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Umwelt

Einst eine teure Delikatesse, heute ein Massenprodukt: Garnelen gibt es in jeder Tiefkühltruhe. Doch der enorme Boom der letzten Jahre hat ökologische Folgen. In kurzer Zeit sind die küstennahen Böden der Aquakulturen in Asien und Late

Genuß mit Folgen: Garnelen aus Aquakulturen Einst eine teure Delikatesse, heute ein Massenprodukt: Garnelen gibt es in jeder Tiefkühltruhe. Doch der enorme Boom der letzten Jahre hat ökologische Folgen. In kurzer Zeit sind die küstennahen Böden der Aquakulturen in Asien und Lateinamerika derart verschmutzt, daß sie Jahrzehnte zur Regeneration brauchen
31.03.1998
Genuß mit Folgen: Garnelen aus Aquakulturen Einst eine teure Delikatesse, heute ein Massenprodukt: Garnelen gibt es in jeder Tiefkühltruhe. Doch der enorme Boom der letzten Jahre hat ökologische Folgen. In kurzer Zeit sind die küstennahen Böden der Aquakulturen in Asien und Lateinamerika derart verschmutzt, daß sie Jahrzehnte zur Regeneration brauchen

Genuß mit Folgen: Garnelen aus Aquakulturen

Einst eine teure Delikatesse, heute ein Massenprodukt:Garnelen gibt es in jeder Tiefkühltruhe. Doch der enorme Boom der letztenJahre hat ökologische Folgen. In kurzer Zeit sind die küstennahenBöden der Aquakulturen in Asien und Lateinamerika derart verschmutzt,daß sie Jahrzehnte zur Regeneration brauchen.

Die Ursache für die Probleme mit dem einstigen Luxusartikel liegtin den Aquakulturen, die an zahlreichen Küsten Asiens und Lateinamerikaswie Pilze aus dem Boden schießen. Weltweit sind zirka 50 000 Anlagenmit einer jährlichen Produktionsmenge von mehr als 700 000 Tonnen inBetrieb. Hauptabnehmer sind Europa, die USA und Japan. Dort profitierendie Verbraucher - zumindest auf den ersten Blick - vom kostengünstigenAngebot.

Wie bei vielen neuen Wirtschaftszweigen, die zum "schnellen Geld"führen, treten die Folgen für Umwelt und Gesellschaft erst allmählichzu Tage. Längst haben sich jedoch die Lebensbedingungen der Küstenbewohnerin Ländern wie Indien, Bangladesh, China, Thailand, den Philippinenund Ecuador drastisch verschlechtert.

Da die Garnelen nur in Salzwasser aufgezogen werden können, sinddie Züchter auf küstennahe Standorte ihrer Teiche angewiesen,die sie mit Meeres- und Grundwasser fluten. Mit attraktiven Angeboten bringendie Aquakulturbetreiber die hierzu erforderlichen Flächen, darunterReisfelder und die für die Uferbefestigung so wichtigen Mangrovenwälder,in ihren Besitz. Den wenigsten Bewohnern der Küstendörfer istbei diesen Verkäufen bewußt, daß sie damit zum einen einewichtige Grundlage ihrer Selbstversorgung und wirtschaftlichen Aktivitätaufgeben und zum anderen die Lebensgrundlage der gesamten Dorfgemeinschaftgefährden.

Um eine möglichst hohe Produktivität der Garnelenzucht zu erzielen,werden große Mengen an Chemikalien eingesetzt: Pestizide gegen Algenwachstum,Antibiotika zur Verringerung der Krankheitsanfälligkeit und Wachstumshormone.Zudem ist ein regelmäßiger Austausch der Wassermengen erforderlich;täglich müssen 15 bis 20 Prozent des Wassers erneuert werden.Mit dem Abwasser gelangen große Mengen an Chemikalien ins nahe gelegeneMeer. Die Folge: Das ökologische Gleichgewicht wird empfindlich gestört.Dies hat einen deutlichen Rückgang des Fischbestandes zur Konsequenz.Hiervon sind insbesondere die traditionell wirtschaftenden Fischer betroffen.

