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Milchpreis im Fokus

Tausende konventionelle Milchbauern stehen vor dem Ruin. Was ist bei Bio-Milch anders? Warum unterstütze ich faire Preise, wenn ich Milch im Bio-Laden kaufe? Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen. // Leo Frühschütz
30.09.2009
Tausende konventionelle Milchbauern stehen vor dem Ruin. Was ist bei Bio-Milch anders? Warum unterstütze ich faire Preise, wenn ich Milch im Bio-Laden kaufe? Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen. // Leo Frühschütz

Warum ist Bio-Milch teurer als konventionelle?

Bio-Milchkühe haben ein „Recht“ auf Auslauf und bekommen nur Öko-Futter. Der Weidegang macht zusätzliche Arbeit, das Öko-Futter ist teurer und weniger energiereich als Import-Soja. Deshalb geben die Tiere weniger Milch. Die Kälber werden mit Kuhmilch gefüttert und nicht mit billigem Milchersatz. Da die Bio-Höfe weit auseinanderliegen, ist der Milchlaster länger unterwegs, die Transportkosten für die Molkerei sind deutlich höher.

Sind das die einzigen Gründe dafür, dass Bio-Milch fast doppelt so teuer ist?

Nein, dass der Preisunterschied derzeit so groß ist, liegt auch am Druck, den die großen Handelsketten, angeführt von Aldi, auf die Molkereien ausüben. Zurzeit ist deutlich mehr konventionelle Milch auf dem Markt, als gebraucht wird. Das macht die Molkereien erpressbar und sie geben die Preissenkungen dann an die Bauern weiter. Konventionelle Bauern bekommen, je nach Molkerei, nur noch 20 bis 25 Cent pro Kilogramm.

Wie viel erhalten die Bio-Bauern?

Im Juni lag der Durchschnittspreis bei 36,8 Cent/kg. Die einzelnen Molkereien zahlen zwischen 35 und 41 Cent. Das geht aus der Preisaufstellung der Koordinationsstelle Biomilch des Bioland-Verbandes hervor, in der 30 Molkereien aufgelistet sind. Die unterschiedlichen Auszahlungspreise resultieren aus den verschiedenen Sortimenten und Absatzmöglichkeiten der Molkereien.

Jahreszeitlich bedingt geht der Preis über den Sommer in der Regel etwas zurück. Denn wenn die Kühe auf der Weide sind, steigt die Milchmenge, während der Absatz im Sommer wegen der Wärme und der Urlaubszeit leicht zurückgeht. Die Molkereien müssen dann die überschüssige Milch in Form von Butter und Pulver einlagern.

Reichen den Bauern knapp 37 Cent zum Überleben?

Welchen Milchpreis ein Bauer braucht, um seine Kosten zu decken und einen angemessenen Gewinn zu machen, hängt vom jeweiligen Betrieb ab. Den meisten reichen 37 Cent/kg nicht, um die Kosten zu decken. Auch die Bio-Bauern zahlen also drauf. Unter ihnen gilt ein Erzeugerpreis von 50 Cent, wie er Anfang 2008 gezahlt wurde, als fair.

Warum werden keine 50 Cent gezahlt?

Der extrem niedrige konventionelle Milchpreis setzt auch die Bio-Preise unter Druck. Im Discounter und Supermarkt haben die Kunden den direkten Preisvergleich zwischen konventioneller und Bio-Milch. Wird der Unterschied zu groß, greifen weniger Kunden zur Bio-Milch, der Absatz sinkt. Die großen Handelsketten versuchen dann, bei den Bio-Molkereien die Preise zu drücken. Die haben wenig Spielraum, weil sie in erster Linie den Bio-Milch-Absatz für ihre Bauern sichern müssen. Denn wenn sie nur einen Teil der Bio-Milch als solche vermarkten können und den Rest konventionell verkaufen müssen, haben die Bauern noch weniger davon. Zwar gibt es in Deutschland keinen großen Bio-Milch-Überschuss. Doch aus Dänemark und Österreich drückt billige Bio-Milch auf den Markt. Sie landet vor allem bei Discountern und setzt so die Preise unter Druck.

Was können die Verbraucher tun?

Möglichst viel Bio-Milch und Bio-Milchprodukte kaufen und dies am besten im Naturkostfachhandel. Denn dort ziehen Bauern, Molkereien und Handel an einem Strang und bemühen sich gemeinsam, möglichst faire Preise für alle Beteiligten zu erzielen.

Ist die teuerste Milch im Regal die beste für den Bauern?

Das lässt sich so nicht sagen. Lieferant der preisgünstigen Dennree-Milch zum Beispiel sind die Milchwerke Berchtesgadener Land, die seit Jahren einen der höchsten Bio-Milch-Preise auszahlen (im Juni 2009 39,9 Cent/kg). In den Milchpreis gehen neben dem Erzeugerpreis noch andere Kosten und Kalkulationsfaktoren ein. Für den Bauern ist die Molkerei ausschlaggebend, mit der er seinen Liefervertrag hat. Setzt die Molkerei möglichst viel Bio-Milch und Molkereiprodukte zu vernünftigen Preisen an den Handel ab, profitieren davon auch die Bauern. Einen Zuschlag von meist einem Cent gegenüber dem normalen Bio-Milch-Preis bekommen Demeter-Bauern von einigen Molkereien, weil die biodynamische Wirtschaftsweise mehr Aufwand mit sich bringt.

Die Bio-Milch macht’s

Für Bio-Milch sprechen auch der Tier- und Umweltschutz sowie gesundheitliche Argumente:

  • Der hohe Grünfutteranteil erhöht den Gehalt wertvoller mehrfach ungesättigter Fettsäuren in der Milch.
  • Bio-Tiere dürfen nicht mit Gentech-Pflanzen gefüttert werden, konventionelle schon.
  • Bio-Kühe weiden den Sommer über und pflegen so die Kulturlandschaft.
  • Ökologisch bewirtschaftete Weiden sind artenreicher als konventionelle Wiesen.

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