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Regionale Spezialitäten zur Weinlese

Deutschlands Winzerküche

Gutes Essen und Wein gehören zusammen. Deutschlands Winzer kochen – besonders im Herbst zur Lese – regionale Spezialitäten von zünftiger Hausmannskost bis feiner Sterneküche. // Astrid Wahrenberg

-> Rezepte aus der Winzerküche

Weintrauben brauchen zum Wachsen und Reifen mindestens 1300 Sonnenstunden im Jahr. Deshalb liegen die deutschen Weinbaugebiete in den wärmsten Zonen des Landes. Deutschland gilt als das nördlichste Weinanbaugebiet der Welt und erfüllt die klimatischen Voraussetzungen – wenn auch nicht überall – gerade noch. Bewaldete Gebirgszüge und das Mikroklima großer Flussläufe schützen überall dort, wo die Natur etwas rauer ist. In teils extremen Steillagen wird die Sonne eingefangen. Kein Wunder, dass diese Landstriche zu den landschaftlich reizvollsten Regionen in Deutschland zählen. Vegetation und Klima sind hier oft außergewöhnlich. So verwandeln etwa an der hessischen Bergstraße im Frühjahr die Mandelbäume die Landschaft in ein rosafarbenes Blütenmeer. In der Pfalz gedeihen Zitrusfrüchte und Feigen und im sonnenverwöhnten Baden fühlt man sich bei Grillenzirpen an lauen Sommerabenden wie in Südfrankreich. Bei so viel Sinnesfreuden kommen auch kulinarische Genüsse nicht zu kurz. Es ist bestimmt kein Zufall, dass sich viele Sterneküchen in Weinbauregionen finden. Gut Essen und Trinken gehört hier einfach zusammen.

Zur Lese schlemmen

Ganz besonders gilt das im Herbst, wenn die Lese im Weinberg beginnt. In den kleinen Orten herrscht dann hektische Betriebsamkeit. Traktoren, deren Anhänger mit reifen Früchten beladen sind, bestimmen das Straßenbild. Und die Ernte muss gefeiert werden. Fast jeden Abend lädt ein anderer Ort zum Weinfest ein. Die Termine erfährt man im Internet. Einfach in die Suchmaschine Weinfest und die betreffende Weinregion eintippen. Im Oktober öffnen dann die Winzer ihre Scheunen und Keller und schenken den frischen Federweißer aus. Dazu gibt es deftige Spezialitäten wie Schorles an der Mosel, Döppenlappes im Saarland, Spuntekäs im Rheingau, Zwiebelkuchen in Baden oder Weinsuppe in Württemberg.

Wer anspruchsvollen kulinarischen Gaumenkitzel mit regionalem Bezug zum Wein sucht, wird etwa auf Weingütern und Winzerhöfen mit angeschlossener Gastronomie fündig. Auch Bio-Winzer laden zum Weinverkosten und kulinarischen Schmaus auf ihre Höfe ein. Adressen und Termine bekommt man bei den Bio-Verbänden oder direkt vom Winzer.

Sachsen

Das mit 400 Hektar kleinste deutsche Anbaugebiet liegt zwischen Pirna und Diesbar-Seußlitz. Die teilweise extremen Witterungsbedingungen – strenge Winter und mögliche Spätfröste im Frühjahr, sowie reichlich Sonnenstunden und ausreichend Niederschläge im Sommer – haben für den Wein Vorteile. Denn je mehr man sich der klimatischen Anbaugrenze des Weines nähert, wo die Trauben noch gerade so reifen, desto reicher wird er an Aroma- und Bukettstoffen. Wein von hier gilt deshalb als Rarität.

Mosel-Saar-Ruwer

An den drei Flussläufen wachsen ganz unterschiedliche Weine. Berühmt sind die teilweise extremen Schiefer-Steillagen. Hier befindet sich auch der steilste Weinberg Europas, der Calmont zwischen den Orten Bremm und Ediger-Eller.

Wichtigste Rebsorte an der Mosel ist der Riesling. Regionale Spezialitäten sind Elbling und Auxerrois vom Muschelkalk der Obermosel. Die Region Mosel-Saar-Ruwer ist bekannt für besonders feinfruchtige und mineralische Weine.

Württemberg und Baden

In Württemberg, dem fünftgrößten Weinbaugebiet Deutschlands, wird vor allem Rotwein ausgebaut. Zu den berühmten schwäbischen Spezialitäten gehören Trollinger und Lemberger. Das Gros des badischen Anbaugebietes liegt im Rheingraben. Geschützt vom Schwarzwald und den Vogesen, ist es eine der wärmsten Regionen Deutschlands. Beliebte Traubensorten sind Burgunder, Silvaner, Gutedel und Muskateller.

