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Franz Rampelmann: "Olaf ist ätzend"

Franz Rampelmann ist seit elf Jahren im Team der „Lindenstraße“. Als „Olaf Kling“ gerät er auf die schiefe Bahn. Mit „bio“ hat er nichts am Hut
31.07.2004
Franz Rampelmann ist seit elf Jahren im Team der „Lindenstraße“. Als „Olaf Kling“ gerät er auf die schiefe Bahn. Mit „bio“ hat er nichts am Hut

? Als Schauspieler sind Sie viel unterwegs, pendeln oft zwischen Bayern und Köln, dem Drehort der „Lindenstraße“. Kann man sich da gesund ernähren?

! Natürlich. Egal wo ich wohne, die Bioläden kriege ich immer schnell raus: Das war in München so, in Haidhausen, in Schwabing, und auch jetzt in Köln.

? Was schätzen Sie besonders an diesen Geschäften?

! In „meinem“ Bioladen krieg’ ich oft einen Tee angeboten. Da probier’ ich die verschiedenen Sorten durch.

? Wie streng sind Sie bei der Ernährung?

! Ich bin nicht streng, nicht paranoid. Ich bin vernünftig. Ich glaube, dass viele Leute schon wegen ihren Ängsten krank werden, sich falsch zu ernähren. Ich esse alles. Unterwegs ist es schon manchmal schwer, Vernünftiges zu finden. Als ich zum Beispiel in den USA war, hab’ ich besonders aufgepasst, dass ich nicht zu viel Schrott esse. Ansonsten schau’ ich, dass Gemüse und Obst aus Ländern kommt, wo nicht so viel gespritzt wird. Zum Beispiel kaufe ich nur noch Öko-Bananen.

? Sie setzen also Prioritäten, wofür Sie Ihr Geld ausgeben?

! Ich bin nicht militant, aber ich gebe mein Geld für gesundes Essen aus. Da diskutiere ich auch nicht mehr drüber. Ich unterstütze oft die kleinen Läden. Die halten sich nur, wenn man dort einkauft. Das gilt auch für Weltläden. Fair gehandelte Waren sind mir wichtig.

? Ist es nicht seltsam, dass die Deutschen bei Autos oder Waschmaschinen auf die Marke schauen, egal was sie kostet, bei Lebensmitteln aber immer nach dem Billigsten greifen?

! Das ist eine Frage des Geltungsbedürfnisses. Wenn man einen Mercedes gekauft hat, dann steht der vor dem Haus und jeder sieht ihn. Wenn ich eine gute Banane kaufe, dann ist die bald verzehrt. Mit einem schönen Ring kann ich noch in drei Jahren angeben. Den Sellerie vom Biohof aus dem Schongau dagegen kann ich nicht rumzeigen. Das bleibt eine Sache des verborgenen Bewusstseins.

? Welchen Stellenwert hat Fleisch für Sie?

! Früher habe ich mich viel von Fleisch ernährt, sogar von Innereien: Nieren, gebratenes Rinderherz, mit meinem Hund hab’ ich mir damals sogar rohe Schweineherzen geteilt. Oder gebackenes Euter.

? Und heute?

! Ich kaufe heute kein Fleisch mehr. Wenn ich auf einer Party mal ganz fein gehobelten Parmaschinken sehe, dann ess’ ich den schon mal. Oder hier bei den Dreharbeiten die Bratwürste im Imbiss von Olaf Kling. Denen kann ich manchmal nicht widerstehen. Aber je mehr Fleisch ich esse, desto mehr spüre ich, dass es mir nicht bekommt. Rein wissenschaftlich sind wir Menschen den Pflanzenfressern gleich. Wir haben einen sehr langen Darm. Fleischfresser wie Wölfe oder Hunde haben einen sehr kurzen Darm.

? Heißt das, Ihre Entscheidung, wenig Fleisch zu essen, kommt mehr aus dem Kopf und weniger aus dem Bauch?