Wertvolles Grundwasser wird
mit Chemikalien verseucht
Darüber hinaus beansprucht der hohe Bedarf der Aquakulturen an Frischwassergroße Mengen an wertvollem Grundwasser - für die Küstendorfbewohnerein unverzichtbares Trinkwasserreservoir. Zudem werden die Böden unddie Grundwasservorkommen im Umkreis der Teiche durch den hohen Chemikalieneinsatzund die organischen Abfälle - hierbei handelt es sich um Ausscheidungender Garnelen und um nicht verwertete Futterreste - in hohem Maße verschmutztund bakteriell verseucht. Aufgrund der bakteriellen Verunreinigung des Grundwasserskommt es innerhalb der Dorfbevölkerung zu einem besorgniserregend hohenAuftreten von Diarrhöe (Durchfall) und anderen Darminfektionserkrankungen.

Nach fünf bis zehn Jahren erreicht die Bodenverschmutzung in denFarmen ein so bedenkliches Ausmaß, daß die Aquakultur an demjeweiligen Standort eingestellt werden muß. Es vergehen Jahrzehnte,bis sich der Boden, wenn überhaupt, wieder regeneriert.

Die chemische Keule schlägt sich auch in den Garnelen nieder. DerenSchadstoffgehalte überschreiten vielfach die von der WHO festgelegtenGrenzwerte. Ferner ist in Betracht zu ziehen, daß die Garnelen inder Regel fast vollständig exportiert werden. Sie bereichern also nichtdas lokale Nahrungsangebot der einheimischen Bevölkerung, die vielfachunter einer unzureichenden Eiweißversorgung leidet. Vielmehr werdengroße Mengen an tierischen Proteinen in Form von Fischmehl an dieGarnelen verfüttert. Für die Produktion einer Tonne Garnelen werdennach Auskunft von Experten vier Tonnen Fischmehl benötigt - und füreine Tonne Fischmehl etwa fünf Tonnen Fisch. Um einen Ertrag von einerTonne Garnelen zu erzielen, werden demnach 20 Tonnen des wertvollen Eiweißlieferantenverbraucht. Wie sollen nun die VerbraucherInnen hierzulande darauf reagieren?Ein genereller Boykott ist nach Auffassung von Experten fragwürdig,zumal hiervon weltweit alle Garnelenfänge betroffen wären. Ebensoerscheint ein nach Herkunftsländern differenzierter Boykottaufruf nichtpraktikabel, da für die Verbraucher vielfach die Herkunft der Garnelennicht nachvollziehbar ist. Die in Deutschland gesetzlich vorgeschriebeneLebensmittelkennzeichnung gibt zwar Aufschluß über Name und Anschriftdes weiterverarbeitenden Betriebes, Verpackers oder Verkäufers. Allzuoft verschleiern jedoch diffuse Herkunftsangaben den genauen Ursprung desAusgangsproduktes.
Bleibt die Frage, ob Nordseegarnelen eine sinnvolle Alternative sein könnten.Deren Bestände sind jedoch in den achtziger Jahren deutlich zurückgegangen,eine Folge von Überfischung und Überdüngung der Nordsee.Solange die Fanggebiete der Krabbenfischer nicht ökologisch verträglichreglementiert werden, besteht weiterhin das Risiko einer Überfischung.
Eines steht auf jeden Fall fest: Der niedrige Verkaufspreis der Garnelenauf dem hiesigen Markt ist - nicht nur aufgrund der weiten Transportwegeund der energieaufwendigen Kühlverfahren - keinesfalls berechtigt.

