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Umwelt

special: Bio-Urlaub

Für 93 Prozent der Bevölkerung ist Umweltschutz wesentlich, wie die repräsentative Studie 'Umweltbewusstsein in Deutschland 2006' ergab. Warum also nicht auch in den Ferien Wert auf 'bio' legen? Na denn. Auf in den Bio-Urlaub! // Ursula Quass
31.08.2007
Für 93 Prozent der Bevölkerung ist Umweltschutz wesentlich, wie die repräsentative Studie 'Umweltbewusstsein in Deutschland 2006' ergab. Warum also nicht auch in den Ferien Wert auf 'bio' legen? Na denn. Auf in den Bio-Urlaub! // Ursula Quass

Auf in die Bio-Ferien!

Für 93 Prozent der Bevölkerung ist Umweltschutz wesentlich, wie die repräsentative Studie "Umweltbewusstsein in Deutschland 2006" ergab. Warum also nicht auch in den Ferien Wert auf "bio" legen? Na denn. Auf in den Bio-Urlaub! // Ursula Quass

Wer mit Naturbewusstsein im Urlaub allein Ferien auf dem Bauernhof verbindet, irrt. Die Möglichkeiten, die schönsten Tage im Jahr nachhaltig im Sinne von sozial, ökologisch und wirtschaftlich verträglich zu gestalten, wie das Umweltbundesamt diese Form des Tourismus definiert, sind riesig: Ob Fahrradfahren im Münsterland, Wellness in Irland, ein Städtetrip nach Rom oder Erkundungstouren entlang der Seidenstraße – im Prinzip gibt es nichts, was es nicht gibt.

Sogar "Motorradtouren für Geo-Genießer" finden sich im Programm der auf natürliche Reisen spezialisierten Dachmarke Viabono, die rund 500 Hotels, Ferienwohnungen, Tagungshäuser, Campingplätze, Jugendunterkünfte, Restaurants, Pauschal- und Kanuanbieter sowie Naturparks und Tourismuskommunen in Deutschland vereint.

"Auch bei diesen Touren steht das Naturerlebnis im Mittelpunkt und auch sonst wirtschaften diese Anbieter ökologisch", betont Kundenbetreuerin und Marketingmitarbeiterin Saskia Schellhardt. "Aber natürlich ist es umweltverträglicher, wenn ich Fahrrad fahre."

Trotz "bio" nicht eingeschränkt

Wie hoch die ökologischen Ansprüche gesteckt werden, entscheidet also jeder Urlauber für sich – nicht zuletzt mit der Wahl des Reiseveranstalters. So setzt etwa der Bund Naturschutz (BUND) bei von ihm angebotenen Reisen in Natur- und Kulturlandschaften Deutschlands, Europas und Asiens ausschließlich auf die Verkehrsmittel Bahn, Bus oder Schiff. Flugreisen bleiben außen vor. "Obwohl wir sagen, wir fliegen nicht, sind wir bei unseren Zielen nicht eingeschränkt", unterstreicht Annika Pusch, Bereichsleiterin in der BUND-Bahn- und Reiseabteilung.

"Unsere Reisen führen bis zum Baikalsee oder nach Island." Wer sich etwa für eine Reise nach Island entscheidet, wird erst von Flensburg im Bus nach Dänemark gebracht und schippert von dort aus per Fähre nach Island. Das dauert zwar deutlich länger als mit dem Flugzeug, dafür wird unterwegs für zwei Tage Zwischenstopp auf den Färöer-Inseln gemacht – ein laut Annika Pusch durchaus lohnendes Ziel, das anzusteuern vielen von allein aber wohl kaum in den Sinn kommen würde.

Auch beim Wanderreisen-Anbieter Demeter werden umweltverträgliche Verkehrsmittel bevorzugt und keine Flüge unter einer Mindestentfernung von 700 Kilometern zum Zielort angeboten. Ist das Reiseziel weiter entfernt, gilt ein Prinzip, das auch die Verbraucher Initiative, der Verkehrsclub Deutschland und der WWF bewusst Reisenden in ihren "Reise-

kompass"-Empfehlungen ans Herz legen: Die Mindestaufenthaltsdauer bei Flugreisen beträgt 7, bei Flugreisen über 2 000 Kilometer 14 Übernachtungen. Ist der Flug im Reisepreis enthalten, leistet Demeter zudem eine Klimaschutz-Ausgleichszahlung entsprechend der verursachten Schadstoffe.

Das Forum anders reisen, ein Verband von rund 140 auf nachhaltigen Tourismus spezialisierten kleinen und mittleren Reiseunternehmen, verfährt ebenfalls nach diesem Grundsatz. "Wir sagen nicht, es darf keiner fliegen, aber ein Flug sollte in einem vernünftigen Verhältnis zur Entfernung und Dauer am Urlaubsort stehen", erklärt der Vorstandsvorsitzende des Verbands, Roland Streicher. "Wir wollen keinesfalls mit dem Zeigefinger arbeiten, schließlich wollen die Leute im Urlaub Erholung und Spaß haben. Wir sagen ihnen: Vieles ist möglich, aber in Maßen." Nicht mit dem Ziel eines ökologisch verträglichen Urlaubs vereinbar sind für den Verband Offroad-Touren mit Geländewagen und Motorrad, Motorschlitten-Touren, Rundflüge mit Motorflugzeugen und Heliskiing – Reiseformen, die deshalb auch gar nicht angeboten werden.

