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Bio-Soja aus deutschen Landen, frisch auf den Tisch? Seit vergangenem Jahr ist das keine Utopie mehr. Am milden Oberrhein starteten Bio-Bauern den bislang größten Versuch, die sonnenverwöhnten Bohnen an das hiesige Klima zu gewöhnen.

Bio-Soja aus deutschen Landen ist keine UtopieBio-Soja aus deutschen Landen, frisch auf den Tisch? Seit vergangenem Jahr ist das keine Utopie mehr. Am milden Oberrhein starteten Bio-Bauern den bislang größten Versuch, die sonnenverwöhnten Bohnen an das hiesige Klima zu gewöhnen. Auf diese Weise soll eine gentechnische Verschmutzung verhindert werden
31.03.1998
Bio-Soja aus deutschen Landen ist keine UtopieBio-Soja aus deutschen Landen, frisch auf den Tisch? Seit vergangenem Jahr ist das keine Utopie mehr. Am milden Oberrhein starteten Bio-Bauern den bislang größten Versuch, die sonnenverwöhnten Bohnen an das hiesige Klima zu gewöhnen. Auf diese Weise soll eine gentechnische Verschmutzung verhindert werden

Bio-Soja aus deutschen Landen ist keine Utopie

Bio-Soja aus deutschen Landen, frisch auf den Tisch? Seitvergangenem Jahr ist das keine Utopie mehr. Am milden Oberrhein startetenBio-Bauern den bislang größten Versuch, die sonnenverwöhntenBohnen an das hiesige Klima zu gewöhnen. Auf diese Weise soll einegentechnische Verschmutzung verhindert werden. Weil in den USA Gen-Sojaboomt, hat der Anbau in Deutschland Aktualität und Brisanz bekommen.

Um es vorwegzunehmen: Das Experiment am Oberrhein war ein voller Erfolg.Die Ernte des Vorjahrs brachte überdurchschnittlich gute Erträge.Mit den 140 Tonnen kann der Freiburger Tofu-Hersteller Life Food (Taifun),der Initiator des Projekts, bereits die Hälfte seines Jahresbedarfsdecken. Ende April/Anfang Mai beginnt mit der zweiten Aussaat die nächsteRunde. Und weil die Bauern so zufrieden sind, kommen in diesem Jahr dreineue Landwirte hinzu. Die gesamte Anbaufläche für Bio-Soja inder badischen Rheinebene steigt damit auf mehr als 100 Hektar.

Life-Food-Geschäftsführer Wolfgang Heck, der das Projekt initiierte,träumte schon lange von einem "Anbau in der Region". Deneigentlichen Anstoß gab jedoch der amerikanische Chemiegigant Monsantomit seinem manipulierten Soja, das mit einem eingepflanzten Bakterien-Gengegen das Totalherbizid "Round up" desselben Herstellers widerstandsfähiggemacht wurde (siehe auch S&K 11/96). Als einer der ersten erkannteHeck, welch gefährliche Welle seit Sommer 1996 auf den deutschen Naturkosthandelzurollt. "Wenn wir gentechnikfreie Lebensmittel garantieren wollen,müssen wir uns um die Erzeuger kümmern", lautet die Losungbei Taifun. Im konkreten Fall hieß das: Weg von den Importen aus Kanada,hin zu überschaubaren Strukturen. Zu anonym sind in Hecks Augen dieHandelsbeziehungen über den großen Teich hinweg. Seine Horrorvision:Falls wirklich bei Anbau, Lagerung oder Transport einmal etwas schiefgehensollte und eine gentechnische Verschmutzung in einem Bioprodukt aus Sojanachgewiesen würde, könnte man kaum nachvollziehen, wie es dazukam.
Denn der Anteil von gentechnisch veränderten Bohnen aus den USA, wächstexplosionsartig. Lag die transgene Ware 1996 noch bei 1,5 Prozent, so hattesie ein Jahr später bereits 15 Prozent der US-Ernte erobert. Fürdieses Jahr geht die Firma von einer weiteren kräftigen Steigerungaus.
Die Skepsis gegenüber den Importen richtet sich keineswegs gegen diefrüheren Lieferanten. "Natürlich gibt es in den USA und Kanadasehr gute Bio-Bauern", betont Heck. Ihm geht es um die Struktur. Weilein überschaubares Netz persönlicher Kontakte fehlt, haben dieTaifun-Leute bei der Übersee-Ware ganz einfach Sorge, wie sich derSoja-Markt entwickelt. Schließlich wollen die Freiburger ihren Hinweis"ohne Gensoja" auch langfristig aufs Etikett schreiben. Und: Durchdie Umstellung hat das ganze Team mittlerweile einen viel direkteren Bezugzu dem Rohstoff. "Ich kann jetzt jederzeit aufs Feld gehen und mitden Bauern reden", verdeutlicht Heck den entscheidenden Vorteil beimheimischen Anbau Das gilt sowohl für die Äcker vor den Toren Freiburgsals auch für den regen Kontakt mit zwei anderen Taifun-Anbauprojektenin Südfrankreich und Ungarn. In der Gascogne wurden 1997 rund 100 Tonnengeerntet, der Jahresbedarf von Taifun liegt bei 300 Tonnen.

