Umwelt

Bio-Siegel im Überblick

Was unterscheidet "EU-Bio" von "Verbands-Bio"? Und welche Bio-Siegel gibt es überhaupt? Wir erklären es euch.

In Deutschland gibt es neun Bio-Anbauverbände. Deren Mitglieder kennzeichnen ihre Produkte mit dem jeweiligen Bio-Siegel. Die Verbände unterscheiden sich in Mitgliederzahl und Flächengröße voneinander. Manche, etwa Ecovin, kümmern sich außerdem nur um bestimmte Produktionsbereiche der Landwirtschaft. Ihre Ideen von Bio-Landwirtschaft und Öko-Anbau unterscheiden sich zudem, wenn es beispielsweise um Tierhaltung, um Biodiversität oder die grundsätzliche Ausrichtung geht.

Was ist der Unterschied zwischen EU-Bio-Siegeln und Verbands-Bio-Siegeln?

Und dann gibt es ja noch das gesetzlich vorgeschriebene EU-Bio-Siegel. Es wird von staatlichen Kontrollstellen vergeben.

Bio nach EU-Verordnung

Am deutschen Bio-Siegel (Sechseck) und dem Bio-Siegel der EU (Blatt) erkennt man Lebensmittel, die nach den Standards der EU-Öko-Verordnung hergestellt wurden.

Die Pflichtkennzeichnung steht für diese europäischen Öko-Anbau-Richtlinien. Das Deutsche Bio-Siegel kann freiwillig abgedruckt werden, es kennzeichnet allerdings die gleichen Richtlinien wie das EU-Siegel.

Kurzer Schwenk in die Geschichte: Die EU-Öko-Verordnung wurde 1992 eingeführt. Rund 30 Jahre später folgte eine überarbeitete Fassung, die alle Bio-Betriebe seitdem anwenden.

Im Vergleich zu den Vorschriften der Bio-Anbauverbände sind die Kriterien des EU-Biosiegels meist weniger streng. Sie erlauben zum Beispiel mehr Zusatzstoffe und auch, dass Landwirt:innen nur einen Teil ihres Hofs auf ökologische Landwirtschaft umstellen.

Bioland

  • größter deutscher Bio-Verband, gemessen nach Anzahl der Betriebe als auch nach bewirtschafteter Fläche
  • mehr als 8.900 Bio-Betriebe, 535.800 Hektar bewirtschaftete Fläche
  • Bei Gründung 1971 stand Hans Müller, "Vater" der organisch-biologischen Land­wirtschaft, Pate

Bioland hat einen Ableger in Südtirol und kooperiert mit dem Anbauverband Gäa. Mitglied bei Bioland sind auch viele Verarbeiter:innen, besonders Bäckereien. Eine zugehörige Stiftung engagiert sich für Bodenschutz und Biodiversität. Bioland hat im Vergleich zu EU-Bio teils strengere Vorgaben. Zum Beispiel:

  • Alle Betriebe erbringen Biodiversitäts-Zusatzleistungen
  • Die Anbindehaltung ist auch in kleinen Betrieben verboten
  • Mindestens die Hälfte des Futters stellen die Betriebe selbst her

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Naturland

Naturland

  • gegründet 1982 in Bayern, international aktiv
  • zweitstärkster Bio-Verband nach Mitgliedern
  • in Deutschland: 4.500 Erzeugerbetriebe, 286.400 Hektar landwirtschaftliche Nutzfläche, 53.000 Hektar Wald

Naturland ist ein Bio-Verband, der auch Zuchtfisch, Holz und Naturkosmetik zertifiziert. Er engagiert sich außerdem international und im fairen Handel. Dazu gibt es die Zertifizierung "Naturland Fair": Sie vereint ökologische Wirtschaftsweise und fairen Handel. Naturland hat im Vergleich zu EU-Bio teils strengere Vorgaben. Zum Beispiel:

  • mehr Stall- und Auslauffläche bei Geflügel
  • strengere Vorgaben zu Futtermitteln, auch zugekauftes Futtermittel muss Naturland zertifiziert sein

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Biokreis

Biokreis

  • Entstand 1979 als regionale Erzeuger-Verbraucher-Gemeinschaft in Ostbayern
  • Inzwischen in weiteren Bundesländern tätig
  • großes Augenmerk auf regionales Wirtschaften
  • mehr als 1.300 Bio-Betriebe, 82.200 Hektar Fläche

Die meisten Mitglieder haben ihre Höfe in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Mitteldeutschland. Biokreis war der Vorreiter für Kooperationen mit Hotel/Gastronomie, Tiernahrung und Bioleder und hat für diese Bereiche Vorgaben entwickelt. Biokreis hat im Vergleich zu EU-Bio teils strengere Vorgaben. Zum Beispiel:

