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Umwelt

Interview mit Wolf-Rüdiger Marunde

Interview mit Wolf-Rüdiger Marunde
28.02.2003

Interview mit Wolf-Rüdiger Marunde

Auf‘m Dorfe

Wolf-Rüdiger Marunde
(Cartoonist)

Schrot&Korn: Herr Marunde, Sie sind ein bekannter Cartoonist. Woher haben Sie ihre Ideen? Etwa für die Serie „Marundes Landleben.“ Verarbeiten Sie dort Ihre eigenen Erlebnisse?

Wolf-Rüdiger Marunde: Ich lebe in einer ziemlich turbulenten Familie auf dem Land, mit Frau und vier Kindern zwischen vier und 16 Jahren, einem Hund, Katzen und Pferden. Alleine das ist schon eine Quelle der Inspiration. Aber natürlich auch das Dorfleben, wir haben eine ziemlich lebendige Gemeinschaft. Und ich fahre gern über Land, mache Ohren und Augen auf.

Schrot&Korn: Dann wurde aus der Land-leben-Serie „Neues aus Schwein--hausen“…

Wolf-Rüdiger Marunde: Cartoons mit Tieren, das war das „Landleben“-Konzept, und davon habe ich mich nach ein paar Jahren ziemlich eingeengt gefühlt. Ich wollte wieder mehr Menschen darstellen. Meine Redaktion hatte Angst, dass sich dann manche Leserinnen angegriffen fühlen könnten. „Schweinhausen“ war ein Kompromiss. Da wohnen Schweine in Häusern, tragen Kleidung und benehmen sich wie Menschen. Leben zum Beispiel in festen Zweierbeziehungen. Aber weil sie eben nicht wie Menschen aussehen, so fühlt sich auch kein Leser direkt getroffen.

Schrot&Korn: Auch für die Firma Ökoland haben Sie Cartoons gezeichnet. Wie kam es zu der Zusammenarbeit?

Wolf-Rüdiger Marunde: Ökoland wollte gern Cartoons aus der Schweinhausen-Serie verwenden und hat mich einfach direkt gefragt. Für mich war das in Ordnung.-

Schrot&Korn: Haben Sie etwas gegen Menschen?

Wolf-Rüdiger Marunde: Nein, ich bin gern mit Menschen zusammen. In meinen Cartoons mache ich mich nur über typisch menschliche Verhaltensweisen lustig, meist über die alltäglichen Widersprüche zwischen Wunschvorstellungen und Realität.

Schrot&Korn: Haben Sie da ein Beispiel?

Wolf-Rüdiger Marunde: Frei sein wie ein Adler, aber pünktlich Essen kriegen wie ein Huhn.

Schrot&Korn: Sind Sie ein Tierfreund?

Wolf-Rüdiger Marunde: Ja, aber Tierebleiben für mich Tiere mit ihren angeborenen Instinkten und arttypischen Ge-fühlsregungen. Meine Tiere sollten sich auch nützlich machen. Unser „Wachhund“ ist beruflich allerdings ein Versager, das muss ich zugeben. Dafür ist er ein toller Spielgefährte für die Kinder.

Schrot&Korn: Leben Sie vegetarisch?

Wolf-Rüdiger Marunde: Vegetarier bin ich nicht. Ich mache keinen Unterschied zwischen Tier und Pflanze, was das moralische Recht angeht, für die eigene Erhaltung andere Lebewesen zu töten. Aber Tiere sollen es gut gehabt haben, bevor ich sie esse. Sie müssen artgemäß gehalten und ernährt worden sein.

Schrot&Korn: Was zieht Sie in ein kleines Dorf mit 100-Seelen ?

Wolf-Rüdiger Marunde: Ich bin nördlich von Hamburg aufgewachsen, meine Kindheit war noch ziemlich ländlich geprägt. Etwa ein halbes Jahr lang habe ich ausprobiert, in der Großstadt zu leben. Aber statt dauernd ins Kino zu gehen, bin ich rausgefahren. Ich habe gemerkt, auf dem Land leben und dann und wann in die Stadt fahren, das ist mir lieber. Vor allem wegen unserer Kinder: Ein grosser Garten, Tiere, überhaupt die Möglichkeit, Grunderfahrungen in und mit einer natürlichen Umgebung zu machen, das halte ich für wichtig. Leider müssen viele jüngere Menschen weggehen, weil sie keine Arbeit finden.

Schrot&Korn: Vor zwanzig Jahren haben Sie eine Dorfgemeinschaft aus einem Weiler mit fünf Häusern mitbegründet. Steht dahinter eine Vision?

Wolf-Rüdiger Marunde: Das ganze Gelände stand damals zum Verkauf und war total runtergekommen. Wir waren eine kleine Gruppe mit vielen Handwerkern und bauten vieles selber wieder auf. Die meisten hatten Kinder, lebten aber getrennt. In der Gemeinschaft konnten die Kinder trotzdem mit beiden Eltern aufwachsen.

Schrot&Korn: Aktiv sind Sie noch in der Kulturellen Landpartie. Was ist das?

Wolf-Rüdiger Marunde: Hier bei uns im Wendland leben viele Kulturschaffende, die sich zusammengefunden. haben Seit zwölf Jahren veranstalten wir Pfingsten ein Event. Überall im Landkreis öffnen Ateliers und Werkstätten, es wird gelesen, Musik gemacht, Theater gespielt. Mittlerweile machen über 500 Mitwirkende in 80 Dörfern mit, und wir haben 25000 Besucher! Begonnen hat das mal als Kulturprojekt von Atomkraftgegnern, inzwischen sind wir ein echter Wirtschaftsfaktor.

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