Jeden Tag eine gute Entscheidung. Für eine bessere Welt. Für uns alle.
Umwelt

Bio als Beruf

Bio schmeckt nicht nur gut, Bio ernährt auch. Eine Auswahl an Jobmöglichkeiten aus der Öko-Szene – und nicht nur jenen, bei denen man im Grünen agiert. // Ursula Quass
31.05.2010
Bio schmeckt nicht nur gut, Bio ernährt auch. Eine Auswahl an Jobmöglichkeiten aus der Öko-Szene – und nicht nur jenen, bei denen man im Grünen agiert. // Ursula Quass

Bio schmeckt nicht nur gut, Bio ernährt auch. Eine Auswahl an Jobmöglichkeiten aus der Öko-Szene – und nicht nur jenen, bei denen man im Grünen agiert. // Ursula Quass

Rund 170 000 Menschen in Deutschland verdienen nach einer Schätzung des Presseforums Biobranche ihr Geld mit „Bio“ – als Erzeuger, Hersteller, Händler, Dienstleis-ter oder in den Verbänden. Den Löwenanteil im Bio-Bereich machen Berufe in Lebensmittel verarbeitenden und erzeugenden Bereichen aus. Chancen, sein Geld in der Bio-Branche zu verdienen, gibt es viele. Das fängt beim Bio-Landwirt an, der sich immer mehr zum ökologischen Dienstleister entwickelt. Er stellt einerseits hochwertige Nahrungsmittel her, ermöglicht aber auch Familien einen angenehmen Urlaub oder erzeugt regenerative Energie.

Der seit Jahren anhaltende Trend zu Bio bewahrt auch Traditionen. Bestes Beispiel dafür sind die Käser. Bis vor 20 Jahren beschränkte sich die handwerkliche Milchverarbeitung auf wenige Sennereien und Hartkäsereien. Inzwischen produzieren über 1 000 Hofkäsereien und -molkereien wieder Käse- und Milchspezialitäten nach guter Handwerkstradition. Eine spezielle Ausbildung für die Bio-Ausrichtung gibt es in den Handwerksbetrieben meist aber nicht. Dem will der Verein Biohandwerk abhelfen, der Bio-Bäcker, -brauer, -metzger, -käser oder -safter vernetzt.

Ein Jahr frei und ökologisch

Was soll ich bloß werden? Orientierung und Berufsvorbereitung ermöglicht ein Freiwilliges Ökologisches Jahr. Auch anerkannte Kriegsdienstverweigerer können es anstelle des Zivildienstes leisten. Ein solches Jahr ist ebenfalls eine gute Gelegenheit, um die Zeit zwischen Schule und Ausbildung sinnvoll zu nutzen. Ein Entgelt gibt es auch.

www.foej.de

Verkäuferinnen gesucht

Für den Verkauf der Bio-Waren werden in Naturkostmärkten Einzelhandelskaufleute ausgebildet. Eine große Rolle spielt hier die Warenkunde. Verkäufer müssen in der Lage sein, gezielte Fragen zu beantworten – denn der Bedarf der Kunden an kompetenter Beratung ist groß. Einmal ausgelernt, fit für den Job – diese Devise ist angesichts der Fülle ständig neuer Produkte schon lange überholt.

Auch Quereinsteiger und Langzeitarbeitslose bekommen über Qualifizierungskurse die Chance, in Bio zu machen. Dabei muss man nicht einmal immer vor Ort die Kursbank drücken: Qualifikationen wie etwa die zum Ernährungscoach lassen sich auch im Fernlehrgang erwerben.

Auch auf Fachhochschul- und Uni-niveau sind Nachhaltigkeit, ökologischer Anbau und naturverträgliches Wirtschaften längst wichtige Themen. Viele Hochschulen haben auf den Bedarf der Branche nach hoch spezialisierten Fachleuten reagiert und vermitteln in speziellen Öko-Studiengängen gezielt Branchenwissen. Wegweisend war dabei die Universität Kassel in Witzenhausen. Dort wurde 1981 der weltweit erste Lehrstuhl für „alternativen Landbau“ eingerichtet. Heute kann man dort zum Beispiel auch Regenerative Energien und Energieeffizienz studieren – in Englisch. Längst hat sich die Bio-Branche zum internationalen Bio-Business entwickelt. Im Folgenden stellen wir fünf Personen aus der Bio-Branche und ihre Berufe vor.

Breite Palette an Angeboten

Das größte Angebot an Lehrstellen gibt es bei Einzelhandelsberufen. Aber auch Berufe, bei denen man nicht sofort an Bio denkt, kann man in größeren Bio-Betrieben lernen. Die Ausbildung zur Fachkraft für Lagerlogistik ist so ein Beispiel.

Warum Menschen in der Bio-Branche arbeiten wollen

Warum Menschen in der Bio-Branche arbeiten wollen Die Antwort auf die Frage, warum man einen bestimmten Job macht, wird in konventionellen Unternehmen bisweilen mit einem Seufzer eingeleitet. Viele Bios tun sich leicht, die Frage zu beantworten.

Weil ich etwas ökologisch tue – und damit gesamtgesellschaftlich Sinnvolles. Und weil ich mich daher mit dem, was ich tue, identifizieren kann. So lässt sich zusammenfassen, wie Angestellte und Arbeiter in der Bio-Branche argumentieren. Die Sinnfrage stellt sich erst gar nicht.

Die Arbeit bewerten viele als interessant. Der Anbau und die Verarbeitung von Bio-Produkten erfordern viel Fachwissen und Know-how, genauso die Beratung von Kunden im Laden. Entsprechend gern gesehen und gefördert werden Mitarbeiter, die mitdenken und ein Interesse daran haben, sich fortzubilden.

Offenheit für Quereinsteiger ist ebenfalls ein wichtiger Grund. Die Motivation für Bio ist für viele Arbeitgeber mindestens so wichtig wie die Examensnote. Auch die Karriere vieler Bio-Chefs verlief nicht immer geradlinig.

Teamgeist und eine gute Arbeitsatmosphäre werden großgeschrieben. Zusätzliche Angebote reichen vom Bio-Mittagstisch bis zur betrieblichen Weiterbildung. Flexible Arbeitszeiten, Home-Office- und Teilzeitarbeitsmodelle ermöglichen es in vielen Bio-Firmen, Arbeit und Familie miteinander zu verbinden. Zahlreiche Bio-Unternehmer sind dafür bei Wettbewerben schon ausgezeichnet worden. Die Hierarchien sind oft flacher als anderswo.

Die soziale Verantwortung, die viele Bio-Unternehmer zeigen, macht sich aber auch an anderer Stelle bemerkbar: Die Bio-Branche gehört gerade in ländlichen Räumen zu den wenigen Wirtschaftszweigen, die dem Arbeitsmarkt positive Impulse geben können.

Jobs, Ausbildung, Bücher

Wenzel, Eike; Kirig, Anja; Rauch, Christian:

Kommentare

Das könnte Sie auch interessieren

Ähnliche Beiträge