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Umwelt

Kann Tofu noch gentech-frei sein?

Rund 40 Millionen Tonnen Soja importiert die EU jedes Jahr, vor allem aus Südamerika. Ein Großteil ist Gensoja. Dessen Spuren machen den Bioherstellern zu schaffen.

31.05.2009 vonLeo Frühschütz

Rund 40 Millionen Tonnen Soja importiert die EU jedes Jahr, vor allem aus Südamerika. Ein Großteil ist Gensoja. Dessen Spuren machen den Bioherstellern zu schaffen.

Manchmal genügt der Staub vom Dreschen, den der Wind über die brasilianische Ebene bläst. Stammt er von gentechnisch veränderten Sojabohnen und lagert er sich auf Bio-Sojabohnen ab, kann das zu einer messbaren Verunreinigung führen. Dafür genügt auch eine Handvoll Gentech-Bohnen in einem nicht perfekt gereinigten Silo.

Einzige Voraussetzung: Eine der Gentech-Bohnen muss in das Sammelgefäß fallen, mit dem die Stichprobe fürs Labor gezogen wird. In etwa zehn Prozent der untersuchten Bio-Sojaprodukte finden die amtlichen Lebensmittelkontrolleure Verunreinigungen von Gen-Sojabohnen. Dabei „handelte es sich durchweg um sehr geringe Spuren unter 0,05 Prozent“, wie die baden-würt-tembergischen Untersuchungsämter in ihrem Ökomonitoring 2007 schrieben.

Konventionelle Produkte waren etwa dreimal häufiger und auch stärker belastet. Das liegt daran, dass Biobauern und -hersteller keinerlei gentechnisch veränderte Organismen (GVO) einsetzen und zudem alles unternehmen, um ihre Erzeugnisse vor Verunreinigungen zu schützen.

Tatort Mähdrescher

Die Gefahr, dass Biosoja verunreinigt wird, ist groß, vor allem in den nord- und südamerikanischen Ländern, in denen bereits Gensoja angebaut wird. Die Verunreinigung findet weniger auf den Feldern statt, denn Sojapflanzen bestäuben sich selbst.

Pollen, die von Gen-Sojafeldern einfliegen, kommen in der Regel nicht zum Zug. Gefährdet sind die Bohnen bei der Ernte und danach: In Mähdreschern, auf Lastern, in Silos und Containern, in den Reinigungsanlagen der Mühlen. Überall könnten ein paar Bohnen aus einer vorher verarbeiteten Partie Gensoja übrig geblieben sein.

Wo es geht, sind deshalb Maschinen und Anlagen für Bio reserviert. Ansonsten hilft nur putzen, putzen, putzen. Verpackt für den Transport werden die Bohnen meist in große Plastiktüten, Big Packs genannt, um eine Kontamination zu verhindern. Sojabohnen, die in Mitteleuropa wachsen, haben diese Probleme noch nicht, denn in der EU ist der Anbau von Gensoja verboten. Sojabohnen werden auch in Deutschland angebaut.

Da die Bohnen jedoch warme, nicht zu feuchte Sommer brauchen, ist das nur am Oberrhein und am Bodensee möglich. In Österreich wachsen die meisten Sojabohnen in Oberösterreich und im Burgenland. Insgesamt reichen die hierzulande angebauten Bio-Sojabohnen bei Weitem nicht aus, um den Bedarf zu decken. Importe sind unverzichtbar.

Gensoja auf der Spur

Um deren Risiko zu minimieren, lassen die Verarbeiter Biosoja immer wieder analysieren. Bei unverarbeiteten Bohnen schlagen die Messgeräte schon Alarm, wenn eine von 10 000 Bohnen ein verändertes Erbgut hat. Allerdings können sie eine so geringe Verunreinigung nicht exakt beziffern, sondern nur mitteilen: „Da sind GVO-Spuren drin.“ Solche Messergebnisse gibt es hin und wieder auch bei Biobohnen. „In Einzelfällen konnten geringe qualitative Spuren im Bereich der Bestimmungsgrenze gefunden werden“, teilt der Hersteller Provamel mit.

Das Unternehmen bezieht seine Bohnen aus Brasilien, Kanada und China. „Wir haben im letzten Jahr in einer Charge aus China Spurenverunreinigungen gefunden“, berichtet Bernd Drosihn, Geschäftsführer von Tofutown (Viana). Er hat die Lieferung umgehend zurückgeschickt.

Erst ab 0,1 Prozent Verunreinigung lässt sich der GVO-Anteil genau beziffern. Solche Ergebnisse sind bei Biobohnen äußerst selten. Denn mit guter Qualitätsarbeit lassen sich so starke Verunreinigungen verhindern. Das Gesetz ist bei Verunreinigungen weitaus großzügiger: Ist eine GVO-Verunreinigung zufällig erfolgt oder war sie technisch unvermeidbar, so darf sie bis zu 0,9 Prozent betragen, ohne dass der Kunde dies erfährt.

Erst wenn der Gentechnik-Anteil der jeweiligen Zutat über 0,9 Prozent liegt, muss dies deklariert werden. Diese Regelung gilt für konventionelle und ökologisch erzeugte Lebensmittel ebenso wie für Produkte, die den Aufdruck „Ohne Gentechnik“ tragen. Die Biohersteller werden diese großzügige Regelung nicht ausreizen, sondern weiterhin alles unternehmen, um Produkte ganz ohne GVO-Spuren anzubieten. Doch auf Dauer lassen sich Verunreinigungen nur durch den Verzicht auf die grüne Gentechnik verhindern.

Gensoja im Honig

Ökotest (Januar ´09) fand in 10 von 14 Honigen aus Südamerika Spuren von Gensoja-Pollen, darunter war auch ein Biohonig. Das Problem: Beim Nektarsammeln bringen die Bienen Blütenstaub von Gen-Sojafeldern in ihren Stock.

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