Umwelt

Öko-Waschmittel: Waschen mit reiner Weste

Wenn man den Packungsaufschriften und Werbeversprechen Glauben schenken mag, so können die modernen Waschmittel von Lever, Procter & Gamble und Henkel kein Wässerchen mehr trüben. Es hat sich zwar viel getan im Supermarktregal: ein Nachfüllpack voller nachwachsender Rohstoffe neben dem anderen. Aber die entscheidenden Vorteile, wie den Verzicht auf Gentech- Enzyme, problematische Tenside oder überflüssige Duftstoffe findet man vor allem im Naturkostladen.

Die Zeiten, da meterlange Wäscheleinen mit duftig-sauberen Kleidchenund weißer als weißen Hemden Hausfrauenherzen höher schlagenließen, sind vorbei. Umweltfreundlich und praktisch sollen Waschmittelsein, fordert der Verbraucher heute. Schaumberge auf Deutschlands Flüssenund Algenteppiche auf der Nordsee hatten die Umweltschützer auf denPlan gerufen. Die Waschmittelriesen reagierten: Sie veränderten ihreRezepturen. Ab Mitte der 80er Jahre verzichtete einer nach dem anderen aufPhosphat, das für die Überdüngung der Gewässer mitverantwortlichwar.

Auch sonst scheint im konventionellen Handel ein Umdenken eingesetztzu haben. Superkonzentrate in kompakten Nachfüllpacks aus Recyclingmaterialienund Futurformeln mit nachwachsenden Rohstoffen signalisieren dem Verbraucher:Hier wird Dein Ökogewissen nicht nur sauber, sondern rein.

Mit scheinbarem Erfolg. Laut Untersuchungen der Forschungsgemeinschaftfür Marketing G&I haben die Kompaktwaschmittel bei den Verkaufszahlendeutlich die Nase vorn: 69 Prozent aller Vollwaschmittel, die im Einkaufskorblanden, waren 1996 bereits Konzentrate.

Die Ultras und Futurs in der Vier-Kilo-Box haben dafür gesorgt,daß deutsche Hausfrauen und Hausmänner deutlich weniger Waschmittelverpulvern als in zurückliegenden Jahren: Während 1989 mit elfKilo pro Kopf so viel Waschmittel wie nie zuvor verbraucht wurde, warenes 1995 nur noch gut sieben Kilo. Auch bei den Weichspülern zeigendie Verbrauchswerte tendenziell eher nach unten.

Auch mit Konzentraten ist längst nicht alles bestens

Alles bestens? Keineswegs. Noch immer kommen in konventionellen Waschmitteln genauso viel Chemikalien zum Einsatz als in Zeiten von Klementines Zehn-Kilo-Trommel.

Mehr noch: Das Umweltbundesamt wies 1997 nach, daß sich in den letztenJahren der Verbrauch an Tensiden (waschaktive Substanzen) erhöht hat.Ein Grund: Bei den Konzentraten fallen lediglich Füllstoffe weg, dieMenge der Tenside ist hingegen im wesentlichen genauso hoch wie bei denalten Vollwaschmitteln. Außerdem dosieren viele Konsumenten nach Gefühl.Nur 30 Prozent gaben bei einer Befragung an, das Waschmittel exakt nachPackungsangabe zu bemessen. Die Zeitschrift Öko-Test berechnetevor drei Jahren, daß dadurch ein Fünftel mehr Konzentrat in dieWaschmaschine geschüttet wird, als erforderlich wäre.

Hinzu kommt, daß sich Baukastensysteme mit ihren unbestrittenenUmweltentlastungseffekten im konventionellen Handel nicht durchsetzen konnten."Skip" von Lever , mittlerweile das einzige konventionelleSystem, bringt es derzeit auf einen Marktanteil von knapp über einemProzent. Nach einem Hoch Anfang der 90er Jahre sei der Absatz wieder gesunken,bestätigt Lever- Produktmanager Lars Hengstler.

