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Umwelt

„Wenig ist FSC-zertifiziert“

Nina Griesshammer, Waldexpertin beim WWF Deutschland, erklärt im Interview, wofür das FSC-Siegel überhaupt steht und vieles mehr.
01.04.2009
Nina Griesshammer, Waldexpertin beim WWF Deutschland, erklärt im Interview, wofür das FSC-Siegel überhaupt steht und vieles mehr.

Nina Griesshammer, Waldexpertin beim WWF Deutschland

Wofür steht das FSC-Siegel eigentlich?

Es bescheinigt einem Produkt, dass das Holz aus umweltgerechter, sozialverträglicher und ökonomisch tragfähiger Forstwirtschaft stammt.

Was heißt das konkret?

Also dass zum Beispiel die Waldnutzungsrechte gewahrt sind, dass Wälder mit hohem Schutzwert erhalten bleiben und dass keine Pestizide eingesetzt werden oder zumindest, dass deren Einsatz drastisch verringert ist.

Was ist mit Plantagenholz?

Das angebotene Holz darf nur dann aus Plantagen stammen, wenn diese vor 1994 angelegt worden sind. Neue Plantagen dürfen nicht angelegt werden - und die bestehenden werden möglichst zu naturnahen Waldbeständen entwickelt. Generell verboten ist auch der Einsatz von gentechnisch veränderten Baumarten.

Wenn ich also ein FSC-zertifiziertes Möbelstück kaufe, ist das dann öko?

Ein wirklich umweltgerechtes Produkt umfasst mehrere Aspekte. Das FSC-Siegel sagt nur aus, wo mein Holz herkommt und was im Wald wirklich passiert. Verarbeitungskriterien werden nicht berücksichtigt. Das würde das System auch überfordern.

Solange das FSC-Siegel darauf pappt, ist dann auch Tropenholz okay?

Man sieht auch einer Fichte nicht an, ob deren Holz aus Deutschland oder aus einem schützenswerten Urwald in Russland kommt. Ein Tropenholz-Boykott hat nichts gebracht, das haben wir gesehen. Der Markt ist aber dennoch da.

Das heißt, der Naturschutz gibt dem Tropenholzhandel das O. K.?

Bei Tropenholz hat sich viel getan. Da ist das FSC-Siegel schon sehr gut verbreitet, weil da auch der politische Druck am größten war. Beim Indoor-Möbelmarkt ist es dagegen schwierig, da gibt es noch ganz wenig mit FSC-Siegel.

Aber warum achten die Leute mehr darauf, was bei ihnen auf der Terrasse steht, als in der Wohnung?

Das liegt weder an den Verbrauchern noch den Herstellern. Die bekommen einfach kaum FSC-Holz her, weil in Deutschland erst ganz wenig FSC-zertifiziert ist. Derzeit (2009) sind erst 480 000 Hektar zertifiziert. Das sind nur rund fünf Prozent der Gesamtwaldfläche in der Bundesrepublik.

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