Aber funktioniert das überhaupt, die kälteempfindliche Pflanzein Deutschland zu kultivieren? Heck verweist auf die Zahlen des deutschenSoja-Förderrings. So wurde der Eiweißspender im Jahr 1994 immerhinauf 450 Hektar in mehreren Bundesländern angebaut, allerdings fastausschließlich im konventionellen Bereich. Weil für konventionelleWare die Weltmarktpreise inzwischen in den Keller gingen, lohnt sich derAnbau hierzulande kaum noch. Die Hoffnungen des Sojarings richten sich deshalbmehr auf Biobohnen, denn für gute und garantiert gentechnikfreie Qualitätist der umweltbewußte Verbraucher bereit, mehr zu zahlen. Zudem wardas Angebot von Life Food so fair, daß sich die Sache für dieLandwirte durchaus rechnete.
Zu kalt für das "Fleisch Asiens" ist Deutschland jedenfallsnicht. Schließlich gibt es weltweit mehr als 3 000 Sorten, da istpraktisch für jedes Klima und jeden Boden eine dabei. Freilich kommtes darauf an, eiweißspendende Sorten auszusuchen, sonst geht die Rechnungnicht auf. Dennoch wird selbst die "Toscana Deutschlands" niemalsso hohe Erträge abwerfen wie die privilegierten Anbaugebiete der USA.

Und sonst keine Probleme? Doch, eine ausreichende Wasserzufuhr ist zumBeispiel das A und O. Dank der guten Böden in der Oberrheinebene kamendie "Taifun-Landwirte" bisher allerdings ohne Beregnung aus. HecksHauptsorge aber lag woanders: "Das Problem ist, saubere Ware zu bekommen".Bei schlechtem Erntewetter verschmieren deutsche Mähmaschinen die Bohnen,weil sie auf Getreide ausgelegt sind. Eigens eine Maschine für Sojazu kaufen (wie in den großen amerikanischen Anbaugebieten) ist beiden vergleichsweise geringen Mengen nicht drin.

Gebastelt wird an
einer Weltneuheit
Im vergangenen Jahr hatten die badischen Bio-Bauern aber Glück. Nacheinem eher durchwachsenen Frühsommer gab's einen sensationellen September.Die Ernte fand bei herrlichem Wetter statt, und die zentrale Reinigung inder Dachswanger Mühle, auf die man sich vorher verständigt hatte,machte weit weniger Mühe als befürchtet. Für die Zukunftwollen die 30 Taifun-Leute, die 1997 als erster Betrieb in der "Umwelthauptstadt"Freiburg das ' ' Öko-Audit erhalten haben, das Problem mit der Sauberkeitnoch tiefer an der Wurzel packen. Sie basteln an einer Weltneuheit, derSojabohnen-Naßschälanlage. Die spart Energie und macht den Tofu-Spezialistenunabhängiger von den Launen des Wettergottes.