Doch selbst "Skip" ist in die Kritik von Umweltschützerngeraten. Daß nachwachsende Rohstoffe zunehmend Substanzen der Erdölindustrieersetzen, sei zwar erfreulich. Es bestehe jedoch die Gefahr, daß denPalmenplantagen Regenwald zum Opfer fällt, daß pestizidintensiveMonokulturen gepflanzt und Kleinbauern in ihrer Existenz gefährdetwerden. Wie die Fair-Trade-Organisation gepa bestätigt,gibt es in Deutschland bislang kein offizielles Fair-Trade-Siegel fürWaschmittel. Der 1995 gegründete Verein Palm-Pool, der einealternative Rohstoffbörse mit fairen Preisen zum Ziel hat, arbeitetallerdings auf eine solche Kennzeichnung hin. Solange wollten einige Naturwarenherstellernicht warten. Sie haben Fair-Trade-Projekte laufen, in denen die Rohstoffeohne Nachteile für Mensch und Umwelt hergestellt werden.

Weitere Diskussionen entzünden sich an der Deklaration der Inhaltsstoffe:Die meisten Verbraucher ahnen nicht, was sich hinter der harmlos klingendenAngabe auf der Packung - "enthält Enzyme (Protease, Lipase)"- verbirgt: gentechnisch veränderte Substanzen. Nach wie vor seiendie Folgen der Freisetzung dieser manipulierten Organismen nicht abschätzbar,gibt das Öko-Institut Freiburg zu bedenken. Selbst die Bundesregierungschließt gesundheitliche Risiken nicht völlig aus.

Trotzdem werden Gentech-Enzyme eingesetzt; sie sollen hartnäckigenFlecken in der Lieblingsbluse den Kampf ansagen. "Der Nutzen dieserWundermittel ist allerdings zweifelhaft", befand Öko-Testnach Untersuchungen. Einzig die Proteasen konnten das Waschergebnis tatsächlichverbessern. Es sei außerdem durchaus denkbar, daß die Enzymeauf der Kleidung aktiv bleiben und - werden sie durch Schweiß ausdem Textil herausgewaschen - bei empfindlichen Menschen die Haut angreifen.

Neben den gentechnisch manipulierten Enzymen finden sich in konventionellenWaschmitteln noch weitere überflüssige oder bedenkliche Substanzen:Hinter der Bezeichnung "Duftstoffe" verstecken sich häufigpolyzyklische Moschusverbindungen. Diese künstlichen Parfümstoffesind schwer abbaubar und gelangen über die Nahrungskette in das menschlicheFettgewebe, wo sie sich anreichern. Auch in der Muttermilch lassen sie sichnachweisen, bestätigen die Öko-Tester.

Standards alternativer Hersteller garantieren geringereBelastung

Viele Hersteller aus der Naturwarenbranche heben sich mit ihren Produktenvon der konventionellen Konkurrenz ab. Gewisse Standards haben sich beiden alternativen Produzenten durchgesetzt. Zum Beispiel die Baukastensysteme.Mit ihnen kann der Verbraucher gezielt dosieren und die Umweltbelastungmöglichst gering halten. Darüber hinaus reduzieren Mehrwegsystemeund Nachfüllstationen im Laden die Abfallmenge. Wichtig ist auch dievollständige Deklaration der Inhaltsstoffe auf der Verpackung. Sieschafft Transparenz und ermöglicht der Hausfrau beziehungsweise demHausmann, bei Unklarheiten gezielt nachzufragen.

Für gute Umweltverträglichkeit spricht zudem ein hoher Anteilan waschaktiven Substanzen auf Seifenbasis. Wie Andrea Strangfeld von derUniversität Hannover in einer wissenschaftlichen Untersuchungbetont, wird Seife im Abwasser binnen dreier Tage zu 99 Prozent abgebaut;ein großer Teil setzt sich bereits in der Vorstufe des Klärwerksals feste Kalkseife ab. Seife hat außerdem den Vorteil, Textiliennicht so stark zu entfetten wie dies synthetische Tenside tun. Die Fasernbleiben geschmeidig, Weichspüler ist überflüssig.

Für die Herstellung der Seifentenside werden häufig Kokos-und Palmkernöl verwendet. Sie sollten möglichst aus kontrolliertökologischen Anbau stammen, damit die beschriebenen Gefahren des Plantagenanbausfür Mensch und Umwelt vermieden werden können. Das Etikett sollteüber die Anbauweise eindeutig Auskunft geben. Einige Hersteller wiezum Beispiel Auro ("Awalan") und Sodasan achtenzudem bei ihren Lieferanten auf sozialverträgliche Arbeitsbedingungenund faire Preise.