  • bei den Mitteln und Maßnahmen zum Pflanzenschutz
  • Geschlechtserkennung im Ei ist verboten, Bruderhähne müssen mit aufgezogen werden

Biopark

Biopark

  • 1991 in Mecklenburg-Vorpommern gegründet
  • Lehnt sich organisatorisch an Deutschen Bauernverband an
  • 514 Bio-Betriebe, 111.400 Hektar Fläche

Mitglieder des Anbaubetriebs Biopark beliefern überwiegend den Lebensmitteleinzelhandel. Der Verband arbeitet eng mit Naturschutzverbänden wie dem WWF zusammen und hat viele Betriebe mit sehr großen Flächen - von denen wiederum liegen viele in Natur- und Landschaftsschutzgebieten.

Besonders ist eine Kooperation, die fünf Biopark-Betriebe mit elf konventionell wirtschaftenden Betrieben eingingen: Sie entwickelten gemeinsam die fast 10.000 Hektar umfassende, erste deutsche gentechnikfreie Zone. Biopark hat im Vergleich zu EU-Bio teils strengere Vorgaben. Zum Beispiel:

  • Mitglieder müssen Biodiversitäts-fördernde Maßnahmen umsetzen
  • 70 % oder mehr der Futtermittel müssen aus dem Betrieb oder regionalen Kooperationen stammen

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Demeter

  • 1924 gegründet - ältester deutscher bio-Anbauverband, international aktiv
  • basierend auf den Lehren von Rudolf Steiner
  • wirtschaften nach biologisch-dynamischer Methode
  • Die Richtlinien gelten als die strengsten in der Bio-Branche
  • 1.780 Bio-Betriebe, 106.800 Hektar Fläche

Viele Demeter-Betriebe setzen auf Direktvermarktung, sie verkaufen ihre Produkte aber auch über den Naturkostfachhandel. Die Kreislaufwirtschaft im eigenen Betrieb spielt bei Demeter-Landwirt:innen eine entscheidende Rolle. Demeter hat im Vergleich zu EU-Bio teils strengere Vorgaben. Zum Beispiel:

  • Die Mitglieder müssen 10 Prozent ihrer Nutzflächen als Biodiversitätsflächen vorhalten
  • Mindestens 60 Prozent der Futtermittel müssen die Betriebe selbst anbauen
  • Enthornen von Tieren ist verboten

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Ecoland (in Baden-Württemberg)

  • 1997 von Bio-Landwirt:innen gegründet
  • stark in der regionalen Vermarktung engagiert
  • 67 Bio-Betriebe, 3.385 Hektar Fläche

Der kleinste deutsche Anbauverband will landwirtschaftliche Kulturlandschaft erhalten und fördern, regional in Baden-Württemberg, aber auch weltweit. Ecoland hat im Vergleich zu EU-Bio teils strengere Vorgaben. Zum Beispiel:

  • 50 % oder mehr der Futtermittel müssen aus dem Betrieb stammen
  • In Laufställen muss jedes Tier einen Liege- und Fressplatz haben

Ecovin

  • Die meisten deutschen Bio-Winzer gehören dem 1985 gegründeten Verband an
  • 241 Bio-Betriebe, 2.720 Hektar Weinbau-Fläche

Etwa ein Viertel der deutschen Winzer:innen, die ökologisch wirtschaften, sind Mitglied bei Ecovin. In jedem der deutschen Weingebiete finden sich auch Ecovin-Winzer:innen. Das dazugehörige Siegel zeichnet besonders seine strengen Keltereiregeln aus - die EU-Öko-Verordnung macht hierzu keine Vorgaben.

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Gäa (im Osten Deutschlands)

  • 1989 in Sachsen gegründet, Schwerpunkt im Osten Deutschlands
  • Kooperation mit Bioland
  • 442 Bauern, 43.800 Hektar Fläche

Der eher kleine Bio-Anbauverband möchte regionale Strukturen stärken und die Weiterverarbeitung der Öko-Erzeugnisse im Osten voranbringen. Gäa hat im Vergleich zu EU-Bio teils strengere Vorgaben. Zum Beispiel:

  • Die Anbindehaltung ist verboten, auch in Kleinbetrieben
  • Die Geschlechtserkennung im Ei ist als Selektionsmethode verboten

Verbund Ökohöfe

  • 2007 gegründet in Sachsen-Anhalt
  • kooperiert bei der Zertifizierung von Bio-Rohwaren mit Naturland
  • 127 Bio-Betriebe, 16.000 Hektar Fläche

