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Fair handeln während Corona

Bio-Herstellern sind langjährige Partnerschaften mit ihren Lieferanten wichtig. Das ist gerade in diesen Zeiten gut so.

11.09.2020 vonLeo Frühschütz

Bio-Herstellern sind langjährige Partnerschaften mit ihren Lieferanten wichtig. Das ist gerade in diesen Zeiten gut so.

Stellt euch Corona einmal ohne Schutzschirm vor, ohne Kurzarbeitergeld, ohne Milliardenhilfen aus der Staatskasse ... Das alles gibt es nur in wenigen reichen Industriestaaten. In den meisten Ländern haben die Regierungen zwar Ausgangssperren verhängt und die Wirtschaft heruntergefahren, doch können sie die negativen Folgen kaum abfedern. Am meisten leiden darunter die Ärmsten: Tagelöhner, die nichts mehr verdienen und kein Essen mehr kaufen können. Kinder, für die das Essen in der nun geschlossenen Schule die einzige Mahlzeit am Tag war.

Stark betroffen von der Krise sind auch Kleinbauern, die Bio-Kakao, Kaffee, Bananen oder andere Bio-Lebensmittel für den Export anbauen. Die Preise schwanken stark, Transporte lassen sich nur schwer organisieren und in den Häfen stapelt sich die Ware. Besser dran ist, wer am anderen Ende der Lieferkette faire Partner hat. „Die Bauern in unserem Fairtrade-Projekt Khaddar wissen, dass wir ihre gesamte Ernte zu den vertraglich festgelegten Preisen abnehmen, das gibt ihnen Sicherheit“, sagt Patric Frisse vom Naturkosthersteller Davert. Seit neun Jahren arbeiten die Münsterländer mit einer Reisbauern-Kooperative im indischen Pundjab zusammen und verarbeiten deren fair-zertifizierten Demeter-Basmatireis in zahlreichen Produkten. Inzwischen sind weitere Reis-Projekte in Indien, Thailand und Kambodscha dazugekommen. Wie bei Fairtrade-Projekten üblich sichert ein garantierter Mindestpreis die Bauern gegen schwankende Weltmarktpreise ab. Dank eines Fairtrade-Zuschlages können die Kooperativen Projekte vor Ort finanzieren wie Schulen, Brunnen oder Straßen. Welche Fairtrade-Siegel es gibt und was sie bedeuten, haben wir hier für euch zusammengestellt.

Strukturen helfen auch in der Krise

„Manche unserer Lieferanten haben die Hand in Hand-Fairtrade-Prämien dieses Mal für Schutzmaßnahmen gegen Corona verwendet“, berichtet Eva Kiene vom Hersteller Rapunzel. Für Masken, Desinfektionsmittel und andere Maßnahmen, die sie mit dieser Soforthilfe gut bewältigen konnten. Eva Kiene sieht im Fairen Handel noch einen weiteren Vorteil: „Fairtrade-Programme verlangen von den Erzeugern funktionierende organisatorische Strukturen. Das hilft ihnen, wenn sie kurzfristig einer Krise wie Corona gegenüberstehen.“ Außerdem würden solche Programme dazu beitragen, dass Kleinbauern auch Kleinbauern bleiben können – und sich im Krisenfall zumindest selbst mit Lebensmitteln versorgen können.

Trotzdem ist die Not oft groß, weswegen das Fairhandelshaus Gepa zusammen mit seinem Gesellschafter Misereor eine Spendenkampagne gestartet hat und die eingehenden Summen verdoppelt. Mit dem Geld will Gepa die am stärksten betroffenen Partner unterstützen. Die internationale Fairtrade-Bewegung hat zwei Coronafonds eingerichtet, einen für akute Sofortmaßnahmen und einen zur mittel- und langfristigen Unterstützung. Von den drei Millionen Euro Startkapital stammt ein Drittel vom deutschen Verein Transfair. Lest hier, warum fairer Handel auch außerhalb der Krise wichtig ist.

