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Warum Naturschutz gesund ist

Seit Jahren warnen Experten davor, zu tief in den Lebensraum wilder Tiere und Pflanzen einzudringen. Die Pandemie zeigt: Es geht dabei um viel mehr, als die Schönheit der Natur zu erhalten.

14.01.2021 vonLeo Frühschütz

Seit Jahren warnen Experten davor, zu tief in den Lebensraum wilder Tiere und Pflanzen einzudringen. Die Pandemie zeigt: Es geht dabei um viel mehr, als die Schönheit der Natur zu erhalten.

Mehr Naturschutz kann helfen, Pandemien wie Corona zu vermeiden. Das schreiben die Experten des Weltbiodiversitätsrats IPBES in einem aktuellen Bericht. Die Fachleute sind überzeugt, dass die Gesundheit von Menschen und Tieren sowie der Schutz der Umwelt miteinander zusammenhängen und dies im Umgang mit Pandemien stärker berücksichtigt werden muss. „One-Health” nennen sie ihren vorbeugenden Ansatz, der aus ihrer Sicht weitaus billiger kommt als eine ausgebrochene Pandemie mühsam einzudämmen. Doch wie hängen Naturschutz und Pandemien zusammen? Fast alle bekannten Pandemien wie Grippe, Aids oder Corona werden von Mikroorganismen tierischen Ursprungs ausgelöst. Zoonosen sagen die Experten zu solchen Krankheiten, deren Erreger erst beim Kontakt mit Tieren auf Menschen überspringen.

Zoonosen – gefährliche Erreger

Zoonosen sind Krankheiten und Infektionen, die auf natürliche Weise zwischen Menschen und Wirbeltieren übertragen werden. Sie können durch verschiedene Erreger entstehen:

  • Salmonellen, Borreliose und EHEC etwa werden durch Bakterien ausgelöst, Infektionskrankheiten wie Toxoplasmose oder Trichinose haben Parasiten wie Fadenwürmer als Urheber.
  • Auch Pilze und Prionen (infektiöse Eiweißpartikel) können Krankheitserreger sein, beispielsweise des Rinderwahnsinns BSE.
  • Die neben Bakterien bekanntesten zoonotischen Krankheitserreger sind Viren. Sie sind verantwortlich für Infektionskrankheiten wie Tollwut, Vogelgrippe und FSME bis hin zu HIV, Ebola und nun COVID-19.
  • Auf die 13 wichtigsten Zoonosen entfallen weltweit 2,2 Millionen Todesfälle und 2,4 Milliarden Erkrankungen.

(Quelle: Friedrich-Löffler-Institut)

Die IPBES-Experten schätzen, dass in wilden Säugetieren, Vögeln und Nutztieren 540.000 bis 850.000 noch unbekannte Viren leben, die den Menschen befallen könnten. Deshalb verringere sich das Risiko einer neuen Pandemie, wenn die Menschen Wildtiere in Ruhe ließen. Doch momentan machen die Menschen das Gegenteil: Sie holzen Regenwälder ab, dringen mit ihren Nutztieren in ungenutzte Landschaften vor und besiedeln diese. Gleichzeitig landen in vielen Kulturen Wildtiere im Kochtopf und der Handel mit Wildtieren nimmt zu.

Die IPBES-Experten setzen beim Thema Pandemie auf Prävention. Sie empfehlen unter anderem, die zerstörerische Nutzung von Land zur Gewinnung von Palmöl, Tropenholz oder Rohstoffen einzudämmen – ebenso die globalisierte Landwirtschaft und den steigenden Fleischkonsum. Beides zerstöre die Umwelt. Eine intakte Umwelt mit gesunden Wildtieren sei Voraussetzung für gesunde Menschen – diesen Zusammenhang müsse man stärker in den Fokus stellen, meint auch Arnulf Köhncke. Der promovierte Ökologe ist Leiter des Fachbereichs Artenschutz beim WWF Deutschland. Er sagt: „Biologische Vielfalt ist unser Bollwerk gegen Pandemien.“ Daneben sei Massentierhaltung ein Reservoir für potenziell gefährliche Erreger, betont der Weltbiodiversitätsrat. Das Bundesministerium für Entwicklungshilfe teilt die Bedeutung des „One-Health“-Ansatzes und hat 30 Millionen Euro für die Pandemieprävention bereitgestellt.

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