Der Verband ist, verglichen mit den anderen, noch recht jung. Er ging aus Gäa-Landesverbänden hervor und betreut Betriebe in den ostdeutschen Bundesländern. Der Verbund Ökohöfe engagiert sich besonders stark gegen die Agro-Gentechnik. Der Verbund Ökohofe hat im Vergleich zu EU-Bio teils strengere Vorgaben. Zum Beispiel:

  • Enthornen der Tiere ist verboten
  • Bruderhähne müssen mit aufgezogen werden

Wieso, weshalb, warum Bio-Siegel - ein FAQ

Wer darf Bio-Siegel verwenden?

Nur zertifizierte Bio-Betriebe - sie müssen die Richtlinien der EU-Öko-Verordnung oder der jeweiligen Bio-Anbauverbände erfüllen, siehe oben. Die Einhaltung dieser Standards wird regelmäßig von staatlichen oder privaten Kontrollstellen überprüft. Die Anbauverbände haben eigene Kontrollgremien.

Wer vergibt und kontrolliert Bio-Siegel?

In Deutschland ist das EU-Bio-Siegel eine gesetzliche Kennzeichnung, die durch staatliche Behörden überwacht wird. Bio-Anbauverbände wie Bioland, Naturland oder Demeter haben eigene Siegel und führen ebenfalls regelmäßige Kontrollen durch.

Wer hat das Bio-Siegel erfunden?

Das EU-Bio-Siegel wurde 1992 mit der Einführung der EU-Öko-Verordnung eingeführt. Ziel war es, ein einheitliches System zur Kennzeichnung von Bio-Produkten innerhalb der EU zu schaffen. Nationale und verbandsspezifische Siegel, wie das deutsche Bio-Siegel oder die Siegel der Bio-Anbauverbände, entstanden teils schon vorher. Zum Beispiel das Siegel von Demeter - der älteste deutsche Anbauverband wurde schon vor mehr als 100 Jahren gegründet.

Wie viele Bio-Siegel gibt es?

In Deutschland gibt es neben dem EU-Bio-Siegel und dem deutschen Bio-Siegel neun Bio-Anbauverbände mit eigenen Siegeln, nämlich Bioland, Naturland, Demeter, Biokreis, Biopark, Ecoland, Ecovin, Gäa und der Verbund Ökohöfe. Bisher kommen dazu noch viele weitere Bio-Siegel, die von verschiedenen Organisationen vergeben werden, etwa Unternehmen selbst. 

Die Greenclaims Directive der EU will das ändern: Unternehmen sollen Aussagen zur Umweltfreundlichkeit nur dann auf Produkten bewerben und als Siegel auszeichnen dürfen, wenn diese wissenschaftlich belegbar und von unabhängigen Prüfstellen nachweisbar sind. Die Richtlinie will damit Green Washing eindämmen.

Wie fair sind Bio-Siegel für Kleidung?

Für Kleidung gibt es spezielle Bio-Siegel, die ökologische und soziale Standards berücksichtigen. Dazu zählen beispielsweise GOTS (Global Organic Textile Standard) und IVN Best.

Welche Bio-Siegel gibt es für Kosmetik?

Für Kosmetik gibt es spezielle Bio-Siegel wie das BDIH-Siegel, NaTrue und Ecocert. Diese Siegel garantieren unter anderem für:
- biologisch angebaute Rohstoffe
- den Verzicht auf synthetische Duft- oder Konservierungsstoffe 
- umweltfreundliche Produktion ohne Tierversuche

Sind Bio-Siegel und Öko-Siegel das gleiche?

Ja, Bio-Siegel und Öko-Siegel bezeichnen dasselbe und werden oft synonym verwendet. Beide Arten von Siegeln kennzeichnen Produkte, die nach den Richtlinien der ökologischen Landwirtschaft hergestellt wurden. Die Begriffe sind in der EU-Öko-Verordnung verankert.

Ist Bio und Fair Trade das gleiche?

Nein, Bio und Fair Trade sind nicht das gleiche, obwohl beide Ansätze nachhaltige und ethische Produktionsweisen fördern. Bio bezieht sich auf die ökologische Landwirtschaft. Fair Trade hingegen konzentriert sich auf faire Handelsbedingungen, gerechte Löhne und soziale Standards für die Arbeiter:innen, insbesondere in Entwicklungsländern. Es gibt Produkte, die sowohl Bio- als auch Fair Trade-zertifiziert sind.

Veröffentlicht am - aktualisiert am 13.05.2024

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