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Umwelt

Demenz aus der Dose

Aluminium kann krank machen. Ob in Deos, Alu-Folie oder unserer Nahrung – das Metall steckt überall drin. // Leo Frühschütz
31.03.2014
Aluminium kann krank machen. Ob in Deos, Alu-Folie oder unserer Nahrung – das Metall steckt überall drin. // Leo Frühschütz
Aluminium kann krank machen. Ob in Deos, Alu-Folie oder unserer Nahrung – das Metall steckt überall drin.Leo Frühschütz

Alu ist Alltag: Die Klappleiter, die Autofelge, die Bierdose. Sie alle wurden aus dem silbrig glänzenden, leichten Metall gemacht. Doch problematisch für unsere Gesundheit ist das Alu, das wir nicht sehen: Aluminium im Deo, im Essen, in der Medizin.

Aluminium ist das dritthäufigste Element der Erdkruste, nach Silicium und Sauerstoff. Doch dieses Aluminium ist fest in kristallinem Gestein gebunden. Das reine Leichtmetall lässt sich nur mit hohem Aufwand aus Bauxit gewinnen (siehe Kasten). Deshalb ist es – anders als Eisen, Blei oder Silber – erst in den letzten Jahrzehnten in großen Mengen in unser Leben getreten. Trotzdem wissen wir eine ganze Menge darüber, wie gefährlich Aluminium ist. In seiner biologisch aktiven Form als Aluminium-Ion reagiert es extrem schnell mit anderen Substanzen und wirkt schon in kleinsten Mengen.

Macht Alu dement?

Studien aus den 70er- und 80er- Jahren haben gezeigt, dass in Regionen, in denen das Trinkwasser mit Aluminiumverbindungen gereinigt wurde, mehr Menschen an Demenz erkrankten. Auch fanden Forscher in den zerstörten Nervenzellen von Alzheimerpatienten Aluminium. Studien, die vor allem von der Industrie finanziert waren, lieferten indes gegenteilige Ergebnisse, es kam zum Patt und die Alu-Alzheimer-These wurde zwischenzeitlich beerdigt.

Doch 2012 nahmen sich italienische Wissenschaftler Ferritin vor, ein Speicher- und Transportmolekül aus Eiweißen, in dem Tausende Eisenatome Platz haben. Sie entdeckten, dass bei Alzheimer-Patienten das Ferritin im Blut statt Eisen vor allem Aluminium enthielt. Dieses könnte ins Gehirn gelangen und dort Alzheimer auslösen, folgerten die Wissenschaftler. Seitdem wird diese These wieder heiß diskutiert.

Aluminium ist darüber hinaus ein bekanntes Nervengift, zudem gefährlich für die männliche Fortpflanzungsfähigkeit und die Entwicklung von Embryonen. Im Reagenzglas schädigte es das Erbgut von Brustzellen. Auch kann Aluminium den Energiestoffwechsel des Körpers durcheinanderbringen. Die Europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat 2008 die bis dahin üblichen Richtwerte drastisch verringert. Sie hält seither eine wöchentliche Aufnahme von einem Milligramm Aluminium je Kilogramm Körpergewicht für noch tolerierbar und schreibt, dass bereits jetzt ein Großteil der europäischen Bevölkerung etwas mehr Aluminium zu sich nimmt.

Es gibt keine Höchstwerte für Lebensmittel

Aus der Sicht der EFSA ist unsere Nahrung die wichtigste Aluminiumquelle. Viele Lebensmittel enthalten von Natur aus bis zu fünf Milligramm je Kilogramm. Etwas darüber liegen die Werte bei manchen Salaten, Spinat, Rucola und einigen Kräutern. Deutlich erhöht sind die Gehalte in Bohnen bei Kakao und deshalb auch in Schokolade. Gleiches gilt für Teeblätter, wobei sich im aufgebrühten Tee deutlich weniger Metall findet. Doch scheiden wir über 99 Prozent des Aluminiums, das wir mit der Nahrung zu uns nehmen, wieder aus. Nur wenige Millionstel Gramm bleiben im Körper.

