Umwelt

Sanfte Darmreinigung mit der Kraft von Kräutern

Zwischen 70 und 80 Prozent des menschlichen Immunsystems sind im Darm lokalisiert. Vom Zustand der Mikroflora des Verdauungstraktes hängt die Gesundheit des gesamten Organismus ab. In vielen Fällen ist das Darmmilieu jedoch chronisch gestört. Eine sanfte Reinigungskur mit Kräutern kann festsitzende Kotreste lösen, die Abwehrkraft stärken und möglichen Langzeiterkrankungen vorbeugen.

Daß viele Krankheiten im Darm beginnen, wußten schon die alten Griechen. Doch ihre Erkenntnisse gerieten bald in Vergessenheit. Nicht anders erging es dem Schweizer Anatom Johann Conrad Peyer (1653-1712), der vor knapp 300 Jahren kleine Lymphfollikel im Dünndarm beschrieben hatte, sogenannte "Plaques", die für die Lokalimmunität von Bedeutung sind. Lange Zeit galt der Darm primär als schlauchartiges Transportmittel, das überflüssige Schlacken und unverdauliche Nahrungsreste der Ausscheidung zuführt. Erst relativ spät wurde erkannt, daß dem Speisebrei im Verdauungstrakt auch für das Überleben wichtige Nährstoffe entzogen werden (Resorption). Über den Wert einer gesunden Darmflora für das menschliche Immunsystem war man sich aber kaum im klaren. Heute wissen wir, daß 70 bis 80 Prozent der Immunaktivität vom Darm ausgeht und unsere Gesundheit wesentlich von einer gut funktionierenden Verdauung abhängt. Um die scheint es jedoch eher schlecht bestellt. Im Idealfall sollte unsere Darmflora rund 85 Prozent Laktobakterienstämme und maximal 15 Prozent Kolibakterien aufweisen, das tatsächliche Verhältnis ist meist umgekehrt. Der übermäßige Antibiotikaeinsatz der Schulmedizin hat mit gefährlichen Erregern auch die nützlichen Symbionten beseitigt und eine Fäulnisflora entstehen lassen oder parasitären Pilzen wie Candida den Weg geebnet. Durch ballaststoffarme und zuckerhaltige Kost sowie tierische Nahrungsmittel aus Massenproduktion, die oft Arzneimittelrückstände enthalten, wird diese traurige Tendenz noch verstärkt.

Abwehrzellen in Darm und Körperflüssigkeiten

Neben den Peyer'schen Plaques wurden vor einigen Jahren weitere Abwehrzellen entdeckt, die im Bedarfsfalle die Produktion von Antikörpern einleiten. Sie gehören der Gruppe der IgA-Globuline (Eiweiße) an und sind für den Schutz der Schleimhäute verantwortlich. Außer im Darm kommen sie auch in Tränenflüssigkeit, Speichel, Muttermilch, Genitalsekret und Bronchialschleim vor. Das Interessante ist, daß IgA-Antikörper bei einem Kontakt mit Krankheitserregern im Darm nicht nur dort zu finden sind, sondern gleichzeitig an verschiedenen Stellen im Organismus. Die IgA-produzierenden B-Zellen breiten sich zwar zunächst im Dünndarm aus, erreichen aber über das Lymphsystem auch die Blutbahn und damit entfernter liegende Organe. Ihrer Verwendung als überall einsetzbare "Abwehrpolizei" steht damit nichts mehr im Wege.

Soweit der Idealfall, doch der wird nur selten erreicht. Weil die meisten Menschen nachweislich unter Verdauungsstörungen (Dysbiosen) und einer Entartung der Bakterienflora (Dysbakterie) leiden, schenkt vor allem die Naturheilkunde dem Darm besondere Aufmerksamkeit. Verschiedene Sanierungsmethoden wurden in der Praxis erprobt. Am bekanntesten ist wohl die Symbioselenkung, die durch orale Verabreichung gesunder Mikroorganismen oder das Spritzen von Immunstimulantien (Vakzinen) das kranke Darmmilieu zu regenerieren versucht. Eine gewisse Popularität hat neuerdings die Colon-Hydro-Therapie (CHT) gewonnen, eine Art moderner Darmspülung mit einem Spezialgerät. Inzwischen werden vermehrt kritische Stimmen laut, die die Beschränkung der CHT auf den unteren Dickdarmbereich bemängeln und davon ausgehen, daß mit schädlichen Ablagerungen und Giften auch ein Teil der physiologisch wichtigen Darmflora ausgespült wird. Auch sei der Vorgang rein mechanisch und von daher nicht sehr tiefgreifend. Gegen die Verwendung von chloriertem Leitungswasser gibt es ebenfalls Bedenken.

