Vor den Küsten wächst ein Schatz: Seegraswiesen. Sie bieten Schutz und Nahrung für Fische und andere Meeresbewohner. Sie stabilisieren den Meeresboden, bewahren Küsten vor Erosion und binden eine Menge CO2 – pro Hektar bis zu 35-mal effektiver als der Regenwald. Wird das Seegras dann aber an den Strand gespült, gilt es als stinkender Abfall, der bei Strandbesuchen stört und oft teuer beseitigt wird. Vincent Marnitz sieht das anders: „Seegras gehört nicht in die Tonne, sondern als Dämmmaterial ins Haus, wie es die Menschen früher gemacht haben.“
Wie aus Seegras ein natürlicher Dämmstoff wird
Bis Anfang des letzten Jahrhunderts war es üblich, mit Seegras zu dämmen – bis mit der Industrialisierung moderne Baustoffe die natürlichen verdrängten. „Trends können allerdings umgekehrt werden“, sagt Marnitz. Der heute 30-Jährige studierte BWL, gründete eine Firma für Anlageberatung und hörte vor drei Jahren auf einer Messe das erste Mal von Seegrasdämmung „Eine Marktlücke – also beschloss ich, es zu sammeln“, sagt er. Marnitz kommt selbst von der Ostsee, wohnt auf der Insel Poel, segelt gern die Küste entlang und taucht hinab zu den Seegraswiesen, für ihn „ein Ausflug in den schönsten Dschungel“. Seine Vision: Er nimmt den Gemeinden das Seegras ab, trocknet es vor Ort und verkauft es weiter. So profitieren die Gemeinde, die sich die Entsorgung spart, und das Klima, weil das gebundene CO2 nicht wieder freigesetzt wird, sondern als Baustoff gebunden bleibt.
Ein natürlicher Baustoff von vor Ort für vor Ort.
So soll Seegras zum regionalen Baustoff werden
Als Erstes kooperiert er mit der Gemeinde Poel. „Wir haben hier eine kleine Produktionsstraße aufgebaut, in der wir das Seegras sieben und trocknen“, sagt er. Sobald dies automatisch ablaufe, würden weitere Gemeinden mitmachen, da ist er sich sicher. Seine Kunden sind bisher Privatleute, die ihre Häuser sanieren. Mit dem Seegras, das gut isoliert, nicht schimmelt und kaum brennt, dämmen sie Böden, Dächer und Wände. Seegras könnte so zu einem Baustoff werden, der regional gewonnen und eingesetzt wird. Um zu wachsen, sammelt Marnitz gerade Geld ein und plant ein Crowdfunding. Und wenn noch Zeit bleibt, setzt er wieder die Segel und fährt raus – dorthin, wo die Wiesen wogen.
Beitrag aus atmo
Dieser Artikel erschien zuerst im atmo Magazin. Schrot&Korn und atmo verbindet eine redaktionelle Kooperation. Mehr über das unabhängige
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Kann man ein Haus mit Seegras dämmen?
Ja. Aufbereitetes Seegras kann als natürlicher Dämmstoff eingesetzt werden. Je nach Produkt und Konstruktion lässt es sich schütten, stopfen oder als Einblasdämmung verwenden. Einsatzmöglichkeiten gibt es unter anderem bei Dächern, Wänden und Geschossdecken.
Welche Vorteile hat Seegras als Dämmstoff?
Seegras besitzt gute wärmedämmende Eigenschaften und kann einen guten sommerlichen Wärmeschutz bieten. Das Material ist diffusionsoffen und von Natur aus vergleichsweise widerstandsfähig gegen Schimmel und Schädlinge. Angeschwemmtes Seegras lässt sich zudem als Rohstoff weiterverwenden, statt entsorgt zu werden.
Kann Seegras-Dämmung schimmeln?
Seegras gilt als schimmelresistent. Das liegt unter anderem an seiner natürlichen Zusammensetzung. Trotzdem muss Seegras wie andere natürliche Dämmstoffe fachgerecht verbaut und vor Niederschlag sowie dauerhafter Feuchtigkeit geschützt werden.
Brennt eine Dämmung aus Seegras?
Seegras besitzt durch seine natürliche Zusammensetzung günstige Eigenschaften beim Brandschutz und kommt bei entsprechenden Produkten ohne zusätzliche Flammschutzmittel aus. Seegras-Dämmstoffe können dennoch als normal entflammbar eingestuft sein. Welche Brandschutzanforderungen gelten, hängt vom Gebäude und vom jeweiligen Einsatzbereich ab.
Wie nachhaltig ist eine Dämmung aus Seegras?
Seegras kann ein ökologisch interessanter Dämmstoff sein, weil angeschwemmtes Pflanzenmaterial als Rohstoff genutzt werden kann. Die Verarbeitung benötigt vergleichsweise wenig Energie. Für die Ökobilanz spielt außerdem eine Rolle, woher das Seegras stammt und wie weit es transportiert wird.
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