Jeden Tag eine gute Entscheidung. Für eine bessere Welt. Für uns alle.
Umwelt

Mein Kind will nicht essen

Schrot&Korn: Warum haben Sie ein Buch geschrieben? Haben Sie so viele besorgte Mütter in ihrer Sprechstunde erlebt? Carlos González: Ja, Appetit-Mangel der Kinder ist vielleicht der häufigste Grund für Mütter, den Kinderarzt aufzusuchen.
28.02.2003

Kinder sollen das essen, was sie wollen!

Dr. Carlos González, spanischer Kinderarzt, räumt mit starren Ernährungsregeln für Kinder auf.

Schrot&Korn: Warum haben Sie ein Buch geschrieben? Haben Sie so viele besorgte Mütter in ihrer Sprechstunde erlebt?

Carlos González: Ja, Appetit-Mangel der Kinder ist vielleicht der häufigste Grund für Mütter, den Kinderarzt aufzusuchen.

Schrot&Korn: Was sollen Kinder denn essen?

Carlos González: Was sie wollen. Die Verantwortung der Eltern liegt darin, den Kindern gesunde und nahrhafte, dem Alter entsprechende Lebensmittel anzubieten. Aber davon kann jedes Kind wählen, was und wie viel es essen mag. Wenn man jemanden zwingen will, etwas Bestimmtes zu essen, kann er eine lebenslange Abneigung dagegen entwickeln.

Schrot&Korn: Was sagen Sie Eltern, die mit der Feststellung „Mein Kind will nicht essen“ zu Ihnen kommen?

Carlos González: Das kann zwei Ursachen haben: Weil das Kind krank ist oder weil es genug gegessen hat. In beiden Fällen soll es nicht zum Essen gezwungen werden. Die Unterscheidung erfolgt über das Gewicht. Sollte Ihr Kind Gewicht verlieren, bringen Sie es zum Kinderarzt. Wenn es aber gedeiht, lassen Sie es in Ruhe. Kleinkinder benötigen viel weniger Nahrung als man meint.

Schrot&Korn: Was sollen Eltern tun, wenn die Kinder zum Beispiel nur Nudeln essen wollen?

Carlos González: Ich würde das Essen jeden Tag nach den Gewohnheiten der Familie zubereiten. Dann gibt es mal Nudeln, mal etwas anderes. Und lassen Sie das Kind von jeder Speise essen, was es will. Ohne auf mehr zu beharren. Ich würde ihm das Essen vorsetzen mit dem Gleichmut eines Kellners, ebenso würde ich den Teller nach einer Weile mitnehmen, voll oder leer.

Schrot&Korn: Wie groß sollen die Portionen sein?

Carlos González: Man soll den Teller nicht überladen. Mag ein Kind keine Bohnen, kommen zwei oder drei Bohnen auf den Teller, nicht zwei oder drei Löffel voll. Wenn es die gegessen hat, nicht fragen: „Möchten du mehr, mein Liebling?“ Wenn ein Kind vom ersten Gang nichts möchte, dann bietet man ihm vom zweiten an, wenn es auch davon nichts möchte, dann vom Nachtisch. Gibt es Fisch mit Kartoffeln, und es möchte nur Kartoffeln, dann bekommt es eben Kartoffeln. Ohne Kommentar, liebevoll.

Schrot&Korn: Und wenn es nichts isst?

Carlos González: Dann darf es spielen gehen. Wenn es etwas verlangt, was nicht auf dem Tisch steht, bekommt es dieses ohne Diskussion, sofern es gesund und nahrhaft ist (eine Banane, ein Keks, ein belegtes Brot, ein Joghurt), aber keine Süßigkeiten.

Schrot&Korn: Wird das Kind nicht ewig ein reiner Nudelfan bleiben?

Carlos González: Nein, das Ergebnis ist anders: Gibt es Nudeln, wird das Kind viel essen, an anderen Tagen wird es weniger essen. Und allmählich, weil es nicht gezwungen wird, wird es andere Speisen kosten.

Mein Kind will nicht essen

von Dr. Carlos González (ISBN 3-932022-12-2) ist für 13,90 Euro zu beziehen bei der La Leche Liga Deutschland e.V., Dannenkamp 25, 32479 Hille, Telefon 0571/ 48946, Fax 4049480, www.lalecheliga.de, E-Mail versand@lalecheliga.de.

Kommentare

Das könnte Sie auch interessieren

Ähnliche Beiträge