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Mousse T.: „Bio-Logo! Und ich hab‘ Ruhe“

Mousse T. hat Songs für Michael Jackson und die Backstreet Boys produziert und mit Hits wie „Horny“ und „Sex Bomb“ internationale musikalische Treffer gelandet. Und der Deutsch-Türke hat auch den richtigen Riecher für gesundes Essen
30.09.2004
Mousse T. hat Songs für Michael Jackson und die Backstreet Boys produziert und mit Hits wie „Horny“ und „Sex Bomb“ internationale musikalische Treffer gelandet. Und der Deutsch-Türke hat auch den richtigen Riecher für gesundes Essen

? Wie bist du zu deinem Job gekommen?

! Ich hab mit dreizehn mal Keyboard gelernt und in einer Rock`n Roll Band gespielt. Ich war DJ, hab´ meine eigenen Sachen produziert, und dann die anderer Leute.

? Was tut ein Produzent eigentlich genau?

! Du bist von A bis Z für das Entstehen eines Songs oder einer Platte verantwortlich: Du machst das „Songwriting“ und suchst die Sänger aus. Du organisierst die Tontechnik und bist für die Musiker bei der Aufnahme im Studio Psychologe. Nur die Platte presst du nicht selber.

? Ist es für einen Produzenten Voraussetzung, ein Instrument spielen zu können?

! Nicht unbedingt. Aber es hilft auf jeden Fall, wenn du verstehst, wie Instrumente funktionieren. Im Übrigen ist der Computer auch ein Instrument für mich.

? Seit wann arbeitest du als Produzent?

! Seit 15 Jahren. Mit meinem ersten Erfolg „Horny“ – das war 1998 – da leckte ich Blut. Mittlerweile habe ich jetzt auch diese Opernhaus-Geschichte gemacht – mit „Horny“ und „Sex Bomb“ in der Orchester-Version. Da war ich über den Erfolg extrem überrascht. Das war der Hammer: Da stehst du auf der Bühne, in so alt ehrwürdigem Gemäuer und hörst ein klassisches Arrangement von „Horny“. Das ist für dich als Künstler natürlich schon geil.

? Auf deiner neuen Platte höre ich was Orientalisches raus …

! Ich wollte unbedingt ein bisschen Augenzwinkern, also eine Idee Humor mit reinpacken – deshalb die orientalisch angehauchten Geigen-Arrangements.

? Sitzt dir der Schalk im Nacken?

! (Schmunzelt schälkisch) Na ja, ich habe mich auch bei Tschaikowskys „Nussknacker“ und „Das Wandern ist des Müllers Lust“ bedient. Aber man muss schon genau hinhören, um das rauszuhören.

? Warum triffst du anscheinend so genau den Ton der Zeit?

! Mein Weg ist es nicht, das Radio anzumachen, zu hören und dann zu entscheiden: „Aha, Gitarre ist in. Also pack` ich das Ding wieder mal aus.“ Würde ich die Sache so angehen, käm´ ich ständig zu spät. Ich schlage lieber ´nen ganz neuen Weg ein, auch wenn die Leute dann erst mal doof gucken. Später finden sie dann: „Wow, der wagt was.“ Und dann freut´s dich natürlich, wenn du einen Trend lostrittst.

? Ein Dieter Bohlen, arbeitet der auch so wie du?

! Es ist ihm vielleicht eher zugestoßen, als dass er das in der Hand gehabt hat. Aber Erfolg hat er ohne Ende. Und Erfolg gibt ja Leuten immer Recht – irgendwie. Ich respektiere ihn als Gesamtkunstwerk.

? Welche Rolle spielt Essen bei dir?

! (zeigt auf den vollbeladenen Teller vor sich und lacht) Wie man sieht eine große! Ich liebe Essen.

? Kochst du selbst?

! Das macht ganz oft meine Freundin, was nichts mit meinem türkischen Rollenverständnis in Partnerschaften zu tun hat, sondern damit, dass sie einfach eine fantastische Köchin ist. Und sie ist sehr gesundheitsbewusst – bereitet nur einmal die Woche Fleisch zu und generell sehr viel Gemüse.

? Machst du dir Gedanken über Qualität und Herkunft dessen, was du isst?

! Ich schaue, wem ich überhaupt vertrauen kann.

? Hast du Bedenken?

! Das Problem sind die Mogelpackungen. Konventionelle Ware wird ja oft auf „Bio“ getrimmt. Auf den Verpackungen hast du tolle Werbeversprechen und Bildchen, die dir die heile Welt vortäuschen. Aber diese Art Werbung kriegt mich nicht! Ich bin doch nicht blöd!

? Und wie findest du dann das Richtige?