Widerstand der Bevölkerung
zeigt erste Erfolge
In den betroffenen Ländern setzte der Widerstand gegen die bestehendenAquakulturen und den Bau weiterer Anlagen bereits Ende der achtziger Jahreein. In Indien beispielsweise wurde die lokale Bevölkerung durch diesüdindische Entwicklungsorganisation Prepare, die FrauenorganisationLaw-Trust sowie durch weitere nichtstaatliche Organisationen massiv unterstützt.Die breitangelegte Kampagne erreichte, daß der oberste indische Gerichtshofin Neu Delhi im Dezember 1996 die Schließung aller bestehenden Garnelenfarmenan der Küste sowie Entschädigungsleistungen für betroffeneFamilien verordnet. Das indische Urteil gibt Anlaß zu der Hoffnung,daß die Proteste auf internationaler Ebene weiter zunehmen und künftigbei der Garnelenzucht nachhaltige Produktionsverfahren in die Praxis umgesetztwerden. Entscheidend hierfür ist letztendlich das Verhalten der europäischenund amerikanischen Verbraucher.
Nina Weiler

Naturland-Richtlinien für
umweltverträgliche Alternativen
An positiven Beispielen für eine umweltverträgliche und artgerechteFischhaltung mangelt es nicht. Beispielsweise haben Naturland und BiolandRichtlinien für die "naturgemäße Aufzucht von Fischen"entwickelt. Sie umfassen alle Fischarten und Krebse. Im einzelnen enthaltendie Vorschriften detaillierte Anforderung zur geforderten Wasserqualität,Fütterung, zum Gesundheitszustand der Tiere etcetera. So haben dieZuchtfische, die nach den Naturland-Standards aufwachsen, die nötigeBewegungsfreiheit; sie erhalten Futter ohne synthetische Zusatzstoffe undkeinerlei vorbeugende Medikamente. Ferner darf ausschließlich Fischmehlund -öl von Tieren verfüttert werden, die aus sauberen Regionendes Atlantiks stammen. Und: Das der Tiernahrung beigemengte Getreide mußaus anerkannt ökologischem Landbau stammen. Fischprodukte mit dem Naturland-Zeichenwerden vereinzelt in Naturkostfachgeschäften geführt. Mitunterbietet der Biohandel auch Thunfischkonserven mit den Hinweisen an: "nichtaus Treibnetzfischerei" oder "mit der Angel gefangen".
Es versteht sich von selbst, daß Garnelen aus Aquakulturen nicht zumNaturkostsortiment gehören.

Vom Unterschied zwischen
Krabben und Garnelen
Breit ist die Palette an Fischspezialitäten und Meeresfrüchtenaus aller Welt. Die Geißelgarnelen, die seit einigen Jahren immerhäufiger auf dem Speisezettel stehen, kommen in fast allen wärmerenMeeren vor und werden hierzulande als Riesengarnelen oder auch - irreführenderweise- als Scampi bezeichnet. Ihr bekanntester Vertreter aus Asien ist der GiantTiger. Bei den Scampi hingegen handelt es sich um nahe Verwandte des Hummers.Allerdings sind sie mit einer Körperlänge von etwa 20 Zentimeterndeutlich kleiner.
Quasi als Pendant zu den Geißelgarnelen mit ihrem Verbreitungsgebietin wärmeren Meeren können die "nordischen" Tiefseegarnelen- diese stammen aus den nördlichen Meeren - betrachtet werden. Alswichtigste Art ist die Grönland - beziehungsweise Nordmeergarnele hervorzuheben.Mitunter wird sie auch als Shrimp bezeichnet.
Aus der Nordsee kennen wir die Speisekrabben. Auch in diesem Punkt ist dieAlltagssprache nicht ganz korrekt. Zoologisch gesehen sind Speisekrabbennämlich keine Krabben, sondern Garnelen. Anders als bei den echtenKrabben ist gerade der Hinterleib der Nordseegarnele gut ausgebildet undenthält das schmackhafte Fleisch. Speisekrabben heißen zoologischkorrekt Nordseegarnelen.

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