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Diesmal beschäftigt sich unser Autor Fred Grimm in seiner Kolune mit dem Thema Achselhöhlenschweiß.

09.01.2016 vonFred Grimm

Diesmal beschäftigt sich unser Autor Fred Grimm in seiner Kolune mit dem Thema Achselhöhlenschweiß.

Neulich las ich in dem wunderbaren Magazin „Fantastic Man“ ein Interview mit einem belgischen Mikrobiologen, der sich einem eher ungewöhnlichen Forschungsgegenstand verschrieben hat: Dr. Chris Callewaerth studiert Achselhöhlenschweiß. Ihn beschäftigt die Frage, warum diese Ausdünstungen von Mensch zu Mensch so unterschiedlich wahrgenommen werden. Während wir uns glücklich in die Arme jener Menschen kuscheln, die wir, im Wortsinne, gut riechen können, erfüllt uns der Geruch manch anderer mit Unbehagen. Selbst an eisigen Wintertagen reißen wir die Fenster auf und beneiden jene, die sich gerade einen Schnupfen gefangen haben. Unser Gesicht sieht dabei in etwa so aus wie das von Kanzlerin Merkel, wenn sie mit Horst Seehofer telefoniert.

Dr. Callewaerth, der Forscher, rekrutierte für seine Studien schnupfenfreie Studierende, die verschiedene Achselhöhlenschweißgeruchsproben auf einer Skala von plus 8 („Sehr angenehm!“) bis minus 8 bewerteten. Mit erstaunlichem Resultat. Denn anders als vermutet, schnitten nicht etwa die Proben jener Menschen besonders gut ab, die mindestens einmal am Tag unter der Dusche stehen. Tatsächlich schnupperten die Studierenden auch sehr gern an Proben von Menschen, deren letzte Ganzkörperreinigung bereits ein paar Tage zurücklag. Bei weitergehenden Untersuchungen machte Dr. Callewaerth schließlich die erstaunliche Beobachtung, dass der Körpergeruch besonders übel beurteilter Probanden nach ein paar Tagen ohne Waschen besser bewertet wurde als vorher. Unsere Körper reinigen sich also, nach einiger Zeit, sozusagen von selbst.

Natürlich sollten Sie diese Kolumne besser nicht den Waschphobikern in Ihrem Umfeld zeigen – wie dem duschfaulen Teenagersohn, dessen Jungmännerschweiß penetrant in der Luft steht wie die Parfümwolken auf der Hamburger Reeperbahn. Oder dem Kollegen, dem morgens immer die Zeit zum Duschen fehlt, der aber jede Zimmerlüftung als Anschlag auf seine Gesundheit ablehnt. Doch von solchen Ausnahmen abgesehen, stützen die Studien von Dr. Callewaerth einen zutiefst humanen und, nebenbei, auch ökologischen Gedanken: Wir sollten uns nicht von der Angst, wir könnten stinken, täglich unter die Dusche treiben lassen und so unsere persönliche Öko-Bilanz ruinieren. Jeder ehrliche Hautarzt wird bestätigen, dass zwei Duschen pro Woche bei regelmäßigem Einsatz eines Waschlappens das Beste sind, was Sie für Ihre Haut tun können. Reißt man trotzdem das Fenster auf, sobald Sie den Raum betreten, hilft Ihnen vielleicht die neueste Versuchsreihe von Dr. Callewaerth. Je länger man ein Baumwoll-Shirt trägt, ohne es zu waschen, umso stärker wird unter den Achseln die körpereigene Produktion wohl riechender Mikrobakterien angeregt, lautet seine Hypothese. Ich muss gestehen, da warte ich mal die Forschungsergebnisse ab.

Fred Grimm

Der Hamburger Fred Grimm schreibt seit 2009 auf der letzten Seite von Schrot&Korn seine Kolumne über gute grüne Vorsätze – und das, was dazwischenkommt. Als Kolumnist sucht er nach dem Schönen im Schlimmen und den besten Wegen hin zu einer besseren Welt. Er freut sich über die rege Resonanz der Leser und darüber, dass er als Stadtmensch auf ein Auto verzichten kann.

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