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Umwelt

Biobetriebe verlieren Zulassung

Die Öko-Kontrolle hat gegenüber RoBert’s Biogeflügel, dem dazugehörenden Gefügelhof und einem dritten Betrieb der Familie Franzsander schwere Vorwürfe wegen Betrugs erhoben und ein Vermarktungsverbot erteilt. // Leo Frühschütz
28.02.2009

Die Öko-Kontrolle hat gegenüber RoBert’s Biogeflügel, dem dazugehörenden Gefügelhof und einem dritten Betrieb der Familie Franzsander schwere Vorwürfe wegen Betrugs erhoben und ein Vermarktungsverbot erteilt. // Leo Frühschütz

Der Biounternehmer Berthold Franzsander hat nach Angaben der Öko-Kontrollbehörde in Nordrheinwestfalen seit 2005 mehr als 3 000 Tonnen konventionelle Futtermittel gekauft und zumindest zum Teil auf seinem Biogeflügelhof an Puten, Masthühner und Zuchttiere verfüttert. Das Fleisch verarbeitete und vermarktete er zusammen mit den Erzeugnissen mehrerer anderer Biobauern über seine Firma RoBert’s Biogeflügel auch an Bioläden. Über eine dritte Firma hatte er zudem seit 2004 rund 1000 Tonnen konventionelles Fleisch eingekauft.

Die Firma konnte keine Belege über den weiteren Verbleib dieser Einkäufe vorlegen. Es besteht der Verdacht, dass Teile davon als Biofleisch vermarktet wurden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Nach Bekanntwerden des vermutlichen Betrugs nahmen die Händler RoBert’s-Produkte aus den Regalen. Betroffen waren auch Babygläschen mit Geflügelfleisch von mehreren Herstellern.

Die drei Biobetriebe Franzsanders wurden vom Markt ausgeschlossen. RoBert’s Biogeflügel hat Ende Januar 2009 den Betrieb eingestellt. Das Unternehmen hatte zuletzt mit rund 40 Mitarbeitern über acht Millionen Euro Umsatz gemacht. Für die Branche war die Aufdeckung ein Schock. Denn Franzsander hatte bereits 1994 den elterlichen Hof auf Bio umgestellt. Mit einer Stallfläche von insgesamt 16 000 Quadratmetern und 520 Hektar Ackerland zählte der Betrieb zu den großen Geflügelerzeugern. Berthold Franzsander und seine Frau Roswitha galten als untadelige Biogeflügel-Pioniere, waren Partner von Bioland und Demeter. Beide Verbände haben die Verträge mit ihnen inzwischen gekündigt.

Die Tatsache, dass Franzsander so lange unentdeckt arbeiten konnte, hat zu einer Debatte darüber geführt, wie das Öko-Kontrollsystem verbessert werden kann. Bioland hat verstärkte Kontrollen für Unternehmungen mit mehreren Betrieben angekündigt. Die Ermittlungen im Fall Franzsander waren bei Redaktionsschluss noch nicht abgeschlossen. Aktuelle Informationen gibt es unter www.naturkost.de

Ihre Meinung ist uns wichtig!

Der Fall Franzsander hat uns sehr überrascht. Trifft er die Biobranche doch an einem wichtigen Punkt: Vertrauen. Was denken Sie darüber? Hat sich Ihre Einstellung zu „Bio“ durch diesen Vorfall verändert? Oder sind Sie beruhigt, dass die Kontrolle ein vermutlich „schwarzes Schaf“ entdeckt hat? Schreiben Sie uns

leserservice@bioverlag.de

Schrot&Korn-Leserservice
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63704 Aschaffenburg

Oder diskutieren Sie im Internet unter www.schrotundkorn.de/biobetrug

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