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Die integrierte Begriffsverwirrung

Standpunkt Die integrierte Begriffsverwirrung Der integrierte Landbau sorgt durch Werbung und Selbstdarstellung immer wieder für Verunsicherung. Obwohl es sich um eine im Prinzip konventionelle Anbauweise handelt, nehmen viele Verbraucher an, sie sei natur- und umweltgerecht. Elke Röder, Diplom-Agraringenieurin und seit 1989 Geschäftsführerin beim Bundesverband Naturkost Naturwaren Großhandel e
31.01.1998
Standpunkt Die integrierte Begriffsverwirrung Der integrierte Landbau sorgt durch Werbung und Selbstdarstellung immer wieder für Verunsicherung. Obwohl es sich um eine im Prinzip konventionelle Anbauweise handelt, nehmen viele Verbraucher an, sie sei natur- und umweltgerecht. Elke Röder, Diplom-Agraringenieurin und seit 1989 Geschäftsführerin beim Bundesverband Naturkost Naturwaren Großhandel e

Standpunkt

Die "integrierte" Begriffsverwirrung

Der "integrierte Landbau" sorgt durch Werbungund Selbstdarstellung immer wieder für Verunsicherung. Obwohl es sichum eine im Prinzip konventionelle Anbauweise handelt, nehmen viele Verbraucheran, sie sei natur- und umweltgerecht. Elke Röder, Diplom-Agraringenieurinund seit 1989 Geschäftsführerin beim Bundesverband Naturkost NaturwarenGroßhandel e.V. (BNN), meint, es ist an der Zeit, sich gegen die Begriffsverwirrungzu wehren.

Gesundheits- und umweltbewußte Verbraucher stehen beim Einkaufenhäufig vor einem Rätsel: "naturnaher Anbau"- ist dasnun ein Ausdruck für ein biologisches Produkt? Und was ist mit "integrierterAnbau" oder "kontrollierter Vertragsanbau?" Die Liste läßtsich noch weiter fortsetzen. Wortkreationen rund um den ökologischenLandbau sind ein beliebtes Mittel, um den Kunden glauben zu machen, daßdie Anbieter seinem Bedürfnis nach Umweltschutz, Gesundheit und Sicherheitentgegenkommen. Eine begriffliche Nähe zu dem, was sich heute als "ökologischeLandwirtschaft" oder kontrolliert biologischer Anbau (kbA)" imBewußtsein der Bevölkerung etabliert hat, als Absatzgarantie?

Was aber ist "integrierter Anbau"?
Hinter dieser Wortschöpfung verbirgt sich eine Anbaumethode, die Endeder 70er Jahre langsam in den Pflanzenbau eingeführt wurde. Die ständigsteigenden Kosten für Pestizide und deren Ausbringung rechtfertigtebereits seit langem den ökonomischen Nutzen nicht mehr. Auf der anderenSeite wuchs der Druck der Öffentlichkeit wegen der ausufernden Verwendungvon Pestiziden in der Landwirtschaft.

