Umwelt

Leben auf Pump: Earth Overshoot Day erklärt

Ab dem 24.Juli 2025 lebt die Menschheit auf Pump – unsere jährlichen Ressourcen sind erschöpft. Dieses Datum verdeutlicht, wie unser Lebensstil die Erde überlastet – und zeigt zugleich: Wir müssen das Ruder herumreißen.

Was ist der Earth Overshoot Day?

Der Earth Overshoot Day markiert den Tag, an dem wir alle natürlichen Ressourcen verbraucht haben, die die Erde im jeweiligen Jahr regenerieren kann. 2025 war dieser Tag weltweit am 24. Juli, in Deutschland sogar am 3. Mai.

Deutschlands Bilanz: Drei Erden wären nötig

Deutschlands ökologischer Fußabdruck liegt laut Global Footprint Network bei rund 4,9 globalen Hektar pro Kopf (2023). Würden alle Menschen so leben wie wir, bräuchte es fast drei Erden. Weltweit beträgt der durchschnittliche ökologische Fußabdruck aktuell 2,87 gha, während jedem Menschen nur 1,7 gha nachhaltig zur Verfügung stehen.

„Mit unserer Lebensweise beuten wir die Erde auf Kosten künftiger Generationen und des globalen Südens aus.“

Julia Otten, Referentin für nachhaltiges Wirtschaften bei Germanwatch

Julia Otten beruft sich auf die Zahlen des Global Footprint Network und macht eine weitere Rechnung auf. Die betrifft den sogenannten Erdüberlastungstag. „Das ist der Tag, an dem die nachhaltig nutzbaren Ressourcen eines Jahres aufgebraucht sind“, erklärt sie.

Overshoot-Folgen: Klima, Arten, Konflikte

Hitzewellen, Dürren, Starkregen – die Auswirkungen sind längst da. In vielen Ländern führen sie zu Ernteverlusten, Armut und Migration. Auch die Biodiversität leidet: Seit 1970 ist die Biomasse der Wirbeltiere um 69% geschrumpft. Auch Korallenriffe sind betroffen: Studien von 2022–2024 zeigen, dass über ein Drittel der Korallen des Great Barrier Reefs abgestorben sind – vor allem durch marine Hitzewellen.

Zudem nehmen CO₂-Senken wie Wälder und Meere weniger auf, was den Treibhauseffekt weiter anheizt. Fluchtbewegungen, Hunger, Wasserknappheit – vieles davon sind ökologische Krisensymptome.

Was steckt hinter dem Fußabdruck?

Die Wissenschaftler Mathis Wackernagel und William Rees entwickelten ein Buchhaltungssystem, das die ökologische Belastung der Erde messbar macht. Anstelle von Geld steht dabei die Natur im Mittelpunkt – gemessen in sogenannter Biokapazität. Diese beschreibt die Flächenleistung von Ökosystemen wie Wäldern, Wiesen und Ackerland. Sie bilden das natürliche Angebot, dem die globale Nachfrage der Menschheit gegenübersteht.

Diese Nachfrage übersteigt längst das nachhaltige Maß. Ressourcen wie Fischbestände, Wälder oder fossile Energien werden schneller verbraucht, als sie sich regenerieren können. Gleichzeitig belasten Abfälle und CO₂-Emissionen die natürlichen Systeme zusätzlich. Studien belegen, dass zentrale ökologische Grenzen – etwa bei Meeren, Böden oder Trinkwasser – zunehmend erreicht oder bereits überschritten sind.

Ein zentrales Instrument, um diese Übernutzung sichtbar zu machen, ist der von Wackernagel und Rees entwickelte ökologische Fußabdruck. Er zeigt, wie viel Fläche notwendig ist, um unseren Lebensstil dauerhaft zu ermöglichen – und wo die Belastungen die planetaren Möglichkeiten übersteigen. 

Was jede*r tun kann

Mann schiebt hellgrünes Fahrrad in einem Park. Der Bildausschnitt zeigt den Mann zwischen Schultern und Knien.