Gray: Von der Müllkippe zurück zur Wiege der Gesundheit

Ob solche Vorwürfe zutreffen, ist umstritten. Tatsache ist, daß vor allem die Amerikaner seit langem nach alternativen Darmreinigungsverfahren suchen. Die älteste und natürlichste Reinigungsmethode, das Fasten, erschien den Neuerern zu schwierig, weil dabei häufig diffuse Ängste auftreten und vielen die dafür notwendige Disziplin fehlt. Von den zahlreichen Ansätzen, die in den USA entwickelt wurden, sind in Deutschland besonders zwei bekannt: Die Ejuva-Darmreinigung und die Reinigungskur nach Robert Gray.

Gray (1946-1990), der bei einem Autounfall früh ums Leben kam, machte die Ergebnisse seiner neunjährigen Forschungen schon 1981 publik. Seine Darmkur sollte folgende Kriterien erfüllen: 1. wenig Zeitaufwand erfordern, 2. ohne schwierige Begleitmaßnahmen wie Diät, Fasten oder Einläufe auskommen, 3. von jedem zu Hause selbst durchgeführt und schadlos unterbrochen werden können, 4. von Beginn an das Wachstum der positiven Laktobakterien fördern, 5. dem individuellen Grad der Verschlackung gerecht werden und nicht durch pauschale Dosierung Schaden anrichten, 6. Heilreaktionen durch individuelle Handhabung steuern und 7. die Verabreichung von künstlich gezüchteten Bakterienstämmen überflüssig machen. Nach Auskunft des Heilpraktikers Wolfgang H. Müller, der die Gray-Kur bei uns eingeführt hat, ist "ein realistischer Zeitraum von mindestens drei Monaten anzusetzen", um beim üblichen Grad der Verschlackung eine gründliche Reinigung zu erreichen. Von den zahlreichen propagierten Schnellverfahren ("Quickies") hält Müller wenig: "Man kann den Darm nicht zu etwas zwingen". Für gehetzte Managertypen möge so etwas bedingt taugen, für die meisten Menschen indes nicht. Vor allem deshalb nicht, weil auch die Psyche Zeit brauche, sich von alten Gewohnheiten zu befreien und die verdrängten Lebensthemen zu bearbeiten, die während der Darmreinigung manchmal bewußt werden. Erst am Ende eines oft schwierigen "Loslaßprozesses" könne aus der "degenerierten Müllkippe" wieder eine "Wiege der Gesundheit" werden. Auf der körperlichen Ebene treten selbst bei vorangegangener CHT oder nach dem Fasten noch intensive Ausscheidungsreaktionen auf: Häufigkeit, Menge und Form des Stuhls verändern sich, ebenso der Geruch, wenn gärendes Material abgeht. Stuhldrang nach jeder Mahlzeit ist nicht ungewöhnlich und durchaus erwünscht. Bisweilen verlassen neben zähen, gummiartigen Ablagerungen auch Parasiten wie Würmer und Pilze den Verdauungstrakt, selbst Bandwurmabgänge wurden beobachtet. Solch dramatische Veränderungen sind aber nicht die Regel, dafür ist in den meisten Fällen ein spürbarer Zuwachs an Vitalität spürbar. Überflüssige Pfunde verschwinden eher nebenbei, Schlanke verlieren dagegen kaum Gewicht. Die Entgiftung erfaßt den ganzen Organismus, was unter anderem in einem gesteigerten Traumerleben zum Ausdruck kommt. Wer schon immer vorhatte, sich von alten Mustern zu trennen und einen echten Neubeginn sucht, erhält durch die Gray-Kur den notwendigen Motivationsschub. Eine psychotherapeutische Begleitung ist normalerweise nicht erforderlich.