Das gilt auch für das Aluminium, das wir trinken. Zahlreiche Wasserwerke verwenden Aluminiumsalze als Fällungsmittel, um Trübungen zu entfernen. Während es für Lebensmittel keine Höchstwerte gibt, sind in einem Liter Trinkwasser nur 0,2 Milligramm Aluminium erlaubt. Die örtlichen Wasserwerke geben Auskunft über die tatsächlichen Aluminiumgehalte und darüber, ob sie Aluminiumsalze einsetzen.

Interessant ist das vor allem, wenn Babys mit Säuglingsanfangsnahrung gefüttert werden. Denn Milch- oder Sojapulver enthalten bereits natürlich Aluminium. Werden diese Pulver nun mit Wasser angerührt, das am Grenzwert kratzt, kann das im Einzelfall eine Aluminiumbelastung über den empfohlenen Werten ergeben. Zwar gebe es keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass diese Mengen für Säuglinge gesundheitsschädlich seien, schreibt das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Vorsorglich rät das Institut jedoch zu Säuglingsnahrung mit einem möglichst geringen Aluminiumgehalt. Solche Alternativen bieten Naturkostläden. So teilt etwa der Bio-Hersteller Holle Baby Food mit, dass in der Säuglingsnahrung 1 Aluminium nicht nachweisbar sei.

Eine Grundbelastung an Aluminium nehmen wir also über die Nahrung zu uns. Umso wichtiger ist es, zusätzliche Mengen zu vermeiden. Eine Quelle ist Aluminium als Verpackungsfolie oder Kochgeschirr. Säure und Salz zerstören die dünne Oxidschicht, die sich natürlicherweise auf dem Aluminium bildet und können dadurch Aluminium lösen.

Zusätzliche Belastung vermeiden

Deshalb sollten saure und sehr salzige Lebensmittel wie Apfelmus, Tomatenpüree oder Sauerkraut nicht in Kontakt mit Alufolie oder Alukochgeschirr treten. Alu-Tuben sind innen lackiert. Dosen für Lebensmittel bestehen aus ebenfalls lackiertem Weißblech und nur selten – etwa bei Getränken – aus Aluminium.

Eine weitere vermeidbare Quelle sind Zusatzstoffe wie E 173 oder E 520, deren Anwendung seit 2014 durch die EU allerdings deutlich eingeschränkt ist. Für Bio-Lebensmittel sind aluminiumhaltige Zusatzstoffe sowieso verboten. Und selbst Mittel gegen Sodbrennen haben es in sich: Sie enthalten, wie etwa auch die meisten Impfungen, hohe Dosen an Aluminiumhydroxid, um die Wirkung zu verstärken. Auf diesem Weg gelangen die Mengen direkt in den Körper (siehe Interview oben). Auch manche Kosmetikartikel enthalten Aluminium – allen voran Deodorants. Als wirkungsvollen Muffelschutz beinhalten konventionelle Produkte häufig Aluminiumchlorid, also synthetische Aluminiumsalze.

Brustkrebs durch Deos

Britische Forscher fanden erhöhte Aluminiumgehalte in der Flüssigkeit von Brustzysten. Außerdem traten demnach Zysten und Brustkrebs gehäuft in dem Viertel der Brust auf, das sich direkt neben der Achselhöhle befindet. Die Behörden in Frankreich und Norwegen schätzen, dass bei gesunder Haut maximal 0,6 Prozent des aufgetragenen Aluminiums im Deo in den Körper gelangen. Bei verletzter Haut könnten es bis zu 18 Prozent sein. Das BfR empfiehlt deshalb, „übermäßigen Gebrauch“ von alu-haltigen Deos nach der Rasur zu vermeiden. Skepsis auch bei Kristalldeos mit Alaun, einem natürlich vorkommenden Aluminiumsalz. Ob dieses bedenkenlos benutzt werden kann, sei wegen fehlener wissenschaftlicher Belege unklar.

Eine große Auswahl Alu-freier Deos bietet die Naturkosmetik. Sie versprechen langanhaltende Frische etwa durch ätherische Öle auf Zitrusbasis, mithilfe von Salbei oder Lindenblüten.

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