Ihre Leserbriefe: Flugreisen - Schrot und Korn

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Ihre Leserbriefe: Flugreisen

Liebe Leserinnen, liebe Leser 

noch nie hat ein Editorial in meiner sechsjährigen Tätigkeit als Chefredakteurin solche Reaktionen hervorgerufen – und sie machen mich betroffen. Ich habe es in diesem Fall offensichtlich nicht geschafft, meinen Punkt, meine Haltung, zu transportieren.

Fliegen ist aus Sicht des Umwelt- und Naturschutzes ein No-Go, da haben Sie völlig recht. Und trotzdem melden die Flughäfen Jahr für Jahr neue Rekorde bei den Passagierzahlen. Nun kann man sagen, dass jeder Mensch selbst verantwortlich ist – das Zwei-Grad-Ziel zu erreichen, dass unsere Böden nicht mit Stickstoff ruiniert werden, dass unser Wasser nicht durch Nitrat verunreinigt wird, dass unsere Welt nicht im Plastik ertrinkt, dass unsere Artenvielfalt nicht durch Glyphosat und Erderwärmung zerstört wird, dass unsere Hosen und T-Shirts nicht in Kleiderfabriken in Südostasien unter unwürdigen Bedingungen hergestellt werden etc.

Aber kann man die moralische Verantwortung zur Rettung unseres Planeten jedem Einzelnen überlassen? Allein durch erbetenen Verzicht wird es sehr schwer sein, ans Ziel zu kommen. Flankierend zur individuellen Verantwortung muss es aus meiner Sicht dringend ordnungsrechtliche Maßnahmen geben, die Menschen zu einem Verzicht „zwingen“. Dies könnte entweder durch den Preis passieren (Fliegen wird so teuer, dass die meisten es sich nicht mehr in dieser Frequenz leisten können - gerecht ist anders) oder durch „schlichte“ Verbote. Ab sofort darf zum Beispiel niemand mehr aus touristischen Gründen fliegen. Ich denke aber, dass dies sehr unrealistisch ist. Mein Punkt war: Wenn alle die, die ein- oder gar zweimal im Jahr in den Urlaub fliegen, nur noch alle vier Jahre fliegen dürften/könnten/würden, wären wir einen Schritt weiter. Solche Rahmen, Klimaschutz endlich wirklich spürbar effektiv werden zu lassen, gab es seitens der Politik in den vergangenen Jahren viel zu wenig. Daran wollte ich appellieren. 

Nicht, dass Sie mich falsch verstehen: Ich denke nicht, dass sich jeder Einzelne zurücklegen kann mit der Haltung „Ach, die Politik muss es doch richten. Ich allein kann doch eh nichts ausrichten“! Aber wir werden leider zu wenige sein, um mit Verzicht zum Ziel zu kommen. Meine Hoffnung ist eher, dass durch den größer werdenden gesellschaftlichen Druck endlich ordnungsrechtliche Maßnahmen geschaffen werden – aus meiner Sicht gern auch durch Verbote. 

Wir versuchen Monat für Monat durch unsere Arbeit, mehr Menschen davon zu überzeugen, Verantwortung für unseren Planeten zu übernehmen. Es tut mir leid, dass dies in der Februar-Ausgabe nicht geglückt ist. Bitte bleiben Sie uns trotzdem gewogen.

Herzliche Grüße

Stephanie Silber 
verantwortliche Redakteurin Schrot&Korn

Veröffentlicht:

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Barbara Schneider

Hallo liebe Schrot und Korn-Redaktion!
Ich lese die Schrot und Korn etwa seit 10 Jahren. Ehrlich gesagt war ich enttäuscht zu lesen, dass eine Redakteurin der S&K mit dem Flugzeug verreist. Wie konnte Frau Silber bloß unterschätzen, welche Auswirkung solch ein Bekenntnis innerhalb und außerhalb der Bioszene hat?
Ich kann Frau Silbers Argument, dass sie die Welt nicht alleine retten kann, während viele andere nicht umweltfreundlich handeln, gut verstehen. Aber jetzt haben die Menschen, denen Umweltschutz eher egal ist, beste Munition gegen Argumente dafür sich umweltfreundlicher zu verhalten, à la: Wenn nicht mal die S&K-Macher auf Flugreisen verzichten, wieso sollte ich das dann tun?
Das ist ein Schlag ins Gesicht der Leute, denen bereits klar ist, dass man derzeit nicht alles gleichzeitig haben kann - also das, was in den Industriestaaten an Konsumgütern als begehrenswert gilt, und einem relativen Wohlstand für alle Menschen weltweit. Für die Zukunft wünsche ich mir wieder mehr Vorbildfunktion seitens der S&K statt den Bio-Gegnern in die Hände zu spielen.