Optische Aufheller sowie künstliche Farb- und Duftstoffe solltenin ökologischen Waschmitteln tabu sein. Manche Naturwaren-Herstellerlassen deshalb die Duftkomponente einfach weg. Wer auf die Aprilfrischenicht verzichten möchte, kann zu einem Produkt mit natürlichenätherischen Ölen greifen. Sie sollten vorzugsweise aus biologischemAnbau oder Wildsammlung stammen. Wichtig für eine geringe Gewässerbelastungist außerdem, daß die Baukastenelemente sparsam dosiert werdenkönnen. Angaben auf der Packung über die Reichweite des Inhaltshelfen bei der Orientierung.

Trotz aller Bemühungen: Umweltfreundliches Waschen ist derzeit nochnicht möglich. Die Entscheidung für ein Waschmittel gleicht eherder Suche nach dem geringsten Übel. Wissenschaftler wie das internationaleTeam des EU-Umweltforschungsprojekts "Sustainable Households"suchen jedoch eifrig nach Lösungswegen, damit der Traum der Umweltschützervom ökologischen Waschen nicht wie eine Seifenblase zerplatzt. In Zukunftwird es dabei nicht nur auf das richtige Pulver, sondern auch auf das Zusammenspielvon effizienter Technologie und gesellschaftlichen Einstellungen ankommen.

Christiane Schmitt


Entwarnung bei Tensidresten im Erdreich

"Biologisch abbaubar" hört sich zwar umweltschonend an. Damit ist aber lediglich ein erster Abbauschritt gemeint. Bei herkömmlichen Tensiden auf Erdölbasis - den Linearen Alkylbenzolsulfonaten (LAS) - können danach chemische Verbindungen zurückbleiben, die sich im Klärschlamm ablagern. Dort fehlt es am nötigen Sauerstoff, um die Substanzen weiter zu zersetzen.

Als Dünger kommen Klärschlamm und damit die Tensidreste auf die Felder. Thoralf Küchler, Leiter des Labors "Abwassertechnologie" beim Fraunhofer Institut für Umweltchemie und Ökotoxikologie hat untersucht, was dort mit den Chemikalien passiert. In Labortests hatte sich gezeigt, daß Tenside Schadstoffe wie etwa Pestizide mobilisieren.

"Das kann aber bei guter landwirtschaftlicher Praxis niemals, ich betone niemals auf dem Acker passieren", faßt Küchler die Ergebnisse der Feldversuche zusammen. "Entgegen unseren Befürchtungen kann gesagt werden, daß die mit dem Klärschlamm unter Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften auf den Boden aufgebrachten Tensidmengen keine negative Auswirkung auf den Boden haben." Über die Festsetzung eines Grenzwertes für die LAS im Klärschlamm wird derzeit noch diskutiert


Acht Tips fürs umweltschonende Waschen

Auch mit dem richtigen Waschmittel im Meßbecher sollten Sie einige Tips beherzigen, um so umweltschonend wie möglich zu waschen:

  • Jeder Waschgang belastet die Umwelt. Bei Naturfasern genügt oft einfaches Lüften. Vor allem Wolle ist schmutzabweisend und hat eine starke Selbstreinigungskraft. Und die Fasern werden auf diese Weise auch geschont.
  • Waschen Sie erst, wenn die Trommel voll wird. Dann reiben die Textilien aneinander, die Waschwirkung wird so mechanisch verstärkt.
  • Wählen Sie die Temperatur möglichst niedrig. Kochwäsche ist in der Regel nicht erforderlich, 60 Grad reichen völlig aus.
  • Nutzen Sie das Sparprogramm Ihrer Waschmaschine und verzichten Sie auf die Vorwäsche.
  • Dosieren Sie sparsam. Zumeist genügt es, wenn Sie den Meßbecher nach Vorgaben für "leichte Verschmutzung" befüllen. Selbst bei starkem Schmutz können Sie am Waschpulver sparen, wenn Sie die Textilien über Nacht in der Maschine einweichen. Einfach das Programm anlaufen lassen, bis sich das Waschmittel im Wasser gelöst hat. Am nächsten Tag wie gewohnt weiterlaufen lassen.
  • Im Leitungswasser sind Kalzium und Magnesium enthalten; sie bestimmen die Wasserhärte und somit die Wirksamkeit des Basis-Waschmittels. Hohe Kalzium- und Magnesium-Konzentrationen gleichen Sie durch die Zugabe von Enthärter aus. Erkundigen Sie sich beim örtlichen Wasserwerk nach der Wasserhärte, damit Sie korrekt dosieren können.
  • Ein paar Tricks helfen, Flecken auch ohne Gentech-Enzyme aus der Kleidung zu bekommen: Sind die Verschmutzungen noch frisch, geht man gegen eiweißhaltige Flecken (wie Blut und Kakao) am besten mit kaltem Wasser und Seife vor, bei Fettflecken sollte das Wasser heiß sein. In hartnäckigen Fällen wie bei Saftspritzern kommen die natürlichen Enzyme der Gallseife zum Einsatz. Bei eingetrockneten Flecken die Wäsche mit Gallseife vorbehandeln, auswaschen und über Nacht wie oben beschrieben einweichen.
  • Nicht zuletzt sollten Sie bei einer Neuanschaffung sowohl auf den Wasser- als auch auf den Stromverbrauch der Waschmaschine achten. Manche Stadtwerke bieten Prämienprogramme für den Kauf sparsamer Geräte an (Kategorie A). Nachfragen lohnt sich!