Rheingau, Franken, Ahr und Pfalz

Klein, aber fein ist das Rheingau. Der schützende Taunusrücken und der breite Strom des Rheins mit seiner Sonnenlicht reflektierenden Oberfläche sorgen für ein gutes Rebenklima. Die Rieslingtraube dominiert den Anbau. In Franken füllt man Wein in bauchig-ovale Flaschen, den Bocksbeutel, ab. Zu den traditionsreich-sten Frankenweinen zählen Silvaner und Müller-Thurgau. Weine aus roten Trauben sind dagegen selten.

Liebhaber nennen das Ahrtal ein Rotweinparadies. Die Reben wachsen teils in extremen Steillagen, aber auch gartenähnliche Abschnitte gibt es hier. Das Klima ist trotz der nördlichen Lage fast mediterran.

Die Pfalz, das zweitgrößte Weinbaugebiet Deutschlands, ist besonders vielfältig. Von Buntsandstein, Keuper, Muschelkalk, Lehm, Granit, Schiefer, Mergel bis Porphyr reichen die Bodenarten, auf denen Weinreben gut gedeihen. Neben Riesling und Müller-Thurgau gehören Grau- und Weißburgunder sowie Chardonnay zu den meistangebauten Rebsorten.

Saale-Unstrut und Mittelrhein

Das Gebiet liegt am 51. Breitengrad, der die Grenze zwischen dem feuchtwarmen Golfstrom-Klima und dem trockenen Kontinentalklima im Osten bildet, der nördlichsten Grenze für Qualitätsweinbau. Die etwa 550 Hektar Rebflächen liegen meist geschützt in Flusstälern. Wegen der kurzen Vegetationsperiode werden vor allem früh reifende Sorten wie Müller-Thurgau, Weißburgunder und Silvaner angebaut.

Am Mittelrhein hat das Versekten von Wein eine besonders lange Tradition. Geeignete Anbauflächen für den Riesling finden sich im Siebengebirge und in der Loreley-Region.

Hessische Bergstraße und Nahe

Durch die Berge des Odenwaldes geschützt, finden die Reben klimatisch ideale Bedingungen. Neben den großen Weingütern und hauptberuflichen Winzern sind auch viele Hobby- und Nebenerwerbswinzer aktiv. Die wichtigste Rebsorte ist hier der Riesling.

Pfälzer Bergland und der Soonwald rahmen das Nahetal schützend ein. Hier wachsen vor allem Riesling-, Müller-Thurgau- und Silvanertrauben.

Rheinhessen

Das größte deutsche Anbaugebiet, liegt nicht etwa in Hessen, wie der Name suggeriert, sondern gehört verwaltungstechnisch zu Rheinland-Pfalz. Auf rund 26 000 Hektar Fläche wachsen 120 Millionen Rebstöcke. Beliebteste Sorte ist Müller-Thurgau.

Schmausen bei Winzers

In der Strauß- oder Besenwirtschaft darf der Winzer im Sommer und Herbst Wein ausschenken und Speisen anbieten. Früher diente das dazu, die Fässer für die neuen Trauben zu leeren. Ist die Straußwirtschaft geöffnet, hängt ein Kranz oder Strauß mit bunten Bändernüber der Tür. Bei Besenwirtschaften steht dort ein Reisigbesen. Es dürfen nur kalte sowie einfache warme Speisen angeboten werden, das schreibt der Gesetzgeber vor. Strauß- und Besenwirtschaften haben meist einen besonderen Reiz. Manchmal werden Scheunen mit einfachen Holzbänken hergerichtet.

Bio-Winzer in Kürze

Ecovin ist die größte deutsche Bio-Winzervereinigung. Nach ökologischen Kriterien in Weinberg und Keller wirtschaften insgesamt 168 Winzer in Weinregionen an Ahr, Mosel, Nahe, Mittelrhein, in Baden, Franken, in der Pfalz, im Rheingau, Rheinhessen und Württemberg. Bioland ist der

zweitgrößte Winzerverband. 136 Winzer bewirtschaften Weinberge in der Pfalz, in Rheinhessen, am Kaiserstuhl sowie in Württemberg und Franken nach Bioland-Kriterien. Dem Naturlandverband haben sich 13 Winzer

angeschlossen, dem Demeter-Verband zwölf. Auf den bislang einzigen Verbands-Bio-Winzer in den neuen Bundesländern ist der Anbauverband Gäa ganz besonders stolz (siehe Seite 22/23 oben).

Zum Weiterlesen

Mehr Informationen über Wein finden Sie in der Warenkunde Bio-Rotwein „Probieren geht über Studieren“ aus Schrot&Korn 11/2004.

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