Die Darmsanierung nach Gray ruht im wesentlichen auf zwei Säulen, die durch flankierende Maßnahmen ergänzt werden: den Reinigungstabletten und dem Massebildner, die - allmählich steigernd - für etwa ein Vierteljahr einzunehmen sind. Bei den Reinigungstabletten handelt es sich um Kräuterpressungen mit dem pflanzlichen Bindemittel Duratex, die Myrtenbaumrinde, Guargum, Irisches Moos, Maisfaden-Extrakt, Rosmarin, Vogelmiere, Gewürznelken und Spitzwegerich enthalten. Der Massebildner ist aus Flohsamenschalen, Löwenzahnwurzel, Zwiebeln, Spirulina-Algen, Gewürznelken und Calcium Pantothenat zusammengesetzt. Die Kräuter sind so kombiniert, daß sich ihre Einzeleigenschaften zu verschiedenen synergistischen Gesamtwirkungen addieren. Dadurch wird erreicht, daß auch die härtesten und verklebtesten Substanzen aufweichen und sich von der Darmwand lösen. Darmregulatoren beugen Verstopfung und Durchfall vor, sogenannte Karminativa vermindern die Gasbildung, lymph- und blutsäubernde Mittel sorgen für den schnellen Abfluß von Zelltrümmern und Entzündungskeimen und wirken einer erhöhten Toxizität des Blutes durch freigesetzte Gifte entgegen. Spirulina, Calcium und Zwiebeln tragen schließlich zur natürlichen Vermehrung der patienteneigenen Laktobakterienflora bei. Auf die äußerliche Zufuhr von Zuchtstämmen wird bewußt verzichtet. Obwohl die Darmsanierung nach Gray im Prinzip ohne Umstellung der Alltags- und Eßgewohnheiten möglich ist, wird die Bedeutung einer vollwertigen, vitalstoffreichen Ernährung nicht übersehen. "Wenn der Körper auf Reinigung umschaltet, ist es unsinnig, Schokolade zu essen", sagt Müller. "Das ist genauso, wie wenn ich beim Fasten weiter rauche". Grundsätzlich kann jeder Gesunde die Gray-Kur durchführen, jedoch nicht länger als fünf Monate, um Gewöhnungseffekte zu vermeiden. Schwangeren rät Müller davon ab, "einen Loslaßprozeß in einer Zeit zu beginnen, da die Frucht heranreifen und gehalten werden soll. Während der Stillzeit kann ein Reinigungsprozeß jedoch auch für das Baby von Vorteil sein." Abstand nehmen sollten auch Patienten mit frischen Operationsnarben im Verdauungstrakt (Morbus Crohn, Colitis ulcerosa) und Menschen, die regelmäßig Nitrofurantoin, Digitalis oder Salicylate einnehmen, da hier Wechselwirkungen zu befürchten sind.

