsmittel zu meiden sollte ein Journalist der keine Erfahrung lieber nicht treffen.



Ich hatte selbst einige Unverträglichkeiten und Allergien, die durch eine Darmsanierung und psychosomatischer Therapie völlig geheilt wurden. wurden.

Und siehe da plötzlich waren auch alle vorher angeblich nicht vorhandenen Enzyme wieder da.



Die Überreizung des Stoffwechsels und des Immunsystems hat natürlich seinen Grund und sicher auch in der Ernährung,aber da geht es völlig unabhängig ob Bio oder nicht um die Nähr-und Vitalstoffkonzentration.



Bei Fruchtzuckerintoleranz wird der Dünndarm extrem durch hochkonzentrierten fast ausschließlich künstlich hergestelltem Fruchtzucker in Limonaden und Säften belastet bis ruiniert, bei Zöliaki sind es meist Auszugsmehle aus dem völlig überzüchteten Weizen.

Bei artfremden tierischem Eiweiß ist unser Körper sowieso generell überfordert, aber selbst meine Lactoseintoleranz und Milcheiweißallergie ist verschwunden und die "Knautschzone" auch Unverträgliches zu verarbeiten wieder hergestellt.

Inzwischen esse ich aus rein ethischen Gründen kaum noch Milchprodukte. Alte Weizensorten und Dinkel oder Äpfel und Haselnüsse esse ich wieder mit Genuss.



Demnächst wird es wohl bald eine genrelle Zucker und Salzintoleranz geben. Mit dieser enormen Nährstoffkonzentration ist unser Körper inwischen auch völlig überfordert.
raphael
Hallo



Ich leide seit einem jahr imens unter lebensmittelintoleranzen (laktose und fructose). Trotz vermeidung gewisser lebensmittel habe ich jeden tag und vor allem nachts enorme schmerzen. Arbeiten gehen kann ich schon nicht mehr. Ich vertrage quasi gar keine nahrung mehr. Klinisch wurde aber nichts gefunden und die ärzte sind mit ihrem latein am ende. Das ist so kein leben mehr. Kann mir evtl. Jemand bei dem die intoleranzen gelindert wurden einen rat geben? Ich weiss gar nicht mehr weiter.



Danke und gruß



Raphael