Dagmar Stoll

Hallo Frau Silber,

ich kann vollkommen verstehen, was Sie ausdrücken wollen, verstehe aber nicht die zum Teil aufgebrachten und zu persönlichen Kritiken der Leserinnen und Leser an Ihrer Person. Die Leute verlassen sich heutzutage voll darauf, was ihnen im TV oder in Reiseberichten oder Zeitungen und Zeitschriften präsentiert wird. Hier wird immer die Meinung des Verfassers weitergegeben und Sachen weggelassen, die nicht ins Weltbild des Erstellers passen. Ich bin der Meinung, dass man die Welt und ihre Kulturen erst verstehen kann, wenn man Menschen persönlich kennenlernt und eigene Erfahrungen machen kann. Ich spreche nicht von Massentourismus, der mich auch abstößt. Allerdings kann sich nicht jeder mal schnell ein paar Monate eine Auszeit nehmen, um über den Landweg in entferntere Regionen zu gelangen und muss daher, gezwungenermaßen, auf den Flieger zurückgreifen. Es wäre also ratsam einen langen Urlaub zu planen, wenn man unbedingt fliegen muss, damit sich der Aufwand im Verhältnis auch lohnt. Durch richtiges Reisen lernt man sich selbst und die Welt erst kennen.

Viele Grüße
Dagmar

Barbara Dannenberg

Liebe Frau Silber,
was ist daran ungerecht, wenn das Fliegen teurer wird und nicht jeder es sich leisten kann, in den Urlaub zu fliegen? Muß ich immer nach den anderen schielen, die mehr haben als ich? Unsere Anspruchshaltung wird immer größer. Bescheidenheit wäre angebrachter. Vielflieger werden wohl kaum "Schrot und Korn" lesen. Sie suggerieren dem umweltbewußten Leser, daß Fliegen nicht schlimm sei und fordern damit die Nicht-Flieger auf, endlich einmal das Flugzeug zu nehmen. Ich finde Ihren Artikel unüberlegt und hoffe, daß Sie sich vorher überlegen, was Sie schreiben.
Mit freundl. Grüßen
Frau Dannenberg

Petra Kellermann

Liebe Frau Silber,
es freut mich, dass so viele Reaktionen auf Ihr Editorial gekommen sind. So wie andere auch, glaube ich jedoch, dass Sie in der Tat noch nicht voll umfänglich verstanden haben, worum es geht.
Ich kann verstehen, dass es faszinierend ist, sich Länder wie Bhutan selbst anzusehen, wenn man Filme gesehen und Reportagen gelesen hat. Und dass Sie dies auch Ihren Kindern gönnen möchten. Als kinderlose Person kann ich Ihnen, die Sie Mutter sind, nur sagen: Sie sollten bald lernen und Ihren Kindern beibringen, dass vieles von dem Konsum, der heute noch als selbstverständliches „Menschenrecht“ gerade von Gutsituierten angesehen wird, genau das nicht ist. Und dass das Leben Ihrer Kinder in künftigen Jahrzehnten davon abhängt, dass drastische Verhaltensänderungen aller Menschen Realität werden. Das heißt beispielsweise, es bleibt eben für Freude erleben und Verständnis entwickeln beim Filme und Bildbände angucken.
Herzliche Grüße

Anna Märsch

Liebe Frau Silber,
leider wird Ihre Haltung durch das Editorial auch nicht klarer,
ganz im Gegenteil.
Einen anderen Weg als den persönlichen Verzicht sehe ich nicht.
Die ganze Umweltbewegung krankt meiner Meinung nach an diesem Wiederspruch. Alle wollen die Umwelt retten, aber keiner
will Verzicht üben. So wird das nichts.
Erst wenn wir unseren Konsum in der Tiefe überdenken und ändern, können wir wirklich etwas Bewegen.
Als ich ein junger Erwachsener war, waren Flugreisen teuer, Ferreisen sehr teuer. Auf so etwas hat man als Student einige Jahre hin gespart. Daran ist nichts verkehrt oder unsozial.
Unsere Ansprüche sind einfach nur ins Maßlose gewachsen.

Herzliche Grüße!

Matthias Zimmermann

Liebe Frau Silber,
der letzte Satz Ihres Kommentars im Internet zeigt doch deutlich, das Sie die Krtik nicht verstanden haben.
Sie als, ich sage mal, sogenannte kritische "Umweltzeitschrift", sollten schon vorher überlegen, was Sie schreiben. Ihr Kollege Fred Grimm hat für meine Begriffe, eine konsequentere Einstellung.
Sie sollten sich darüber im Klaren sein, dass Ihe Leser sich gerne mit den Inhalten Ihrer Zeitschrift identifizieren bzw. Anregungen für einen umweltschonenderen Lebensstandard holen möchten.
Wir wohnen im Rhein-Main-Gebiet und kennen die negativen Auswirkung des Fliegens zur Genüge (Startbahm West etc.) Wälder werden abgeholzt, die Feinstaubelastung und der Lärmpegel steigen enorm. Wie bemerkte doch ein Nachbar, wenn er die Flieger hört, denkt er an Urlaub. Dem ist nichts mehr hinzuzufügen!
Im übrigen ist der Ego im Menschen sehr ausgeprägt und wir warten schon sehnsüchtig auf die Ferienzeit!
Ihre Zeitschrift werde ich aber weiterhin mit Interesse lesen; schon die Kommentare Ihres Kollegen Grimm sind es wert.
Mit freundlichen Grüßen
Matthias Zimmermann
65428 Rüsselsheim