Deinen eigenen Fußabdruck kannst du z.B. unter wwf.de berechnen. Schon kleine Veränderungen helfen:

  • weniger tierische Produkte konsumieren
  • Wege zu Fuß oder per Rad
  • Dinge teilen, leihen, gebraucht kaufen
  • Energie sparen, reparieren statt wegwerfen
Jetzt ökologischen Fußabdruck berechnen!

„Wenn alle ihren Konsum bewusst steuern, können wir eine schuldenfreie Welt erreichen – vielleicht noch vor 2100.“

Mathis Wackernagel
Ganzkörperbild von Lena Holst, die Gemüsekisten trägt

Lena Holst trägt Gemüsekisten fürs Foodsharing

Ökologischer Handabdruck: Darum ist er besser als der Fußabdruck

Mit dem CO2-Handabdruck macht Klimaschutz Spaß. Wir stellen die Idee und Beispiele aus der Praxis vor.

Gerade Politik und Unternehmen sind gefragt

Städte wie Calgary zeigen, dass Veränderung möglich ist – z.B. durch Ökostrom im ÖPNV. Unternehmen können durch Kreislaufwirtschaft („Cradle to Cradle“) und umweltfreundliches Design ihren Beitrag leisten. Neue EU-Richtlinien fördern genau das.

Die häufigsten Fragen zum Earth Overshoot Day

Wann ist der Earth Overshoot Day 2025?

Der globale Earth Overshoot Day 2025 fällt auf 24. Juli. Ab diesem Tag leben wir rechnerisch auf Pump und überfordern die Ressourcen der Erde.

Was bedeutet der Begriff „Overshoot Day“?

Es ist der Kalendertag, an dem die Menschheit so viel natürliche Ressourcen verbraucht hat, wie die Erde auf natürliche Weise in einem Jahr regenerieren kann. Danach nutzen wir Reserven und emittieren CO₂ in Überschuss

Wie wird der Overshoot Day berechnet?

Die Formel lautet: Biokapazität ÷ ökologischer Fußabdruck × 365. Wenn der Anteil menschlicher Nutzung die Regenerationsfähigkeit übersteigt, rückt der Overshoot Day nach vorne.

Warum ist der Overshoot Day früher als noch vor ein paar Jahren?

Zwei Hauptgründe: Erstens: Unser steigender ökologischer Fußabdruck (z.B. mehr CO₂), zweitens: Neue Erkenntnisse, dass Ozeane weniger CO₂ aufnehmen als früher gedacht – das beschleunigt die Erschöpfung.

Was kann ich tun, um den Overshoot Day hinauszuzögern?

Weniger Fleisch essen, Energie sparen, Müll vermeiden, nachhaltig diversifizieren, Mobilität umstellen – all das reduziert den ökologischen Fußabdruck. Initiativen wie #MoveTheDate fördern systemische Veränderungen.

Mehr zum Thema

www.fussabdruck.de
Footprint-Rechner der Hilfsorganisation „Brot für die Welt“.

www.footprintnetwork.org 
Informationen des Global Footprint Network rund um ökologische Fußabdrücke, unter anderem von Ländern, Städten, Unternehmen.

www.germanwatch.de 
Der Verein setzt sich für globale Gerechtigkeit und den Erhalt der Lebensgrundlagen ein.

www.overshootday.org
Englischsprachige Website zum globalen Erdüberlastungstag.

Cover des Buches „Ecological Footprint: Managing Our Biocapacity Budget“ von Mathis Wackernagel und Bert Beyers

Wackernagel, Mathis and Bert Beyers, 2019. Ecological Footprint: Managing the Biocapacity Budget, New Society Publishers, Gabriola Island.

Buchcover von „Overshoot: The Ecological Basis of Revolutionary Change“ von William R. Catton

Catton, William R., 1982. Overshoot: The Ecological Basis of Revolutionary Change. University of Illinois Press.

PDF des Buchs herunterladen

Dieser Artikel wurde von der Redaktion überarbeitet und ergänzt.

Veröffentlicht am - aktualisiert am 24.07.2025

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