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spezial: Bio-Jobs - Interview

Elisabeth Loibl ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der österreichischen Bundes- anstalt für Bergbauernfragen. Sie hat zu Forschungszwecken eineinhalb Jahre auf Bio-Bauernhöfen gearbeitet.
30.06.2007
Elisabeth Loibl ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der österreichischen Bundes- anstalt für Bergbauernfragen. Sie hat zu Forschungszwecken eineinhalb Jahre auf Bio-Bauernhöfen gearbeitet.

"Menschen wollen selbstbestimmt arbeiten "

Elisabeth Loibl ist wissenschaftliche Mitarbeiterin der österreichischen Bundes- anstalt für Bergbauernfragen. Sie hat zu Forschungszwecken eineinhalb Jahre auf Bio-Bauernhöfen gearbeitet.

70-Stunden-Woche, körperlich harte Arbeit, schlechte Bezahlung. Warum wollen die Menschen trotzdem Bio-Bauern sein?

Es sind vor allem zwei Gründe: Die Menschen wollen eigenständig und selbstbestimmt arbeiten und sie wollen mit der Natur arbeiten. Wenn Menschen das gefunden haben, was sie gerne machen, sich in ihrer Tätigkeit entfalten können, dann nehmen sie die harten Arbeitsbedingungen nicht als so problematisch wahr.

Wie kommen die Bio-Bauern mit ihrem knappen Verdienst aus?

Um das Einkommen zu steigern, verarbeiten vor allem kleine Betriebe ihre Erzeugnisse weiter und vermarkten sie lokal, zum Beispiel Obst, Gemüse, Käse, Brot oder Kräuter. Man muss findig sein und sich Nischen suchen. Diese vielfältigen Aktivitäten steigern die Zufriedenheit mit dem Beruf ebenso wie die Arbeiten, die sich wirtschaftlich nicht rechnen, aber zum bäuerlichen Leben gehören.

Welche wären das?

Zum Beispiel der Bauer, der seinen Traktor selbst repariert oder stundenlang an Gerätschaften tüftelt und schweißt, die den Arbeitsalltag erleichtern. Oder die Bäuerin, die ihren Hausgarten bewirtschaftet, obwohl die Tomaten im Supermarkt billiger wären.

Marmelade kochen, Brot backen, auf den Markt fahren: In der Praxis heißt das doch, dass die Bäuerin noch mehr arbeiten muss?

Ja, aber durch Teamarbeit lässt sich das auffangen. Auf den Bio-Höfen, auf denen ich gelebt habe, hat das ganz gut funktioniert. Es ist wichtig, dass die Sachen ausgeredet und die Arbeiten, auch im Haushalt, gleichmäßig aufgeteilt werden. Gemeinsam kann eine bäuerliche Familie viel bewegen.

Was bewirken Quereinsteiger, die ohne bäuerlichen Hintergrund Bio-Landwirte werden?

Sie legen meist viel Wert auf Selbstversorgung und direkte Vermarktung und schaffen damit neues Bewusstsein auch unter den Bäuerinnen. Die Verbindung mit den Produkten und den Konsumenten ist viel enger, wenn man seine Erzeugnisse nicht einfach ans nächste Lagerhaus liefert. Ich hätte nie gedacht, dass es mir so viel Spaß macht, Produkte auf dem Wochenmarkt zu verkaufen.

Welche Arbeit machen auf einem Hof am wenigsten Spaß?

Es geht nicht um konkrete Arbeiten. Wenn den Bäuerinnen und Bauern etwas die Laune verdirbt, dann sind es die Lebensmittelpreise im Supermarkt.

Das zeigt ihnen, wie gering die Gesellschaft ihre Arbeit schätzt. Gleichzeitig werden sie durch immer mehr Bürokratie eingeschränkt.

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