Ejuva: Vier Phasen, die man individuell variieren kann

Die Ejuva-Darmreinigung, die von dem Amerikaner Steven Hurwitz entwickelt wurde, unterscheidet sich von der Gray-Methode trotz mancher Gemeinsamkeiten in einigen Details. Bei der Kräuterauswahl hat man nach Aussage der Diplom-Oekotrophologin Sabine Dörries neben der Reinigungskraft auf die ganzheitliche und harmonisierende Komponente besonderen Wert gelegt. Diese Funktion erfüllen vor allem traditionelle ayurvedische und chinesische Kräuter, die wie alle übrigen Zutaten entweder aus Bioanbau oder aus Wildsammlung stammen. Das Ejuva-Programm umfaßt fünf Einzelprodukte, die sich gegenseitig ergänzen: 1. Kräuter-Kompretten "Power", 2. Kräuter-Kompretten "Balance", 3. Massebildner (Kombi-Shake) aus Flohsamenschalen-, Flachssamenschalen- und Chiasamen-Pulver, 4. verflüssigte vulkanische Tonerde und 5. ein Mikroflora-Präparat. Bei der Herstellung, die inzwischen ganz in eigener Regie stattfindet, greift man neuerdings auch auf energenisiertes (tachyonisiertes) Wasser und Chakren-stimulierde Blütenessenzen zurück. Das komplette Ejuva-Verfahren gliedert sich in vier Etappen, die in etwa einem Monat durchlaufen werden. Während der Vorbereitungsphase nimmt man die Mittel noch neben den normalen Mahlzeiten ein, danach wird schrittweise die Zahl der Mahlzeiten reduziert und die Einnahmehäufigkeit der Mittel erhöht. Den Abschluß bildet eine "Turbo"-Phase, in der außer Obst- und Gemüsesäften nichts mehr gegessen wird und die Ejuva-Produkte fünfmal am Tag anzuwenden sind. "Ohne Zweifel werden sich bei den meisten Personen die größten Ergebnisse während der Phase 4 einstellen", schreiben die Ejuva-Macher in ihrer Anleitung. Dennoch sei es wichtig, sensibel auf die Reaktionen des eigenen Körpers zu achten und nicht mehr von ihm zu fordern, als er leisten kann. Das heißt: bei ausgeprägten Reinigungsreaktionen wie Unwohlsein, Schwäche oder Aufflammen alter Beschwerden sollte man zur vorangegangenen Phase zurückwechseln, bis man sich gut genug fühlt, den nächsten Schritt zu tun. Es sei nicht immer notwendig, alle vier Phasen zu absolvieren. Aus der Erfahrung heraus, daß manchen Personen ein behutsameres Vorgehen eher entspreche, was häufig bei alten Menschen mit verlangsamtem Stoffwechsel der Fall sei, habe man, so Dörries, eine modifizierte Kur entwickelt, die nur die ersten beiden Phasen berücksichtigt und auf drei bis vier Monate ausdehnt. Dörries hält es für notwendig, während der Ejuva-Darmreinigung von Beginn an Laktobazillen einzunehmen, "weil viele Menschen die verkehrten (Gärungs-)Bakterien haben, die wir ansonsten weiter füttern". Das Ejuva-Präparat "Pro Flora" unterscheide sich von herkömmlichen Mitteln dadurch, daß es nicht aus tierischem Material, sondern aus humanspezifischen Darmbakterien isoliert worden sei. Damit sei nicht nur die Verträglichkeit verbessert, sondern auch die Chance, daß die Ansiedlung der Mikroorganismen beim Patienten auch tatsächlich gelingt.

Große Sorgfalt bei Herstellung und Auswahl der Zutaten

Die hier beschriebenen Darmreinigungsverfahren irritieren manchen Interessenten durch den hohen Kostenaufwand von mehreren hundert Mark. Inwieweit die Preise gerechtfertigt sind, kann hier nicht beurteilt werden. Sicher ist, daß beide Anbieter an die Qualität der Rohstoffe und die Verarbeitung hohe Ansprüche stellen. Gängige Arzneien und Nahrungsergänzungen enthalten bis zu 30 Prozent Füllstoffe, um die Masse maschinentauglich zu machen, außerdem fast immer synthetische Farb- und Geschmacksstoffe. Bei Gray und Ejuva bleiben diese fragwürdigen Ingredienzen außen vor. Auch hohe Temperaturen, so Dörries, werden zur Schonung der pflanzlichen Wirkstoffe vermieden, Ejuva liege sogar unter 40 Grad. Für Dörries ist die Darmsanierung eine gute Basis, um den weit verbreiteten Pilzbefall des Darmes gezielt zu behandeln. Ejuva bietet zu diesem Zweck auch ein Candida-Programm an. Oft tauche die Frage auf, ob sich die Darmreinigung mit Kräutern auch für Kinder eigne. Dies sei bei angepaßter Dosierung nicht grundsätzlich auszuschließen. Solche und andere Zweifelsfälle sollten Sie jedoch nicht selbst entscheiden, sondern mit einem kompetenten Therapeuten besprechen.

Literatur/Bezugs-Adressen

  • ÉJUVA, 237 Miramar DriveSanta Cruz, CA,95060USA, Fax: 0014084578307Bitte adressierten und frankierten Rückumschlag (DM 2,20) beilegen.
  • Robert Gray: Das Darm-Heilungsbuch, Gesundheit durch Kolon-Sanierung. Knaur Verlag, München 1995.
  • Institut für Gesundheitsfragen, Heilpraktiker Wolfgang H. Müller, Rätikonweg 45, 88239 Wangen, Telefon 07528-7739, Fax 7719.
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