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Umwelt

spezial: Fische in Not - Bio-Shrimps

Der Anbauverband Naturland hat Richtlinien für die Aufzucht von Bio-Shrimps aufgestellt. Ein wichtiger Punkt: der Verzicht auf Antibiotika.
31.12.2006
Der Anbauverband Naturland hat Richtlinien für die Aufzucht von Bio-Shrimps aufgestellt. Ein wichtiger Punkt: der Verzicht auf Antibiotika.

Erst aufforsten, dann züchten

Der Anbauverband Naturland hat Richtlinien für die Aufzucht von Bio-Shrimps aufgestellt. Ein wichtiger Punkt: der Verzicht auf Antibiotika.

Eine ökologische Katastrophe

Beim Discounter kosten 250 Gramm Garnelen rund drei Euro. Doch der Preis für Natur und Menschen ist wesentlich höher. So wurden für den Bau großer Shrimpsfarmen an den Küsten Mittelamerikas, Südostasiens und Afrikas über eine Million Hektar Mangrovenwälder zerstört. Sie waren die Kinderstube vieler Fische und schützten die Küste vor Wirbelstürmen. Der Betrieb der Shrimpsfarmen belastet Böden, Grundwasser und das Meer mit Antibiotika und Chemikalien. Die Profite gehen nicht an die lokale Bevölkerung, sondern an private Investoren. 2,5 Millionen Tonnen Shrimps werden jährlich in Farmen gezüchtet. Bei wild gefangenen Garnelen sieht die Bilanz kaum besser aus. Deren Bestände gehen weltweit zurück. Für jedes Kilogramm Garnelen verenden fünf bis zehn Kilogramm anderer Tiere als Beifang, darunter Haie und Schildkröten.

t? Garnelen bevorzugen Naturnahrung: Auf der Suche nach Algen und Plankton laufen sie fleißig über den Grund des Teiches. Damit es dabei nicht zu eng wird, ist die Menge der Garnelen begrenzt auf maximal 15 Tiere pro Quadratmeter. „Diese extensive Haltung ist einer der großen Vorteile der Bio-Zucht“ sagt Stefan Bergleiter, der beim Anbauverband Naturland für die Aquakulturen zuständig ist. Weitere Vorteile sieht er im Verbot von Antibiotika, Kunstdünger und anderen Chemikalien, die in der konventionellen Massenshrimpshaltung unverzichtbar sind. Strenge Regeln gelten auch für die Zufütterung. „Bei Naturland ist der Anteil an Fischmehl im Futter begrenzt und dessen Herkunft genau vorgeschrieben. Die anderen Futterbestandteile müssen aus Öko-Landbau stammen.“

Als großes Plus sieht Stefan Bergleiter die Aufforstungspflicht. Farmen, die umstellen wollen, müssen nachweisen, dass sie stets den Schutz der Mangrovenwälder respektiert haben. Frühere Mangrovenflächen müssen sie zudem mindestens zur Hälfte aufforsten. Sonst gibt es keine Anerkennung. Außerdem müssen Bio-Shrimpszüchter ihre Farmen naturnah bepflanzen. Die Garnelen-Larven, die sie in die Teiche einsetzen, stammen aus kontrollierten Nachzuchtbetrieben. In der Verarbeitung der Bio-Shrimps sind die sonst übliche Schwefelung und der Einsatz von Phosphaten verboten.

1999 zertifizierte Naturland die erste Bio-Shrimpsfarm in Ecuador. Das Modell einer ökologisch und sozial verträglichen Garnelen-Zucht machte Schule. Auch in Peru, Vietnam, Indonesien, Burma und Brasilien wachsen inzwischen Bio-Shrimps. Besonders freut sich Stefan Bergleiter über ein Projekt in Bangladesh. Dort ist eine Kleinbauern-Kooperative in die Bio-Shrimpszucht eingestiegen.

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