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Umwelt

Biosonnencreme vor dem Aus?

Im Jahr 2004 bekam die Edelweiß-Sonnencreme von Weleda den Innovationspreis Naturkosmetik. Jetzt soll die Creme vom Markt genommen werden – wegen einer laut Herstellern zweifelhaften EU-Verordnung. // Manfred Loosen
31.07.2008

Im Jahr 2004 bekam die Edelweiß-Sonnencreme von Weleda den Innovationspreis Naturkosmetik. Jetzt soll die Creme vom Markt genommen werden – wegen einer laut Herstellern zweifelhaften EU-Verordnung. // Manfred Loosen

Die Firma Weleda verkauft ab 2009 zunächst überhaupt keine Sonnenschutzmittel mehr. Grund: Vor fast zwei Jahren formulierte die EU-Kommission ihre „Empfehlungen über die Wirksamkeit von Sonnenschutzmitteln und diesbezügliche Herstellerangaben“. Diese sind zwar nicht bindend; die Kommission erwartet aber trotzdem eine Reaktion der Industrie. Die EU empfiehlt, dass jedes Sonnenschutzmittel einen UV-B-Schutz aufweisen und außerdem mindestens zu einem Drittel auch vor UV-A-Strahlen schützen sollte. Aus Sicht mancher Naturkosmetikfirmen ist diese Festlegung willkürlich und stellt die Firmen vor ein Problem, weil sie nur mit natürlichen Komponenten arbeiten. „Nach aktuellem Stand der Technik ist es für uns schwierig, die EU-Vorgaben ohne den Zusatz von synthetischen Filtern für marktgängige Produkte umzusetzen“, sagt Sonja Dambach, Sprecherin bei Weleda. Deshalb habe man sich entschlossen, die Sonnenschutzmittel auslaufen zu lassen. Und etliche Biohersteller haben ein weiteres Problem: Nur mit mineralischen Filtern gelingt es ihnen bisher nicht, hohe Lichtschutzwerte (mehr als LSF 30) zu erzielen. Da die Verbraucher zu starkem Sonnenschutz tendieren, müssen die Naturkosmetik-Hersteller aber zumindest LSF 30 samt einem Drittel UV-A-Schutz schaffen, um wettbewerbsfähig zu sein. Das sei nicht ohne weiteres möglich, sagt Weleda-Sprecherin Dambach. Erhöht man den Lichtschutzfaktor durch mineralische Filter, würde sich die Konsistenz des Produkts nachteilig verändern. Beim Hersteller Logocos diskutiert man noch, wie es beim Sonnenschutz der Marke Sante weitergehen soll. Auch bei Dr. Hauschka prüft man, wie ein Sonnenschutzmittel zu produzieren ist, das den EU-Empfehlungen entspricht. Nur Lavera hat nach eigenen Angaben bereits den größten Teil seiner Produktpalette auf Basis natürlicher Komponenten umgestellt. Wie die Firma das geschafft hat? Betriebsgeheimnis.

Was die Europäische Union weiter fordert

Zu den EU-Empfehlungen in Bezug auf Sonnenschutzmittel gehört auch, dass Aussagen wie „Sunblocker“ oder „Schutz für den ganzen Tag“ nicht mehr zulässig sind. Außerdem sollen Hinweise auf den Verpackungen vor exzessivem Sonnenbaden warnen. Die EU schlägt zudem vor, die Schutzwirkung von Sonnencremes nur noch in den vier Stufen „niedrig“, „mittel“, „hoch“ und „sehr hoch“ anzugeben. Als „niedrig“ gelten Lichtschutzfaktoren (LSF) kleiner 15, „mittel“ entspräche dann LSF 15 bis 25, „hoch“ stünde für 30 bis 50 und „sehr hoch“ dürften sich nur Cremes mit einem LSF 50 plus nennen.

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