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Mit‘m Radl da Was in Münster sofort auffällt, sind die vielen Fahrräder. Auch die Naturkostläden lassen sich bequem per Drahtesel erreichen. Ein Doppelnutzen für Ge

Naturkost in Münster Für jeden das Richtige Vielfalt ist Trumpf in der Naturkost. Kein Laden gleicht dem anderen. Und in jeder Stadt hat die Branche ihr eigenes Gesicht
31.12.2002
Naturkost in Münster Für jeden das Richtige Vielfalt ist Trumpf in der Naturkost. Kein Laden gleicht dem anderen. Und in jeder Stadt hat die Branche ihr eigenes Gesicht

Naturkost in Münster

Für jeden das Richtige

Vielfalt ist Trumpf in der Naturkost. Kein Laden gleicht dem anderen. Und in jeder Stadt hat die Branche ihr eigenes Gesicht. Wir stellen Ihnen alle zwei Monate „Naturkost in …“ vor. Den Anfang macht Münster, wo in den 70er Jahren einer der drei ersten Naturkostläden bundesweit entstand. // Text und Fotos Karin Heinze

Die Vorteile für den Verbraucher liegen auf der Hand. Es gibt für jeden etwas: den kleinen Bäckerladen mit Naturkostecke, den Nahversorger an der Ecke, das mit Liebe zum Detail eingerichtete, beratungsaktive Geschäft, den Laden mit angeschlossenem Bistro, den Hofladen mit Erlebnischarakter, den großflächigen Bio-Supermarkt oder den Lieferservice für Einkaufsmuffel.

Somit kommen alle zu ihrem Recht. Wer gerne einen Plausch hält, findet ebenso seine Adresse wie derjenige, der beim wöchentlichen Großeinkauf das vielfältige Angebot zu schätzen weiß. Je nach Laune kann sich der Verbraucher also mal den einen und mal den anderen Wunsch erfüllen. Schließlich ist bekannt, dass statistisch gesehen der Bio-Kunde in zwei bis drei Läden einkauft, also die Abwechslung liebt. Mit seinen Fragen wird er dabei nicht allein gelassen: Bei allen Läden, die wir besucht haben, wird Beratung groß geschrieben.

Kurze Wege für den Kunden

Übrigens konnten wir bei unserem Trip auf ganz natürliche Weise die gesamte Stadt kennen lernen. Denn die Naturkostadressen konzentrieren sich nicht auf bestimmte Viertel, sondern sind recht gleichmäßig verteilt. Dadurch ist jeder Stadtteil gut angebunden, für den Verbraucher ergeben sich kurze Wege.

Überhaupt: Wer nach Münster kommt, sollte den Öko-Markt am Freitagnachmittag nicht auslassen. Und schon gar nicht die Pinkus-Brauerei, die seit 1991 ausschließlich Bioland-Biere braut. Dort sind die dunklen Eichenbalken dekoriert mit westfälischer Mundart, die unzähligen Initialen in den Tischplatten zeugen von Jahrhunderten der Trinkkultur.

Der älteste noch bestehende Naturkostladen namens CousCous liegt zentral am Anfang der Fußgängerzone. Mit viel Liebe zum Detail bauen die jungen Inhaberinnen Maike Heldt und Christine Bauer täglich das üppige Frischeangebot auf. „Die Leute schätzen unsere Beratung“, sagt Maike Heldt, die aus Hannover stammt und in Münster Ökologie studiert hat. Frisch aufgetischt, was der Koch gerade zubereitet hat, wird im Naturkostladen Bölling in der Warendorfer Straße. Sechs Gerichte und Salate stehen zur Auswahl. Stehtische und Schiefertafeln verleihen dem Laden Bistro-Atmosphäre. Brötchenspezialitäten nach eigenen Rezepten kommen aus dem Backofen in der Bäckereiecke. Signal an die Studenten: Zu Semesterbeginn gibt es zehn Prozent Rabatt bei Vorlage des Studentenausweises.

Ein ungewöhnlicher Name, verbunden mit einem schönen Zuhause im Jugendstilgebäude, das macht neugierig. Die drei hohen Bogenfenster in der Warendorfer Straße geben Einblick in den Slickertann, zu deutsch Schleckerzahn oder Leckermäulchen. Im hellen Laden bedienen und beraten abwechselnd die drei Inhaber. „Wir helfen den Kunden weiter“, sagt Anne Drepper. Im östlichen Stadtteil Gremmendorf gibt es einen zweiten Slickertann.

Viermal vertreten ist der SuperBioMarkt. In allen Himmelsrichtungen, an wichtigen Ausfallstraßen, erwartet eine Riesenauswahl auf großzügigen Flächen die Kunden: rund 5.000 Artikel aus allen Bereichen des täglichen Lebens. Allein Tee und Kräuter füllen über 16 Regalmeter. 40 Sorten Fruchtjoghurt und eine Frischfleischtheke gibt es in der Grevener Straße. Erfreulich für preisbewusste Kunden sind die 60 Basispreis-Produkte, die auch in den Filialen in der Hammer Straße, der Marktallee und im Arnheimweg zu finden sind.