! Ich guck´ auf die Logos! Zum Beispiel auf das sechseckige „Bio“-Label der Europäischen Union. Dann hab‘ ich Ruhe.

? Wie ist sonst das Ernährungsbewusstsein unter Musikern?

! Neulich war´n amerikanischer Kult-DJ bei mir. Der hat dann gefragt: “Where is the next McDonalds, please?“ Das ist bei den Amerikanern schon echt krass. Die wollen halt ihren Burger. (Lacht) Den musste ich dann fast schon schlagen, damit er sich mal was Vernünftiges reinzieht.

? Und was für kulinarische Vorlieben haben die im „Show-Bizz“ noch?

! Tja, dann ist da vielleicht eine Madonna, die sich ein Soja-Würstchen mit mittelscharfem Bio-Senf aufs Hotelzimmer bestellt, was von sonst wo angeliefert werden muss. Dann denken viele: „Die hat ja ´nen Spleen!“ Aber ich versteh´ das. Die Leute sind ja ständig unterwegs, haben so viel Stress. Die will sich durch ihren Lebensstil nicht einschränken lassen und ihr Lieblingsfutter immer parat haben. Jeder der Zuhause lebt, legt sich davon eben einen Vorrat an.

? Ein Landsmann von dir hat provokant gefragt: Muss denn Mousse T. seine türkische Identität verstecken?

! Meine Eltern sind Türken. Aber ich bin hier geboren. Und daher ist das Deutsche für mich sehr wichtig. Zum Glück habe ich eine sehr offene Erziehung genossen. Und wenn ihr sagt, ihr hört viele Stile in meiner Musik, das ist eben das Multikulturelle. Mein Markt ist die Welt und ich mache internationale Musik. Und das heißt natürlich nicht, dass ich meine türkischen Wurzeln verneine. Ich liebe beide Kulturen und ich bin beide Kulturen.

? Wie erlebst du es als Türke zweiter Generation in Deutschland zu leben?

! Ich habe noch nie Probleme gehabt. Ich find´s sehr positiv, dass man hier mit mehreren Kulturen zu tun hat. Und ich staune über die jungen Türken: Wie quirlig die sind! So viel Energie haben die. Junge Türken sind oft sehr wagemutig, gerade auch in Sachen Selbständigkeit. Die sagen halt: „Hey, mach` ich heute mal ´nen Kiosk auf, und wenn ich morgen pleite bin, mache ich ein Sonnenstudio auf, egal.“ Die machen einfach.

? Was meinst du zur Ausländerfeindlichkeit in Deutschland!

! Deutschland ist auf dem richtigen Weg. Frankreich zum Beispiel ist ja viel ausländerfeindlicher. Auf der anderen Seite ist es auch wichtig, seinen eigenen Standpunkt zu beleuchten und sich vielleicht auch mal selbst zu veräppeln, wie das etwa Mittermaier als deutscher Kabarettist macht. Viele junge Deutsche meinen immer noch, sie müssten mit der Vergangenheit leben, obwohl sie mit dem Krieg ja gar nix mehr zu tun hatten. Und das hat zum Beispiel zur Folge, dass sie denken, man dürfe noch immer nicht sagen: Ich bin stolz ein Deutscher zu sein.

? Wo kriegst du eigentlich deine Energie her?

! Wenn ich gut gegessen habe, geht’s mir gut. Das ist schon mal die Basis. Aber das, was ich tue, ist vielleicht mein eigentlicher Motor – also die Musik.

? Was für …?

! … also frag mich jetzt nicht noch nach meinen Hobbys (grinst breit). Wenn das einer wissen will, mach` ich immer „grübel, grübel“. Mein Beruf ist eben mein Hobby!

Bedient die halbe Pop-Welt

Wenn von Mousse T. die Rede ist, dann fällt es schwer, mit Superlativen zu geizen. Es gibt wenige DJ- und Producer-Persönlichkeiten von internationalem Format, die einen ähnlich erfolgreichen Weg hinter sich haben wie der 1966 in Hagen geborene Mustafa Gündogdu – alias Mousse T. Er bringt ein weltweit anerkanntes eigenes Label namens Peppermint Jam heraus. Mousse T. macht „Remixes“ und Produktionen für die halbe Pop-Welt – von Michael Jackson und Backstreet Boys über Simply Red und Gloria Estefan bis Quincy Jones und Toni Braxton. Nicht zu vergessen sind natürlich die aus seiner eigenen Feder stammenden Welthits, wie etwa „Horny“ oder „Sex Bomb“. Sein aktueller Hit ist „Is it ´cos I´m cool?”, sein aktuelles Album heißt „All Nite Madness“ und die zweite Single-Auskopplung „POP MUZAK“.

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