Im vergangenen Herbst war das wie gesagt kein Thema, da hatten alle BeteiligtenGrund zum Strahlen. "Die Temperaturen brachten einen richtigen Schubfür Menge und Qualität", freut sich Heck mit "seinen"Bauern. Sogar ohne den EU-Zuschuß von tausend Mark pro Hektar (der1998 reduziert wird) wollen die Landwirte zwischen Pfalz und MarkgräflerLand bei der Stange bleiben.
Eitel Sonnenschein also auch bei denen, für die die Bohne Neuland war.Andere brachten dagegen schon Erfahrungen mit, etwa aus der ökologischenHühnerfutterproduktion zum Eigenbedarf. Tips und Erfahrungen wurdenauf kurzen Wegen ausgetauscht, die ursprünglich vorgesehene externeBeratung war gar nicht nötig.

Das schließt individuelle Lösungen keineswegs aus. "Vorallem bei den Beikräutern ist jeder seinen eigenen Weg gegangen",berichtet Heck. Der eine wollte sein Feld picobello sauber halten und investierte420 Mark Lohnkosten (pro Hektar) fürs Ausrupfen. Der andere sah denWildwuchs lockerer und nahm eine gewisse Einbuße beim Ertrag in Kauf.

Keine Frage, der Druck durch die Beikräuter ist das zentrale Problembeim Biosoja-Anbau in deutschen Landen, eine Patentlösung gibt es nachHecks Erfahrungen noch nicht. Wichtig ist das richtige Saatgut, die geeigneteFruchtfolge, ein sauberer Acker vor der Aussaat und rechtzeitiges Striegelnoder Eggen (mechanische Behandlungen mit der Maschine) im Frühstadium,wenn die Sojapflanzen noch nicht gekeimt sind. Die Erfahrungen am Oberrheinjedenfalls stimmen optimitisch.

Zusammen mit den Projekten in der Gascogne und in Ungarn ist Taifun mittlerweilevöllig unabhängig von Übersee-Importen. Mehr noch: "Wirkönnten die europäische Ware auch anderen Sojaverarbeitern anbieten",bestätigt Heck.
Peter Gutting

Kampf gegen Gen-Soja
längst nicht verloren
Immer wieder geistern Meldungen durch die Presse, daß die meistenkonventionellen Lebensmittel, die Soja enthalten, bereits genmanipuliertseien. Dem ist aber nach dem Kenntnisstand von Greenpeace nicht so. DieUmweltschützer haben im Rahmen ihrer Aktion "Einkaufsnetz"eine Firmenliste erstellt, nach der der überwiegende Teil der Produkte(noch) gentechfrei ist. Zumindest versichern 200 Hersteller, daß siederzeit keine Ware mit manipulierten Bestandteilen im Programm haben. Lediglich15 Unternehmen wolten sich zu dem Thema nicht äußern. Bei ihnenläßt sich somit der Verdacht auf "Franken-Food" nichtvon der Hand weisen. Allerdings schließen die Umweltschützernicht aus, daß sich die Lage ändern könnte. Derzeit preschedie Firma Nestlé gezielt mit dem Versuch vor, Gentech- Produkte salonfähigzu machen. Darüber hinaus stieß Greenpeace im Tierfutterbereichauf alarmierende Ergebnisse. Mehr als die Hälfte der Proben enthieltgenverändertes Soja. Jedoch gibt es auch in der konventionellen LandwirtschaftInitiativen, auf Gen-Soja zu verzichten. Noch, so die Einschätzungvon Greenpeace, ist der Kampf um gentechfreie Lebensmittel längst nichtverloren.

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