Zwei Tee- und Kräuterspezialisten finden Verbraucher im Naturkostladen Buntspecht in der Kanalstraße im Kreuzviertel. Heidemarie und Hillrich Hermans haben über 100 Teesorten, verpackt und lose, im Angebot. Beide besitzen den sogenannten Kräuterschein, der zum Verkauf von Heilkräutern und Nahrungsergänzung berechtigt. Das Lob der Kunden findet immer wieder die selbstgezimmerte Ladeneinrichtung, die den hellen Räumen einen individuellen Anstrich gibt. Einen weiteren Laden haben Hermans in Everswinkel.

Als Nahversorger versteht sich Jochem Grosse-Lengerich vom Löwenzahn in der Ludwig-Wolker-Straße im Stadtteil Handorf. Beratung oder ein kleiner Plausch sind beim gelernten Physiotherapeuten inklusive. Weil der Platz innen beschränkt ist, baut er Obst und Gemüse draußen vor dem Schaufenster auf. Drinnen im Eckladen herrscht gemütliche Atmosphäre. Da nehmen die Kunden gerne zum Brot noch Käse und Wein mit.

Naturkost frei Haus liefert der Abo-Kisten-Service Ökullus. Rund 45 Gemüsesorten kommen vom eigenen Bioland-Betrieb in Handorf. Jörg Gabrielczyk und Viktoria Schulze-Buschhoff bestücken nicht nur 250 Abo-Kisten mit dem bestellten Obst und Gemüse, auch Brot und eine Auswahl an Naturkost können sich die Kunden bringen lassen. Außerdem ist Ökullus auf sechs Märkten zu finden.

Der Hofladen gehört dazu, meint Ulla Borghoff vom gleichnamigen Biolandhof in St. Mauritz. Aus dem Laden, der anfangs nur das eigene Getreide, Kartoffeln, Gemüse, Fleisch und Eier verkaufte, hat sich ein richtiges Naturkostgeschäft entwickelt. Borghoffs haben einen guten Ruf als Kartoffeladresse. Mehr als einkaufen wollen die Väter, die sich am Samstagvormittag mit ihren Sprösslingen bei den Traktoren umsehen

Gleich hinter der Stadt beginnt das Land. Schwarzweiß gescheckte Ziegen, Gänse und Hängebauchschweine sieht man vom Fahrradweg früher als das Ladenschild Die Schoppe (die Scheune). Sie sind besonders im Sommer Anziehungspunkt für Familien. Der Naturland-Hof in der Gasselstiege beherbergt seit über zehn Jahren einen Naturkostladen. Mit viel Engagement macht Agnes Lüdke-Jüdefeld die Vorteile der biologischen Landwirtschaft transparent: im Laden, bei Führungen und Hoffesten.

Direkt am Fahrradweg ist für die Radlerstadt Münster ein günstiger Standort. Draußen vor Eggert´s Scheune im Stadtteil Mecklenbeck werden im Sommer Kaffee und Kuchen serviert. In der kalten Jahreszeit greift der Kunde lieber zum Probierstück an der Käsetheke und lässt sich dazu einen Schluck Wein munden. Das fällt in der gemütlichen Atmosphäre, die Annette Eggert geschaffen hat, nicht schwer. Dazu gibt’s jede Menge Broschüren, Bücher und persönliche Beratung.

Gläserne Backstube

Alles für ein Luxusfrühstück bekommt man bei Cibaria (lateinisch: Wegzehrung). Das Brotregal der Filiale in der Bremer Straße beherbergt über 40 Sorten, dazu süße Stückchen, Torten und Snacks. Die Backwaren haben den denkbar kürzesten Weg, denn die Backstube liegt unmittelbar hinter dem Verkaufsraum. Die 40 Mitarbeiterinnen des Frauenunternehmens backen für zwölf Märkte und zahlreiche Bioläden. „Wichtig sind uns die Volldeklaration und eine gläserne Backstube“, betont Bäckermeisterin Rike Kappler.

Ab acht Uhr grüßen Brötchenduft und Inge Sparwel die Kunden der Steinofen Bäcker-Filiale in der Wolbecker Straße. „Viele wollen nicht nur Brötchen kaufen, sondern auch ein bisschen plaudern.“ Dem kommt die Filialleiterin gerne entgegen. Für Stammkunden ist der Laden Treffpunkt. Wer Überraschungen liebt, nimmt die Brötchentüte: vier wechselnde Sorten zum Vorzugspreis. Und in der Naturkost-ecke können Kunden ihren kleinen Einkauf erledigen. Der Steinofen Bäcker betreibt Backshops in den vier SuperBioMärkten.

Fazit: Münster ist ein gutes Beispiel für das, was die Naturkostbranche insgesamt auszeichnet: üppiges Angebot, intensive Beratung, vielfältige Geschäftsphilosophien und interessante Menschen.

Mit‘m Radl da

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