! Ja. Ich war jetzt in Argentinien, das ist ein reines Fleisch-Land. Dort gibt’s fast keine Mahlzeit ohne Fleisch. Aber auf deren Weiden leben nur glückliche, frei lebende Rinder. Die Tiere werden nicht mit Hormonen voll gepumpt, wie in den USA zum Beispiel. Aber auch in Argentinien habe ich gemerkt: Fleisch tut mir nicht gut. Wenn ich viel Obst esse, geht’s mir einfach wesentlich besser. Ich hab’ mal eine Schlankheitskur gemacht, bei der ich ganz auf tierisches Eiweiß, Rauchen und Alkohol verzichtet habe. Da hab’ ich viel Obst, Gemüse, Sonnenblumenkerne, Trockenfrüchte und Reis bekommen. Ich nahm zwölf Kilo ab. Meine Gelenke waren total entschlackt, so beweglich wie mit 18. Das Rauchen habe ich ganz gelassen und die Ernährung ist jetzt noch zu 80 Prozent so wie während der Kur. Nur ab und zu trinke ich mal ein Bier. Wichtig ist, dass man bei der neuen, gesunden Ernährung bleibt. Sonst wird man nachher dicker als vorher.

? Was war der Auslöser, dass sich bei Ihnen überhaupt ein Ökobewusstsein entwickelt hat?

! Zum ersten Mal mitbekommen, wie es auf einem konventionellen Hof laufen kann, habe ich während meines Landwirtschaftsstudiums. Da wurde richtig satt gespritzt. Wir hatten so viel Spritzmittel in der Garage gelagert, damit hätte man die ganze Stadt zehn Mal umbringen können. Schon damals dachte ich, das darf doch nicht wahr sein. Der Gutsverwalter hat mir erklärt, dass das Gift an den Nutzpflanzen nur entlangläuft und nicht aufgenommen wird. Das war natürlich Quatsch. Die gesunde Ernährung kam dann vor 16 Jahren nachdem mein Sohn auf die Welt gekommen war. Meine damalige Partnerin, also die Mutter meines Sohnes, hat immer gesagt, dass ich in den Bioladen gehen soll. Daran musste ich mich erst gewöhnen. Ich bin sicher 50, 60 Mal ermahnt worden. Jetzt greife ich automatisch zur Biomilch-Flasche.

? Und wann kam dann das Engagement für die Grünen?

! Zu den Grünen gelangte ich durch eine Veranstaltung zum Thema „Scheinehe“. Das war in der „Lindenstraße“ gerade ganz aktuell, die damalige Grünen-Vorsitzende Claudia Roth hatte mich eingeladen. Ich bin kein Parteimitglied, sondern entscheide von Thema zu Thema, wofür ich mich engagieren will. Wenn CDU-Leute gute Gedanken haben, sind mit denen natürlich ebenfalls konstruktive Debatten möglich. Mit der CSU komm` ich aber nur leidlich in Konsens. Durch das Radikale und Verbissene, das die oft an den Tag legen, tu ich mich schwer. Für die Grünen habe ich in Rheinland-Pfalz Wahlkampf gemacht. Da stand ich im Weinberg und vermittelte den Besuchern, wie gut Bio-Wein ist.

? Was halten Sie von Gentechnik?

! Ich halte sie für überhaupt nicht notwendig. Unser Körper ist ganz gut gemacht, der kann so bleiben. Da muss man nicht dran manipulieren. Und bei den Pflanzen ist das genauso.

? So ein Gespräch wäre mit dem „echten“ Olaf Kling nicht möglich, oder?

! Das stimmt nicht ganz: Olaf Kling hat immerhin im Blumenladen seiner Freundin biologisches Gemüse eingeführt. Erst später ist er in die kriminelle Verzweiflungsecke abgerutscht. Der von ihm aufgezogene Imbiss ist ein total umweltschädlicher Laden: Plastikbesteck, Wegwerfteller. Olaf ist wirklich ätzend.

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