Neben der Gestaltung der An- und Abreise können Urlauber auch bei der Wahl der Unterkunft ein Zeichen für Umweltverträglichkeit setzen. Vom Campingplatz bis zum Luxus-Hotel lässt sich alles buchen. Wie sehr der Öko-Gedanke in die Tiefe geht, hängt sehr stark vom individuellen Angebot ab. Eine erste Orientierung bieten Umweltsiegel wie die "Blaue Schwalbe", das beispielsweise die vom Internetportal Verträglich Reisen angebotenen Häuser tragen.

So wird zertifiziert

Die Kriterien für eine Zertifizierung reichen von der hauptsächlichen Verwendung regionaler Produkte, dem Verzicht auf Kleinstportionen und Einwegflaschen über Energie-, Wasser- und Abfallsparmaßnahmen und dem Einsatz möglichst biologisch abbaubarer Putzmittel bis zur Offerte umweltverträglicher Freizeitgestaltungsmöglichkeiten wie Fahrradverleih oder geführten Wanderungen.

Ähnliche Kriterien erfüllen auch die Viabono-Unterkünfte, insbesondere die auf "Natur" spezialisierten. Wer in einem solchen Haus absteigt, kann sich etwa auf natürlich und regional typisch gestaltete Außenanlagen freuen sowie mit mindestens drei Natur-Touren wie Kräuter- oder Barfußwanderungen rechnen. Wer mit Demeter reist oder in einem der 45 Häuser der Bio-Hotel-Gruppe absteigt, kann zudem sichergehen, nur biologische Kost auf den Teller zu bekommen.

Wichtig ist allen einschlägigen Reiseanbietern, die Wirtschaft vor Ort zu stärken, indem regionale Produkte verarbeitet und kleine beziehungsweise landestypische Betriebe in Familienhand bevorzugt werden. Demeter-Reisende bekommen darüber hinaus obligatorisch einen Einblick in eine ökologische Einrichtung vor Ort geboten. "Das ist zum Beispiel in der Toskana der Besuch einer Sanddorn-Plantage oder wir schauen bei Bio-Bauern vorbei", erläutert Reise-Sprecherin Christine Reiche. "Je nachdem, welche Zielgruppe wir bedienen, schaut das natürlich anders aus. Kinder würde nur eine Führung sicher langweilen. Für die Kids ist es interessanter, wenn sie beispielsweise bei der Ernte mithelfen dürfen."

Auf die individuellen Ansprüche und Interessen zugeschnitten, kommen naturverträgliche Reisen bei den Urlaubern immer besser an, heißt es bei den Anbietern einhellig. Ein Schluss, zu dem auch eine vom Studienkreis für Tourismus und Entwicklung im Jahr 2004 durchgeführte repräsentative Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes kommt. Demnach sind die Deutschen "für umweltbewussten Tourismus gut ansprechbar".

Etwa der Hälfte der 7 700 Befragten ist die Umweltgerechtigkeit der Urlaubsorte und -unterkünfte wichtig, für etwas mehr als ein Drittel ist das Umweltengagement des Veranstalters im Zielgebiet ein Kriterium bei der Auswahl. Naturerlebensmöglichkeiten sind für gut jeden Zweiten entscheidend bei der Wahl des Reiseziels.

Nischenmarkt mit Potenzial

Mit rund 60 000 Reisenden pro Jahr und einem erwirtschafteten Umsatz von jährlich rund 100 Millionen Euro ist "anders zu reisen" laut Forum anders reisen-Vorstand Roland Streicher trotzdem noch "absolut ein Nischenmarkt" – wenn auch einer mit Wachstumschancen. "Die im Verband zusammengeschlossenen Reiseunternehmen verzeichnen jährlich zweistellige Umsatzzuwächse – das liegt weit über dem normalen Reisemarkt", berichtet er. Ein Potenzial, das langsam auch herkömmliche Reiseveranstalter entdecken.

So bietet etwa der Reiseriese Tui seinen Gästen in ausgewählten "EcoResorts" ebenfalls Urlaub mit ökologischem Qualitätsanspruch an. Neben dem bevorzugten Einsatz lokaler und regionaler Produkte aus Bio-Landbau, Wasser- und Energiesparmaßnahmen und dem Einsatz regenerativer Energie, engagieren sich die bislang 27 Hotelanlagen laut Tui auch kulturell und gesellschaftlich und kooperieren mit Naturschutzorganisationen.

Und die Angebote der Anbieter an potenzielle Kunden gehen mittlerweile sogar noch viel weiter. Erste Unternehmen haben das wachsende Klimabewusstsein bereits als Möglichkeit erkannt, Kunden an sich zu binden: "Die Reiseveranstalter Neue Wege, Demeter-Reisen und Drei Wünsche Wanderreisen erstatten ihren Kunden bei einer Buchung den halben Atmosfair-Beitrag", weiß Inga Haller

Mit Souvenirs Zeichen setzen

Die Ausfuhr von Antiquitäten führt über kurz oder lang zur kulturellen Ausbeutung eines Landes. Auch wer am Flughafen billige Importware kauft, unterstützt die lokale Wirtschaft nur wenig. Empfehlenswert sind landestypische Textilien, Keramik, Metall- und Glasarbeiten sowie Malereien und traditionelles Handwerk vom Erzeuger, raten WWF, Verbraucher Initiative und Verkehrsclub Deutschland.

Mangelnde Transparenz

Nicht einmal ein Prozent der in Deutschland gebuchten Reisen gelten laut Verbraucher Initiative als besonders umwelt- oder sozialverträglich. Dabei gibt es allein in Europa über 30 Logos zur Kennzeichnung besonders umweltfreundlicher Unterkünfte und Reisen – laut einer Studie kontraproduktiv, weil eindeutig zu viel und damit unübersichtlich.

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