Corona: Fair-Trade will keinen zurücklassen

Faire Partnerschaften gibt es nicht nur mit Lieferanten in Übersee. Die Molkerei Berchtesgadener Land überwies jedem ihrer 1700 Milchlieferanten, konventionell und bio, 1000 Euro. Denn vielen der Betriebe waren Einnahmen aus Ferienwohnungen oder einem anderen Nebenerwerb weggebrochen. „Jeder Landwirt, der jetzt aufhört, ist unwiederbringlich verloren“, begründete Molkerei-Geschäftsführer Bernhard Pointner diese Unterstützung. Stark getroffen hat es auch Betriebe im Obst- und Gartenbau. „Diese Betriebe bräuchten höhere Preise, um ihre Mehrausgaben für Saisonkräfte zu kompensieren“, sagt Norbert Schick, der beim regionalen Großhändler Grell Naturkost den Obst- und Gemüseeinkauf leitet. Er ist allerdings skeptisch, ob sich diese Preise auf dem Markt durchsetzen lassen. Für Lieferanten, die in der Existenz bedroht sind, will er trotzdem Lösungen finden: „Wir lassen keinen zurück!“

Voelkel: „Offen über Preise reden“

Boris Voelkel führt zusammen mit seinen drei Brüdern die Geschäfte des Bio-Saftherstellers Voelkel. Zuständig ist er für den Einkauf der Rohstoffe.

„Bei 98 Prozent unserer Lieferanten handelt es sich um langjährige Partner“, erklärt Voelkel. „Wenn einer weiß, er ist wichtig und nicht einfach ersetzbar, das schafft Vertrauen.“ Dann lasse es sich auch offen über Preise reden und darüber, was jeder braucht. Wichtig ist Voelkel, dass die Preise wenig schwanken. „Dann können beide Seiten sicher kalkulieren und sind nicht so abhängig davon, wie sich die Ernte entwickelt.“ Und im Notfall hilft man sich: „Wenn bei einem Betrieb die Ernte, etwa bei Johannisbeeren, ausfällt, dann legen wir bei den anderen Erzeugnissen etwas drauf.“ Empathisches Wirtschaften nennt Boris Voelkel das. Für ein solches faires Miteinander auf regionaler Ebene steht das Siegel des FairBio-Vereins. Voelkel engagiert sich dort im Vorstand. Das Siegel garantiert eine faire Preisgestaltung ebenso wie den Verzicht auf Leiharbeiter.

Zur Website von Voelkel

Mani Bläuel: „Grundlage ist ein partnerschaftlicher Umgang “

Felix Bläuel hat Wirtschaft und Marketing in Thessaloniki studiert, bevor er als Juniorchef in das Unternehmen einstieg.

Ende der 70er-Jahre kamen Burgi und Fritz Bläuel als Erntehelfer auf die griechische Halbinsel Peloponnes und begannen, Oliven ökologisch anzubauen. Heute vertreibt Mani Bläuel Olivenprodukte von über 300 Landwirten. „Die Grundlage für alles ist ein partnerschaftlicher Umgang“, erklärt Geschäftsführer Felix Bläuel, der Sohn der beiden: „Wir arbeiten ja seit 20 Jahren und länger mit diesen Menschen zusammen.“ Seit 2014 ist das Unternehmen mit 150 seiner Produzenten Naturland-Fair-zertifiziert. „Die bewusste Auseinandersetzung mit den Kriterien hat die Kooperation mit den Landwirten auf eine neue Stufe gehoben“, sagt Bläuel. „Durch die Zertifizierung sind die gegenseitige Bindung und das Commitment größer geworden.“ Der Naturland-Fair-Standard garantiert eine partnerschaftliche Preisfindung und Sozialstandards etwa bei Erntehelfern.

Zur Website von Mani Bläuel

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