Das Konzept "integrierter Anbau" sieht vor, Pestizide (Präperategegen Schädlinge und Krankheiten) oder Herbizide (Unkrautvernichtungsmittel)nur dann einzusetzen, wenn tatsächlich von einem wirtschaftlichen Schadenausgegangen werden kann. Eine Selbstverständlichkeit? - Leider nicht!In der Landwirtschaft werden enorme Mengen an Pestiziden aufgrund der pauschalenEmpfehlungen der Anbieter ausgebracht. Ob diese Ausbringung tatsächlichnotwendig waren und ökonomisch sinnvoll sind, bleibt meist ungeprüft."Integrierter Anbau" ist nicht mehr und nicht weniger als "diegute pflanzenbauliche Praxis" der konventionellen Landwirtschaft.
"Ökologischer Landbau" dagegen ist die moderne, umweltfreundlicheSchlüsseltechnologie der Landwirtschaft. - Es geht dabei um wesentlichmehr als um das Weglassen von chemischen Pflanzenbehandlungsmitteln undmineralischem Dünger. Durch den Anbau von Leguminosen (Bohnen, Erbsenetc.), den Einsatz von Stallmist und Kompost kann auf den Feldern eine befriedigendeErnte erreicht werden, ohne daß wasserlösliche Stickstoffdüngereingesetzt werden. Der Einsatz der wasserlöslichen mineralischen Düngerführt häufig zu Auswaschungen beispielsweise von Stickstoffverbindungenin das Grundwasser, welches mit hohem finanziellem Aufwand aus öffentlichenKassen dann wieder gereinigt werden muß. Mit dem Einsatz von Stickstoffdüngernerzielt man zwar höhere Erträge. Aber häufig lagern diesestark gedüngten Kartoffeln, Salate und Gemüse die Stickstoffverbindungenwieder ein. Die Stickstoffverbindungen werden vom Menschen mitgegessen undfördern mit Sicherheit nicht dessen Gesundheit. - Der Einsatz des Stickstoffdüngerssteht am Beginn eines negativen Regelkreises für das gesamte System,während eine Landwirtschaft, die im Einklang mit der Natur arbeitet,die positiven Regelkreise zum Vorteil des ganzen Systems nutzt und dafürauf hohe Ernteerträge verzichtet.
Leider hat es in den letzten Jahrzehnten nicht an Bemühungen gemangelt,die Begriffe "bio" und "öko" zu mißbrauchenoder zu verfälschen. Deshalb hat die Europäische Gemeinschaft1991 eine Verordnung über den ökologischen Landbau beschlossen.Dieser Verordnung unterliegen alle Lebensmittel, die mit "bio","öko" oder ähnlichen Begriffen gekennzeichnet sind.Dies trifft bisher noch nicht auf tierische Erzeugnisse wie Milch und Fleischzu. Ein weiterer Kritikpunkt an der Verordnung ist, daß sie sich nichtdas Leitbild des Betriebsorganismus zu eigen gemacht hat. Teilumstellungensind möglich.

Zusätzlich zur Öko-Verordnung können die Kunden und Kundinnenauf ein etabliertes Qualitätssicherungskonzept der BundesverbändeNaturkost Naturwaren (BNN) und der AGÖL-Anbauverbände (Bioland,Demeter, Naturland, GÄA, Biopark, Anog, Biokreis-Ostbayern, Eco Vin,Ökosiegel) zurückgreifen. Die Richtlinien der AGÖL-Verbändeumfassen den gesamten Betriebskreislauf aus Boden, Pflanzen und Tieren undbegrenzen die ökologische Wirtschaftsweise nicht künstlich aufeinen Betriebszweig wie z.B. den Pflanzenbau oder noch stärker eingeschränkt:nur der Betriebszweig Obstbau wird ökologisch betrieben, währendder restliche Betrieb weiterhin konventionell geführt wird.

Aus dem Gesagten wird deutlich, daß weder Produkte aus "integriertemAnbau" noch aus "kontrolliert integriertem Anbau" noch Produkteaus "kontrolliertem Vertragsanbau" usw. irgend etwas im Naturkostladenzu suchen haben. Das Naturkostkonzept steht dafür, daß Produkteaus "ökologischem Anbau" ( der traditionelle Begriff dafürist kbA = kontrolliert biologischer Anbau) geführt werden.

Diese Unterscheidbarkeit der Begriffe kann den Verbrauchern durch dieim Frühjahr 1998 stattfindenden Aktionswochen Ökologischer Landbauerleichtert werden. In mehreren Bundesländern werden im Laufe des JahresVeranstaltungen und Aktivitäten rund um den ökologischen Landbauorganisiert. Die Bundesverbände Naturkost Naturwaren und ihre Mitgliederwerden sich mit einer Informationskampagne an den Aktionswochen beteiligen.

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