Zum Nachlesen

Öko-Test-Ausgabe 4/97 (Test Vollwaschmittel) und 9/97 (Test Color-Waschmittel). Beide Hefte können für je 6,50 DM + 2,50 DM Versandkosten beim Öko-Test-Verlag bestellt werden (Anschrift: Kasseler Straße 1a, 60486 Frankfurt, Tel: 069-97777138, Fax -189). Im November werden außerdem in einem Sonderheft "Gesundheit" umfangreiche Tests zum Thema Waschen veröffentlicht.


Nur jeder zehnte Naturkostkunde kauft Waschmittel im Fachgeschäft

Umweltverträglichkeit ist für viele Verbraucher nicht das gewichtigste Argument beim Waschmittelkauf. Wer in seinem Haushalt keine Allergiker oder Kleinkinder hat, gibt sich zumeist mit den Umweltversprechen der konventionellen Hersteller zufrieden. Kein Wunder, daß selbst im Naturkosthandel mit seiner umweltsensiblen Kundschaft die Verkaufszahlen vor sich hindümpeln: Nur jeder zehnte Naturköstler kauft auch sein Waschmittel im Bioladen. Wie Pressesprecherin Marita Odia von den Bundesverbänden Naturkost Naturwaren (BNN) bestätigt, läßt sich dies aus Zahlen des Instituts für Handelsforschung ableiten. Danach habe es in den letzten drei Jahren auch keine Steigerung für diese Warengruppe gegeben.

"Anders als beim Konsum von Lebensmitteln fühlen sich nur wenige von den ökologischen Auswirkungen der Waschmittel selbst betroffen", versucht Jürgen Hack vom Ökowaschmittel-Hersteller Sodasan eine Erklärung, "die Verbraucher sind nach wie vor im unklaren, was denn unsere Produkte von den konventionellen unterscheidet und wie diese Unterschiede zu bewerten sind." Auch der BNN-Hersteller kann derzeit in dieser Frage wenig Hilfestellung bieten. Zwar wurden bereits vor fünf Jahren Qualitätsbestimmungen für ökologische Waschmittel erarbeitet. Doch die liegen in der Schublade und warten darauf, für verbindlich erklärt zu werden. "Richtlinien konnten bislang nicht eingeführt werden, weil die Hersteller nicht bereit sind, sich auf Standards zu einigen", erläutert Klaus Wagener vom BNN-Hersteller.

Jürgen Hack sieht mit diesem Zögern eine Chance vertan, das komplette Waschmittelsortiment der Naturkostläden deutlich von dem der Supermärkte und Drogerien abzugrenzen. "So finden wir nach wie vor in den Bioläden auch Produkte, die von der konventionellen Industrie unter ökologischen Aspekten überholt worden sind", lautet sein Urteil. "Obwohl", so schränkt er ein, "auch konventionelle Produkte mit einem ausgeprägtem grünen Image aufgrund ihrer Zusammensetzung ökologisch keine Vorteile bringen." Um den Verbrauchern künftig möglichst klare Hilfen für den umweltbewußten Waschmittelkauf zu geben, bemüht sich der BNN, die Hersteller doch noch an einen Tisch zu bekommen. "Wir haben den Wasch- und Reinigungsmittelherstellern im Naturwarenbereich angeboten, einen Arbeitskreis über Standards zu moderieren", beschreibt Wagener den Stand der Dinge, "Voraussetzung ist allerdings, daß die Firmen einen wirklichen Einigungswillen mitbringen." Daß es dazu bald kommt, ist zu hoffen.

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