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Umwelt

Konstruktiv Streiten

Achtung: Das Fass ist voll!
29.06.2006
Achtung: Das Fass ist voll!

Aggression – nicht unterdrücken, sondern konstruktiv nutzen.

Achtung: Das Fass ist voll!

Ob aufbrausender oder zurückhaltender Charakter, manchmal genügt ein Blick und man wird fuchsteufelswild. Höchste Zeit, etwas zu unternehmen, denn scheinbar ist das Fass voll. Beim aggressionsgehemmten Typ lässt sich ein typischer Ablauf beschreiben: Der schluckt und schluckt und staut so immer mehr Ärger auf. Mancher wird krank davon, dann explodiert es sozusagen nach innen. Den anderen platzt irgendwann der Kragen. Meist jedoch im grundfalschen Augenblick, und dann folgen Schuldgefühle, woraufhin sich der Betreffende vornimmt, sich nächstens besser unter Kontrolle zu behalten. Das Ganze beginnt von vorn.

Ritualisierter Wutabbau

Schnelle, zackige Bewegungsabläufe wie beim Squash spielen oder Kickboxen. Wenn man im Auto allein ist: laut schreien. Zu Hause: Mit Batakas oder einem Teppichklopfer auf den Boden schlagen oder Kissenboxen. Das kann auch jungen Eltern helfen, ihren Ärger nicht am Kind auszulassen. Beim ritualisierten „Bataka-Zweikampf“ halten sich die „Gegner“ an den Händen. Das soll symbolisieren: „Wir streiten uns, aber sind weiter miteinander verbunden“. Eine Runde dauert 15 Sekunden. Bataka-Freikampf mögen vor allem Jugendliche. Der Ablauf ist wie beim Fechten oder Schwertkampf. In manchen Jugendhäusern können Bataka-Schläger geliehen werden.

Die Phase des Klärens

Ist die erste Wut verpufft, beginnt die Phase des Klärens: 1. Situation sachlich schildern. Am besten vorher ankündigen: Ich hab mich geärgert, hörst du mir bitte zu? 2. Mitteilen, welche Verletzungen jenseits der sachlichen Ebene passiert sind: Wie habe ich mich gefühlt? 3. Sagen, was man sich für die Zukunft wünscht. Im besten Fall wird der Streit durch Körperkontakt abgeschlossen: Wenn es noch raucht, kann man die kleinen Finger aneinander halten. Das zeigt: Ich bin sauer, aber will noch etwas mit dir zu tun haben. Wenn es geht, kann man sich die Hand reichen oder umarmen. In den Kampfkünsten verbeugen sich die Gegner voreinander.

Gefühle nicht unterdrücken

Vorbeugende Programme sollten nicht dazu führen, dass man Gefühle unterdrückt. Es ist besser, die Probleme bewusst in Angriff zu nehmen. Das „Anti-Aggressivitätstraining“ des Erziehungswissenschaftlers Jens Weidner dagegen wird mit Gewalttätern durchgeführt – meist jungen Männern, die manchmal sogar Lust dabei verspüren, andere zu schädigen. Die müssen wirklich erst lernen, ihre Gefühle zu kontrollieren. Allen anderen empfiehlt Weidner, ihr Leben mit einer Prise Aggressivität zu würzen. Warnt jedoch davor, „falsch platzierte Konfrontation und toughes Auftreten mit positiver Aggression zu verwechseln, die stets aufbauend und konstruktiv sein soll“.

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